Wie viel BARF braucht mein Hund? Warum die Prozentregel nur eine Näherung ist
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Wie viel BARF braucht mein Hund? Warum die Prozentregel nur eine Näherung ist

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
23. Oktober 20266 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

BARF-Ratgeber rechnen die Tagesmenge meist mit 2 bis 4 Prozent des Körpergewichts. Das unterstellt, dass jedes Gramm Futter gleich viel Energie liefert. Warum mageres Fleisch und Gemüse die Rechnung verschieben, ob gebarfte Hunde wirklich weniger Energie brauchen, und wie du die richtige Menge findest.

Das Wichtigste in Kürze

  • BARF-Ratgeber rechnen meist mit 2 bis 4 Prozent des Körpergewichts pro Tag, kleine Hunde mit mehr, große mit weniger
  • Eine Prozentregel unterstellt eine bestimmte Energiedichte; mageres Fleisch und viel Gemüse liefern pro Gramm weniger Energie als fettes Fleisch
  • Fett liefert laut NRC pro Gramm 9 Kilokalorien, Eiweiß 4; für Fleisch und Innereien funktionieren diese Faktoren laut NRC gut
  • In einer Münchner Auswertung nahmen Hunde mit BARF-Rationen nahezu gleich viel Energie auf wie Hunde mit Fertigfutter
  • Jede Rechnung ist nur ein Startpunkt; ob die Menge passt, zeigen Waage und Körperzustand

Wie viel BARF ein Hund braucht, hängt nicht am Gewicht des Futters, sondern an seiner Energie. BARF-Ratgeber rechnen trotzdem meist mit einem Prozentsatz des Körpergewichts. Das ist eine brauchbare Näherung, solange das Futter so viel Energie liefert, wie die Regel stillschweigend annimmt. Mit magerem Fleisch oder viel Gemüse stimmt sie nicht mehr.

Was BARF-Ratgeber rechnen

Ein BARF-Ratgeber staffelt die Tagesmenge nach Größe: Zwergrassen 3 bis 4 Prozent des Körpergewichts, große Rassen 2 Prozent. Ein BARF-Shop nennt für einen ausgewachsenen, gesunden Hund 2 bis 3 Prozent. Auch eine tierärztlich geführte Ernährungsberatung schreibt, üblich seien je nach Aktivität und Größe 2 bis 4 Prozent des Körpergewichts.

Warum die Prozentregel nur eine Näherung ist

Eine Prozentregel rechnet mit Gramm. Der Hund braucht aber Energie, und wie viel Energie in einem Gramm steckt, hängt von der Zusammensetzung ab. Fett liefert pro Gramm etwa 9 Kilokalorien, Eiweiß und Kohlenhydrate etwa 4; diese Faktoren funktionieren laut dem US-Forschungsrat NRC für Zutaten selbst gemachter Rationen wie Fleisch, Innereien, Geflügel und Fisch erstaunlich gut, nicht aber für Knochen. Bei ballaststoffreichen Zutaten wie Salat, Obst oder Hülsenfrüchten weichen sie ab.

Daraus folgt: Dieselbe Menge in Prozent liefert mit fettem Muskelfleisch deutlich mehr Energie als mit magerem. Auch Ballaststoffe verdünnen laut NRC die Energie einer Ration. Wer mager barft oder viel Gemüse dazugibt, braucht für dieselbe Energie mehr Gramm, als die Regel sagt; wer sehr fettes Fleisch füttert, braucht weniger.

Genauer ist es, den Energiebedarf zu schätzen und daraus die Menge abzuleiten. Wie das geht und was Gewicht, Alter, Aktivität und Kastration ändern, steht unter Wie viel Futter braucht mein Hund?

Brauchen gebarfte Hunde weniger Energie?

Ein BARF-Ratgeber schreibt, gebarfte Hunde bräuchten erfahrungsgemäß weniger Kalorien, als der Bedarfswert nahelegt, und führt das darauf zurück, dass Hunde Fett effizienter verstoffwechseln könnten. In einer Münchner Doktorarbeit, die Rationen aus der tierärztlichen Ernährungsberatung der Universität auswertete, nahmen Hunde mit fleischreichen Rationen wie BARF aber nahezu gleich viel Energie auf wie Hunde mit Fertigfutter, berechnet aus den Angaben der Halter in einem Fragebogen. Dass Fett im Fleisch mehr Energie liefert als berechnet, ließ sich daraus nicht ableiten (Thes 2014). Die meisten Hunde der Auswertung waren chronisch krank; auf den Energiebedarf hatte das laut der Arbeit keinen Einfluss.

