Knochen beim BARF: ja oder nein? Was sie bringen und was dagegen spricht
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Knochen beim BARF: ja oder nein? Was sie bringen und was dagegen spricht

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
23. Oktober 20269 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Knochen sind in einer BARF-Ration vor allem die Calciumquelle. Dass sie Zähne, Verdauung oder Analdrüsen schützen, ist kaum oder gar nicht belegt. Dagegen stehen echte Risiken: In Klinikauswertungen waren Knochen der häufigste Fremdkörper in der Speiseröhre, vor allem bei kleinen Hunden. Was ganze, gewolfte und gar keine Knochen bringen, welche Knochen ungeeignet sind und wann du sofort zur Tierarztpraxis solltest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Knochen liefern in einer BARF-Ration vor allem Calcium, denn Fleisch allein enthält davon nicht genug; wie viel ein fleischiger Knochen liefert, hängt aber am Fleischanteil und ist ungenau
  • Große Nageknochen rieben in kleinen Studien sichtbaren Zahnstein ab, nicht unter dem Zahnfleisch; dass Knochen vor Parodontitis schützen, ist nicht belegt
  • Dass Knochen die Analdrüsen gesund halten, behaupten BARF-Ratgeber, belegt ist es nicht
  • In Klinikauswertungen waren Knochen der häufigste Fremdkörper in der Speiseröhre; kleine Hunde und Terrier kamen mit Fremdkörpern dort deutlich häufiger in die Klinik, als ihr Anteil an den Patienten erwarten ließ, eine sichere Gewichtsgrenze nennt keine Quelle
  • Ohne Knochen geht es, wenn das Calcium aus einem abgewogenen Zusatz kommt; Schlund, Kehlkopf und Kopffleisch vom Rind gehören wegen der Schilddrüse nicht in den Napf

In einer BARF-Ration sind Knochen vor allem für das Calcium da. Fleisch enthält Mineralstoffe wie Calcium nicht in ausreichender Menge, warnt die Bundestierärztekammer. Was Knochen sonst nachgesagt wird, also saubere Zähne, Beschäftigung und gesunde Analdrüsen, ist kaum oder gar nicht belegt. Dagegen stehen echte Risiken: Knochen bleiben in der Speiseröhre stecken, zu viel davon verstopft, und harte Knochen können Zähne brechen lassen. Wie oft das bei gebarften Hunden passiert, ist kaum untersucht. Ohne Knochen geht es auch, wenn das Calcium auf anderem Weg in den Napf kommt.

Wozu Knochen in der Ration sind

Wer einen Hund überwiegend mit Fleisch füttert, kann einen Calciummangel mit einer Überfunktion der Nebenschilddrüse auslösen (MSD Veterinary Manual). Knochen liefern Calcium und Phosphor zusammen. Für erwachsene Hunde soll eine Ration laut dem europäischen Industrieverband FEDIAF mindestens so viel Calcium wie Phosphor enthalten und höchstens doppelt so viel.

Genau ist die Calciumquelle Knochen allerdings nicht. Wie viel Calcium ein fleischiger Knochen liefert, hängt davon ab, wie viel Fleisch an ihm hängt. Eine Münchner Auswertung von BARF-Rationen nennt frische Knochen mit Fleisch deshalb eine Fehlerquelle, die es bei Eierschale, Knochenmehl oder fertigen Mineralzusätzen kaum gibt (Dillitzer et al. 2011). Wie viel Knochen dein Hund braucht, gehört deshalb in eine berechnete Ration, mehr dazu unter BARF-Ration berechnen lassen.

Was Knochen sonst bringen sollen

Zähne

Große Knochenstücke zum Nagen reiben Zahnstein ab. In einer Studie an zwölf Beaglen ging der sichtbare Zahnstein mit unter Druck erhitzten Stücken vom Oberschenkelknochen des Rindes innerhalb von zwei Wochen deutlich zurück. Die Autoren schreiben aber selbst, dass Knochen nur den Zahnstein auf der Krone entfernen, nicht den unter dem Zahnfleisch, und einige Hunde bekamen Verletzungen am Zahnfleisch (Pinto et al. 2020). Der Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA schreibt, dass Knochen das Risiko für Zahnbelag und für Zahnverlust durch Parodontitis nicht senken. Eine Zahnstudie mit Hühnerhälsen oder anderen Knochen, die ganz gefressen werden, haben wir nicht gefunden. Was gegen Zahnstein nachweislich hilft, steht unter Zahnstein beim Hund.

