Gemüse und Obst beim BARF: Wozu, roh oder gekocht, und was nicht in den Napf gehört
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Gemüse und Obst beim BARF: Wozu, roh oder gekocht, und was nicht in den Napf gehört

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
23. Oktober 20268 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Gemüse und Obst sind für den Hund keine Pflicht, aber in BARF-Rationen üblich. Was sie liefern, ob du pürieren musst, welche Pflanzen nur gekocht oder gar nicht in den Napf gehören, und was Studien zu Gemüse und Obst bei Hunden bisher gefunden haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ballaststoffe sind für Hunde laut NRC kein Pflichtnährstoff, wirken aber auf den Darm; am besten belegt ist ihre Wirkung auf die Kotmenge
  • Ein eigenes Enzym für Ballaststoffe haben Hunde nicht, einen Teil der Pflanzenfasern können sie über die Gärung im Darm aber nutzen
  • Tierärztliche Ernährungsberatungen raten: roh, was auch Menschen roh essen, gekocht, was Menschen kochen
  • Zwiebel, Knoblauch und Lauch, Trauben und Rosinen und die Kerne von Stein- und Kernobst gehören nicht in den Napf; rohe Kartoffeln und rohe Bohnen auch nicht
  • Zu Gemüse und Obst bei Hunden gibt es nur wenige Studien; die hier genannten zu Krankheiten beruhen auf Halterfragebögen und zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen

Gemüse und Obst sind für den Hund keine Pflicht. Ballaststoffe, die sie vor allem liefern, sind laut dem US-Forschungsrat NRC kein Pflichtnährstoff, wirken aber auf den Darm. In BARF-Rationen sind Gemüse und Obst trotzdem üblich. Wichtig ist vor allem, welche Pflanzen roh, welche nur gekocht und welche gar nicht in den Napf gehören.

Wofür: Ballaststoffe, Wasser, wenig Nährstoffe

Ballaststoffe sind laut NRC zwar kein Pflichtnährstoff, aber direkt an der Darmgesundheit beteiligt; am besten belegt ist ihre Wirkung auf die Kotmenge. Vitamin C bildet der Hund selbst, und anders als die Katze kann er Vorstufen von Vitamin A aus Pflanzen wie Karotten nutzen (NRC 2006). Eine tierärztlich geführte Ernährungsberatung schreibt, Gemüse trage nur einen sehr geringen Anteil zur Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen bei. Ein BARF-Ratgeber hält fest, ein pflanzlicher Anteil bedeute vor allem mehr Flüssigkeit.

Was üblich ist: ein Fünftel pflanzlich, oft püriert

In BARF-Ratgebern und Shops ist ein pflanzlicher Anteil von etwa 20 Prozent der Ration üblich; ein Shop-Ratgeber teilt ihn in drei Viertel Gemüse und ein Viertel Obst. Manche dieser Ratgeber schreiben, Hunden fehle das Enzym, um Pflanzenzellwände aufzuspalten, deshalb müsse man Gemüse und Obst pürieren.

Tierärztlich geführte Ernährungsberatungen formulieren eine einfache Regel: Was der Mensch roh essen kann, darf auch der Hund roh bekommen, etwa Möhren, Gurke oder Zucchini. Was der Mensch kocht, sollte auch der Hund gekocht bekommen, etwa Kürbis, Brokkoli oder Bohnen. Zerkleinern und Garen verbessere laut einer von ihnen grundsätzlich die Verdaulichkeit.

Was belegt ist

Das Enzym-Argument stimmt nur halb. Ballaststoffe sind Kohlenhydrate aus Pflanzen, die Säugetiere mit ihren eigenen Verdauungsenzymen nicht abbauen können (Tufts). Hunde können vergärbare Kohlenhydrate aus Pflanzen aber nutzen (NRC 2006). Dass Pürieren beim Hund mehr Nährstoffe freisetzt, begründen die Ratgeber mit dem fehlenden Enzym, nicht mit einer Messung. Laut einer der tierärztlichen Ernährungsberatungen darf Gemüse kleingeschnitten, geraspelt, püriert oder auch in Stücken in den Napf; zerkleinert ist es laut ihr besser verdaulich. Für stärkehaltige Pflanzen ist das anders: Rohe Kartoffelstärke wird im Dünndarm des Hundes laut NRC gar nicht verdaut.

