
BARF für Welpen und Junghunde: Warum Fehler im Wachstum schwerer wiegen

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Welpen ist eine unausgewogene Ration laut WSAVA besonders schädlich; sie können schmerzhafte Skeletterkrankungen und Knochenbrüche bekommen
- In einer Wiener Diplomarbeit war von 36 BARF-Rationen wachsender Hunde, die Halter bei zwei tierärztlichen Ernährungspraxen prüfen ließen, keine ausgewogen; Calcium lag in 30 unter der Empfehlung
- Frisch abgesetzte Welpen brauchen laut NRC pro Kilo Körpergewicht etwa doppelt so viel Energie wie erwachsene Hunde derselben Rasse, mit dem Wachstum dann immer weniger; Überfüttern beschleunigt das Wachstum, und das ist laut MSD nicht erwünscht
- Kleine und mittlere Rassen sind laut MSD mit 8 bis 12 Monaten ausgewachsen, große und Riesenrassen erst mit 10 bis 16 Monaten
- Laut MSD sollte ein Welpe bis zur Skelettreife ein vollständiges Futter für das Wachstum bekommen; wer trotzdem barft, sollte die Ration vorher tierärztlich prüfen lassen und regelmäßig anpassen
Auch Welpen werden gebarft, und unter Rohfütterern sehen viele darin keine Ausnahme: In einer italienischen Online-Umfrage unter 218 Rohfütterern nannten nur 4 Prozent Welpen als einen Fall, in dem sie auf Rohfutter verzichten würden (Morelli et al. 2019). Dabei wiegen Fehler im Wachstum schwerer. Für Welpen ist eine unausgewogene Ration laut dem Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA besonders schädlich, sie können schmerzhafte Skeletterkrankungen und Knochenbrüche bekommen.
Was BARF-Ratgeber für Welpen empfehlen
Ein BARF-Shop empfiehlt für Welpen eine Mischung aus Muskelfleisch, Innereien, Pansen und rohen fleischigen Knochen und eine Tagesmenge von etwa 4 bis 10 Prozent des Körpergewichts. Ein BARF-Ratgeber schreibt, Welpen bräuchten ab der zehnten Lebenswoche etwa dreimal so viel Futter wie ein erwachsener Hund gleicher Größe; die verbreitete Faustregel von 4 bis 6 Prozent des Körpergewichts sei nur ein grober Startpunkt. Derselbe Ratgeber hält es nicht für nötig, das Futter des Züchters weiterzufüttern, man könne direkt mit BARF beginnen, mit einer für dieses Alter genau zusammengestellten Ration.
Was die Standards sagen
- Energie: Frisch abgesetzte Welpen brauchen pro Kilo Körpergewicht etwa doppelt so viel Energie wie erwachsene Hunde derselben Rasse (NRC 2006). Wie viel genau, hängt davon ab, wie weit ein Welpe schon gewachsen ist; der europäische Industrieverband FEDIAF rechnet dafür mit dem erwarteten Endgewicht, gültig vom Absetzen mit acht Wochen bis zum ersten Geburtstag, und empfiehlt, Welpen regelmäßig zu wiegen.
- Nicht zu viel: Überfüttern beschleunigt das Wachstum, und das ist laut MSD Veterinary Manual nicht erwünscht. Welpen sollten laut FEDIAF nie zur freien Verfügung gefüttert werden.
- Calcium: Pro Kalorie braucht ein junger Welpe etwa doppelt so viel Calcium wie ein erwachsener Hund, und bei großen Rassen schadet zu viel ebenso wie zu wenig. Die Zahlen und Studien dazu stehen unter Welpen füttern.
Eine Prozentregel vom Körpergewicht kann das nicht abbilden: Sie sagt nichts darüber, wie viel Energie und Calcium in einem Gramm Futter stecken.
Was in BARF-Rationen für Welpen gefunden wurde
In einer Diplomarbeit an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurden 36 BARF-Rationen wachsender Hunde ausgewertet, die zwischen 2013 und 2019 bei zwei tierärztlichen Ernährungspraxen in Österreich und Deutschland eingereicht worden waren. Keine war ausgewogen. Calcium lag in 30 der 36 Rationen unter der Empfehlung, in 28 sogar unter dem Mindestbedarf. Auch die meisten Spurenelemente und meist das Vitamin D lagen unter der Empfehlung, zwei Rationen enthielten gar kein Vitamin D3. Bei mehr als der Hälfte der Hunde verlief das Wachstum nicht wie gewünscht (Siess 2020). Die Arbeit ist nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet, und die Rationen stammen von Haltern, die eine Beratung suchten.
Ähnlich ein Münchner Fallbericht: Eine Züchterin ließ die BARF-Pläne prüfen, die sie für einen Wurf Berner Sennenhunde zusammengestellt hatte. Die sechs Wochen alten Welpen waren schon bei der Anfrage zu leicht, die Hündin gab kaum noch Milch. Die Pläne lieferten in allen Phasen zu wenig Energie, und Calcium und Phosphor waren in fast allen Plänen völlig unpassend (Mack & Kienzle 2016).
Wohin das führen kann, zeigen Fallberichte:
- Vier Welpen großer Rassen, die nur rohes Fleisch ohne Knochen und ohne Zusätze bekamen, erkrankten an einer Störung des Knochenstoffwechsels; zwei wurden eingeschläfert (Nowak et al. 2024).
- Ein vier Monate alter Bobtail mit einer selbst zusammengestellten Rohfleischration lahmte seit einem Monat; seiner Ration fehlten Calcium, Phosphor und Vitamin D, im Blut waren Calcium und Vitamin D zu niedrig, und seine Knochen waren deutlich zu wenig mineralisiert. Mit eingeschränkter Bewegung und einem Futter für das Wachstum großer Rassen besserte sich das innerhalb von vier Monaten (Dodd et al. 2021).
