
Pansen beim BARF: Muss das sein?

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Pansen ist kein Pflichtbestandteil: Selbst in einem BARF-Ratgeber heißt es, er lasse sich durch Muskelfleisch ersetzen
- Wölfe fressen den pflanzlichen Inhalt des Pansens in der Regel nicht, die Pansenwand dagegen kann mitgefressen werden; das Wolfsargument für grünen Pansen trägt also nicht
- Dass roher Pansen im Welpenalter vor Allergien schützt, zeigt die Helsinki-Studie nicht; sie fand einen Zusammenhang in Halterfragebögen
- Bei einem Ausbruch gefährlicher Darmbakterien in England 2017 hatten zwei der vier Erkrankten Kontakt zu Hunden, die rohen Pansen bekamen; als Quelle nachgewiesen ist der Pansen nicht
- Wer Pansen füttert, behandelt ihn wie jedes rohe Fleisch; gegen Parasiten hilft mindestens eine Woche Tiefkühlen, gegen Bakterien nicht zuverlässig
Pansen muss nicht in den Napf. Selbst in einem BARF-Ratgeber heißt es, man müsse keinen Pansen füttern und könne ihn einfach durch Muskelfleisch ersetzen. Die Vorteile, die ihm zugeschrieben werden, sind kaum belegt, und der Vergleich mit dem Wolf trägt nicht: Wölfe fressen den pflanzlichen Inhalt des Pansens in der Regel nicht (Bosch et al. 2015). Roher Pansen ist dafür hygienisch so heikel wie jedes rohe Fleisch.
Was Pansen ist, und was ihm zugeschrieben wird
Pansen und Blättermagen, auch Kutteln genannt, sind Vormägen von Wiederkäuern wie Rind, Schaf oder Ziege. „Grün“ heißt ungereinigt: Grüner Pansen enthält noch den unbehandelten Mageninhalt (Kaindama et al. 2021). Gewaschener, weißer Pansen gilt in einem BARF-Ratgeber als geruchsärmer und vom Nährstoffgehalt sehr ähnlich, nur ohne die Pflanzenreste.
In einem BARF-Ratgeber heißt es, Pansen habe eine mittlere Eiweißqualität, gleiche das Verhältnis von Calcium zu Phosphor aus und liefere grün zusätzlich vorverdaute Futterreste. Er sei preiswert und bei Hunden beliebt. Zugleich soll er dort höchstens ein Fünftel des Fleischanteils ausmachen, weil die Proteinqualität nicht optimal und die Nährstoffdichte nicht hoch genug sei.
Was belegt ist
Der Wolf frisst den Mageninhalt in der Regel nicht. Eine Auswertung von Studien zur Ernährung wilder Wölfe hält fest, dass Wölfe den teilweise vergorenen Pflanzeninhalt im Pansen ihrer Beutetiere entgegen der verbreiteten Annahme nicht fressen. Beim Zerlegen kann der Pansen allerdings aufreißen, und etwas vom Inhalt kann dann mitgefressen werden. Auch die Pansenwand selbst und die Darmwand können Wölfe fressen (Bosch et al. 2015). Pflanzliches spielt in ihrer Nahrung insgesamt eine geringe bis verschwindende Rolle.
Ein Schutz vor Allergien ist nicht gezeigt. In der Helsinki-Studie DogRisk beantworteten Halter von 4.022 Hunden Fragen dazu, was ihr Hund als Welpe fraß. Hunde, die als Welpen rohen Pansen oder rohe Innereien bekamen, hatten laut ihren Haltern später seltener Allergiezeichen an der Haut. Dasselbe galt für Essensreste vom Tisch (Hemida et al. 2021). Die Studie legt laut ihren Autorinnen und Autoren einen ursächlichen Zusammenhang nahe, beweist ihn aber nicht. Die Forschungsgruppe wird nach eigenen Angaben unter anderem von Rohfutterherstellern mitfinanziert (Erwiderung 2022). Mehr dazu unter Ist BARF gesund?
