
Auf BARF umstellen: Langsam oder direkt, mit Fastentag, und was über die ersten Tage bekannt ist

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- BARF-Ratgeber empfehlen teils den Wechsel von heute auf morgen, teils einen Fastentag, teils zwei bis vier Wochen
- In drei Studien wechselten Hunde direkt oder über sieben bis zehn Tage auf Rohfutter; den Kot bewerteten sie erst nach Wochen, und dann wurde er nicht weicher bewertet als mit Trockenfutter
- Nach einem abrupten Futterwechsel kann der Kot schnell weicher werden; eine „Entgiftung“ ist das nicht
- In einer Münchner Umfrage unter Haltern, die BARF aufgegeben hatten, nannten 37 Prozent Magen-Darm-Probleme als Grund
- Für Welpen ist eine unausgewogene Ration laut WSAVA besonders schädlich; eine Umstellung, in der Knochen und Zusätze erst nach und nach dazukommen, ist anfangs unausgewogen
Wer von Fertigfutter auf BARF wechseln will, findet in BARF-Ratgebern widersprüchliche Ratschläge: von heute auf morgen, mit einem Fastentag vorweg oder über zwei bis vier Wochen. In drei Studien, in denen Hunde von Trocken- auf Rohfutter wechselten, stellten die Forschenden direkt oder über sieben bis zehn Tage um. Welcher Weg besser ist, haben sie nicht verglichen. Klarer ist anderes: Nach einem abrupten Futterwechsel kann der Kot schnell weicher werden, und eine Ration, zu der Knochen und Zusätze erst nach und nach kommen, ist anfangs nicht vollständig.
Was BARF-Ratgeber empfehlen
Die Ratgeber sind sich nicht einig. Die BARF-Broschüre eines Online-Tierbedarfshändlers hält es für möglich, einen gesunden Hund von heute auf morgen umzustellen. Ein BARF-Magazin rechnet mit zwei bis vier Wochen, ein BARF-Shop mit sieben bis zehn Tagen für die meisten Hunde.
Verbreitet ist ein Fastentag vorweg, damit sich der Darm vom alten Futter entleere. Der genannte Shop rät außerdem, mit einer einzigen Fleischsorte zu beginnen und Knochen als letzten Baustein dazuzunehmen, und räumt ein, dass bei dieser langsamen Umstellung anfangs keine ausgewogene Fütterung möglich sei.
Was Studien zeigen
- In einer italienischen Studie bekamen acht Boxer ohne Übergang eine Ration aus rohem Rindfleisch und einer Ergänzung mit pflanzlichen Zutaten, Vitaminen und Mineralstoffen. Ihr Kot wurde danach fester bewertet als unter dem Trockenfutter; Proben nahmen die Forschenden nach 14 und 28 Tagen. Die Ergänzung stellte eine Ausgründung der Universität Udine her, die das Projekt auch unterstützte (Sandri et al. 2017).
- In einer US-Studie mit acht Beagles stellten die Forschenden über zehn Tage um, ausdrücklich um Magen-Darm-Beschwerden zu vermeiden. Mit Rohfutter war der Kot feuchter, die Kotbewertung änderte sich aber nicht. Den Kot sammelten sie erst ab der vierten Woche, finanziert hat die Studie ein Frischfutterhersteller, von dem auch das getestete Rohfutter stammte (Algya et al. 2018).
- In einer weiteren US-Studie mit zehn Beagles, umgestellt über sieben Tage, hatten Hunde mit tiefgekühltem Rohfutter und einem der beiden gefriergetrockneten Rohfutter festeren Kot als mit Trockenfutter, im Durchschnitt alle im Normalbereich; mit diesem gefriergetrockneten Futter schwankte der Kot aber stärker. Den Kot sammelten sie in der fünften Woche, finanziert hat ein Rohfutterhersteller (Geary et al. 2024).
