Nährstoffbedarf beim Hund: Was ein Futter wirklich liefern muss
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Nährstoffbedarf beim Hund: Was ein Futter wirklich liefern muss

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
14. Oktober 20266 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Ein Hund braucht keine bestimmten Zutaten, sondern Nährstoffe in ausreichender Menge. Wie viel, empfiehlt der Industrieverband FEDIAF, gestützt auf die Empfehlung des US-Forschungsrats NRC. Gerechnet wird je Kilokalorie, nicht je Gramm. In Analysen von Futter lagen die Lücken meist bei Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Hund braucht Nährstoffe, keine bestimmten Zutaten: Eiweiß mit seinen Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine
  • Der Industrieverband FEDIAF leitet seine Mindestwerte für erwachsene Hunde aus der NRC-Empfehlung ab und legt bei Aminosäuren, Spurenelementen und Vitaminen grundsätzlich 20 Prozent drauf, mit einzeln begründeten Ausnahmen wie Selen und den B-Vitaminen
  • Gerechnet wird je 1.000 Kilokalorien: Braucht ein Hund wenig Energie, muss in jeder Kilokalorie mehr stecken
  • In Analysen von Futter fehlten am häufigsten Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, Eiweiß und Fett reichten meist
  • Auch zu viel kommt vor: Selen, Zink und Eisen lagen in Analysen teils über dem Höchstwert

Ein Hund braucht keine bestimmten Zutaten, sondern Nährstoffe: Eiweiß mit seinen Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Wie viel davon ein Alleinfutter mindestens enthalten soll, empfiehlt in Europa der Industrieverband FEDIAF. Seine Werte für erwachsene Hunde leitet er aus der Empfehlung des US-Forschungsrats NRC ab. Gerechnet wird je Kilokalorie, nicht je Gramm Futter. Wo Futter in Analysen danebenlag, ging es meist um Mineralstoffe, Spurenelemente oder Vitamine.

Was ein Hund braucht

Die Tabelle der FEDIAF für Alleinfutter nennt Nährstoffe, keine Zutaten:

  • Eiweiß: insgesamt und als zehn einzelne Aminosäuren, darunter Lysin, Methionin und Tryptophan.
  • Fett und Fettsäuren: Linolsäure für jeden Hund, für Welpen weitere Fettsäuren. Fett an sich ist laut FEDIAF nicht lebensnotwendig, solange die essenziellen Fettsäuren gedeckt sind und genug Fett da ist, damit der Hund die fettlöslichen Vitamine aufnehmen kann.
  • Mineralstoffe: Calcium, Phosphor, Kalium, Natrium, Chlorid und Magnesium.
  • Spurenelemente: Kupfer, Jod, Eisen, Mangan, Selen und Zink.
  • Vitamine: A, D und E, mehrere B-Vitamine und Cholin.

Für Welpen sowie trächtige und säugende Hündinnen stehen in derselben Tabelle eigene Werte. Ein Welpe braucht zum Beispiel je Kilokalorie deutlich mehr Calcium als ein erwachsener Hund.

NRC und FEDIAF: Empfehlung und Mindestwert

  • Der NRC (National Research Council) ist ein Rat der US-Akademie der Wissenschaften. Ein Ausschuss des NRC hat 2006 den Nährstoffbedarf von Hunden und Katzen zusammengestellt. Seine Empfehlung („Recommended Allowance“) ist die Menge eines Nährstoffs, die eine Ration enthalten soll, um einen bestimmten Lebensabschnitt zu versorgen.
  • Die FEDIAF vertritt die europäischen Hersteller von Heimtierfutter, nach eigenen Angaben rund 150 Unternehmen und 95 Prozent der Branche. Ihre Tabellen nennen Mindestwerte für Fertigfutter, ausdrücklich „keine Mindestbedarfswerte und keine optimale Aufnahme“. Sie enthalten einen Sicherheitszuschlag, weil Tiere verschieden sind und Nährstoffe sich gegenseitig beeinflussen. Dazu kommen Höchstwerte: ein ernährungsphysiologischer und für manche Nährstoffe ein gesetzlicher. Der gesetzliche gilt für jeden Lebensabschnitt, sobald der Hersteller den Nährstoff als Zusatzstoff zugibt, und dann für die gesamte Menge im Futter.