Roher Pansen und Hygiene
Roher Pansen ist rohes Fleisch und kann Keime tragen wie jedes andere. In England erkrankten 2017 vier Menschen an verwandten Stämmen eines gefährlichen Darmbakteriums (Shiga-Toxin-bildende E. coli O157:H7), ein Mensch starb an einem hämolytisch-urämischen Syndrom. Zwei der Erkrankten hatten Kontakt zu Hunden, die rohen Pansen bekamen, ein dritter zu einem roh gefütterten Hund. Gemeinsam war allen vier nur der Kontakt zu Hunden und das Essen roher Karotten. Den Stamm der Erkrankten fand die Untersuchung in keiner Pansenprobe; in Pansen aus dem Gefrierschrank eines Erkrankten wuchsen andere Shiga-Toxin-bildende E. coli (O100:H30). Die Autorinnen und Autoren werten rohes Tierfutter deshalb als mögliche Quelle, nachgewiesen ist der Übertragungsweg nicht (Kaindama et al. 2021).
Wer Pansen füttert, behandelt ihn deshalb wie jedes rohe Fleisch, mit den Hygieneregeln aus Ist BARF gesund?. Gegen Parasiten aus rohem Fleisch und rohen Innereien empfiehlt die Fachgesellschaft ESCCAP, das Futter vorher mindestens eine Woche bei minus 17 bis minus 20 Grad tiefzukühlen. Gegen Bakterien hilft Tiefkühlen nicht zuverlässig, weder Einfrieren noch Gefriertrocknen tötet alle Erreger ab (MSD Veterinary Manual). Für welche Haushalte rohes Futter deshalb eher nicht in Frage kommt, steht ebenfalls unter Ist BARF gesund?.
In einem BARF-Ratgeber heißt es außerdem, bei einer Futtermittelallergie müsse man mit grünem Pansen aufpassen, weil die Schlachttiere oft getreidehaltiges Kraftfutter oder Maissilage bekämen.
Ohne Pansen: was ihn ersetzt
Laut demselben BARF-Ratgeber lässt sich der Pansenanteil einfach durch Muskelfleisch ersetzen. Ob die Ration danach noch alles liefert, was der Hund braucht, hängt von der ganzen Zusammensetzung ab und gehört in die berechnete Ration. Welche Rolle Knochen und Fisch dabei spielen, steht unter Knochen beim BARF und Fisch beim BARF.
Häufige Fragen
Muss mein Hund beim BARF Pansen bekommen?
Nein. Auch in einem BARF-Ratgeber heißt es, Pansen sei kein Pflichtbestandteil und lasse sich durch Muskelfleisch ersetzen. Ob die Ration danach vollständig ist, zeigt die Rationsberechnung.
Ist grüner Pansen besser als gewaschener?
Grüner Pansen enthält zusätzlich Reste des Mageninhalts. Das Wolfsargument für ihn trägt nicht: Wölfe fressen den Pflanzeninhalt des Pansens in der Regel nicht (Bosch et al. 2015). Hygienisch ist roher Pansen, grün oder gewaschen, wie jedes rohe Fleisch zu behandeln.
Schützt Pansen meinen Hund vor Allergien?
Das ist nicht belegt. Die Helsinki-Studie fand in Halterfragebögen einen Zusammenhang mit rohem Pansen im Welpenalter, aber auch mit Essensresten vom Tisch, und eine Ursache beweist sie laut ihren Autorinnen und Autoren nicht (Hemida et al. 2021).
Wie viel Pansen darf ins BARF?
In einem BARF-Ratgeber gilt etwa ein Fünftel des Fleischanteils als Obergrenze, weil die Proteinqualität nicht optimal sei. Wie viel in eine Ration passt, hängt von der übrigen Zusammensetzung ab und zeigt die Rationsberechnung.
Fazit
- Pansen ist kein Pflichtbestandteil, er lässt sich durch Muskelfleisch ersetzen.
- Wölfe fressen den Pflanzeninhalt des Pansens in der Regel nicht.
- Einen Schutz vor Allergien zeigt die Helsinki-Studie nicht, nur einen Zusammenhang in Halterfragebögen.
- Roher Pansen kann gefährliche Keime tragen, auch für Menschen im Haushalt.
Quellen
- Dietary nutrient profiles of wild wolves: insights for optimal dog nutrition? · British Journal of Nutrition
- Puppyhood diet as a factor in the development of owner-reported allergy/atopy skin signs in adult dogs in Finland · Journal of Veterinary Internal Medicine (PMC)
- A cluster of Shiga Toxin-producing Escherichia coli O157:H7 highlights raw pet food as an emerging potential source of infection in humans · Epidemiology and Infection (PubMed)
- Dog and Cat Foods · MSD Veterinary Manual
- Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 1 (08/2025) · ESCCAP Deutschland
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