BARF-Zusätze: Was einer Rohration fehlt, und was dazugehört
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BARF-Zusätze: Was einer Rohration fehlt, und was dazugehört

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
23. Oktober 20268 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

In geprüften BARF-Rationen fehlte immer wieder dasselbe: Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D, ohne Knochen oder Calciumzusatz auch Calcium. Fleisch allein deckt Calcium und einige Spurenelemente nicht. Welche Zusätze das ausgleichen, wo sie selbst zum Risiko werden, etwa bei Jod und Vitamin D, und warum nur eine Rationsberechnung zeigt, was dein Hund braucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fleisch deckt Calcium und einige Spurenelemente nicht; in Studien mit deutschen BARF-Rationen lagen Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D häufig unter der Empfehlung
  • Calcium kommt meist aus Knochen; ohne Knochen braucht die Ration eine andere Calciumquelle, mit zu viel Knochen droht ein Überschuss, der vor allem Welpen großer Rassen schadet
  • Jod schwankt in Algenprodukten stark; in Fallberichten über roh gefütterte Hunde löste mitgefütterter Schlund oder Kopffleisch mit Schilddrüsengewebe eine Schilddrüsenüberfunktion aus
  • Zu viel Vitamin D kann zu Nierenversagen und zum Tod führen; Lebertran, Fisch und Mineralpulver können sich addieren
  • Welche Zusätze in welcher Menge, zeigt nur eine Rationsberechnung; ein Blutbild ersetzt sie nicht

Eine selbst gemischte BARF-Ration braucht fast immer Zusätze. Fleisch enthält Mineralstoffe wie Calcium und verschiedene Spurenelemente nicht in ausreichender Menge, warnt die Bundestierärztekammer. In Studien mit deutschen BARF-Rationen lagen Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D häufig unter der Empfehlung, ohne Knochen auch Calcium. Zusätze haben aber eigene Risiken, vor allem Jod und Vitamin D. Welche dein Hund in welcher Menge braucht, zeigt nur eine Rationsberechnung.

Was geprüften BARF-Rationen fehlte

  • 95 Rationen erwachsener Hunde in Deutschland: Etwa die Hälfte enthielt weniger Jod als das Minimum des US-Forschungsrats NRC, mehr als die Hälfte weniger Kupfer und Zink als empfohlen. Jede zehnte Ration lieferte weniger als ein Viertel der empfohlenen Calciummenge und rechnerisch auch deutlich zu wenig Vitamin D (Dillitzer et al. 2011). Mangelzeichen wurden außer gelegentlichen Hautproblemen nicht berichtet. Ausgewertet wurden Rationen von Haltern, die eine Prüfung angefragt hatten; die Erstautorin ist Fachtierärztin in einer privaten Ernährungsberatung, die heute auch Zusätze verkauft.
  • 51 erwachsene, roh gefütterte Hunde in Deutschland: Gerechnet lagen Kupfer und Zink im Median unter der Empfehlung, Mangan und Jod bei weniger als einem Fünftel davon, Vitamin D bei 18 Prozent. Calcium lag dagegen nahe der Empfehlung, und die meisten Rohrationen enthielten einen Calciumzusatz; das passe nicht zu älteren Studien, schreiben die Autorinnen und Autoren (von Lindeiner et al. 2026). Im Blut lagen Jod, Kupfer, Zink und Mangan niedriger als bei Hunden mit Fertigfutter, Kupfer, Zink und Mangan aber bei allen im Referenzbereich, Jod bei 6 der 51 roh gefütterten Hunde sogar darüber (bei Fertigfutter bei 4 von 53), und beim Vitamin D gab es keinen Unterschied. Klinische Mangelzeichen zeigten die roh gefütterten Hunde nicht. Die Autorinnen und Autoren halten die Ungleichgewichte trotzdem für klärungsbedürftig und empfehlen, Rohrationen tierärztlich prüfen und korrigieren zu lassen und, wo nötig, Zusätze zu geben. Gerechnet zu wenig heißt also nicht automatisch krank, aber auch nicht unbedenklich. Die Laboranalysen hat ein Diagnostiklabor kostenlos übernommen.
  • 31 Fertig-BARF-Produkte für Hunde und Katzen, 2017 gekauft und als Alleinfutter verkauft: Jedes hatte mindestens ein Ungleichgewicht. Zink war in 68 Prozent zu niedrig, Kupfer in 61 Prozent (Vecchiato et al. 2022).

