
Innereien beim BARF: Leber, Niere, Milz, und was mit dem Herzen ist

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Leber ist beim Hund der Hauptspeicher für Vitamin A und kann nennenswert Kupfer enthalten
- Nur Leber zu füttern kann auch beim Hund zu viel Vitamin A bringen; für Welpen schlägt der US-Forschungsrat NRC eine deutlich niedrigere Obergrenze vor als für erwachsene Hunde außerhalb der Zucht
- Das Herz zählen BARF-Ratgeber und eine tierärztliche Ernährungsberatung zu den Innereien; wie nah es dem Muskelfleisch steht, sehen BARF-Ratgeber unterschiedlich
- Mitgefüttertes Schilddrüsengewebe, etwa in Kopffleisch, kann beim Hund eine Überfunktion auslösen; in einer Fallserie trat sie bei Rohfütterung und bei frischem oder getrocknetem Schlund auf
- Über rohe Innereien wie Leber und Lunge können Bandwürmer übertragen werden; ESCCAP empfiehlt, sie mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen
Innereien bringen in eine BARF-Ration vor allem das, was Muskelfleisch kaum hat. Die Leber ist beim Hund der Hauptspeicher für Vitamin A und kann nennenswert Kupfer enthalten (NRC 2006). Genau deshalb ist sie auch die Innerei, bei der es ein Zuviel gibt: Nur Leber zu füttern kann laut MSD Veterinary Manual auch beim Hund zu viel Vitamin A bringen. Herz und Lunge unterscheiden sich laut einem BARF-Ratgeber kaum vom Muskelfleisch. Ein anderes Risiko, Schilddrüsengewebe, sitzt nicht in den Organen, sondern an Schlund und Kehlkopf.
Was üblich ist
In BARF-Ratgebern sind Innereien mit etwa 15 Prozent des tierischen Anteils üblich. Ein Ratgeber rechnet davon 30 bis 40 Prozent Leber und teilt den Rest gleichmäßig auf Niere, Milz, Lunge und Herz auf. Herz und Lunge nennt er die unwichtigsten, weil sie sich kaum vom Muskelfleisch unterscheiden; man könne sie auch weglassen und stattdessen je ein Drittel Leber, Niere und Milz geben. Zu viele Innereien auf einmal könnten zu weichem Kot führen.
Das Herz zählen BARF-Ratgeber und eine tierärztlich geführte Ernährungsberatung zu den Innereien. Wie nah es dem Muskelfleisch steht, wird aber unterschiedlich gesehen: Der eben genannte Ratgeber sieht kaum einen Unterschied, ein anderer sagt, die Zusammensetzung des Herzens liege näher an den anderen Innereien. Die Beratung nennt Herz fast reine Muskulatur. Auf dem Etikett eines Futtermittels darf es laut derselben Beratung nicht als Fleisch bezeichnet werden, weil darunter nur Skelettmuskulatur fällt.
Leber: Vitamin A
Die Leber ist bei Hund und Katze der Hauptspeicher für Vitamin A (NRC 2006). Bei Hunden ist eine Vergiftung mit Vitamin A selten, sie scheinen weniger empfindlich zu reagieren als Katzen (MSD). Nur Leber zu füttern kann aber bei beiden zu viel bringen.
Für Welpen und Zuchthündinnen schlägt der NRC eine deutlich niedrigere Obergrenze für Vitamin A vor als für erwachsene Hunde außerhalb der Zucht. Eine Lebermenge, die für einen erwachsenen Hund unbedenklich ist, kann für einen Welpen deshalb zu viel sein. Warum ein Welpe nur eine für das Wachstum berechnete Ration bekommen sollte, steht unter Welpen füttern.
Auch Fertigfutter ist nicht ausgenommen. In einer Münchner Untersuchung von 14 Pferdefleischprodukten aus dem Handel enthielten manche, auf deren Etikett Leber, Innereien oder tierische Nebenerzeugnisse standen, viel Vitamin A. Bei alleiniger Fütterung eines dieser Produkte lag die Zufuhr über der Obergrenze für Hunde (Becker & Kienzle 2013).
