Welpen füttern: Warum Calcium hier anders rechnet
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Welpen füttern: Warum Calcium hier anders rechnet

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
14. Oktober 20266 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Ein Welpe braucht im Verhältnis zur Energie deutlich mehr Calcium als ein erwachsener Hund, und bei großen Rassen schadet zu viel ebenso wie zu wenig. Ein Alleinfutter für Welpen deckt das ab, bei großen Rassen eines, das für ihr Wachstum ausgelegt ist. Dazugeben solltest du nichts. Selbst gemischt geht nur mit einer Ration, die für das Wachstum berechnet ist. Dazu: wie oft am Tag und wann aufs Erwachsenenfutter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pro 1.000 Kilokalorien sieht der Standard des Industrieverbands FEDIAF für junge Welpen mindestens 2,50 Gramm Calcium vor, für erwachsene Hunde mindestens 1,25 bis 1,45 Gramm
  • Bei großen Rassen schadet zu viel Calcium dem Skelett ebenso wie zu wenig
  • Ein Alleinfutter für Welpen braucht keinen Calciumzusatz, er kann sogar schaden
  • Selbst gemischt oder gebarft nur mit einer Ration, die für das Wachstum berechnet ist
  • Bis zum 6. Monat dreimal täglich füttern, danach zweimal, und nie zur freien Verfügung

Ein Welpe braucht im Verhältnis zur Energie, die er frisst, deutlich mehr Calcium als ein erwachsener Hund. Bei großen Rassen schadet zu viel davon dem Skelett ebenso wie zu wenig. Ein Alleinfutter für Welpen deckt den Bedarf, bei großen Rassen eines, das für ihr Wachstum ausgelegt ist. Dazugeben solltest du nichts. Selbst gemischt oder gebarft geht es nur mit einer Ration, die eine Tierärztin oder ein Tierarzt mit Schwerpunkt Ernährung für das Wachstum berechnet hat.

Warum Calcium beim Welpen anders rechnet

In BARF-Ratgebern liest man, Welpen seien einfach junge Hunde, die nach dem Absetzen nicht anders ernährt würden als erwachsene. Der Standard des europäischen Industrieverbands FEDIAF sieht das anders: Pro 1.000 Kilokalorien soll Futter für Welpen unter 14 Wochen mindestens 2,50 Gramm Calcium enthalten, Futter für erwachsene Hunde 1,25 bis 1,45 Gramm. Für Welpen, die später über 15 Kilo wiegen, gilt der hohe Wert bis etwa zum sechsten Monat.

Eine Ration, die beim erwachsenen Hund stimmt, stimmt beim Welpen also nicht automatisch. Und sein Skelett folgt dem, was im Napf ist: Bei 32 Doggenwelpen hing der Mineralgehalt der Knochen vom Calcium und Phosphor im Futter ab. Die Unterschiede zwischen den Futtergruppen wuchsen bis zum sechsten Monat (Lauten et al. 2002).

Zu viel Calcium schadet

Junge Doggen, die viel Calcium ohne entsprechend mehr Phosphor bekamen, entwickelten schwere Störungen von Skelett, Wachstum und Mineralisierung, typisch für eine Rachitis. Als das Calcium wieder normal war, heilte die Rachitis ab, dafür zeigten sich Schäden am Gelenkknorpel. Die Doggen, die Calcium und Phosphor zusammen erhöht bekamen, wuchsen langsamer und hatten ähnliche Knorpelschäden, die zehn Wochen nach der Umstellung erst zum Teil abgeheilt waren (Schoenmakers et al. 2000). Auch bei Beagles bremste ein Calciumüberschuss das Knochenwachstum messbar, wenn auch ohne klinische Folgen, bei größeren Mischlingen nicht (Dobenecker et al. 2006).

Daraus folgt eine einfache Regel: Zu einem Alleinfutter für Welpen gehört kein Calciumzusatz. Calcium, Phosphor oder Vitamin D über ein vollständiges Wachstumsfutter hinaus zu geben, ist laut MSD Veterinary Manual selten nötig und kann schaden.

Zu wenig Calcium schadet auch

Die Gegenrichtung betrifft vor allem selbst gemischte Rationen. Vier Welpen großer Rassen, die nur rohes Fleisch ohne Knochen und ohne Zusätze bekamen, erkrankten an einer Störung des Knochenstoffwechsels mit plötzlichen Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Zwei hatten Knochenbrüche und wurden eingeschläfert. Wegen ihres hohen Calciumbedarfs sind Welpen großer Rassen für diese Störung besonders anfällig, schreiben die Autorinnen und Autoren (Nowak et al. 2024).

Auch eine Ration mit gekochten Zutaten ist nicht automatisch sicherer. Fünf Schäferhundwelpen, die zu 80 Prozent gedämpften Reis und zu 20 Prozent rohes Fleisch bekamen, erkrankten ebenso, hier an zu viel Phosphor bei an sich ausreichendem Calcium (Kawaguchi et al. 1993). Und als eine Züchterin ihre BARF-Pläne für einen Wurf Berner Sennenhunde prüfen ließ, waren Calcium und Phosphor in fast allen Plänen völlig unpassend bemessen (Mack & Kienzle 2016).