Keine dieser Studien hat den Kot der ersten Tage nach der Umstellung bewertet. Was dann passiert, ist nur für andere Futterwechsel gemessen: Nach einem abrupten Wechsel von Trockenfutter auf ein eiweißreiches Dosenfutter wurde der Kot von Beagles schnell weicher, und die Darmflora stellte sich innerhalb weniger Tage neu ein (Lin et al. 2022; mitfinanziert von einem Frischfutterhersteller). Für rohes Fleisch ist dasselbe Muster plausibel, gemessen ist es in den drei Rohfutter-Studien nicht.
Die Ratgeber begründen den Fastentag damit, dass sich der Darm vom alten Futter entleeren solle. Die beiden Studien mit schrittweiser Umstellung machten das Gegenteil: Sie mischten altes und neues Futter über mehrere Tage, die eine ausdrücklich als Schutz gegen Magen-Darm-Beschwerden.
Weicher Kot, Juckreiz, „Entgiftung“
Ein BARF-Shop schreibt, Durchfall, Verstopfung, Schleim im Kot, Erbrechen oder Juckreiz in der Umstellungsphase seien zunächst kein Grund zur Sorge; erst wenn sie länger anhielten, solle man eine Tierarztpraxis aufsuchen. Der Begriff „Entgiftung“ taucht in der BARF-Literatur auf, etwa als Kapitel „Entgiftung?“ in einem BARF-Buch. Ein anderer BARF-Ratgeber widerspricht ausdrücklich: Juckreiz und Hautprobleme nicht als normale Entgiftung abtun, sondern tierärztlich abklären lassen, wenn sie neu auftreten oder stärker werden.
Fachquellen erklären die Beschwerden anders. Ein Futterwechsel allein kann den Kot weicher machen (siehe oben). Fettreiche, faserarme Rationen, roh wie gekocht, vertragen laut dem Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA viele Tiere gut, andere bekommen Durchfall oder sogar eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Und Juckreiz kann von einer Futtermittelallergie kommen; Rind und Huhn gehören beim Hund zu den häufigsten Auslösern. Mehr dazu unter Muskelfleisch beim BARF.
Was Halter selbst berichten, zeigen zwei Umfragen. In einer italienischen Online-Umfrage unter 218 Rohfütterern berichteten 45 Prozent vor allem von Durchfall, Verstopfung und Erbrechen (Morelli et al. 2019). In einer Münchner Online-Umfrage unter 802 Haltern, die BARF aufgegeben hatten, nannten 37 Prozent Magen-Darm-Probleme als Grund; die Umfrage ist Teil einer nicht begutachteten Doktorarbeit (Baum 2025).
Wann Durchfall in die Tierarztpraxis gehört, gleich ob gerade umgestellt wird oder nicht, steht unter Durchfall beim Hund.
Zurück auf Fertigfutter
In der US-Studie mit acht Beagles bekam jeder Hund nacheinander alle vier Futter, und jeder Wechsel lief mit derselben schrittweisen Mischung über zehn Tage, also auch der Wechsel vom Rohfutter auf eines der drei anderen Fertigfutter (Algya et al. 2018). Warum sie BARF aufgaben, beantworteten die Halter in der Münchner Umfrage am häufigsten mit Unverträglichkeiten des Futters (24 Prozent), gefolgt von einer Erkrankung des Hundes (20 Prozent) und mangelnder Akzeptanz des Futters (15 Prozent). Bei einer Erkrankung, etwa der Nieren, ist der Wechsel auf eine Diät Sache der Tierarztpraxis.
Welpen und ältere Hunde
Für Welpen ist eine unausgewogene Ration laut WSAVA besonders schädlich; sie können schmerzhafte Skeletterkrankungen und Knochenbrüche bekommen. Eine Umstellung, in der Knochen und Zusätze erst nach und nach dazukommen, ist für einen erwachsenen Hund eine Lücke von Tagen bis Wochen, für einen Welpen fällt sie ins Wachstum. Ein BARF-Ratgeber rät, Welpen direkt vom Züchterfutter auf BARF umzustellen, mit einer für dieses Alter genau zusammengestellten Ration. Was für wachsende Hunde gilt, steht unter Welpen füttern.