Zink und Kupfer fehlten in allen drei Erhebungen, Jod und Vitamin D in beiden Rationsstudien (das Fertigfutter wurde darauf nicht untersucht). Für welche Nährstoffe ein Zusatz in Frage kommt, ist damit klar. Ob und wie viel, hängt von der einzelnen Ration ab.

Calcium: aus Knochen oder aus einem Zusatz

Frisches Fleisch hat ein Verhältnis von Calcium zu Phosphor von etwa 1 zu 20 (NRC 2006). Wird es überwiegend allein gefüttert, droht ein Calciummangel mit einer Überfunktion der Nebenschilddrüse (MSD Veterinary Manual). In einer BARF-Ration liefern meist rohe fleischige Knochen das Calcium, mehr dazu unter Knochen beim BARF. Ohne Knochen braucht die Ration eine andere Quelle:

  • Knochenmehl bringt Calcium und Phosphor mit, Calciumcarbonat nur Calcium (NRC 2006).
  • Eierschale und andere Calciumprodukte wie Algenkalk enthalten laut BARF-Ratgebern meist nur Calcium.

Für erwachsene Hunde soll eine Ration laut dem europäischen Industrieverband FEDIAF mindestens so viel Calcium wie Phosphor enthalten und höchstens doppelt so viel. In BARF-Ratgebern heißt es teils, die Regel, das Verhältnis müsse genau 1,2 zu 1 betragen, sei ein Mythos. Ganz falsch ist das nicht: Bei vernünftigen Mengen beider Mineralstoffe beeinflusst das Verhältnis die Aufnahme von Calcium laut NRC kaum. Die Grenzen nach unten und oben gelten trotzdem, und für Welpen setzt FEDIAF die Obergrenze niedriger an, je nach Alter und Rassegröße bei 1,6 oder 1,8 zu 1.

Zu viel Calcium ist ebenfalls ein Problem. Die Schäden betreffen laut NRC vor allem Welpen großer Rassen. Und nähert sich Calcium dem Höchstwert, kann laut FEDIAF mehr Zink und Kupfer nötig sein. In BARF stammte ein Überschuss in den Studien meist aus Knochen. Bei Welpen zeigen sich Fehler beim Calcium, zu wenig wie zu viel, viel schneller als bei erwachsenen Hunden; die Autorinnen und Autoren der Studie von 2011 halten es deshalb für äußerst wichtig, BARF-Rationen für Welpen zu prüfen und auszugleichen (Dillitzer et al. 2011). Was für Welpen gilt, steht unter Welpen füttern.

Jod: zu wenig ist häufig, zu viel kommt vor

Fleisch enthält sehr wenig Jod, Fisch und andere Meerestiere meist viel (NRC 2006), ebenso Seealgen (von Lindeiner et al. 2026). Bei fleischreicher Kost kann ein Jodmangel auftreten (MSD). Rationen ohne Fisch oder Seealge waren in der Studie von 2011 wahrscheinlich jodarm (Dillitzer et al. 2011), und nur etwa die Hälfte der Rationen in der Studie von 2026 enthielt Fisch, Seealge oder einen Jodzusatz.

In BARF-Ratgebern ist Seealgenmehl die übliche Jodquelle, und dort wird selbst vor einer Überdosierung bei kleinen Hunden gewarnt. Das Problem ist der Gehalt: Bei Algen schwankt Jod stark, auch innerhalb einer Algenart, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung über getrocknete Algen als Lebensmittel. Auf Algenprodukten für Menschen vom norwegischen Markt war der Jodgehalt teils unzureichend oder ungenau angegeben (Aakre et al. 2021). In der Studie von 2011 lieferte eine Ration zu viel Jod, laut der Tabelle der Studie aus einem Seealgenprodukt (Dillitzer et al. 2011). Eine sichere Obergrenze für Jod lässt sich für erwachsene Hunde laut NRC nicht festlegen.

