Muskelfleisch beim BARF: Welche Tierart, wie fett, und was roh nicht in den Napf gehört
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Muskelfleisch beim BARF: Welche Tierart, wie fett, und was roh nicht in den Napf gehört

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
23. Oktober 20268 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Muskelfleisch liefert in einer BARF-Ration vor allem Eiweiß, aber nicht genug Calcium und Spurenelemente. Welche Tierarten üblich sind, ob du abwechseln musst, was bei einer Futtermittelallergie zählt, und warum rohes Schweinefleisch, Wildschwein und rohes Wild besondere Vorsicht brauchen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fleisch enthält Calcium, Natrium und verschiedene Spurenelemente laut Bundestierärztekammer nicht in ausreichender Menge
  • Zwischen Tierarten abzuwechseln ist laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung für die Nährstoffe nicht nötig; rotes Fleisch bringt mehr Eisen als Geflügel, mageres Rindfleisch ein Vielfaches des Zinks von Hähnchenbrust
  • Für eine Ausschlussdiät braucht es laut MSD Veterinary Manual Fleisch, das der Hund noch nie bekam, und möglichst keine verwandte Tierart
  • Rohes Schweinefleisch kann das Virus der Aujeszkyschen Krankheit übertragen, die für Hunde immer tödlich ist; bei Wildschweinen kommt es in Deutschland noch vor
  • Gegen Parasiten in rohem Fleisch, auch Wild, empfiehlt ESCCAP mindestens eine Woche Tiefkühlen bei minus 17 bis minus 20 Grad; Wildschwein macht auch das nicht sicher

Muskelfleisch liefert in einer BARF-Ration vor allem Eiweiß. Calcium, Natrium und verschiedene Spurenelemente enthält Fleisch laut Bundestierärztekammer aber nicht in ausreichender Menge, deshalb kommt es nie allein in den Napf. Bei der Wahl der Tierart geht es um drei Fragen: Was bringt sie an Spurenelementen mit, kennt dein Hund sie schon, und welche Erreger kann sie roh tragen?

Wofür: Eiweiß, Eisen, wenig Spurenelemente

Fleisch enthält laut einer tierärztlich geführten Ernährungsberatung zwischen 15 und 25 Prozent Eiweiß. Kupfer, zum Teil Zink, Mangan und Jod stecken darin dagegen eher wenig, meist nicht genug für den Bedarf. Eine andere tierärztliche Beratung schreibt, rotes Fleisch von Rind, Lamm, Pferd und Wild enthalte mehr Eisen als das helle Fleisch von Huhn oder Pute. Auch beim Zink liegen die Tierarten weit auseinander: Mageres Rindfleisch enthält laut der US-Nährwertdatenbank FoodData Central ein Vielfaches des Zinks von Hähnchenbrust. Ob eine Ration genug Zink liefert, zeigt die Rationsberechnung, mehr dazu unter BARF-Zusätze.

Wie fett Muskelfleisch ist, schwankt laut der ersten Beratung je nach Fleischsorte und Stück zwischen etwa 2 und 20 Prozent. Die zweite hält Fleisch mit 6 bis 12 Prozent Fett für passend bei Hunden ohne besonderen Leistungsbedarf, ohne Gewichtsprobleme und ohne gesundheitliche Probleme. Pferd und Hirsch führt sie mit etwa 3 Prozent Fett.

Was üblich ist: viele Tierarten, und die Frage nach dem Wechsel

Das Angebot im Handel reicht laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung von Rind, Geflügel, Schaf und Ziege über Wild und Pferd bis zu Exoten wie Känguru und Strauß.

Ob man zwischen Tierarten abwechseln muss, sehen Ratgeber unterschiedlich. Ein BARF-Ratgeber hält Abwechslung für wichtig und schreibt, man solle am besten Fleisch, Innereien und Knochen von zwei bis drei Tierarten füttern. Eine tierärztliche Ernährungsberatung hält Abwechseln dagegen für die Nährstoffe nicht für nötig, weil das Fleisch verschiedener Tiere ähnliche Nährstoffe bringe.

Derselbe BARF-Ratgeber empfiehlt, bevorzugt Fleischstücke zu kaufen und gewolftes Fleisch nur in Ausnahmefällen zu verwenden.

Was belegt ist: Bei Allergie zählt, was der Hund schon kennt

In einer Auswertung der Fachliteratur waren Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen die häufigsten Auslöser einer Futtermittelallergie beim Hund. Das Autorenteam schreibt selbst, das könne einfach widerspiegeln, was Hunde in den Jahrzehnten davor gefressen haben. Alle drei erhielten Honorare oder Forschungsgelder von einem Futterhersteller, der auch die Veröffentlichung bezahlte (Mueller et al. 2016).