Kauen und Beschäftigung

Viele Hunde nagen gern und lange an Knochen. Ob Kauen sie beruhigt oder satt macht, ist offen: Eine Übersichtsarbeit der Universität Sydney nennt die Bedeutung des Kauens für Wohlbefinden und Gesundheit des Hundes ungeklärt (Quinn et al. 2025). Ein gewolfter Knochen beschäftigt ohnehin nicht.

Kot und Analdrüsen

In BARF-Ratgebern heißt es, Knochen machten den Kot fester und beugten so Problemen mit den Analdrüsen vor. Eine Studie, die das für Knochen zeigt, haben wir nicht gefunden. In einer Befragung von Tierärztinnen und Tierärzten galt die Art der Fütterung nicht als Ursache für Analbeutelerkrankungen, Durchfall dagegen schon, und zur Vorbeugung nennt die Arbeit ballaststoffreiches Futter, nicht Knochen (Corbee et al. 2022). Sicher ist nur die Kehrseite: Ein Zuviel an Knochen führt leicht zu schweren Verstopfungen (Bundestierärztekammer).

Was gegen Knochen spricht

Steckenbleiben in der Speiseröhre

Das ist das größte Risiko. In einer australischen Auswertung von 222 Hunden mit Fremdkörper in der Speiseröhre war es in 81 Prozent Knochen oder Knorpel, und 5 Prozent der Hunde starben in der Klinik (Burton et al. 2017). Bleibt ein Knochen länger stecken, kann die Speiseröhre durchbrechen: In einer US-Studie kamen Hunde mit einem durchgebrochenen Knochenfremdkörper im Median erst nach 96 Stunden in die Klinik, die übrigen nach 24 (Sterman et al. 2018).

Kleine Hunde trifft es öfter. In einer Universitätsklinik in Minnesota wogen 85 Prozent der Hunde mit einem Fremdkörper in der Speiseröhre unter 10 Kilo, Knochen waren dort der häufigste Fremdkörper, und kleine Rassen, allen voran West Highland White Terrier, kamen deutlich häufiger vor, als ihr Anteil an den Patienten der Klinik erwarten ließ (Bongard et al. 2019). In einer Studie nur über Knochen wogen die Hunde mit einem Knochen in der Speiseröhre im Median 7 Kilo, die mit einem Knochen im Magen 18,6 Kilo (Barash et al. 2022). Größere Hunde sind aber nicht ausgenommen: In der australischen Auswertung wogen die Fälle im Median 15,7 Kilo, Labradore waren so häufig wie West Highland White Terrier (Burton et al. 2017). Eine Gewichtsgrenze, ab der ganze Knochen sicher wären, nennt keine Studie und keine Behörde. Es kommt eher darauf an, wie groß ein Stück im Verhältnis zum Hund ist (Barash et al. 2022).

Wie oft ein gebarfter Hund einen Knochen in die Speiseröhre bekommt, sagen diese Studien nicht: Sie zählen Hunde, die in eine Klinik kamen, nicht Hunde, die Knochen fressen.

Im Magen meist harmlos

Hat ein Knochen den Magen erreicht, wird er meist verdaut. In einer US-Klinik blieben die Knochen bei 62 von 84 Hunden ohne Eingriff im Magen liegen (Barash et al. 2022). Folgen können sich trotzdem erst nach Stunden bis Tagen zeigen, mehr dazu unten unter „Wann sofort in die Tierarztpraxis?“

Verstopfung

Zu viel Knochen macht den Kot hart und trocken, in BARF-Ratgebern heißt das „Knochenkot“. Davor warnen die Bundestierärztekammer und das MSD Veterinary Manual, das Knochen unter den Ursachen einer Verstopfung nennt. Wie häufig das passiert, ist kaum untersucht. In einer italienischen Befragung von 218 Halterinnen und Haltern roh gefütterter Hunde gaben je 41 Prozent Knochen täglich oder ein- bis zweimal pro Woche, und 45 Prozent berichteten von Beschwerden seit der Umstellung, vor allem Durchfall, Verstopfung und Erbrechen. Was davon auf die Knochen ging, trennt die Befragung nicht (Morelli et al. 2019).

Zähne und Kiefer

Sehr harte Knochen können Zähne brechen lassen (WSAVA). Die US-Leitlinie zur Zahngesundheit sieht keinen guten Grund für harte Kauartikel, natürliche Knochen eingeschlossen, die Zähne beschädigen können (AAHA 2019). Ringförmige Markknochenscheiben können über den Unterkiefer rutschen und hinter den Eckzähnen festsitzen; in einem dokumentierten Fall musste der Ring in Narkose durchgesägt werden (ASPCA).