Für einen wachsenden Hund kochst oder barfst du deshalb nur mit einer Ration, die ausdrücklich für das Wachstum berechnet ist und mit dem Welpen mitwächst.

Was in den Napf gehört

  • Ein Alleinfuttermittel für Welpen. Kleine und mittelgroße Rassen können laut MSD auch ein Futter für alle Lebensphasen bekommen, Welpen großer Rassen eines, das ausdrücklich für ihr Wachstum ausgelegt ist. Mehr dazu unter Welpengelenke schonen.
  • Abgemessene Portionen statt eines vollen Napfs. Welpen sollten nie zur freien Verfügung gefüttert werden, so steht es im FEDIAF-Standard. Große Welpen, die nur 50 bis 70 Prozent dessen bekamen, was ihre Wurfgeschwister frei fraßen, wurden laut MSD nicht kleiner, nur weniger fett.
  • Nichts dazu. Kein Calcium und keine Mineralmischung zum Alleinfutter.

Ein Alleinfutter ist auch der Normalfall: In einer Schweizer Befragung von 67 Züchtern und 131 neuen Welpenbesitzern fütterten fast alle Züchter ein handelsübliches Alleinfutter, und die Calciumversorgung lag bei allen acht untersuchten Rassen im vertretbaren Bereich (Liesegang et al. 2009).

Wie oft am Tag

Zwischen Absetzen und sechstem Monat dreimal täglich, vom sechsten bis zum zwölften Monat zweimal, empfiehlt das MSD Veterinary Manual. Welpen kleiner Rassen brauchen manchmal mehr als drei Mahlzeiten. Wie viel insgesamt in den Napf kommt, richtet sich nach dem Gewicht, das dein Welpe erreichen soll, siehe Wie viel Futter braucht mein Hund?

Wann aufs Erwachsenenfutter

Hat dein Hund etwa 90 Prozent seines erwarteten Endgewichts erreicht, ist laut MSD ein weniger nährstoffdichtes Futter als das Welpenfutter sinnvoll. Kleine und mittelgroße Rassen können mit 8 bis 12 Monaten ausgewachsen sein, große und sehr große Rassen unter Umständen erst mit 10 bis 16 Monaten.

Häufige Fragen

Wie oft füttere ich meinen Welpen?

Bis zum sechsten Monat dreimal täglich, danach bis zum ersten Geburtstag zweimal. Welpen kleiner Rassen brauchen manchmal mehr als drei Mahlzeiten.

Braucht mein Welpe zusätzlich Calcium?

Nein, nicht zu einem Alleinfutter für Welpen. Calcium, Phosphor oder Vitamin D zusätzlich zu geben, ist laut MSD Veterinary Manual selten nötig und kann schaden. In einer Studie an Doggenwelpen führte zu viel Calcium zu schweren Störungen des Skelettwachstums (Schoenmakers et al. 2000).

Darf ich meinen Welpen barfen?

Nur mit einer Ration, die für das Wachstum berechnet ist und regelmäßig angepasst wird. Vier Welpen großer Rassen, die nur rohes Fleisch ohne Knochen und Zusätze bekamen, erkrankten an einer Störung des Knochenstoffwechsels. Zwei hatten Knochenbrüche und wurden eingeschläfert (Nowak et al. 2024).

Bis wann bekommt mein Hund Welpenfutter?

Bis er etwa 90 Prozent seines erwarteten Endgewichts erreicht hat. Bei kleinen und mittelgroßen Rassen kann das Wachstum mit 8 bis 12 Monaten abgeschlossen sein, bei großen Rassen unter Umständen erst mit 10 bis 16 Monaten.

Darf mein Welpe so viel fressen, wie er will?

Nein. Der Standard des Industrieverbands FEDIAF sagt ausdrücklich, dass Welpen nie zur freien Verfügung gefüttert werden sollten. Große Welpen, die deutlich weniger bekamen, als sie frei gefressen hätten, wurden laut MSD Veterinary Manual nicht kleiner, nur weniger fett.

Fazit

  • Pro Energie braucht ein Welpe mehr Calcium als ein erwachsener Hund. Eine Erwachsenen-Ration passt deshalb nicht automatisch.
  • Bei großen Rassen schadet zu viel Calcium ebenso wie zu wenig.
  • Ein Alleinfutter für Welpen, abgemessen und ohne Zusätze, ist der einfachste sichere Weg. Welpen großer Rassen bekommen eines, das für ihr Wachstum ausgelegt ist.
  • Selbst gekocht oder gebarft nur mit einer Ration, die für das Wachstum berechnet ist.
  • Dreimal täglich bis zum sechsten Monat, dann zweimal, und bei etwa 90 Prozent des Endgewichts aufs Erwachsenenfutter.

Quellen

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