Für eine Ausschlussdiät braucht es laut MSD Veterinary Manual Fleisch, das der Hund noch nie bekommen hat. Klug könne es außerdem sein, keine Tierart zu wählen, die einer schon gefütterten ähnelt, etwa Lamm bei einem Hund, der Rind oder Milch bekam. In einer Münchner Auswertung von Bluttests bei 760 Hunden mit Allergieverdacht reagierten Rind und Lamm sowie Huhn und Ente häufig gemeinsam. Ob das echte Kreuzreaktionen sind und ob sie klinisch eine Rolle spielen, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Für eine Ausschlussdiät rät das Autorenteam trotzdem von verwandten Allergenen wie Rind und Lamm ab (Baumann et al. 2020).

Ein BARF-Shop bezeichnet Pferdefleisch als hypoallergen. Für eine Ausschlussdiät taugt es aber nach der MSD-Regel nur, solange der Hund es noch nie gefressen hat. MSD nennt Pferd außerdem unter Fleischsorten, bei denen sich die Aminosäurenfolge mehrerer häufiger Allergene ähnelt; was das klinisch bedeutet, ist noch unklar.

Fertiges Rohfutter kann für eine Ausschlussdiät unzuverlässig sein. In einer Studie mit nordamerikanischem Fertig-Rohfutter enthielten alle neun untersuchten Produkte für Hunde DNA von mindestens einer Tierart, die nicht auf dem Etikett stand. Das Autorenteam rät davon ab, solche Produkte für eine Ausschlussdiät zu nehmen (Cox et al. 2020). Eine Ausschlussdiät planst du mit deiner Tierarztpraxis. Wie lange sie dauert, steht unter Ist teures Hundefutter besser?.

Ohne oder ersetzen

Für die Nährstoffe musst du laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung nicht zwischen Tierarten abwechseln; eine Tierart reicht, wenn die übrige Ration stimmt. Wer die Tierart wechselt, etwa von Rind zu Geflügel, verschiebt damit aber die Spurenelemente, zum Beispiel das Eisen. Was die Ration danach braucht, zeigt die Rationsberechnung, mehr dazu unter BARF-Zusätze.

Dieselbe Beratung rät, das Fleisch von mindestens zwei Tierarten nie zu füttern, auch nicht als Kauartikel oder Leckerli, auch wenn dein Hund Abwechslung mag. Dann blieben für eine spätere Ausschlussdiät noch zwei Tierarten, die er nie bekam. Der Rat folgt aus der Regel, dass eine Ausschlussdiät Fleisch braucht, das der Hund nie bekam.

Wer einen Welpen barft, findet die Besonderheiten unter Welpen füttern.

Sicherheit

Rohes Schweinefleisch und Wildschwein

Durch rohes Schweinefleisch kann laut Bundestierärztekammer das Virus der Aujeszkyschen Krankheit übertragen werden, die für den Hund immer tödlich ist. Laut der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut entwickeln betroffene Hunde plötzlich große Unruhe, Erregbarkeit und Speichelfluss, häufig einen unstillbaren Juckreiz, und sterben innerhalb von ein bis drei Tagen. Wegen der Ähnlichkeit zur Tollwut heißt die Krankheit auch Pseudowut. In Europa ist kein Impfstoff für Hunde zugelassen.

Bei Hausschweinen ist die Krankheit in Deutschland seit den 1990er Jahren getilgt, bei Wildschweinen kommt das Virus noch vor (StIKo Vet). Von 1995 bis 2022 wurden in Deutschland 35 Hunde mit dem Virus gemeldet. 27 davon ließen sich auf direkten Kontakt zu Wild zurückführen, zwei auf ungekochte Innereien (Freuling et al. 2023). Deutschland gilt seit 2003 offiziell als frei von der Krankheit; die Bundestierärztekammer rät trotzdem, rohes Schweinefleisch nicht zu füttern.

Gekocht darf Schweinefleisch laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung gefüttert werden, weil Kochen das Virus unwirksam macht; auch das MSD Veterinary Manual nennt hohe Temperaturen als einen Weg, es zu inaktivieren. Auf Tiefkühlen allein ist kein Verlass: In einem Versuch mit künstlich infiziertem Schweinefleisch überstand ein Teil des Virus bei minus 18 Grad längere Zeit, nach 35 Tagen war keines mehr nachweisbar (Durham et al. 1980). Die größte Gefahr besteht laut StIKo Vet, wenn Hunde Aufbruch oder rohes Fleisch eines Wildschweins bekommen oder mit Nase und Maul an dessen Sekrete geraten. Wildschwein gehört deshalb nie roh in den Napf. Zeigt dein Hund nach rohem Schweine- oder Wildschweinfleisch Unruhe, Speichelfluss oder starken Juckreiz, ruf sofort deine Tierarztpraxis an.

