Seriöse Hundezüchter erkennen: Diese Fragen solltest du beim Besuch stellen
HundZüchter

Seriöse Hundezüchter erkennen: Diese Fragen solltest du beim Besuch stellen

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
29. Oktober 20266 Min. Lesezeit
So entstehen unsere Inhalte

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland

Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.

Mutter und Welpen gemeinsam sehen, schriftliche Gesundheitsbefunde, eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz: Mit diesen Fragen erkennst du, ob ein Züchter seriös arbeitet. Und warum eine Vereinsmitgliedschaft die Zuchtregeln des Vereins bedeutet, aber keine Garantie gegen Qualzuchtmerkmale ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seriöse Züchter zeigen dir die Welpen zusammen mit Mutter und Geschwistern, beantworten jede Frage und fragen dich selbst nach deinen Wohn- und Lebensbedingungen
  • Wer gewerbsmäßig Hunde züchtet, braucht eine Erlaubnis der Behörde nach § 11 Tierschutzgesetz; frag danach
  • Viele Qualzuchtmerkmale wie Hüftgelenksdysplasie, erbliche Taubheit oder Herzerkrankungen siehst du nicht: Lass dir Befunde der Elterntiere schriftlich zeigen
  • Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen von der Mutter getrennt werden; der Tierschutzbund rät zu neun bis elf Wochen
  • Eine Vereinsmitgliedschaft heißt, dass die Zuchtregeln des Vereins gelten. Eine Garantie gegen Qualzuchtmerkmale ist sie nicht

Einen seriösen Züchter erkennst du daran, dass er dir die Welpen zusammen mit Mutter und Geschwistern dort zeigt, wo sie leben, jede Frage beantwortet und dich selbst nach deinem Zuhause fragt. Gesundheitsbefunde der Elterntiere legt er dir schriftlich vor, und den Welpen gibt er frühestens mit über acht Wochen ab. Eine Vereinsmitgliedschaft allein beweist das nicht: Sie bedeutet, dass die Zuchtregeln des Vereins gelten. Eine Garantie gegen Qualzuchtmerkmale ist sie nicht.

Die folgenden Fragen kannst du beim Besuch stellen. Bei jeder steht, worauf sie sich stützt.

Die Fragen für deinen Besuch

1. „Kann ich die Welpen mit ihrer Mutter sehen, dort, wo sie leben?“

Verantwortungsvolle Züchter zeigen ihre Welpen im Verbund mit Mutter und Geschwistern, schreibt der Deutsche Tierschutzbund. Schau dir die Hunde und ihre Haltungsbedingungen genau an: Alle Tiere sollten aufgeschlossen und munter sein.

Lass dich dabei nicht mit irgendeinem erwachsenen Hund derselben Rasse abspeisen. Genau so täuschen unseriöse Händler nach Angaben des Tierschutzbunds ihre Kunden, während die echten Elterntiere woanders leben.

2. „Wie viele Würfe betreuen Sie gerade, und wie viele Rassen züchten Sie?“

Bietet ein Züchter nur eine Rasse an und betreut jeweils nur einen Wurf, stehen laut Tierschutzbund die Chancen gut, dass alle Welpen und die Mutter ausreichend sozialisiert, beschäftigt und versorgt werden. Mehrere Würfe verschiedener Rassen gleichzeitig sind kein Beweis für schlechte Zucht, aber ein Grund, genauer hinzuschauen.

3. „Züchten Sie gewerbsmäßig, und haben Sie dafür eine Erlaubnis?“

Wer gewerbsmäßig Hunde züchtet, braucht eine Erlaubnis der zuständigen Behörde (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 Buchst. a Tierschutzgesetz). Nach der Verwaltungsvorschrift zum Tierschutzgesetz gilt Hundezucht in der Regel ab drei fortpflanzungsfähigen Hündinnen oder drei Würfen im Jahr als gewerbsmäßig. Hält der Züchter so viele Hündinnen, sollte er dir die Erlaubnis zeigen können.

4. „Welche Gesundheitsuntersuchungen haben die Elterntiere, und kann ich die Befunde sehen?“

Viele erbliche Probleme siehst du einem Hund nicht an. Die Länderbehörden nennen als verdeckte Qualzuchtmerkmale zum Beispiel Wirbelfehlbildungen, erbliche Taubheit, erbliche Herzerkrankungen und Hüftgelenksdysplasie, die sich bei einer Inaugenscheinnahme nicht oder nicht ohne Weiteres feststellen lassen. Verlass dich deshalb auf schriftliche Befunde, nicht auf eine mündliche Versicherung. Welche Untersuchungen für eine Rasse sinnvoll sind, kannst du vorher mit einer Tierarztpraxis besprechen.