Studien zu Gemüse bei Hunden sind selten. In einer Fall-Kontroll-Studie mit 92 Scottish Terriern mit Blasenkrebs und 83 Kontrolltieren hatten Hunde, die mindestens dreimal pro Woche Gemüse bekamen, ein geringeres Risiko; die Angaben stammen aus Halterfragebögen (Raghavan et al. 2005). Das Autorenteam schreibt, die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass bestimmtes Gemüse die Erkrankung bei dieser Rasse verhindern oder verlangsamen könne; eine Ursache zeigt eine solche Studie aber nicht. In einer kleinen Studie bekamen sechs Hündinnen je drei Wochen lang Rohfleischrationen mit und ohne Zusatz von Inulin oder Hefezellwand; alle hatten guten Kot und wenig Kotmenge (Beloshapka et al. 2012). Ein Übersichtsartikel über Pflanzen in der Hundeernährung schreibt, diese Forschung stehe noch am Anfang; das Autorenteam arbeitet bei einem Frischfutterhersteller (Tanprasertsuk et al. 2022).

Einen Richtwert, auf den sich der übliche Pflanzenanteil stützen könnte, gibt der NRC nicht: Für Kohlenhydrate, zu denen auch Ballaststoffe gehören, braucht es laut NRC noch deutlich mehr Wissen, bevor sich Mindestmengen und Empfehlungen festlegen lassen.

Obst

Ein Shop-Ratgeber warnt, zu große Mengen Beeren könnten wegen des Fruchtzuckers Durchfall und Bauchschmerzen machen.

Zwei Auswertungen der finnischen DogRisk-Studie, beide aus Halterfragebögen, fanden Gegenläufiges. Hunde, die als Welpen Obst bekamen, hatten später häufiger Allergiezeichen an der Haut. Als mögliche Erklärung nennt das Autorenteam Dosenobst, das viele Halter angaben und das meist zugesetzten Zucker enthält; die Studie lege eine Ursache nahe, beweise sie aber nicht (Hemida et al. 2021). Beeren, die Welpen ein paarmal im Jahr bekamen, meist wilde Heidelbeeren, gingen dagegen mit weniger chronischen Darmerkrankungen einher (Vuori et al. 2023). Die Forschungsgruppe wird nach eigenen Angaben unter anderem von Rohfutterherstellern mitfinanziert (Erwiderung 2022).

Ohne oder ersetzen

Ohne Gemüse und Obst fehlen vor allem Ballaststoffe. Ein BARF-Ratgeber schlägt dann ein Faserpulver vor, und auch eine tierärztliche Ernährungsberatung schreibt, die Ballaststoffe ließen sich durch geschmacksneutrale Pulver ergänzen. Gemüse ist ohnehin eine schwankende und meist kleine Faserquelle im Vergleich zu einer kleinen Menge eines Faserzusatzes (Tufts). Was die Ration ohne Pflanzen sonst noch braucht, zeigt die Rationsberechnung, mehr dazu unter BARF-Zusätze.

Für Welpen gelten eigene Regeln, mehr unter Welpen füttern.

Sicherheit: was nicht in den Napf gehört

  • Zwiebel, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch sind für Hunde giftig, auch gekocht oder getrocknet, Knoblauch drei- bis fünfmal stärker als Zwiebel (MSD). Knoblauch im Hundefutter nennt der NRC bestenfalls unklug.
  • Trauben und Rosinen, auch Korinthen, können beim Hund die Nieren schädigen; echte Johannisbeeren wurden damit laut MSD nicht in Verbindung gebracht. Was zu tun ist, wenn dein Hund Trauben gefressen hat, steht unter Hund hat Trauben oder Rosinen gefressen.
  • Kerne von Stein- und Kernobst: Stiele, Blätter und Kerne von Aprikose, Pflaume, Pfirsich und Kirsche (ASPCA) und vom Apfel (ASPCA) enthalten laut der Giftnotrufzentrale der US-Tierschutzorganisation ASPCA Blausäure. Das Fruchtfleisch nennt sie nicht. Bei Steinobstkernen ist laut der US-Behörde FDA das größere Risiko, dass sie im Verdauungstrakt stecken bleiben; eine Blausäurevergiftung ist selten und droht vor allem, wenn ein Hund viele Kerne zerkaut.
  • Rohe Kartoffeln und rohe Bohnen: Rohe Kartoffelstärke verdaut der Hund im Dünndarm nicht (NRC). Rohe Bohnen enthalten ein Lektin, das beim Menschen Übelkeit, starkes Erbrechen und Durchfall auslösen kann (FDA); eine tierärztliche Ernährungsberatung schreibt, erst Kochen mache es unwirksam.
  • Unreife Tomaten: Reife rote Tomaten sind laut der Pet Poison Helpline in Maßen meist unbedenklich, giftig sind die grünen Teile der Pflanze, darunter unreife Tomaten, Blätter und Stängel.
  • Rhabarber führt die ASPCA als giftig für Hunde, wegen löslicher Oxalate.
  • Bittere Zucchini oder Kürbisse nicht verwenden: Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Menschen, bitter schmeckende Zucchini nicht zu verwenden; die gemeldeten Vergiftungen mit Zucchini und Kürbissen stammten aus privatem Anbau, bei den Kultursorten für den Verzehr ist die Bildung der Bitterstoffe herausgezüchtet.