Rohes Fleisch und Wild: Parasiten

Über rohes Fleisch und rohe Innereien können laut der deutschen Fassung der Wurm-Empfehlung der Fachgesellschaft ESCCAP verschiedene Parasiten auf Hunde übergehen, darunter Bandwürmer, Spulwürmer und Einzeller wie Toxoplasma, Sarcocystis und Neospora. Wie hoch das Risiko ist, sei unbekannt; sicher sei nur, dass es möglich ist und immer wieder vorkommt. ESCCAP empfiehlt, das Fleisch vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen oder zehn Minuten bei 65 Grad Kerntemperatur zu erhitzen. Hunde, die nicht so vorbereitetes rohes Fleisch bekommen, sollten alle vier Wochen gegen Bandwürmer behandelt werden und im selben Abstand gegen Spulwürmer entwurmt werden oder eine Kotuntersuchung bekommen. Gegen Einzeller schützen Mittel gegen Parasiten nicht. Den Fuchsbandwurm nimmt ein Hund laut ESCCAP über wilde Nagetiere auf.

Beim Wildschwein kommen zwei Parasiten hinzu, gegen die Tiefkühlen nicht sicher hilft. Gefrieren gilt gegen Trichinellen aus Wildtieren nicht als sichere Methode, und ob Kälte den Dunckerschen Muskelegel abtötet, lässt sich laut Bundesinstitut für Risikobewertung mangels Daten nicht verlässlich sagen. Der erwachsene Egel lebt im Darm von Hund, Katze, Fuchs und anderen Fleischfressern. Die Bewertung des BfR gilt dem Risiko für Menschen, nicht dem für Hunde.

Rohes Geflügel

Rohes Geflügelfleisch kann laut Bundestierärztekammer vor allem Salmonellen und Campylobacter tragen, die auch für Menschen gefährlich sind. In der amtlichen Lebensmittelüberwachung war 2024 gut jede dritte Probe frischen Hähnchenfleischs mit Campylobacter belastet, in den Vorjahren etwa jede zweite (BVL).

Für die Küche gelten bei jedem rohen Fleisch dieselben Hygieneregeln. Sie stehen unter Ist BARF gesund?, ebenso, für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist.

Häufige Fragen

Darf mein Hund rohes Schweinefleisch fressen?

Die Bundestierärztekammer rät davon ab, weil rohes Schweinefleisch das Virus der Aujeszkyschen Krankheit übertragen kann, die für Hunde immer tödlich ist. Hausschweine in Deutschland gelten als frei davon, bei Wildschweinen kommt das Virus aber noch vor (StIKo Vet). Gekocht darf Schweinefleisch laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung gefüttert werden.

Muss ich beim BARF die Fleischsorten wechseln?

Für die Nährstoffe nicht, schreibt eine tierärztliche Ernährungsberatung. Ein BARF-Ratgeber empfiehlt dagegen zwei bis drei Tierarten. Jede Tierart, die dein Hund einmal bekommen hat, fällt für eine spätere Ausschlussdiät weg.

Ist Pferdefleisch hypoallergen?

Nicht verlässlich. Für eine Ausschlussdiät taugt laut MSD nur Fleisch, das dein Hund noch nicht kennt, Pferd also nur, solange er es nie bekam. MSD nennt Pferd außerdem unter Fleischsorten mit möglichen Ähnlichkeiten zu anderen; was das klinisch bedeutet, ist noch unklar.

Darf ich Wild roh füttern?

ESCCAP empfiehlt, es vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen; sonst sollte dein Hund alle vier Wochen gegen Bandwürmer behandelt und gegen Spulwürmer entwurmt oder auf sie untersucht werden. Wildschwein gehört nicht roh in den Napf, weil es das Virus der Aujeszkyschen Krankheit tragen kann.

Wie fett sollte BARF-Fleisch sein?

Eine tierärztliche Ernährungsberatung hält 6 bis 12 Prozent Fett für passend bei Hunden ohne besonderen Leistungsbedarf, ohne Gewichts- und Gesundheitsprobleme. Wie fett Fleisch tatsächlich ist, hängt laut einer anderen Beratung von Sorte und Stück ab und reicht von etwa 2 bis 20 Prozent.

Fazit

  • Muskelfleisch liefert vor allem Eiweiß, aber nicht genug Calcium und Spurenelemente; der Rest kommt aus anderen Bausteinen und Zusätzen.
  • Abwechseln ist laut einer tierärztlichen Beratung für die Nährstoffe nicht nötig, ein Wechsel der Tierart kann die Spurenelemente aber verschieben.
  • Bei Allergieverdacht zählt, was der Hund noch nie gefressen hat; fertiges Rohfutter kann für eine Ausschlussdiät unzuverlässig sein.
  • Rohes Schweinefleisch und Wildschwein nicht füttern; gekocht ist Schweinefleisch möglich.
  • Rohes Fleisch, auch Wild, vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefkühlen.

Quellen

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