
Welches Öl beim BARF? Was der Hund wirklich braucht

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure, muss ein Hund mit dem Futter aufnehmen; reichlich steckt sie in Pflanzenölen
- Für erwachsene Hunde nennt der Industrieverband FEDIAF einen Mindestwert für Linolsäure, für Omega-3 dagegen keinen; im Wachstum sind beide vorgesehen
- In 36 BARF-Plänen für Welpen und Junghunde lag die Linolsäure bei 30 unter der Empfehlung, und wer nur Lachsöl bekam, war mit Linolsäure nicht ausreichend versorgt
- Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 gilt für die ganze Ration, nicht für ein einzelnes Öl
- Mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vor allem aus Fischöl, heißt mehr Bedarf an Vitamin E; ranziges Öl gehört nicht in den Napf
Für erwachsene Hunde setzt der europäische Industrieverband FEDIAF nur für eine Fettsäure einen Mindestwert: Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure. Ein Hund muss sie mit dem Futter aufnehmen, und reichlich steckt sie in Pflanzenölen (MSD Veterinary Manual). Für Omega-3 nennt FEDIAF erst im Wachstum Mindestwerte. Viele BARF-Ratgeber sehen es umgekehrt und raten nur zu Fischöl. In einer Wiener Auswertung von BARF-Plänen für Welpen und Junghunde lag die Linolsäure in den meisten Rationen unter der Empfehlung, nicht nur bei den Hunden, die allein Lachsöl bekamen.
Was ein Öl in der Ration liefern soll
- Linolsäure (Omega-6) braucht jeder Hund. Für erwachsene Hunde empfiehlt FEDIAF mindestens 3,27 bis 3,82 Gramm je 1.000 Kilokalorien, je nachdem, wie viel Energie der Hund verbraucht. Gewöhnliches Distelöl besteht laut der Fettsäuretabelle einer Übersichtsarbeit zu 74 Prozent aus Linolsäure (Burron et al. 2024). Bei Sonnenblumenöl kommt es auf die Sorte an: Gewöhnliches enthält dort rund zwei Drittel Linolsäure, eine ölsäurereiche Züchtung kaum welche. Wie der Bedarf je Kilokalorie zu lesen ist, steht unter Nährstoffbedarf beim Hund.
- Alpha-Linolensäure (Omega-3) steckt vor allem in Leinöl, das laut derselben Tabelle zu gut der Hälfte aus ihr besteht. EPA und DHA (ebenfalls Omega-3) liefern fetter Fisch, Krill- und Algenöl (MSD). Im Wachstum und in der Fortpflanzung zählen diese Omega-3-Fettsäuren zu denen, die ein Hund mit dem Futter braucht. Für erwachsene Hunde reicht das Wissen laut FEDIAF nicht, um eine bestimmte Menge Omega-3 zu empfehlen. Der US-Forschungsrat NRC empfiehlt für sie dennoch eine Menge Alpha-Linolensäure, für EPA und DHA eine Menge, die er aus Studien an anderen Arten und aus der Futterpraxis ableitet (NRC 2006).
Fehlen essenzielle Fettsäuren, zeigt sich das etwa an trockenem, schuppigem, glanzlosem Fell, an Trägheit oder an Fruchtbarkeitsstörungen. Bei einem vollständigen Fertigfutter ist ein solcher Mangel laut MSD äußerst selten. In frühen Versuchen bekamen Welpen auf extrem fettarmem Futter stumpfes, trockenes Haar und schuppende Haut. Die Zeichen verschwanden mit Linolsäure, Alpha-Linolensäure an ihrer Stelle half nicht vollständig (NRC 2006). Omega-3 ersetzt Linolsäure nicht: Der Körper kann die eine Fettsäurefamilie nicht in die andere umbauen (NRC 2006).
Was in BARF-Ratgebern steht, und was gemessen wurde
In BARF-Ratgebern heißt es etwa, Fleisch aus Massentierhaltung bringe ohnehin zu viel Omega-6 mit. Das Öl solle deshalb vor allem Omega-3 liefern, am besten als Fischöl, und Sonnenblumen- oder Distelöl gelten dort als ungeeignet.
Wie es in echten BARF-Plänen um die Linolsäure stand, zeigt eine Diplomarbeit der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Ausgewertet wurden 36 BARF-Pläne für Welpen und Junghunde aus zwei fachtierärztlichen Ernährungspraxen in Wien und München, aus den Jahren 2013 bis 2019. Fast alle Rationen enthielten Öl. Trotzdem lag die Linolsäure bei 30 der 36 Hunde unter der empfohlenen Zufuhr. Sieben Hunde bekamen nur Lachsöl, und ihr Bedarf an Linolsäure ließ sich so nicht decken. Die meisten übrigen bekamen Pflanzenöle. Wo sie trotzdem zu wenig Linolsäure bekamen, wurde der Bedarf laut der Arbeit offenbar unterschätzt, oder es wurden die falschen Öle gewählt. Den Grund sieht die Arbeit in BARF-Ratgebern: Viele empfehlen Öle mit wenig essenziellen Fettsäuren wie Oliven- oder Kokosöl, oder sie raten nur zu Omega-3 aus Lachsöl und erklären Pflanzenöle sogar für schädlich. Eine Diplomarbeit ist keine begutachtete Studie, und sie betrifft wachsende Hunde.