Bei Avocado sind sich die Quellen nicht einig. Das MSD Veterinary Manual hält Hunde im Vergleich zu anderen Tieren für relativ unempfindlich, die Pet Poison Helpline nennt Avocado für Hunde ungiftig, warnt aber, der Kern könne den Darm verlegen. Die US-Behörde FDA nennt Avocado für Hunde nur leicht giftig, und eine tierärztliche Ernährungsberatung nennt sie giftig. Mehr Lebensmittel mit Einschätzung stehen unter Giftige Lebensmittel für Hunde.

Kohl, Grünkohl und Speiserüben enthalten Stoffe, die die Schilddrüse hemmen können, schwächer als Soja. Kochen zerstört sie, und zum Kropf kommt es vor allem bei Jodmangel (MSD). MSD beschreibt das über Tierarten hinweg, vor allem für Nutztiere.

Tiefgekühltes Gemüse und tiefgekühlte Beeren wurden beim Menschen als Ursache von Lebensmittelinfektionen erkannt; das BfR rät Menschen, sie nur gründlich durcherhitzt zu essen (BfR). Die Hygieneregeln für die Küche, und für welche Haushalte Rohfütterung heikel ist, stehen unter Ist BARF gesund?

Und Kohlenhydrate?

Den Zucker, den etwa ihr Gehirn braucht, bilden Hunde laut NRC auch ohne Kohlenhydrate im Futter, aus Bausteinen von Eiweiß und Fett. Selbst tragende und säugende Hündinnen brauchen keine Kohlenhydrate, ohne sie aber mehr Eiweiß (NRC 2006). In einer Münchner Auswertung von 95 BARF-Rationen gab ein Viertel der Halter zusätzlich kleine Mengen gekochter Kohlenhydrate wie Reis, Kartoffeln, Nudeln oder Getreideflocken oder Trockenfutter als Leckerli (Dillitzer et al. 2011). Kartoffeln gehören dabei nur gekocht in den Napf.

Häufige Fragen

Welches Gemüse darf mein Hund beim BARF bekommen?

Tierärztliche Ernährungsberatungen raten: roh, was auch Menschen roh essen, etwa Möhren, Gurke oder Zucchini; gekocht, was Menschen kochen, etwa Kürbis, Brokkoli oder Bohnen. Nicht in den Napf gehören Zwiebel, Knoblauch und Lauch (MSD), rohe Kartoffeln und rohe Bohnen.

Muss ich Gemüse für meinen Hund pürieren?

Nein. Hunde haben kein eigenes Enzym für Ballaststoffe, können vergärbare Pflanzenfasern aber nutzen (NRC 2006). Zerkleinern verbessere laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung die Verdaulichkeit; eine Pflicht ist es nicht.

Wie viel Obst und Gemüse gehört in eine BARF-Ration?

Üblich sind in BARF-Ratgebern etwa 20 Prozent der Ration; ein Shop-Ratgeber rechnet drei Viertel davon als Gemüse. Eine Mindestmenge oder Empfehlung für Ballaststoffe legt der NRC nicht fest.

Geht BARF ohne Gemüse?

Ja, Gemüse ist keine Pflicht: Ballaststoffe sind laut NRC kein Pflichtnährstoff. Sie lassen sich laut einer tierärztlichen Ernährungsberatung auch als Pulver ergänzen.

Darf ich tiefgekühltes Gemüse füttern?

Tiefgekühltes Gemüse und tiefgekühlte Beeren wurden beim Menschen als Ursache von Lebensmittelinfektionen erkannt; das BfR rät Menschen, sie nur gründlich durcherhitzt zu essen (BfR). Eine eigene Empfehlung für Hunde nennen die hier geführten Quellen nicht. Die Hygieneregeln für die Küche stehen unter Ist BARF gesund?

Fazit

  • Gemüse und Obst sind keine Pflicht; sie liefern vor allem Ballaststoffe.
  • Roh, was Menschen roh essen, gekocht, was Menschen kochen; Pürieren ist keine Pflicht.
  • Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Trauben, Rosinen und Obstkerne gehören nicht in den Napf, rohe Kartoffeln und rohe Bohnen auch nicht.
  • Studien zu Gemüse und Obst bei Hunden sind selten; die hier genannten zu Krankheiten zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen.
  • Was die Ration ohne Pflanzen braucht, zeigt die Rationsberechnung.

Quellen

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