So hängen die beiden zusammen: Die FEDIAF berechnet ihre Werte für erwachsene Hunde aus den NRC-Empfehlungen. Für Aminosäuren, Spurenelemente und Vitamine hebt sie diese grundsätzlich um 20 Prozent an, weil Hunde im Haushalt weniger Energie verbrauchen, als der NRC annimmt (FEDIAF). Ausnahmen begründet sie einzeln: Für Selen etwa übernimmt sie mangels Daten zum Hund den Wert für Katzen. Bei den B-Vitaminen rechnet sie nicht mit der NRC-Empfehlung, sondern mit einem anderen NRC-Wert, der angemessenen Aufnahme („Adequate Intake“). Die NRC-Empfehlung ist also die Grundlage, das FEDIAF-Minimum der Wert, den ein Fertigfutter laut Verband mindestens erreichen soll.

Warum je Kilokalorie und nicht je Gramm

Die Futtermenge wird nach dem Energiebedarf des Hundes berechnet. Deshalb nennt die FEDIAF ihre Werte je 1.000 Kilokalorien. Eine Angabe je 100 Gramm Trockensubstanz gilt dort nur für ein Futter mit 4,0 Kilokalorien je Gramm Trockensubstanz; bei jeder anderen Energiedichte muss man sie umrechnen. Auch das MSD Veterinary Manual betont, dass Mineralstoffe im richtigen Verhältnis zur Energiedichte des Futters stehen müssen.

Daraus folgt: Braucht ein Hund wenig Energie, muss in jeder Kilokalorie mehr stecken, denn er frisst weniger Futter und bekommt mit ihm weniger von jedem Nährstoff. Die FEDIAF führt deshalb zwei Spalten für erwachsene Hunde, eine für einen Energiebedarf von 95 und eine für 110 Kilokalorien je Kilogramm Körpergewicht hoch 0,75 und Tag. Bei Zink sind es 20,8 gegen 18 Milligramm je 1.000 Kilokalorien, bei Eiweiß 52,1 gegen 45 Gramm. Die 95 Kilokalorien sind laut FEDIAF ein typischer Startwert für Hunde über sieben Jahre, die 110 für Hunde zwischen drei und sieben.

Für den Vergleich zweier Futter heißt das: Prozentwerte auf dem Etikett sagen erst etwas, wenn man sie auf die Energie bezieht. Wie viel Energie dein Hund braucht, steht unter Wie viel Futter braucht mein Hund?

Welche Nährstoffe in Analysen am häufigsten fehlen

Ob Fertigfutter, fertiges Rohfutter oder selbst gemischte Ration: In Untersuchungen lagen die Lücken bei Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

  • Fertigfutter: In Großbritannien wurden 177 Alleinfutter auf Mineralstoffe analysiert, 64 für Hunde und 113 für Katzen. Über beide Tierarten gerechnet erfüllten 6 Prozent der Nassfutter und 38 Prozent der Trockenfutter alle geprüften Vorgaben. Kupfer lag bei 20 Prozent der Nassfutter unter dem Minimum (Davies et al. 2017). Stiftung Warentest stufte in test 6/2019 neun von 31 Feuchtfuttern als mangelhaft ein, vor allem weil Mineralstoffe und Vitamine fehlten. Alle 31 nannten sich Alleinfuttermittel.
  • Fertiges Rohfutter: In Ungarn deckte keines von 33 tiefgekühlten Rohfutter-Menüs, die als Alleinfutter verkauft wurden, alle Mineralstoffe nach FEDIAF. Selen lag bei allen unter dem Minimum, Zink bei 25 und Kupfer bei 21 der 33 (Moravszki et al. 2025).
  • Selbst gemischt: Für 95 BARF-Rationen aus deutschen Haushalten wurde aus Fragebögen berechnet, was sie liefern. Jede zehnte brachte weniger als ein Viertel der empfohlenen Calciummenge, etwa die Hälfte weniger Jod als den Mindestbedarf, viele zu wenig Zink und Kupfer (Dillitzer et al. 2011). Bei 75 nachgekochten Internet-Rezepten aus Brasilien lagen am häufigsten Calcium und Kalium unter der Empfehlung (Pedrinelli et al. 2019).