- Ein acht Monate alter Sheltie, also eine kleine Rasse, erkrankte mit einer Ration aus einer Vormischung und rohem Rinderhack an einer Knochenstoffwechselstörung (Taylor et al. 2009).
Wann ist ein Welpe ausgewachsen?
Kleine und mittlere Rassen sind laut MSD mit 8 bis 12 Monaten ausgewachsen, große und Riesenrassen erst mit 10 bis 16 Monaten. Bis zur Skelettreife sollte ein Welpe ein vollständiges Futter für das Wachstum bekommen. Ein Junghund großer Rasse ist mit einem Jahr also oft noch im Wachstum; was du dabei für die Gelenke beeinflussen kannst, steht unter Hüftdysplasie beim Welpen vorbeugen.
Was die Alternativen sind
Die Alternative ist ein vollständiges Futter für das Wachstum; Welpen großer und Riesenrassen sollen laut MSD eines bekommen, das für große Rassen ausgelegt ist. Wer trotzdem barft, lässt die Ration vor dem Start von spezialisierten Tierärztinnen oder Tierärzten prüfen und mit dem Welpen mitwachsen. Die Wiener Diplomarbeit hält eine solche Prüfung für „unbedingt ratsam“, der Münchner Fallbericht für äußerst wichtig, um bleibende Schäden im Wachstum zu vermeiden (Mack & Kienzle 2016).
Zu einem Alleinfutter für Welpen gehört kein zusätzliches Calcium, auch nicht in Form von Knochen: Calcium, Phosphor oder Vitamin D über ein vollständiges Wachstumsfutter hinaus sind laut MSD selten nötig und können schaden. Wer BARF und Welpenfutter mischen will, findet die Folgen unter BARF mit Fertigfutter mischen.
Keime
Sehr junge Tiere zählt der US-Verband der Tierkliniken AAHA zu denen, die durch Keime im Rohfutter besonders gefährdet sind. In einem Fallbericht erkrankten zwei Hunde unter einem Jahr an einer Bauchfellentzündung durch Salmonellen. Der eine bekam ein Fertigfutter mit rohen Zutaten, der andere sonst Trockenfutter, hatte aber einen Wildvogel gefressen; als Quelle vermutet der Bericht jeweils die rohe Nahrung (Binagia & Levy 2020). Die Hygieneregeln und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?
Häufige Fragen
Darf ich einen Welpen barfen?
Möglich ist es nur mit einer Ration, die für das Wachstum berechnet ist und regelmäßig angepasst wird. Die Wiener Diplomarbeit hält es für „unbedingt ratsam“, die Ration vor dem Start von spezialisierten Tierärztinnen oder Tierärzten prüfen zu lassen (Siess 2020).
Wie viel BARF braucht ein Welpe?
Pro Kilo Körpergewicht etwa doppelt so viel Energie wie ein erwachsener Hund derselben Rasse, abhängig davon, wie weit er schon gewachsen ist (NRC 2006). Prozentregeln vom Körpergewicht bilden das nicht ab. Regelmäßiges Wiegen zeigt, ob er im richtigen Tempo wächst; das empfiehlt auch FEDIAF.
Brauchen Welpen beim BARF mehr Knochen?
Ein Welpe braucht pro Kalorie mehr Calcium als ein erwachsener Hund, bei großen Rassen schadet zu viel aber ebenso wie zu wenig. Wie viel Knochen passt, zeigt nur eine Rationsberechnung, mehr dazu unter Welpen füttern.
Kann ich den Welpen direkt vom Züchterfutter auf BARF umstellen?
Ein BARF-Ratgeber hält das für möglich, mit einer für dieses Alter genau zusammengestellten Ration. Für Welpen ist eine unausgewogene Ration besonders schädlich (WSAVA). Eine Umstellung, in der Knochen und Zusätze erst nach und nach dazukommen, wie ein BARF-Shop sie für empfindliche Welpen vorschlägt, ist anfangs unausgewogen; mehr dazu unter Auf BARF umstellen.
Bis wann gilt mein Hund als Welpe?
Kleine und mittlere Rassen sind laut MSD mit 8 bis 12 Monaten ausgewachsen, große und Riesenrassen mit 10 bis 16 Monaten (MSD).
Fazit
- Für Welpen ist eine unausgewogene Ration besonders schädlich.
- In 36 BARF-Rationen wachsender Hunde, deren Halter eine Beratung suchten, war keine ausgewogen; Calcium lag meist unter der Empfehlung.
- Prozentregeln vom Körpergewicht bilden Energie- und Calciumbedarf im Wachstum nicht ab.
- Große und Riesenrassen wachsen oft bis zum Alter von 10 bis 16 Monaten.
- Die Alternative ist ein vollständiges Futter für das Wachstum; wer barft, lässt die Ration tierärztlich prüfen und regelmäßig anpassen.
Quellen
- Raw Meat-Based Diets for Pets (WSAVA Global Nutrition Toolkit) · World Small Animal Veterinary Association
- Häufige Fehler bei selbst zubereiteten BARF-Rationen in der Fütterung heranwachsender Hunde · Veterinärmedizinische Universität Wien (Diplomarbeit)
- Nutrient Requirements of Dogs and Cats · National Research Council (National Academies Press)
- Feeding Practices in Small Animals · MSD Veterinary Manual
- Inadequate nutrient supply in "BARF" feeding plans for a litter of Bernese Mountain Dog-puppies. A case report · Tierärztliche Praxis Ausgabe K (PubMed)
- FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 · FEDIAF
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