
Fisch beim BARF: Wie oft, welcher, und darf er roh sein?

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Fetter Fisch ist eine der besten Quellen für die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA; Hunde können kaum eigenes Vitamin D bilden und brauchen es aus dem Futter
- In BARF-Ratgebern ersetzt Fisch einmal pro Woche das Muskelfleisch, vor allem wegen des Vitamin D; ob das für einen Hund passt, zeigt erst die berechnete Ration
- Manche rohen Fische, etwa Karpfen und Hering, enthalten Thiaminase, die Vitamin B1 zerstört; Erhitzen macht sie unwirksam
- Gegen Parasiten aus rohem Fisch empfiehlt die Fachgesellschaft ESCCAP, ihn vor dem Füttern mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen
- Fischöl ist kein Lebertran: Lebertran enthält Vitamin A und D, und zu viel Vitamin D kann Nieren, Herzklappen und Gefäße verkalken
Fetter Fisch ist eine der besten Quellen für die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA (MSD Veterinary Manual) und gehört zu den wenigen Lebensmitteln mit nennenswert Vitamin D (BfR). In BARF-Ratgebern ersetzt er deshalb meist einmal pro Woche das Muskelfleisch. Roh hat er zwei eigene Risiken: Manche Fische enthalten ein Enzym, das Vitamin B1 zerstört, und er kann Parasiten übertragen; dagegen empfiehlt die Fachgesellschaft ESCCAP ausreichend langes Tiefkühlen.
Was Fisch in der Ration liefert
- EPA und DHA. Die besten Quellen sind fetter Fisch, Krill- und Algenöl (MSD). Im Wachstum braucht ein Hund sie mit dem Futter. Für erwachsene Hunde nennt der europäische Industrieverband FEDIAF keinen Mindestwert. Sehr hohe Mengen schwächten in einer Studie mit älteren Hunden die zelluläre Abwehr, daraus leitet der US-Forschungsrat NRC seine Obergrenze ab (NRC 2006). Mehr dazu unter Welches Öl beim BARF?
- Vitamin D. Hunde bilden in der Haut nur sehr wenig Vitamin D und brauchen es deshalb aus dem Futter (MSD). Nennenswerte Mengen enthalten laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung vor allem fettreiche Fische wie Hering, Makrele und Lachs (BfR). Rachitis bei Welpen ist laut MSD selten, wenn sie ein vollständiges Fertigfutter bekommen, und kommt am ehesten bei selbst zubereitetem Futter ohne Zusätze vor.
In BARF-Ratgebern heißt es, einige Salzwasserfische enthielten besonders viel Vitamin D, und wer einmal pro Woche das Muskelfleisch durch solchen Fisch ersetze, decke damit den Vitamin-D-Bedarf. Fisch habe dafür oft weniger Zink und Eisen als Fleisch. Ob die Rechnung für einen bestimmten Hund aufgeht, hängt davon ab, was die übrige Ration schon liefert. Wie oft Fisch passt, gehört deshalb in die berechnete Ration, wie sie unter Ist BARF gesund? beschrieben ist.
Roh: Thiaminase zerstört Vitamin B1
Manche Fische enthalten Thiaminase, ein Enzym, das Vitamin B1 (Thiamin) abbaut. Laut dem US-Forschungsrat NRC steckt es vor allem in den Eingeweiden mancher Süßwasserfische und in wenigen Meeresfischen. Karpfen und Hering enthalten es (NRC 2006). Das MSD Veterinary Manual nennt rohen Süßwasserfisch und Muscheln. Beim Erhitzen wird Thiaminase zerstört.
BARF-Ratgeber führen längere Listen, dort stehen etwa auch Kabeljau und Thunfisch unter den Fischen mit Thiaminase. Wer Hering oder Karpfen füttert, kann sie garen, denn Erhitzen macht das Enzym unwirksam. Katzen sind für einen Thiaminmangel anfälliger als Hunde, weil sie etwa viermal so viel Thiamin brauchen (NRC 2006). Ein akuter Thiaminmangel betrifft vor allem das Nervensystem (MSD).
Roh: Parasiten
Über rohes Fleisch, rohe Innereien und rohen Fisch können Parasiten auf Hunde übergehen. Wie hoch das Risiko bei rohem Fleisch ist, ist laut der deutschen Fassung der Wurm-Empfehlung der Fachgesellschaft ESCCAP unbekannt, sicher ist nur, dass es vorkommt. Aus parasitologischer Sicht heißt das aber nicht, dass Hunde grundsätzlich nicht roh gefüttert werden dürfen. ESCCAP rät, selbst zubereitetes Futter entweder ausreichend zu erhitzen (zehn Minuten bei 65 Grad im Kern) oder vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen. Über Süßwasserfische überträgt sich zum Beispiel der Katzenleberegel, der laut ESCCAP herdförmig in Deutschland vorkommt und neben Katzen und Füchsen auch Hunde befällt.