Auch zu viel kommt vor

Ein Höchstwert ist genauso Teil des Bedarfs wie ein Minimum. Nimmt ein Hund von einem Mineralstoff mehr auf, als er braucht, kann das die Aufnahme anderer Mineralstoffe behindern (MSD Veterinary Manual). In der britischen Analyse von Hunde- und Katzenfutter lag Selen bei 76 Prozent der Nassfutter über dem Höchstwert (Davies et al. 2017). In Polen erreichten alle 30 untersuchten Trockenfutter für Hunde die Mindestwerte für Eiweiß und Fett. Vier lagen aber über dem gesetzlichen Höchstwert für Eisen, fünf über dem für Zink, und acht hatten ein unpassendes Verhältnis von Calcium zu Phosphor (Kazimierska et al. 2020).

Häufige Fragen

Wie viel Eiweiß braucht ein Hund?

Für erwachsene Hunde nennt die FEDIAF mindestens 45 bis 52,1 Gramm Eiweiß je 1.000 Kilokalorien, je nach Energiebedarf. Für junge Welpen unter 14 Wochen sind es 62,5 Gramm.

Was ist der Unterschied zwischen NRC und FEDIAF?

Der NRC ist ein wissenschaftlicher Rat der US-Akademie der Wissenschaften und empfiehlt, was eine Ration enthalten soll. Die FEDIAF ist der europäische Verband der Futterhersteller. Sie leitet daraus Mindestwerte für Fertigfutter ab und legt für erwachsene Hunde bei vielen Nährstoffen etwas drauf, weil Hunde im Haushalt weniger Energie verbrauchen, als der NRC annimmt (FEDIAF).

Warum wird der Nährstoffbedarf je 1.000 Kilokalorien angegeben?

Weil sich die Futtermenge nach dem Energiebedarf richtet. Ein Wert je Gramm Futter passt nur bei einer bestimmten Energiedichte, ein Wert je Kilokalorie passt für jedes Futter.

Welche Nährstoffe fehlen im Hundefutter am häufigsten?

In Analysen vor allem Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. In selbst gemischten BARF-Rationen waren es oft Calcium, Jod, Zink und Kupfer (Dillitzer et al. 2011), in fertigem Rohfutter Selen, Zink und Kupfer (Moravszki et al. 2025). Eiweiß und Fett erreichten in einer polnischen Untersuchung alle 30 Trockenfutter (Kazimierska et al. 2020).

Kann ein Hund zu viele Nährstoffe bekommen?

Ja. Für viele Nährstoffe nennt die FEDIAF Höchstwerte, für manche gilt ein gesetzlicher. In einer britischen Analyse von Hunde- und Katzenfutter lag Selen bei 76 Prozent der Nassfutter über dem Höchstwert (Davies et al. 2017).

Fazit

  • Ein Hund braucht Nährstoffe, keine bestimmten Zutaten.
  • Die FEDIAF-Mindestwerte für erwachsene Hunde beruhen auf der NRC-Empfehlung, bei vielen Nährstoffen mit Aufschlag, weil Hunde im Haushalt weniger Energie verbrauchen.
  • Verglichen wird je 1.000 Kilokalorien, nicht je Gramm.
  • Die Lücken liegen meist bei Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, und auch zu viel kommt vor.

Quellen

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