Wie viel Futter braucht mein Hund? Portionen richtig berechnen
HundGewicht

Wie viel Futter braucht mein Hund? Portionen richtig berechnen

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Wie viel Futter dein Hund wirklich braucht, hängt von seinem Idealgewicht, seinem Alter und seiner Aktivität ab, nicht allein von der Zahl auf der Packung. In diesem Ratgeber erfährst du, wie der Energiebedarf entsteht, warum er nach der Kastration sinkt und wie dir der Body Condition Score als ehrliche Rückmeldung dient. Die konkrete Menge legst du am besten gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis fest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Futtermenge richtet sich nach dem Idealgewicht deines Hundes, nicht nach dem aktuellen Gewicht
  • Die Angabe auf der Packung ist nur ein Startpunkt: Zwei gleich schwere Hunde können sich im Bedarf um bis zu 30 Prozent unterscheiden
  • Der tägliche Energiebedarf ist ein Vielfaches des Ruheenergiebedarfs (RER) und sinkt nach der Kastration
  • Leckerlis sollten höchstens rund 10 Prozent der Tageskalorien ausmachen
  • Der Body Condition Score (Ideal 4 bis 5 von 9) zeigt dir, ob du nachjustieren musst

Die Frage stellt sich jeden Tag aufs Neue am Napf: Wie viel ist eigentlich richtig? Die ehrliche Antwort lautet, dass die passende Menge weniger von der Packung abhängt als vom Idealgewicht, Alter und Aktivitätsniveau deines Hundes, und dass du sie am besten gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis festlegst.

Warum die Angabe auf der Packung nur ein Startpunkt ist

Die Fütterungstabelle auf dem Sack ist für gesunde Hunde ein sinnvoller erster Anhaltspunkt, mehr aber auch nicht. Zwei Hunde mit demselben Körpergewicht verbrauchen ohnehin völlig unterschiedlich viel Energie: ein junger, intakter Rüde, der stundenlang rennt, deutlich mehr als eine kastrierte, gemütliche Hündin gleichen Gewichts. Tierärztliche Standardwerke beziffern diese Streuung sogar: Zwei gleich schwere Hunde können bis zu 30 Prozent mehr oder weniger brauchen als die für ihr Gewicht berechnete Menge.

Dazu kommt, dass Standard-Erhaltungsfutter auf einen mäßig aktiven erwachsenen Hund ausgelegt ist. Ruhigere oder kastrierte Hunde landen damit schnell über ihrem Bedarf, und über Wochen summiert sich das unbemerkt zu Übergewicht. Braucht dein Hund dauerhaft deutlich weniger als auf der Packung angegeben, um schlank zu bleiben, spricht das dafür, auf ein weniger energiedichtes Futter zu wechseln, statt die gewohnte Menge einfach stark zu kürzen. Denn wer die Menge kürzt, kürzt alle Nährstoffe mit. Auf deinen Hund zugeschnitten ist erst eine Berechnung durch die Praxis, die Alter, Kastrationsstatus, Lebensweise und Body Condition Score berücksichtigt. Auch sie bleibt ein Startwert, den du am Body Condition Score überprüfst.

Ideales Gewicht statt aktuelles Gewicht

Der wichtigste Denkfehler beim Portionieren: sich am aktuellen Gewicht zu orientieren. Wenn dein Hund bereits zu schwer ist und du die Menge für dieses Gewicht berechnest, zementierst du das Übergewicht. Die Portion sollte sich stattdessen am Idealgewicht ausrichten, also dem Gewicht, das dein Hund in guter Kondition haben sollte.

Dieses Zielgewicht ist keine reine Kopfzahl. Deine Tierarztpraxis schätzt es anhand von Rasse, Körperbau und Body Condition Score ab und legt gemeinsam mit dir fest, worauf die Fütterung hinarbeitet. Als grobe Orientierung dient dabei eine Faustregel: Jeder Punkt, den der Body Condition Score über dem Idealbereich liegt, entspricht etwa 10 Prozent des aktuellen Körpergewichts. Ein 30-Kilo-Hund mit einem Score von 7 wäre danach rund 20 Prozent zu schwer. Das Zielgewicht läge bei etwa 24 Kilo. Das ist eine Schätzhilfe für den Einstieg, kein Messwert; die Praxis passt das Ziel bei den Kontrollterminen an. Ist dein Hund bereits deutlich zu dick, gehört die Reduktion langsam und begleitet angegangen. Mehr dazu liest du in Wie dein Hund gesund abnimmt und in Ist mein Hund zu dick?.

