
BARF-Ration berechnen lassen: Was eine Rationsberechnung leistet und warum ein Bluttest sie nicht ersetzt

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Rationsberechnung vergleicht, was die Ration an Nährstoffen liefert, mit dem Bedarf des einzelnen Hundes
- In einer Münchner Auswertung von 95 BARF-Rationen waren 60 Prozent unausgewogen; die ausgewogenen kombinierten viele Zutaten, darunter Knochen, Eierschale, Seealge, Leber, Lebertran und Mineralfutter
- In einer Münchner Studie hingen ein Blutprofil für gebarfte Hunde und die berechnete Versorgung allenfalls schwach zusammen; das Autorenteam nennt die Rationsberechnung den Goldstandard
- Die Bundestierärztekammer rät allen, die ihr Tier roh füttern wollen, sich tierärztlich beraten zu lassen
- Neu gerechnet wird, wenn sich Zutaten, Gewicht oder Gesundheit ändern; bei Welpen ändert sich der Bedarf außerdem mit dem Wachstum
Eine BARF-Ration ist nur so vollständig wie ihre Zusammensetzung. In Studien waren die meisten selbst gemischten Rationen bei Mineralstoffen, Spurenelementen oder Vitaminen unausgewogen. Ob eine Ration stimmt, zeigt eine Rationsberechnung. Die Bundestierärztekammer rät allen, die ihr Tier roh füttern wollen, sich auf jeden Fall tierärztlich beraten zu lassen.
Was eine Rationsberechnung macht
Eine Rationsberechnung rechnet aus, was die Zutaten einer Ration in der gefütterten Menge an Nährstoffen liefern, und vergleicht das mit dem Bedarf des Hundes. Die Studien in diesem Artikel legten die Empfehlungen des US-Forschungsrats NRC zugrunde. Dafür braucht sie Angaben zum Hund, etwa Gewicht, Alter und Aktivität, und zu jeder Zutat und Menge. Wie genau sie ist, hängt von diesen Angaben und von den Nährwerttabellen der Zutaten ab; der Gehalt an Mineralstoffen kann dabei über- oder unterschätzt werden (Dillitzer et al. 2011). Das Ergebnis zeigt, welche Nährstoffe fehlen oder zu hoch liegen, und wie Zutaten und Zusätze angepasst werden müssen.
In der Forschung geschieht das mit Software: In einer Münchner Studie mit dem Programm „Diet Check Munich“ auf Grundlage der NRC-Werte (Hajek et al. 2022), in einer Wiener Arbeit mit einem Rationsprogramm nach denselben Empfehlungen (Siess 2020).
Warum Zutaten allein selten reichen
In einer Münchner Auswertung von 95 BARF-Rationen erwachsener Hunde, deren Halter eine Prüfung angefragt hatten, waren 60 Prozent unausgewogen. Angeboten hatten die Prüfung die Universität München und eine private Ernährungsberatung, die an der Studie beteiligt war und heute auch Zusätze verkauft. Die übrigen 40 Prozent der Rationen hatten kleinere Probleme wie zu viel Calcium aus Knochen oder waren ausgewogen. Die ausgewogenen enthielten eine Kombination der meisten dieser Zutaten: Knochen, Eierschale, Seealge, Nüsse, Weizenkleie, Weizenkeime, Sesam, Leinsaat, Leber, Lebertran, Kokosflocken oder Trockenfutter und Mineralfutter (Dillitzer et al. 2011). Was einer Ration am häufigsten fehlt, Jod, Zink, Kupfer und Vitamin D, und welche Zusätze das ausgleichen, steht unter BARF-Zusätze.
Bei wachsenden Hunden war von 36 BARF-Rationen, die bei zwei tierärztlichen Ernährungspraxen eingereicht wurden, keine ausgewogen; die Wiener Diplomarbeit dazu ist nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet (Siess 2020). Mehr dazu unter BARF für Welpen.
Warum ein Bluttest die Berechnung nicht ersetzt
Labore bieten Blutprofile für gebarfte Hunde an, als einfachen Weg, die Versorgung zu prüfen. In einer Münchner Studie mit 104 Hunden, 83 davon roh gefüttert, wurden die Rationen berechnet und mit einem solchen Blutprofil verglichen, das unter anderem Calcium, Phosphat, Vitamin A und D, Kupfer, Zink und Jod umfasste. Zwischen der berechneten Versorgung und den Blutwerten fand die Studie allenfalls schwache Zusammenhänge. Für die meisten Werte eigne sich ein solches Blutprofil deshalb nicht, die computergestützte Rationsberechnung bleibe der Goldstandard (Hajek et al. 2022).