Tierärztlich geführte Ernährungsberatungen, die selbst Zusätze verkaufen, sehen es anders als die BARF-Ratgeber. Eine nennt Distel- und Sonnenblumenöl als besonders reich an Linolsäure, eine andere bietet für BARF eine Ölmischung an, die Distelöl mit Lein- und Fischöl kombiniert.
Das Verhältnis zählt für die ganze Ration
Dass Omega-6 und Omega-3 in einem sinnvollen Verhältnis stehen sollen, ist richtig. Gemeint ist aber die ganze Ration, nicht ein einzelnes Öl. Für das Verhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure hält der US-Forschungsrat NRC eine Spanne von 2,6 bis 26 nach dem Wissensstand von 2006 für sicher (NRC 2006). Eine kanadische Übersichtsarbeit hält fest, dass es für Hunde kein empfohlenes Mindestverhältnis gibt, und rät, beim Verhältnis aller Omega-6- zu allen Omega-3-Fettsäuren mindestens unter 10 zu 1 zu bleiben. Eine der beteiligten Forschenden hält einen nach einem Futterhersteller benannten Lehrstuhl und hat Honorare und Forschungsgelder von Futterherstellern erhalten.
Ein Öl mit sehr viel Omega-6 kann deshalb in einer Ration stehen, deren Gesamtverhältnis passt, etwa wenn Fisch das Omega-3 beisteuert. Und umgekehrt kann eine Ration nur mit Fischöl ein gutes Verhältnis haben und trotzdem zu wenig Linolsäure.
Zu viel Omega-3 ist auch nicht gut
Mehr ist nicht automatisch besser. In einer Studie an älteren Beagles war bei der höchsten Menge an EPA und DHA die zellvermittelte Abwehr schwächer, der Vitamin-E-Spiegel sank, und Zeichen für Fettoxidation nahmen zu. Dieses Futter enthielt zugleich am wenigsten Linolsäure (NRC 2006).
Vitamin E gehört dazu
Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine Ration enthält, desto mehr Vitamin E kann sie brauchen, besonders mit Fischöl (FEDIAF). Vitamin E wirkt im Körper als Antioxidans und schützt Zellmembranen davor, dass ihre ungesättigten Fettsäuren oxidieren (MSD). Futter, das vor allem aus Fleisch und Tischresten besteht, war wiederholt mit Vitamin-E-Mangel verbunden (NRC 2006). In den Wiener BARF-Plänen lagen 30 von 36 Rationen auch beim Vitamin E unter der Empfehlung.
BARF-Ratgeber gehen hier weiter als die Fachliteratur: Dort wird empfohlen, jedes Öl mit Vitamin E zu kombinieren. Die Übersichtsarbeit beschreibt, dass sich bei viel Omega-3 die stärkere Fettoxidation und der niedrigere Vitamin-E-Spiegel durch genug Vitamin E ausgleichen lassen (Burron et al. 2024). Wie viel davon nötig ist, hängt von der ganzen Ration ab.
Lagern: Öl wird ranzig
Hunde fressen auch ranziges Fett, empfehlenswert ist das aber nicht. Oxidierte Fette waren in einer Studie unter anderem mit weniger Vitamin E im Blut verbunden (NRC 2006). In BARF-Ratgebern heißt es, Öl gehöre in braune Glasflaschen, weil es sonst schnell oxidiere. Riecht ein Öl ranzig, gehört es nicht mehr in den Napf.
Wie viel Öl?
Eine Menge in Gramm nennt dieser Artikel bewusst nicht. Wie viel Linolsäure und Omega-3 die Ration schon enthält, hängt von Fleisch, Fett und Fisch ab, und erst daraus folgt, wie viel Öl nötig ist. Deshalb gehört die Ölmenge in eine berechnete Ration, wie sie unter Ist BARF gesund? beschrieben ist. Dort steht auch, für welche Haushalte rohes Futter nicht in Frage kommt.
Für Welpen gelten eigene Werte, bei den Fettsäuren wie beim Calcium. Was beim Calcium zählt, steht unter Welpen füttern.
Häufige Fragen
Welches Öl ist das beste für BARF?