Wie der Energiebedarf entsteht und warum Kastration ihn senkt

Damit du verstehst, woher die Menge kommt, hilft ein Blick auf die Zahlen dahinter, als Hintergrundwissen, nicht als Rezept zum Selbstverordnen. Der Ruheenergiebedarf (Resting Energy Requirement, RER) ist der Bedarf eines gesunden, gefütterten Hundes, der bei angenehmer Umgebungstemperatur ruht: Eingerechnet ist darin auch die Energie für die Verdauung und für die Erholung von vorangegangener Bewegung. Tierärztliche Standardwerke berechnen ihn mit der exponentiellen Formel RER = 70 × Körpergewicht in kg hoch 0,75, die für Hunde jeder Größe gilt.

Der tatsächliche Tagesbedarf liegt darüber, weil kein Hund den ganzen Tag ruht. Er ergibt sich als Vielfaches des RER, und der Faktor richtet sich nach Alter und Kastrationsstatus. Für gesunde erwachsene Hunde nennen tierärztliche Standardwerke das 1,8-Fache des RER bei intakten Tieren, das 1,6-Fache bei kastrierten und das 1,4-Fache bei Hunden, die zu Übergewicht neigen.

Ein Rechenbeispiel: Ein Hund mit einem Idealgewicht von 20 Kilo kommt auf einen RER von rund 660 Kilokalorien am Tag. Intakt läge sein Tagesbedarf damit bei etwa 1.190 Kilokalorien, kastriert bei etwa 1.060, gut 130 Kilokalorien weniger, also rund elf Prozent. Diese Zahl ist ein Startwert, kein Messwert: Für zwei gleich schwere Hunde kann derselbe Rechenweg, wie oben beschrieben, um bis zu 30 Prozent danebenliegen. Die Kalorientabelle der WSAVA, des Weltverbands der Kleintierärzte, setzt für einen gesunden erwachsenen 20-Kilo-Hund in Idealkondition niedriger an: 790 bis 993 Kilokalorien am Tag. Der europäische Industrieverband FEDIAF setzt einen Startwert direkt je Kilogramm Körpergewicht hoch 0,75 an: 110 Kilokalorien für Hunde zwischen drei und sieben Jahren, 95 für ältere. Auch das sind ausdrücklich nur Startpunkte.

Genau hier liegt ein Grund, warum Hunde nach der Kastration zunehmen können: Der Faktor sinkt, der Bedarf wird kleiner. Wird die Portion aber nicht angepasst, bleibt zu viel im Napf. Wie du gegensteuerst, beschreibt Gewichtszunahme nach der Kastration.

Wichtig: Diese Formeln sind Ausgangswerte für Fachleute. Welcher Faktor auf deinen Hund passt, hängt von Alter, Aktivität, Gesundheit und Umgebung ab. Das legst du sinnvollerweise mit deiner Tierarztpraxis fest. Welpen im Wachstum brauchen deutlich mehr Energie: Dieselben Standardwerke setzen bis zum vierten Lebensmonat das 3-Fache und danach das 2-Fache des RER an, dazu ein speziell auf das Wachstum abgestimmtes Futter.

Von Kilokalorien zu Gramm im Napf: Der Rechenweg endet bei einer Kalorienzahl, nicht bei einer Futtermenge. Wie viele Gramm daraus werden, entscheidet die Energiedichte des konkreten Futters, also die Kalorienangabe auf der Verpackung. Und die unterscheidet sich von Produkt zu Produkt erheblich: Welpenfutter ist bewusst energiedichter angesetzt, Futter zum Abnehmen bewusst kalorienärmer und ballaststoffreicher, damit dein Hund satt wird, ohne sein Kalorienziel zu reißen. Eine Grammzahl lässt sich deshalb nie von einem Futter auf ein anderes übertragen, auch nicht zwischen Trocken- und Nassfutter. Und wenn du die Menge kennst: Wieg sie ab, statt sie zu schätzen. Gehäufte Portionen schmuggeln bei jeder Mahlzeit zusätzliche Kalorien in den Napf.

