
BARF beim Hund: Die Bausteine im Überblick, was üblich ist und was belegt

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- BARF steht laut Bundestierärztekammer für Biologisch-Artgerechte Rohfütterung, ganz korrekt für Bones And Raw Foods
- In BARF-Ratgebern und Shops ist ein Verhältnis von etwa 80 Prozent tierischen zu 20 Prozent pflanzlichen Bestandteilen üblich; diese Anteile stammen nicht aus Studien
- Fleisch enthält Calcium, Natrium und verschiedene Spurenelemente laut Bundestierärztekammer nicht in ausreichender Menge; in einer Münchner Auswertung waren 60 Prozent von 95 geprüften BARF-Rationen unausgewogen
- Ob eine Ration stimmt, zeigt eine Rationsberechnung; in einer Münchner Studie hingen Blutprofil und berechnete Versorgung allenfalls schwach zusammen, und das Autorenteam nennt die Rationsberechnung den Goldstandard
- Der Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA rät von Rohfütterung ab; gegen Parasiten empfiehlt ESCCAP mindestens eine Woche Tiefkühlen, gegen Bakterien hilft das nicht zuverlässig
BARF steht laut Bundestierärztekammer für Biologisch-Artgerechte Rohfütterung, ganz korrekt für Bones And Raw Foods. Eine BARF-Ration besteht aus rohem Muskelfleisch, Innereien und Knochen, dazu meist Gemüse, Obst, Öl und Zusätze. Der Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA rät davon ab, Hunde und Katzen roh zu füttern. Ob BARF für deinen Hund und deinen Haushalt in Frage kommt, steht unter Ist BARF gesund? Diese Seite ist für alle, die schon barfen oder es vorhaben: Was gehört in die Ration, was ist dazu üblich, und was ist belegt?
Die Bausteine im Überblick
In BARF-Ratgebern und Shops ist ein Verhältnis von etwa 80 Prozent tierischen zu 20 Prozent pflanzlichen Bestandteilen üblich. Jeder Baustein hat einen eigenen Artikel; die Tabelle zeigt, was jeweils üblich ist und was Studien und Fachquellen dazu sagen.
| Baustein | Was üblich ist | Was belegt ist |
|---|---|---|
| Muskelfleisch | im Handel von Rind und Geflügel über Wild und Pferd bis zu Exoten | Fleisch enthält Calcium, Natrium und verschiedene Spurenelemente nicht in ausreichender Menge. Rohes Schweinefleisch kann die Aujeszkysche Krankheit übertragen, die für Hunde immer tödlich ist (Bundestierärztekammer) |
| Innereien | etwa 15 Prozent des tierischen Anteils; ein Ratgeber rechnet davon 30 bis 40 Prozent Leber | Die Leber ist der Hauptspeicher für Vitamin A und kann nennenswert Kupfer enthalten. Für Welpen schlägt der US-Forschungsrat eine deutlich niedrigere Obergrenze für Vitamin A vor als für erwachsene Hunde außerhalb der Zucht (NRC 2006) |
| Knochen | ein fester Anteil roher fleischiger Knochen; ein BARF-Rechner stellt 15 Prozent des tierischen Anteils ein | Sie liefern das Calcium, das Fleisch fehlt (Dillitzer et al. 2011); zu viel Knochen führt leicht zu schweren Verstopfungen (Bundestierärztekammer). In einer australischen Klinikauswertung waren Knochen der häufigste Fremdkörper in der Speiseröhre von Hunden (Wyatt & Barron 2019) |
| Pansen | ein BARF-Ratgeber setzt höchstens ein Fünftel des Fleischanteils an und schreibt, er lasse sich durch Muskelfleisch ersetzen | Das Wolfsargument für grünen Pansen trägt nicht: Wölfe fressen den pflanzlichen Inhalt des Pansens in der Regel nicht (Bosch et al. 2015) |
| Fisch | einmal pro Woche statt Muskelfleisch, vor allem wegen des Vitamin D | Fetter Fisch ist eine der besten Quellen für die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA (MSD) und enthält nennenswert Vitamin D (BfR). Karpfen und Hering enthalten Thiaminase, die Vitamin B1 zerstört (NRC 2006) |
| Gemüse und Obst | etwa 20 Prozent der Ration; manche raten, sie zu pürieren | Ballaststoffe sind kein Pflichtnährstoff, wirken aber auf den Darm (NRC 2006). Zwiebel und Knoblauch sind für Hunde giftig, roh wie gekocht (MSD) |
| Öl | oft nur Fischöl; manche halten Pflanzenöle sogar für schädlich | Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure, muss ein Hund mit dem Futter aufnehmen, und reichlich steckt sie in Pflanzenölen (MSD). Das Verhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure, gibt der US-Forschungsrat für das ganze Futter an (NRC 2006) |
| Zusätze | Seealgenmehl für Jod, Lebertran für Vitamin D | In Studien mit deutschen BARF-Rationen lagen Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D häufig unter der Empfehlung (Dillitzer et al. 2011; von Lindeiner et al. 2026). Jod schwankt in Algen stark (BfR), zu viel Vitamin D kann zu Nierenversagen führen (FDA) |
Die Anteile in der mittleren Spalte stammen aus BARF-Ratgebern, Shops und Rechnern, nicht aus Studien. Was ein Hund braucht, hängt von ihm und von der übrigen Ration ab.