Ganz, gewolft oder ohne?

FormWas sie bringtWas bleibt
Ganze fleischige Knochen, etwa HühnerhälseCalcium und etwas zum Kauenein Stück kann in der Speiseröhre stecken bleiben; die Calciummenge ist ungenau
Gewolfte Knochendasselbe Calcium ohne harte Stückenichts zum Kauen; zu viel verstopft genauso
KnochenmehlCalcium und Phosphor zum Abwiegennichts zum Kauen
Ohne Knochen, mit Calciumzusatzdie genaueste Dosierungder Zusatz muss jeden Tag in den Napf

In BARF-Ratgebern gelten gewolfte Knochen als passend für Anfänger und für Hunde, die schlecht kauen, und kommerzielle BARF-Pakete sind laut einer Münchner Doktorarbeit meist ohnehin gewolft (Hajek 2023). Tierärztliche Ernährungsberatungen raten, mit knorpeligen Stücken oder gewolften Hühnerhälsen zu beginnen, dann ganze Hälse zu probieren und den Hund dabei im Blick zu behalten. Eine Studie, die ganze und gewolfte Knochen vergleicht, haben wir nicht gefunden.

Welche Knochen eignen sich, welche nicht?

Als risikoärmer gelten Knochen junger Tiere, etwa Kalbsrippen, Kalbsbrustbein oder fleischige Hühnerhälse. Sehr harte Knochen wie Röhrenknochen, Knochen von Wildtieren oder von älteren Tieren können splittern, den Magen-Darm-Trakt verletzen, den Schlund verlegen oder Zähne brechen lassen. So fasst es eine Doktorarbeit der Ludwig-Maximilians-Universität München aus der Fachliteratur zusammen. Tierärztliche Ernährungsberatungen warnen außerdem, dass Markknochen und Knorpelringe aus der Luftröhre im Rachen festsitzen können, wenn ein Hund sie im Ganzen abschluckt.

Schlund, Kehlkopf und Kopffleisch: die Schilddrüse

Am Hals von Rind und Lamm sitzt die Schilddrüse, und wird sie beim Zerlegen nicht vollständig entfernt, landen ihre Hormone im Futter. Die US-Behörde FDA warnt, dass Futter und Kauartikel mit Schlund, also Fleisch aus der Kehlregion, Schilddrüsengewebe enthalten können, und dass Hunde davon eine Schilddrüsenüberfunktion bekommen können. Eine Klinik in Hofheim beschrieb zwölf solche Hunde, die rohes Fleisch oder frischen oder getrockneten Schlund gefressen hatten; bei den nachuntersuchten Hunden normalisierten sich die Werte nach dem Futterwechsel (Köhler et al. 2012). Ein Wiener Fallbericht beschreibt eine Zwergpinscher-Hündin, deren BARF-Ration auf Rinderknochen und Fleisch aus der Kopf- und Halsregion beruhte (Sontas et al. 2014). Die Bundestierärztekammer nennt die Jod-Überversorgung bei Fütterung von Schlund ausdrücklich. Gewolfter Rinderkehlkopf, Schlund und Kopffleisch gehören deshalb nicht in den Napf, auch nicht als Calciumquelle.

Ohne Knochen: was sie ersetzt

Manche Hunde vertragen keine Knochen, oder ihre Halterinnen und Halter wollen keine füttern. Das geht, solange das Calcium auf anderem Weg in die Ration kommt und das Verhältnis zum Phosphor stimmt. In BARF-Ratgebern gilt Knochenmehl als der eigentliche Ersatz, weil es mehr als nur Calcium enthält; Eierschalen oder andere Calciumprodukte liefern ihnen zufolge meist nur Calcium. Tierärztlich geführte Ernährungsberatungen bieten für BARF ohne Knochen eigene Mineralpulver mit Calcium an. Welcher Ersatz in welcher Menge passt, zeigt nur die berechnete Ration.

Fehlt der Ersatz, fällt das beim erwachsenen Hund lange nicht auf. Eine Münchner Fallbeschreibung zeigt einen Hund, der über viele Jahre eine Ration ohne Mineralstoffzusatz bekam und erst mit einem weich gewordenen Kiefer auffiel; sein Calcium im Blut war normal (Becker et al. 2012). Bei Welpen geht es schneller und ist gefährlicher, mehr dazu unter BARF für Welpen.