👉 Unsicher, wie viel dein kastrierter oder wählerischer Hund wirklich braucht? Mit Petla findest du in wenigen Klicks eine Tierarztpraxis für eine Ernährungsberatung.

Der Body Condition Score als ehrliches Feedback

Keine Formel ersetzt den regelmäßigen Blick und Griff an den eigenen Hund. Dafür gibt es den Body Condition Score (BCS), und für Hunde sind zwei Skalen gebräuchlich: eine 5-stufige und eine 9-stufige. Die 9-stufige erlaubt feinere Abstufungen; auf ihr gelten 4 bis 5 von 9 als ideal. Nenn deshalb immer die Skala mit dazu, am besten als Bruch geschrieben: Ein Wert von 5 bedeutet auf der 5-stufigen Skala adipös (5/5), auf der 9-stufigen dagegen genau richtig (5/9).

Der Score ist die eigentliche Rückkopplung: Rutscht dein Hund darüber, korrigierst du die Menge nach unten; wird er zu dünn, nach oben. Für kleine Korrekturen reicht das. Steht dagegen eine echte Gewichtsabnahme an, gehört sie in die Praxis: Stark gekürztes Erhaltungsfutter kann zu Nährstofflücken führen. Wieg deinen Hund am besten jedes Mal, wenn du den BCS prüfst, und notiere den Verlauf.

So beurteilst du die Kondition zu Hause in drei Schritten:

  • Rippen: Unter einer dünnen Fettschicht sollten sich die Rippen leicht ertasten lassen, ohne dass du drücken musst, fühlbar, aber nicht deutlich sichtbar. Eine gute Eichung ist die eigene Hand: Leg sie flach auf den Tisch und fühl die Fingerknöchel. So sollten sich die Rippen anfühlen. Wie die Knöchel einer geballten Faust heißt zu dünn, wie die Handinnenfläche zu dick. Fang mit den Rippen an; das stört den Hund weniger als Rücken und Hüfte, die bei Arthrose schmerzen können.
  • Taille von oben: Von oben betrachtet sollte hinter dem Brustkorb eine erkennbare Taille einziehen, ähnlich einer Sanduhr.
  • Bauchlinie von der Seite: Der Bauch sollte zwischen Brustkorb und Hinterbeinen nach oben ansteigen (Bauchtuck), nicht durchhängen.

Nicht verwechseln solltest du den BCS mit dem Muscle Condition Score (MCS): Der MCS bewertet die Muskulatur, die durch Krankheit oder Alter abnehmen kann, anders als der BCS, der die Fettreserven beurteilt. Ein Hund kann übergewichtig sein (hoher BCS) und trotzdem Muskeln verlieren. Deshalb gehören beide in die tierärztliche Beurteilung.

Leckerlis, Anpassung und wann zum Tierarzt

Leckerlis werden gern vergessen, zählen aber voll mit. Als Faustregel sollten sie höchstens rund 10 Prozent der Tageskalorien ausmachen. Der Rest kommt aus dem ausgewogenen Hauptfutter. Wer viel mit Futter belohnt, etwa im Training, zieht die Leckerlis am besten von der Hauptmahlzeit ab.

Übergewicht ist dabei kein rein kosmetisches Thema: Es belastet nahezu jedes Organsystem, verkürzt tendenziell die Lebenserwartung und erhöht unter anderem das Risiko für Arthrose und für Komplikationen bei einer Narkose. Bei Arthrose wirkt es sogar doppelt: Das Mehrgewicht belastet Knochen, Gelenke und Muskeln zusätzlich, und die Fettzellen selbst schütten entzündungsfördernde Botenstoffe aus, die den Prozess über die Zeit unterhalten. Umso mehr lohnt es sich, die Portion regelmäßig am Body Condition Score auszurichten, statt sie einmal festzulegen und nie wieder anzupassen.