Für rohes Fleisch beschreibt ESCCAP einen Ausweg: Wer nicht weiß, ob gekauftes Fleisch so lange tiefgekühlt war, und es auch selbst nicht sicherstellen kann, sollte alle vier Wochen den Kot untersuchen oder den Hund mit einem gegen Spulwürmer wirksamen Mittel entwurmen lassen. Gegen Bandwürmer rät ESCCAP dann zur Behandlung, weil eine Kotprobe sie schlecht nachweist. Die Parasiten, die ESCCAP dazu nennt, stammen aus Fleisch und Innereien. Wer rohen Fisch füttert, ihn aber nicht sicher tiefkühlen kann, klärt mit der Tierarztpraxis, worauf der Kot untersucht und womit behandelt wird.
Quecksilber: auf die Fischart kommt es an
Wie viel Quecksilber ein Fisch enthält, hängt stark von der Art ab. Die US-Lebensmittelbehörde FDA zählt in ihrer Liste für Menschen Hering, Lachs, Sardine und Atlantische Makrele zu den Fischen mit wenig Quecksilber. Hai, Schwertfisch, Königsmakrele und Großaugenthun stehen bei denen mit dem meisten. Die Liste ist für Menschen gemacht, zeigt aber, welche Fischarten wenig Quecksilber enthalten.
Fischöl ist kein Lebertran
Bei tierärztlichen Ernährungsberatungen heißt es, Fischöl werde aus dem Fischfleisch gewonnen und enthalte anders als Lebertran kaum Vitamin A und D. Dass Lebertran Vitamin A und D enthält, beschreibt auch der US-Forschungsrat NRC (NRC 2006). Auch BARF-Ratgeber warnen davor, die beiden zu verwechseln. Das ist wichtig, weil zu viel Vitamin D gefährlich ist: Es lässt den Calcium- und Phosphatspiegel im Blut steigen und kann Nieren, Herzklappen und Gefäße unumkehrbar verkalken, bis hin zum Tod (MSD).
Häufige Fragen
Wie oft darf mein Hund beim BARF Fisch bekommen?
In BARF-Ratgebern ersetzt Fisch meist einmal pro Woche das Muskelfleisch, vor allem wegen des Vitamin D. Wie viel Fisch für deinen Hund passt, hängt davon ab, was die übrige Ration an Vitamin D und Omega-3 schon liefert, und zeigt die Rationsberechnung.
Darf mein Hund rohen Fisch fressen?
Roh nur nach dem Tiefkühlen: Die ESCCAP empfiehlt mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad (ESCCAP). Hering und Karpfen enthalten Thiaminase, die Vitamin B1 zerstört. Erhitzen macht das Enzym unwirksam (NRC 2006).
Welcher Fisch eignet sich für BARF?
Fetter Fisch ist eine der besten Quellen für EPA und DHA (MSD). Bei Quecksilber stehen Hering, Lachs, Sardine und Atlantische Makrele auf der Liste der US-Lebensmittelbehörde FDA für Menschen bei den Fischen mit wenig; Hai, Schwertfisch und Königsmakrele stehen bei denen mit dem meisten (FDA). Hering enthält aber Thiaminase.
Brauche ich zusätzlich Lachsöl, wenn ich Fisch füttere?
Beides liefert EPA und DHA. Für erwachsene Hunde nennt der Industrieverband FEDIAF dafür keinen Mindestwert (FEDIAF), und sehr hohe Mengen schwächten in einer Studie die Abwehr älterer Hunde (NRC 2006). Ob zusätzlich Öl nötig ist und welches, zeigt die Rationsberechnung.
Fazit
- Fisch bringt EPA, DHA und oft Vitamin D in die Ration.
- Einmal pro Woche Fisch ist in BARF-Ratgebern üblich; ob das für deinen Hund passt, zeigt die berechnete Ration.
- Roh nur nach mindestens einer Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad; Hering und Karpfen enthalten Thiaminase.
- Bei Quecksilber kommt es auf die Fischart an; auf der FDA-Liste für Menschen stehen Hai, Schwertfisch und Königsmakrele bei den Fischen mit dem meisten.
- Fischöl und Lebertran nicht verwechseln: Lebertran enthält Vitamin A und D, und zu viel Vitamin D ist gefährlich.
Quellen
- Nutritional Requirements of Small Animals · MSD Veterinary Manual
- Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 (08/2025) · ESCCAP Deutschland
- Advice about Eating Fish · US Food and Drug Administration
- Nutrient Requirements of Dogs and Cats · National Research Council (National Academies Press)
- Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D · Bundesinstitut für Risikobewertung
- FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 · FEDIAF
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