Gekochte Knochen: nie

Gekochte und gebratene Knochen, etwa vom Braten oder vom Grill, gehören nie in den Napf. Die britische Tierärztevereinigung BVA warnt, dass gekochte Knochen splittern und den Verdauungstrakt durchstoßen können. Die US-Behörde FDA warnt mit Blick auf die Reste vom Festessen, dass Knochen etwa vom Truthahn oder vom Steak in Speiseröhre, Magen oder Luftröhre stecken bleiben können. In einem Materialversuch brach gebackener Knochen spröde, und auch gekochter Knochen war schwächer als roher (Fantner et al. 2004). Ob rohe Knochen bei Hunden tatsächlich seltener Probleme machen als gekochte, hat laut einer Übersichtsarbeit noch niemand untersucht (Lyu et al. 2025).

Wann sofort in die Tierarztpraxis?

Ist ein Stück ungekaut stecken geblieben, zeigt sich das laut der FDA etwa durch Sabbern, Erbrechen oder Würgen bis hin zu Atemnot. Dann rufst du sofort in der Praxis an. Steckt ein Knochen in Magen oder Darm, zeigen sich die Folgen unter Umständen erst nach Stunden bis Tagen: Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit, kein Appetit und Bauchschmerzen. Auch zu viel Knochen kann bis zu einer lebensbedrohlichen Verstopfung führen, fasst die Münchner Doktorarbeit aus der Fachliteratur zusammen. Im Zweifel rufst du an, denn bleibt ein Knochen zu lange stecken, kann der Hund laut FDA schwer krank werden. Für Hygiene beim Umgang mit rohem Futter und für Haushalte, in denen Rohfütterung heikel ist, siehe Ist BARF gesund?

Häufige Fragen

Braucht mein Hund beim BARF Knochen?

Nein, aber er braucht das Calcium darin. Fleisch allein deckt den Bedarf nicht (Bundestierärztekammer). Ohne Knochen muss das Calcium aus einem Zusatz kommen, und welcher in welcher Menge passt, zeigt die berechnete Ration.

Helfen Knochen gegen Zahnstein?

Große Knochenstücke zum Nagen reiben sichtbaren Zahnstein auf der Krone ab, unter dem Zahnfleisch nicht (Pinto et al. 2020). Vor Parodontitis schützen Knochen laut WSAVA nicht, und harte Knochen können Zähne brechen lassen.

Darf ein kleiner Hund ganze Hühnerhälse fressen?

Eine Gewichtsgrenze nennt keine Quelle. Kleine Hunde und Terrier kamen aber mit Fremdkörpern in der Speiseröhre, meist Knochen, deutlich häufiger in die Klinik, als ihr Anteil an den Patienten erwarten ließ (Bongard et al. 2019), und Hunde mit einem Knochen in der Speiseröhre wogen in einer anderen Klinik im Median 7 Kilo (Barash et al. 2022). Gewolfte Hälse liefern dasselbe Calcium ohne harte Stücke. Wenn du ganze gibst, bleib in der Nähe, solange dein Hund frisst.

Können Hühnerhälse die Schilddrüse stören?

In den Fällen, die wir gefunden haben, fraßen die Hunde rohes Fleisch, frischen oder getrockneten Schlund (Köhler et al. 2012) oder Fleisch aus der Kopf- und Halsregion vom Rind (Sontas et al. 2014), und die FDA warnt vor Schlund aus der Schlachtung von Rind und Lamm. Lass Schlund, Kehlkopf und Kopffleisch vom Rind weg, auch getrocknet als Kauartikel.

Darf mein Hund gekochte Knochen fressen?

Nein. Gekochte Knochen können splittern und den Verdauungstrakt durchstoßen (BVA). Entsorge Knochen vom Braten oder vom Grill so, dass dein Hund nicht herankommt (FDA).

Fazit

  • Knochen sind im BARF vor allem die Calciumquelle, und eine ungenaue.
  • Zahnstein auf der Krone reiben große Nageknochen ab; vor Parodontitis schützen Knochen nicht, und für die Analdrüsen gibt es keinen Beleg.
  • Das größte Risiko ist ein Stück in der Speiseröhre, vor allem bei kleinen Hunden und Terriern; eine sichere Gewichtsgrenze gibt es nicht.
  • Gewolft bringt dasselbe Calcium ohne harte Stücke, ohne Knochen geht es mit einem abgewogenen Calciumzusatz.
  • Kein Schlund, kein Kehlkopf, kein Kopffleisch vom Rind, keine Markknochenscheiben und nie gekochte Knochen.
  • Bei Sabbern, Würgen, Atemnot, Erbrechen oder Bauchschmerzen nach einem Knochen sofort in der Praxis anrufen.

Quellen

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