Wie viel Schlanksein ausmachen kann, zeigt eine Langzeitstudie mit 48 Labrador Retrievern. Sie wurden innerhalb ihrer Würfe zu Paaren zusammengestellt, und je ein Hund jedes Paars bekam ab der achten Lebenswoche bis zu seinem Tod 25 Prozent weniger vom selben Futter. Die knapper gefütterten Hunde waren leichter, hatten weniger Körperfett, erkrankten später an chronischen Krankheiten, vor allem an Arthrose, und lebten im Median 1,8 Jahre länger (Kealy et al. 2002; Lawler et al. 2008). Durchgeführt hat die Studie der Futterhersteller Nestlé Purina.

Wann zum Tierarzt? Wenn dein Hund trotz gleicher Fütterung deutlich zu- oder abnimmt, plötzlich mehr oder weniger frisst oder ungewollt Gewicht verliert, gehört das abgeklärt: Unerklärter Gewichtsverlust kann ein Krankheitszeichen sein und lässt sich nicht über die Futtermenge lösen. Auffällig ist auch der umgekehrte Fall: Wenn dein Hund erstaunlich wenig Futter braucht, um sein Gewicht zu halten, gehört eine Grunderkrankung ausgeschlossen: Tierärztliche Standardwerke nennen für Hunde ausdrücklich die Schilddrüsenunterfunktion. Auch die erstmalige Festlegung von Idealgewicht und Portion triffst du am besten gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis.

Häufige Fragen

Soll ich mich beim Portionieren am aktuellen oder am Idealgewicht orientieren?

Am Idealgewicht. Berechnest du die Menge für ein bereits zu hohes Gewicht, hältst du das Übergewicht aufrecht. Deine Tierarztpraxis hilft dir, das Zielgewicht anhand von Körperbau und Body Condition Score realistisch festzulegen.

Warum nimmt mein Hund nach der Kastration zu, obwohl sich nichts geändert hat?

Der Energiebedarf sinkt nach der Kastration. Tierärztliche Standardwerke nennen für gesunde erwachsene Hunde einen Rückgang vom 1,8-Fachen auf das 1,6-Fache des Ruheenergiebedarfs: Bei einem 20-Kilo-Hund sind das gut 130 Kilokalorien am Tag. Bleibt die Portion gleich, wird sie relativ zu groß. Eine maßvolle Anpassung der Menge, kein Hungern, fängt das ab.

Kann ich mich einfach auf die Fütterungstabelle auf der Packung verlassen?

Sie ist ein guter Startpunkt für gesunde Hunde, aber nur ein Durchschnittswert. Aktivität, Alter, Kastrationsstatus und Stoffwechsel deines Hundes können die passende Menge deutlich verschieben: Tierärztliche Standardwerke geben an, dass zwei gleich schwere Hunde bis zu 30 Prozent mehr oder weniger brauchen können. Kontrolliere daher regelmäßig den Body Condition Score und passe die Portion an.

Wie rechne ich Kilokalorien in Gramm Futter um?

Über die Kalorienangabe auf der Verpackung deines Futters: Eine allgemeingültige Umrechnung gibt es nicht. Die Energiedichte unterscheidet sich stark von Produkt zu Produkt und ebenso zwischen Trocken- und Nassfutter, deshalb lässt sich eine Grammzahl nie von einem Futter auf ein anderes übertragen. Wieg die Portion ab, statt sie zu schätzen.

Wie viele Leckerlis sind in Ordnung?

Als Faustregel höchstens rund 10 Prozent der täglichen Kalorien. Alles darüber geht schnell auf die Hüften. Rechne Leckerlis in die Tagesration ein und ziehe sie bei Bedarf vom Hauptfutter ab.

Quellen

Finde den richtigen Tierarzt

Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.

Tierarzt finden

Alles für dein Tier - in einer App

Termine, Impfpass, Erinnerungen und alle deine Tiere in einem Profil - verbunden mit deiner Tierarztpraxis. Kostenlos für iOS und Android.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play
So funktioniert die App

Ähnliche Artikel