Leber: Kupfer
Kupfer ist laut NRC in vielen Zutaten von Tierfutter nicht reichlich enthalten, Leber kann nennenswert davon enthalten. Wie viel, hängt stark an der Tierart: In der Mineralstofftabelle des NRC hat Hühnerleber nur einen Bruchteil des Kupfers von Rinder- oder Lammleber (NRC 2006). Laut NRC könnte das Kupfer mancher Lebern, etwa vom Schwein, außerdem nicht verfügbar sein; die Arbeit dahinter ist ein Fütterungsversuch an Küken mit gefriergetrockneter Leber (Aoyagi et al. 1993). Eine tierärztliche Ernährungsberatung nennt als Kupferquelle Leber von Gans, Schaf oder Wild. Eine Leber durch eine andere zu ersetzen, ist deshalb kein neutraler Tausch. Rezepte, die Zutaten frei austauschen lassen, nennt auch ein Beitrag im Ernährungsblog der tiermedizinischen Fakultät der Tufts-Universität ein Warnsignal, weil Nährstoffe dabei stark schwanken können (Tufts).
Zu viel Kupfer in der Leber ist beim Hund die häufigste toxische Ursache einer chronischen Leberentzündung. Bedlington Terrier, Dalmatiner, Labrador Retriever, Dobermann und West Highland White Terrier sind dafür besonders anfällig, betroffen sein kann aber jede Rasse. Eine zu hohe Kupferaufnahme mit dem Futter beeinflusst die Kupferspeicherung in der Leber stark, bei anfälligen wie bei anderen Rassen (ACVIM-Konsensus 2019). Dass sich Kupfer in der Leber von Hunden häufiger anreichert, bringt dieselbe Stellungnahme unter anderem mit besser verfügbaren Kupferzusätzen in Fertigfutter in Verbindung. Gehört dein Hund zu diesen Rassen oder hat er eine Lebererkrankung, sprich die Leber in der Ration mit deiner Tierarztpraxis ab.
Niere, Milz, Herz und Lunge
- Niere und Milz: Bei einer tierärztlichen Ernährungsberatung heißt es, Milz enthalte sehr viel Eisen und Niere sei besonders selenreich.
- Herz: unterscheidet sich laut einem BARF-Ratgeber in der Zusammensetzung kaum vom Muskelfleisch; eine tierärztliche Beratung nennt es fast reine Muskulatur. Das Argument, Herz liefere Taurin, gilt vor allem für Katzen: Für Hunde ist Taurin laut NRC entbehrlich, wenn sie genug schwefelhaltige Aminosäuren bekommen (NRC 2006).
- Lunge: gilt in einem BARF-Ratgeber als unwichtige Innerei. Eine tierärztliche Beratung warnt, an Kehlkopf und Luftröhre hafte oft Schilddrüsengewebe an; Lunge allein könne man weiter geben.
Schilddrüse: Schlund, Kehlkopf und Kopffleisch
Mitgefüttertes Schilddrüsengewebe kann beim Hund eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen. In einer Fallserie aus einer deutschen Tierklinik hatten zwölf roh gefütterte Hunde einen erhöhten Wert des Schilddrüsenhormons Thyroxin; eine solche Überfunktion kann laut der Studie bei Rohfütterung und bei frischem oder getrocknetem Schlund auftreten (Köhler et al. 2012). Weitere Fälle gingen auf Kopffleisch mit Schilddrüse zurück (Zeugswetter et al. 2013). Auch Fertigfutter und Leckerlis aus Fleisch waren betroffen (Broome et al. 2015). Die US-Behörde FDA schreibt, eine solche Überfunktion gehe meist zurück, wenn der Hund das Produkt nicht mehr frisst, längerer Verzehr könne aber das Herz dauerhaft schädigen und zum Tod führen.
Die Bundestierärztekammer warnt vor einer Jod-Überversorgung bei Fütterung von Schlund. Tierärztliche Ernährungsberatungen nennen als heikle Teile Schlund, Kopffleisch, Stichfleisch, Kehlkopf und Luftröhre, und laut einer von ihnen macht Erhitzen die Hormone nicht unwirksam. Ein BARF-Ratgeber führt Kopf- und Schlundfleisch dagegen sogar unter Muskelfleisch.
Parasiten aus rohen Innereien
Über rohes Fleisch und rohe Innereien wie Leber und Lunge können Parasiten auf Hunde übergehen, darunter der Hundebandwurm der Echinococcus-granulosus-Gruppe und verschiedene Taenia-Arten. So steht es in der deutschen Fassung der Wurm-Empfehlung der Fachgesellschaft ESCCAP. Der Hundebandwurm ist in Deutschland laut ESCCAP nur sehr selten anzutreffen. Rohfütterung schließt ESCCAP aus parasitologischer Sicht nicht grundsätzlich aus, empfiehlt aber, Fleisch und Innereien vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen.