Richtig ist etwas anderes: Viele Haushunde brauchen weniger, als die Laborwerte nahelegen. Hunde ohne Gelegenheit und Anreiz zu Bewegung brauchen laut NRC 10 bis 20 Prozent weniger Energie als Versuchshunde. Und der europäische Industrieverband FEDIAF schreibt, durchschnittliche Bedarfswerte könnten für Hunde, die wenig bewegt werden, zu hoch sein; es könne besser sein, niedriger anzufangen und bei Bedarf zu erhöhen. Das gilt für BARF genauso wie für Fertigfutter.

So findest du die Menge

  1. Starten: mit dem geschätzten Energiebedarf für das Idealgewicht oder, als grobe Näherung, mit der Prozentregel. Wie viel Energie deine Ration pro Gramm liefert, rechnet eine Rationsberechnung aus, mehr dazu unter BARF-Ration berechnen lassen.
  2. Wiegen: die Tagesmenge mit einer Küchenwaage abwiegen.
  3. Prüfen: Hund regelmäßig wiegen und den Körperzustand beurteilen. Nimmt er zu, gibst du weniger, nimmt er ab, mehr. Wie du den Körperzustand einschätzt, steht unter Wie viel Futter braucht mein Hund?

Ändert sich die Zusammensetzung der Ration, etwa ein anderes Fleisch oder mehr Gemüse, ändert sich auch die passende Menge. Leckerlis und Kauartikel zählen mit, mehr dazu unter Leckerli-Kalorien.

Die Menge sagt nur, wie viel Energie ankommt, nicht, ob die Ration vollständig ist. Was einer BARF-Ration an Mineralstoffen und Vitaminen fehlen kann, steht unter BARF-Zusätze. Die Hygieneregeln für rohes Futter und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?

Welpen

Welpen brauchen pro Kilo Körpergewicht deutlich mehr Energie, abhängig davon, wie weit sie schon gewachsen sind (NRC). Prozentregeln bilden das nicht ab, mehr dazu unter BARF für Welpen.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent vom Körpergewicht braucht ein Hund beim BARF?

BARF-Ratgeber nennen meist 2 bis 4 Prozent, kleine Hunde mehr, große weniger. Das ist nur eine Näherung, weil die Energie pro Gramm vom Fettgehalt und vom Gemüseanteil abhängt.

Brauchen gebarfte Hunde weniger Futter?

In einer Münchner Auswertung nahmen Hunde mit BARF-Rationen nahezu gleich viel Energie auf wie Hunde mit Fertigfutter; die Art der Fütterung hatte dort keinen Einfluss auf den Energiebedarf (Thes 2014). Viele Haushunde brauchen aber weniger als die Laborwerte (NRC).

Warum nimmt mein Hund mit BARF ab oder zu?

Nach einer Umstellung oder einer Änderung der Ration kann es daran liegen, dass sie mehr oder weniger Energie liefert, als die Prozentregel annimmt: mageres Fleisch und viel Gemüse liefern weniger, sehr fettes Fleisch mehr. Passe die Menge an und prüfe Gewicht und Körperzustand regelmäßig. Nimmt dein Hund ohne Änderung der Ration deutlich ab oder zu, oder trotz angepasster Menge weiter, lass das in der Tierarztpraxis abklären.

Gibt es einen BARF-Rechner, dem ich vertrauen kann?

Ein Rechner ist so gut wie die Annahmen dahinter. Ein Rechner, der nur Prozent vom Körpergewicht nimmt, kennt die Energie deines Futters nicht. Ob die Menge passt, zeigen am Ende Waage und Körperzustand.

Fazit

  • Die Prozentregel ist eine Näherung und stimmt nur für Futter mit der Energiedichte, die sie unterstellt.
  • Mit magerem Fleisch und viel Gemüse braucht es mehr Gramm, mit sehr fettem Fleisch weniger.
  • Gebarfte Hunde nahmen in einer Münchner Auswertung nahezu gleich viel Energie auf wie Hunde mit Fertigfutter.
  • Viele Haushunde brauchen weniger als die Durchschnittswerte, deshalb niedrig anfangen.
  • Waage und Körperzustand entscheiden, nicht die Regel.

Quellen

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