Belegt ist bei roh gefütterten Hunden vor allem ein anderes Risiko: mitgefüttertes Schilddrüsengewebe, das eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen kann. In einer Fallserie aus einer deutschen Tierklinik hatten zwölf roh gefütterte Hunde eine erhöhte Schilddrüsenhormon-Konzentration durch das Futter; eine solche Überfunktion kann laut der Studie bei Rohfütterung und bei frischem oder getrocknetem Schlund auftreten (Köhler et al. 2012). Weitere Fälle gingen auf Kopffleisch mit Schilddrüsengewebe zurück (Zeugswetter et al. 2013). Auch die Bundestierärztekammer warnt vor einer Jod-Überversorgung bei Fütterung von Schlund.

Vitamin D und Vitamin A

Hunde sind beim Vitamin D fast ganz auf das Futter angewiesen (NRC 2006). In den berechneten Rationen lag es oft unter der Empfehlung, im Blut zeigte sich das in der Studie von 2026 aber nicht. In BARF-Ratgebern ist Lebertran die übliche Vitamin-D-Quelle, wenn kein fetter Fisch gefüttert wird, verbunden mit der Warnung, ihn nicht zu überdosieren.

Diese Warnung ist berechtigt. Zu viel Vitamin D kann laut der US-Behörde FDA zu Nierenversagen und zum Tod führen. Als Ursachen nennt sie unter anderem Futter mit zu viel Vitamin D und listet Rückrufe von Hundefutter aus diesem Grund. Zeigt ein Hund Zeichen einer Vitamin-D-Vergiftung wie Erbrechen, wenig Appetit, mehr Durst und Harnabsatz, starkes Speicheln oder Gewichtsverlust, gehört er laut FDA sofort zum Tierarzt. Wer Lebertran gibt, rechnet Fisch und ein Mineralpulver mit Vitamin D mit, denn die Mengen addieren sich. Mehr zum Fisch steht unter Fisch beim BARF.

Vitamin A steckt in Leber und in Lebertran (MSD, NRC). Nur Leber zu füttern kann laut MSD eine Vitamin-A-Vergiftung auslösen. Für Welpen schlägt der NRC eine deutlich niedrigere Obergrenze für Vitamin A vor als für erwachsene Hunde außerhalb der Zucht.

Vitamin E

In der Studie von 2026 lieferten die Rohrationen im Median nur 41 Prozent der empfohlenen Menge Vitamin E; im Blut lag es bei 45 der 51 Hunde im Referenzbereich und bei 6 darüber (von Lindeiner et al. 2026). Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine Ration enthält, etwa aus Fischöl, desto mehr Vitamin E kann sie brauchen (FEDIAF). Was das für die Wahl des Öls bedeutet, steht unter Welches Öl beim BARF?

Zink, Kupfer, Mangan: Pulver oder Einzelzusätze

Zink und Kupfer fehlten in den Studien besonders oft, Mangan in der Studie von 2026 ebenfalls; Folgen eines Manganmangels sind beim Hund laut deren Autorinnen und Autoren aber nicht beschrieben. In Fertig-BARF hatten fettere Produkte weniger Zink (Vecchiato et al. 2022).

Tierärztlich geführte Ernährungsberatungen, die selbst Zusätze verkaufen, schließen diese Lücken meist mit einem Mineral- und Vitaminpulver. Eine beschreibt den Weg über Einzelzusätze als den aufwendigsten, weil er sieben bis zehn weitere Zusätze erfordert. Eine andere schreibt, selbst mit fünf Einzelzusätzen bleibe eine Lücke bei Kupfer, Zink und Mangan. Bei der einen kommen je nach Pulver Calcium, Vitamin A und D und Vitamin E getrennt dazu, die andere mischt Calcium, Vitamin D und E mit ins Pulver.

In BARF-Ratgebern heißt es dagegen teils, Rationen nach dem Beutetierprinzip bräuchten keine Zink- und Manganzusätze, weil Zink aus Fleisch besser aufgenommen werde. Für einen Teil des Arguments gibt es eine Grundlage: Aminosäuren aus dem Fleisch können die Aufnahme von Zink laut NRC verbessern. Die Halbierung des Zinkbedarfs, die dort daraus abgeleitet wird, ist nach eigener Angabe vom Menschen auf den Hund übertragen. Die Blutwerte roh gefütterter Hunde lagen in der Studie von 2026 zwar niedriger als bei Fertigfutter, aber im Referenzbereich. Ob ein Zusatz bei Zink und Mangan klinisch nötig ist, ist damit offen.