Einen älteren Hund auf BARF umzustellen, hält ein BARF-Ratgeber für möglich, bei sehr alten oder kranken Hunden sei gekochtes Futter aber oft die bessere Wahl. Knochen können laut WSAVA Zähne abbrechen lassen, Speiseröhre oder Darm verlegen und verstopfen. Sehr alte Tiere zählt der US-Verband der Tierkliniken AAHA außerdem zu denen, die durch Keime im Rohfutter besonders gefährdet sind; die Hygieneregeln und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?
Was eine vollständige Ration nach der Umstellung braucht, steht unter BARF-Zusätze.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Umstellung auf BARF?
BARF-Ratgeber nennen alles von einem Tag bis zu vier Wochen. In drei Studien stellten die Forschenden direkt oder über sieben bis zehn Tage um (Sandri et al. 2017, Algya et al. 2018, Geary et al. 2024); welcher Weg besser ist, haben diese Studien nicht verglichen.
Brauche ich vor der Umstellung einen Fastentag?
Ratgeber begründen den Fastentag damit, dass sich der Darm vom alten Futter entleeren solle. In Studien mit schrittweiser Umstellung wurde stattdessen altes und neues Futter über mehrere Tage gemischt, als Schutz vor Magen-Darm-Beschwerden (Algya et al. 2018).
Ist Durchfall bei der BARF-Umstellung normal?
Nach einem abrupten Wechsel von Trocken- auf Dosenfutter wurde der Kot in einer Studie schnell weicher (Lin et al. 2022). Für den Wechsel auf Rohfutter hat keine der hier beschriebenen Studien den Kot der ersten Tage bewertet. Wann Durchfall in die Tierarztpraxis gehört, steht unter Durchfall beim Hund.
Gibt es eine Entgiftung beim Umstellen auf BARF?
Ein BARF-Buch hat ein Kapitel „Entgiftung?“, ein BARF-Ratgeber warnt ausdrücklich davor, Juckreiz und Hautprobleme als Entgiftung abzutun. Fachquellen erklären Beschwerden mit dem Futterwechsel selbst, mit fettreichen Rationen (WSAVA) oder mit einer Futtermittelallergie.
Kann ich einen Welpen direkt auf BARF umstellen?
Ein BARF-Ratgeber rät dazu, mit einer genau zusammengestellten Ration. Für Welpen ist eine unausgewogene Ration laut WSAVA besonders schädlich, und eine Umstellung, in der Knochen und Zusätze erst nach und nach dazukommen, ist anfangs unausgewogen. Ein Welpe braucht eine Ration, die für das Wachstum berechnet ist.
Fazit
- Langsam oder direkt: Ratgeber widersprechen sich, und die hier beschriebenen Studien haben es nicht verglichen.
- Statt eines Fastentags mischten Studien mit schrittweiser Umstellung altes und neues Futter über einige Tage.
- Nach einem abrupten Futterwechsel kann der Kot schnell weicher werden, eine „Entgiftung“ ist das nicht.
- Anhaltender oder wässriger Durchfall gehört in die Tierarztpraxis, auch während der Umstellung.
- Bei Welpen ist die unvollständige Umstellungsration ein eigenes Risiko.
Quellen
- Raw meat based diet influences faecal microbiome and end products of fermentation in healthy dogs · BMC Veterinary Research (PubMed)
- Apparent total-tract macronutrient digestibility, serum chemistry, urinalysis, and fecal characteristics, metabolites and microbiota of adult dogs fed extruded, mildly cooked, and raw diets · Journal of Animal Science (PubMed)
- Longitudinal fecal microbiome and metabolite data demonstrate rapid shifts and subsequent stabilization after an abrupt dietary change in healthy adult dogs · Animal Microbiome (PubMed)
- Ausstieg aus dem BARFen - Ursachen für Abbrüche der „Bone and raw foods“ Fütterung · Ludwig-Maximilians-Universität München (Dissertation)
- Raw Meat-Based Diets for Pets (WSAVA Global Nutrition Toolkit) · World Small Animal Veterinary Association
- Raw meat-based diets for dogs: survey of owners’ motivations, attitudes and practices · BMC Veterinary Research (PMC)
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