Das eine beste Öl gibt es nicht. Die Ration braucht Linolsäure, die reichlich in Pflanzenölen steckt (MSD). Gewöhnliches Distelöl etwa besteht zu 74 Prozent daraus (Burron et al. 2024). EPA und DHA kommen aus fettem Fisch, Krill- oder Algenöl. Welche Kombination und Menge passt, folgt aus der berechneten Ration.
Ist Sonnenblumenöl schlecht für Hunde?
Gewöhnliches Sonnenblumenöl liefert viel Linolsäure, die ein Hund braucht, ölsäurereiche Sorten dagegen kaum (Burron et al. 2024). BARF-Ratgeber halten es wegen seines hohen Omega-6-Anteils für ungeeignet. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 gilt aber für die ganze Ration, und dort rät eine Übersichtsarbeit, mindestens unter 10 zu 1 zu bleiben (Burron et al. 2024).
Reicht Lachsöl allein?
In einer Wiener Auswertung von 36 BARF-Plänen für Welpen und Junghunde reichte es für die Linolsäure nicht: Bei den sieben Hunden, die nur Lachsöl bekamen, ließ sich der Bedarf so nicht decken (Vetmeduni Wien).
Brauche ich zusätzlich Vitamin E?
Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Ration enthält, besonders aus Fischöl, desto mehr Vitamin E kann sie brauchen (FEDIAF). Ob und wie viel, zeigt die Rationsberechnung.
Kann Leinöl Fischöl ersetzen?
Nur zum Teil. Leinöl liefert Alpha-Linolensäure, fetter Fisch, Krill- und Algenöl liefern EPA und DHA (MSD). Hunde bauen Alpha-Linolensäure zu EPA um, zu DHA aber nur begrenzt (NRC 2006). Für erwachsene Hunde nennt FEDIAF für Omega-3 keinen Mindestwert, für das Wachstum sieht sie beides vor.
Fazit
- Ein Öl im BARF ist vor allem für die Linolsäure da. Omega-3 ersetzt sie nicht.
- Für Omega-3 nennt FEDIAF bei erwachsenen Hunden keinen Mindestwert, zu viel davon kann der Abwehr schaden.
- Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 gilt für die ganze Ration, nicht für ein Öl allein.
- Mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren brauchen mehr Vitamin E, und ranziges Öl gehört nicht in den Napf.
- Welches Öl in welcher Menge, folgt aus einer berechneten Ration.
Quellen
- Nutritional Requirements of Small Animals · MSD Veterinary Manual
- FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 · FEDIAF
- The balance of n-6 and n-3 fatty acids in canine, feline, and equine nutrition: exploring sources and the significance of alpha-linolenic acid · Journal of Animal Science (PMC)
- Häufige Fehler bei selbst zubereiteten BARF-Rationen in der Fütterung heranwachsender Hunde (Diplomarbeit) · Veterinärmedizinische Universität Wien
- Nutrient Requirements of Dogs and Cats · National Research Council (National Academies Press)
Finde den richtigen Tierarzt
Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.
Tierarzt findenAlles für dein Tier - in einer App
Termine, Impfpass, Erinnerungen und alle deine Tiere in einem Profil - verbunden mit deiner Tierarztpraxis. Kostenlos für iOS und Android.
So funktioniert die AppÄhnliche Artikel

Ist BARF gesünder als Fertigfutter? Was Studien zeigen
Dass BARF-Hunde gesünder sind, sieht der Weltverband der Kleintiermedizin nicht ordentlich belegt. Plausibel ist eine etwas bessere Verdauung, belegt sind zwei Probleme: Selbst gemischten Rationen fehlt oft etwas, und rohes Fleisch bringt Keime mit. Was hinter den Versprechen steckt, für wen roh eher nicht in Frage kommt und wie du sauber arbeitest, wenn du barfst.


Nährstoffbedarf beim Hund: Was ein Futter wirklich liefern muss
Ein Hund braucht keine bestimmten Zutaten, sondern Nährstoffe in ausreichender Menge. Wie viel, empfiehlt der Industrieverband FEDIAF, gestützt auf die Empfehlung des US-Forschungsrats NRC. Gerechnet wird je Kilokalorie, nicht je Gramm. In Analysen von Futter lagen die Lücken meist bei Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.


Welpen füttern: Warum Calcium hier anders rechnet
Ein Welpe braucht im Verhältnis zur Energie deutlich mehr Calcium als ein erwachsener Hund, und bei großen Rassen schadet zu viel ebenso wie zu wenig. Ein Alleinfutter für Welpen deckt das ab, bei großen Rassen eines, das für ihr Wachstum ausgelegt ist. Dazugeben solltest du nichts. Selbst gemischt geht nur mit einer Ration, die für das Wachstum berechnet ist. Dazu: wie oft am Tag und wann aufs Erwachsenenfutter.