Was für alle Bausteine gilt
Die Ration muss berechnet werden. Weil Fleisch Calcium und einige Spurenelemente nicht deckt, kommt es auf das Zusammenspiel aller Bausteine an. In einer Münchner Auswertung von 95 BARF-Rationen erwachsener Hunde, deren Halter eine Prüfung angefragt hatten, waren 60 Prozent unausgewogen (Dillitzer et al. 2011). Ob eine Ration stimmt, zeigt eine Rationsberechnung. In einer Münchner Studie hingen die Werte eines Blutprofils für gebarfte Hunde und die berechnete Versorgung allenfalls schwach zusammen. Für die meisten Werte eigne sich ein solches Blutprofil deshalb nicht zur Kontrolle, die computergestützte Rationsberechnung bleibe der Goldstandard, schreibt das Autorenteam (Hajek et al. 2022). Die Bundestierärztekammer rät allen, die ihr Tier roh füttern wollen, sich tierärztlich beraten zu lassen. Mehr dazu unter BARF-Ration berechnen lassen.
Hygiene in der Küche. Rohes Fleisch kann Keime tragen, die Hunde und Menschen krank machen. Die Regeln für Auftauen, Lagerung und Reinigung und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?
Parasiten. Gegen Parasiten aus rohem Fleisch, rohen Innereien und rohem Fisch empfiehlt die Fachgesellschaft ESCCAP, das Futter vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen. Gegen Bakterien hilft Tiefkühlen nicht zuverlässig, weder Einfrieren noch Gefriertrocknen tötet alle Erreger ab (MSD). Was beim Wildschwein anders ist, steht unter Muskelfleisch beim BARF.
Welpen. Für das Wachstum gelten eigene Bedarfswerte (NRC 2006), und bei Vitamin A eine niedrigere Obergrenze. Was das für BARF heißt, steht unter BARF für Welpen und Welpen füttern.
Anfangen
- Umstellen: Wie BARF-Ratgeber umstellen und was dabei belegt ist, steht unter Auf BARF umstellen.
- Menge: Warum die Prozentregel nur eine Näherung ist, steht unter Wie viel BARF braucht mein Hund?
- Fertig-BARF: Ob eine Packung allein reichen soll, steht in der Futtermittelart auf dem Etikett, mehr unter Fertig-BARF richtig lesen.
- Mischen: BARF zusammen mit Fertigfutter, siehe BARF mit Fertigfutter mischen.
Häufige Fragen
Was ist BARF?
Eine Fütterung mit rohem Muskelfleisch, Innereien und Knochen, meist ergänzt um Gemüse, Obst, Öl und Zusätze. Die Abkürzung steht laut Bundestierärztekammer für Biologisch-Artgerechte Rohfütterung, ganz korrekt für Bones And Raw Foods.
Was braucht eine BARF-Ration?
Muskelfleisch, Innereien und eine Calciumquelle wie Knochen, dazu je nach Ration Fisch, Öl, Gemüse und Zusätze. Welche Zusätze in welcher Menge, zeigt eine Rationsberechnung.
Wie viel Prozent Fleisch gehören in eine BARF-Ration?
In BARF-Ratgebern und Shops sind etwa 80 Prozent tierische Bestandteile üblich. Aus Studien stammt diese Aufteilung nicht; entscheidend ist, ob die Ration nach der Berechnung alle Nährstoffe liefert.
Ist BARF für jeden Hund geeignet?
Die WSAVA rät davon ab, Hunde und Katzen roh zu füttern. Für welche Hunde und Haushalte Rohfütterung besonders heikel ist, steht unter Ist BARF gesund?
Fazit
- BARF besteht aus Muskelfleisch, Innereien, Knochen und meist Gemüse, Obst, Öl und Zusätzen.
- Die üblichen Anteile stammen aus BARF-Ratgebern und Shops, nicht aus Studien.
- Fleisch allein deckt Calcium und einige Spurenelemente nicht; ob die Ration stimmt, zeigt eine Rationsberechnung.
- Gegen Parasiten empfiehlt ESCCAP Tiefkühlen, gegen Bakterien hilft es nicht zuverlässig.
- Welpen haben eigene Bedarfswerte; für sie gilt der Welpen-Artikel.
Quellen
- BARFen – aber richtig! (Presseinformation Nr. 22/2016) · Bundestierärztekammer
- WSAVA Global Nutrition Committee Statement on Risks of Raw Meat-Based Diets · World Small Animal Veterinary Association
- Nutrient Requirements of Dogs and Cats · National Research Council (National Academies Press)
- Nutritional Requirements of Small Animals · MSD Veterinary Manual
- Complications following removal of oesophageal foreign bodies: a retrospective review of 349 cases · Australian Veterinary Journal (PubMed)
- Dietary nutrient profiles of wild wolves: insights for optimal dog nutrition? · British Journal of Nutrition
- Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D · Bundesinstitut für Risikobewertung
- Garlic and Onion (Allium spp) Toxicosis in Animals · MSD Veterinary Manual
- Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs · British Journal of Nutrition
- Lower prevalence of obesity and nutritional imbalances in dogs fed a raw meat-based diet (RMBD) compared to a commercial complete diet · BMC Veterinary Research (PMC)
- Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen · Bundesinstitut für Risikobewertung
- Vitamin D Toxicity in Dogs · U.S. Food and Drug Administration
- Computer-aided ration calculation (Diet Check Munich©) versus blood profile in raw fed privately owned dogs · Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition (PubMed)
- Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 (08/2025) · ESCCAP Deutschland
- Dog and Cat Foods · MSD Veterinary Manual
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