Was ein Zusatz nicht ersetzt: die Berechnung

Ergänzungsfuttermittel sind laut FEDIAF Futter, das nur zusammen mit anderem Futter für die tägliche Ration ausreicht. Welches passt und wie viel davon, hängt von Fleisch, Innereien, Knochen und Fisch in der übrigen Ration ab. Eine computergestützte Rationsberechnung bleibt dafür laut einer Münchner Studie der Goldstandard: Dort hingen Blutwerte und berechnete Versorgung allenfalls schwach zusammen, und ein Blutprofil taugte für die meisten Werte nicht zur Kontrolle (Hajek et al. 2022). Die Bundestierärztekammer rät allen, die ihr Tier roh füttern wollen, sich auf jeden Fall tierärztlich beraten zu lassen. Wie das abläuft, steht unter Ist BARF gesund?

Häufige Fragen

Welche Zusätze braucht mein Hund beim BARF?

In Studien mit deutschen BARF-Rationen fehlten vor allem Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D (Dillitzer et al. 2011, von Lindeiner et al. 2026), in der neueren Studie auch Mangan und Vitamin E. Rationen ohne Knochen oder anderen Calciumzusatz waren in der Studie von 2011 calciumarm. Welche davon dein Hund braucht und wie viel, zeigt die Rationsberechnung.

Kann ich BARF ohne Zusätze füttern?

Die Quellen sprechen dagegen. Fleisch deckt Calcium und verschiedene Spurenelemente nicht (Bundestierärztekammer), und Rationen ohne Fisch oder Seealge waren in der Studie von 2011 wahrscheinlich jodarm. Ob eine Ration ohne Zusätze auskommt, zeigt nur eine Berechnung.

Ist Seealgenmehl gefährlich?

Der Jodgehalt von Algen schwankt stark, auch innerhalb einer Art, und war auf Algenprodukten für Menschen teils unzureichend oder ungenau angegeben (Aakre et al. 2021). In der Studie von 2011 lieferte eine Ration zu viel Jod, laut der Tabelle der Studie aus einem Seealgenprodukt (Dillitzer et al. 2011). Eine Überfunktion der Schilddrüse beschreiben Fallberichte über roh gefütterte Hunde, die Schlund (Köhler et al. 2012) oder Kopffleisch mit Schilddrüsengewebe (Zeugswetter et al. 2013) bekamen.

Brauche ich Lebertran?

Hunde bekommen Vitamin D fast nur über das Futter, und in BARF-Rationen lag es rechnerisch oft unter der Empfehlung, im Blut zeigte sich das in der Studie von 2026 aber nicht. Lebertran ist eine Quelle, fetter Fisch eine andere. Zu viel Vitamin D kann zu Nierenversagen führen (FDA), deshalb gehört die Menge in die Rationsberechnung.

Eierschale, Algenkalk oder Knochenmehl: Was ersetzt Knochen?

Knochenmehl bringt Calcium und Phosphor, Calciumcarbonat nur Calcium (NRC 2006); Eierschale und andere Calciumprodukte wie Algenkalk enthalten laut BARF-Ratgebern meist nur Calcium. Ob das zur Ration passt, hängt vom Verhältnis von Calcium zu Phosphor ab, das für erwachsene Hunde zwischen 1 zu 1 und 2 zu 1 liegen soll (FEDIAF).

Fazit

  • Selbst gemischten BARF-Rationen fehlten in Studien vor allem Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D, ohne Knochen oder Calciumzusatz auch Calcium.
  • Calcium kommt meist aus Knochen; zu wenig und zu viel schaden, zu viel vor allem Welpen großer Rassen.
  • Jod schwankt in Algen stark, und Schlund oder Kopffleisch mit Schilddrüsengewebe kann eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen.
  • Vitamin D aus Lebertran, Fisch und Pulvern addiert sich, und zu viel davon ist gefährlich.
  • Welche Zusätze in welcher Menge, zeigt nur eine Rationsberechnung.

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