Dazu passt eine neuere Studie mit 51 erwachsenen, roh gefütterten Hunden: Kupfer, Zink und Mangan lagen nach der Berechnung im Median unter der Empfehlung, im Blut zwar niedriger als bei Hunden mit Fertigfutter, aber bei allen Hunden im Referenzbereich. Das Autorenteam empfiehlt trotzdem, Rohrationen tierärztlich prüfen und korrigieren zu lassen und, wo nötig, Zusätze zu geben (von Lindeiner et al. 2026).
Wer rechnet
Eine Rationsberechnung bieten tierärztliche Ernährungsberatungen an, etwa an Universitäten oder in Praxen mit Fachtierärztinnen und Fachtierärzten für Ernährung und Diätetik. Die Wiener Diplomarbeit rät, bei BARF für Hunde eine solche spezialisierte Beratung einzubeziehen (Siess 2020). Manche tierärztlich geführte Beratungen verkaufen auch selbst Zusätze; frag nach, wenn dir eine Empfehlung unklar ist.
Wann neu gerechnet wird
Eine Berechnung gilt für die Ration und den Hund, für die sie gemacht wurde. Ändern sich Zutaten, Fleischsorte, Gewicht, Aktivität oder Gesundheit, sollte sie angepasst werden. Bei Welpen ändert sich der Bedarf mit dem Wachstum. In der Wiener Diplomarbeit lag Calcium bei den meisten Hunden unter der Empfehlung; die Arbeit vermutet, dass Knochen und Zusätze nicht dem Bedarf im jeweiligen Wachstumsstadium angepasst waren (Siess 2020). Wie viel dein Hund insgesamt fressen sollte, steht unter Wie viel BARF braucht mein Hund?
Die Hygieneregeln für rohes Futter und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?
Häufige Fragen
Brauche ich eine Rationsberechnung, wenn ich ein Mineralpulver gebe?
Ja. Ob ein Mineralpulver zur übrigen Ration passt, hängt von Fleisch, Innereien, Knochen und Fisch ab. Zusätze und Innereien müssen laut der Wiener Diplomarbeit immer miteinander abgeglichen werden, damit kein Nährstoff zu hoch liegt (Siess 2020). Die Berechnung zeigt, ob die Ration insgesamt stimmt.
Kann ein Bluttest zeigen, ob meine BARF-Ration stimmt?
Meist nicht. In einer Münchner Studie hingen die Werte eines Blutprofils für gebarfte Hunde und die berechnete Versorgung allenfalls schwach zusammen (Hajek et al. 2022). Ein Bluttest kann aus anderen Gründen sinnvoll sein, die Rationsberechnung ersetzt er nicht.
Wer berechnet eine BARF-Ration?
Tierärztliche Ernährungsberatungen, etwa an Universitäten oder in Praxen mit einem Schwerpunkt in Tierernährung. Die Bundestierärztekammer rät, sich vor dem Barfen tierärztlich beraten zu lassen (Bundestierärztekammer).
Wie oft muss eine BARF-Ration neu berechnet werden?
Wenn sich Zutaten, Gewicht, Aktivität oder Gesundheit ändern. Bei Welpen außerdem mit dem Wachstum, weil sich ihr Bedarf mit dem Wachstumsstadium ändert.
Fazit
- Die meisten selbst gemischten BARF-Rationen waren in Studien unausgewogen.
- Eine Rationsberechnung vergleicht Zutaten und Mengen mit dem Bedarf des einzelnen Hundes.
- Ein Blutprofil ersetzt die Berechnung nicht.
- Gerechnet wird in tierärztlichen Ernährungsberatungen; neu gerechnet, wenn sich etwas ändert.
- Bei Welpen ändert sich der Bedarf mit dem Wachstum, die Ration muss deshalb immer wieder angepasst werden.
Quellen
- Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs · British Journal of Nutrition
- Computer-aided ration calculation (Diet Check Munich©) versus blood profile in raw fed privately owned dogs · Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition (PubMed)
- Lower prevalence of obesity and nutritional imbalances in dogs fed a raw meat-based diet (RMBD) compared to a commercial complete diet · BMC Veterinary Research (PMC)
- Häufige Fehler bei selbst zubereiteten BARF-Rationen in der Fütterung heranwachsender Hunde · Veterinärmedizinische Universität Wien (Diplomarbeit)
- BARFen – aber richtig! (Presseinformation Nr. 22/2016) · Bundestierärztekammer
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