Wer das nicht sicherstellen kann, sollte laut ESCCAP alle vier Wochen den Kot untersuchen lassen oder mit einem gegen Spulwürmer wirksamen Mittel entwurmen. Bandwürmer weist eine Kotprobe schlecht nach, deshalb rät ESCCAP bei ihnen statt der Untersuchung stets zur Behandlung. Gegen einzellige Parasiten, die über rohes Fleisch kommen, schützen Mittel gegen Parasiten nicht. Welches Mittel passt, klärst du mit deiner Tierarztpraxis. Die Hygieneregeln für rohes Futter in der Küche, und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?.
Ohne Innereien, oder ohne Leber
Ohne Leber muss eine Ration Vitamin A und Kupfer auf anderem Weg bekommen. Eine tierärztliche Ernährungsberatung, die selbst Ergänzungen verkauft, nennt für fehlende Nährstoffe Lebertran für Vitamin A und D und Leber von Gans, Schaf oder Wild für Kupfer; einfacher und schneller gehe es mit einem Mineralpulver. Lebertran ersetzt dabei nur das Vitamin A, nicht das Kupfer, und bringt zusätzlich Vitamin D, das sich mit anderen Quellen addiert. Herz und Lunge kann man laut einem BARF-Ratgeber auch weglassen. Was die Ration danach noch braucht, zeigt die Rationsberechnung, mehr dazu unter BARF-Zusätze.
Häufige Fragen
Wie viel Innereien braucht mein Hund beim BARF?
In BARF-Ratgebern sind etwa 15 Prozent des tierischen Anteils üblich; ein Ratgeber rechnet davon 30 bis 40 Prozent Leber. Wie viel Leber passt, hängt vor allem an Vitamin A und Kupfer und an der Leberart, und zeigt die Rationsberechnung.
Zählt das Herz zu den Innereien?
In BARF-Ratgebern und bei einer tierärztlichen Ernährungsberatung ja. Wie nah es dem Muskelfleisch steht, wird unterschiedlich gesehen: Die Beratung nennt es fast reine Muskulatur, ein BARF-Ratgeber sagt, seine Zusammensetzung liege näher an den anderen Innereien.
Ist zu viel Leber für Hunde gefährlich?
Nur Leber zu füttern kann laut MSD auch beim Hund eine Vitamin-A-Vergiftung auslösen, auch wenn Hunde weniger empfindlich zu sein scheinen als Katzen. Für Welpen schlägt der NRC eine deutlich niedrigere Obergrenze für Vitamin A vor als für erwachsene Hunde außerhalb der Zucht (NRC 2006).
Darf mein Hund Schlund als Kauartikel bekommen?
Schlund kann Schilddrüsengewebe enthalten. Bei Hunden, die frischen oder getrockneten Schlund bekamen, trat eine Schilddrüsenüberfunktion auf (Köhler et al. 2012), und die Bundestierärztekammer warnt vor einer Jod-Überversorgung bei Fütterung von Schlund.
Kann ich Leber durch Lebertran ersetzen?
Nur teilweise. Lebertran liefert Vitamin A und D, aber kein Kupfer. Kupfer muss dann anders in die Ration kommen, etwa über Leber von Gans, Schaf oder Wild, die eine tierärztliche Ernährungsberatung als Kupferquelle nennt, oder über ein Mineralpulver.
Fazit
- Leber ist der Hauptspeicher für Vitamin A und kann Kupfer liefern; das Herz zählt in BARF-Ratgebern zu den Innereien, wie nah es dem Muskelfleisch steht, wird unterschiedlich gesehen.
- Leber ist die Innerei, bei der es ein Zuviel gibt, besonders bei Welpen.
- Bei Rassen mit Neigung zur Kupferspeicherkrankheit oder bei Lebererkrankungen die Leber mit der Tierarztpraxis absprechen.
- Schlund, Kehlkopf und Kopffleisch können Schilddrüsengewebe tragen.
- Rohe Innereien vor dem Füttern mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefkühlen.
Quellen
- Nutrient Requirements of Dogs and Cats · National Research Council (National Academies Press)
- Nutritional Requirements of Small Animals · MSD Veterinary Manual
- ACVIM consensus statement on the diagnosis and treatment of chronic hepatitis in dogs · Journal of Veterinary Internal Medicine (PMC)
- Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 (08/2025) · ESCCAP Deutschland
- Dietary hyperthyroidism in dogs · Journal of Small Animal Practice (PubMed)
- BARFen – aber richtig! (Presseinformation Nr. 22/2016) · Bundestierärztekammer
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