5. „Gab es bei den Eltern oder in früheren Würfen erbliche Erkrankungen?“

§ 11b Tierschutzgesetz verbietet zu züchten, wenn züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass die Nachkommen durch erblich bedingt fehlende, untaugliche oder umgestaltete Körperteile oder Organe Schmerzen, Leiden oder Schäden haben. Was in den Linien schon aufgetreten ist, gehört deshalb zu dem, was ein Züchter wissen und dir offen sagen sollte.

6. „Atmen die Elterntiere frei, auch nach Bewegung?“

Diese Frage ist vor allem bei kurzköpfigen Rassen wichtig. Die Länderbehörden führen unter anderem Brachycephalie, verengte Nasenlöcher und ein verlängertes Gaumensegel in ihrer Liste der Qualzuchtmerkmale. Welche Anzeichen du selbst erkennen kannst und was Studien zur Atemnot dieser Rassen zeigen, steht im Ratgeber Qualzucht beim Hund erkennen.

7. „Ab wann kann ich den Welpen abholen?“

Ein Welpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden, außer eine Tierärztin hält eine frühere Trennung zum Schutz von Mutter oder Welpe für nötig (§ 2 Abs. 4 Tierschutz-Hundeverordnung). Der Tierschutzbund empfiehlt, einen Welpen mit neun bis elf Wochen aufzunehmen, weil er dann vollständig von der Mutter entwöhnt ist. Das ist eine Empfehlung; gesetzlich gilt nur die Grenze von über acht Wochen. Bietet dir jemand einen Welpen an, der nicht älter als acht Wochen ist, ist das ein Grund zu gehen.

Plane für die Zeit danach: Bis zum Alter von zwanzig Wochen braucht dein Welpe nach der Verordnung mindestens vier Stunden am Tag Umgang mit einer Betreuungsperson.

8. „Bekomme ich einen schriftlichen Kaufvertrag mit Ihrem Namen?“

Ein Vertrag, in dem der Züchter mit Namen und Anschrift steht, hält fest, von wem dein Hund stammt. Das ist mehr wert als jedes Papier ohne Absender: Der Tierschutzbund berichtet, dass Welpen aus illegalem Handel meist gefälschte Papiere wie den EU-Heimtierausweis haben.

9. „Was möchten Sie über mich wissen?“

Ein guter Züchter fragt zurück. Verantwortungsvolle Züchter erkundigen sich laut Tierschutzbund selbst genau nach den Wohn- und Lebensbedingungen, die du dem Hund bieten kannst. Stellt niemand eine Frage, sagt dir das ebenfalls etwas.

Was eine Vereinsmitgliedschaft bedeutet und was nicht

Vereinsmitgliedschaft heißt: Die Zuchtregeln des Vereins gelten. Das ist ein guter Ausgangspunkt. Es ersetzt aber nicht deinen eigenen Blick, aus zwei Gründen, die die Länderbehörden in ihrem Informationsblatt nennen:

  • Rassestandards können selbst das Problem sein. § 11b soll gerade verhindern, dass ein züchterisch geduldetes, gewolltes oder sogar im Rassestandard festgelegtes Merkmal mit gesundheitlichen Nachteilen für den Hund verbunden ist.
  • Der Zuchtwart reicht nicht. Um vor einer Ausstellung ein Qualzuchtmerkmal sicher auszuschließen, ist eine Untersuchung durch Zuchtwarte und vergleichbare Personen nach Auffassung der Länderbehörden nicht ausreichend.

Stell deshalb auch Vereinszüchtern alle Fragen oben. Eine Mitgliedschaft ist kein Urteil über einen einzelnen Hund, weder im Guten noch im Schlechten.

Warnzeichen: Wann du besser gehst

  • Der Welpe soll nicht dort übergeben werden, wo er lebt, sondern zum Beispiel aus dem Kofferraum heraus. Solche Angebote nennt der Tierschutzbund ausdrücklich als Teil des illegalen Welpenhandels.
  • Die Mutter ist „gerade nicht da“, oder du siehst nur einen erwachsenen Hund, der nicht sichtbar zu den Welpen gehört.
  • Der Welpe ist nicht älter als acht Wochen.
  • Niemand kann dir Befunde der Elterntiere zeigen.
  • Es geht erkennbar nur um das schnelle Geschäft, oder das Angebot stammt aus Kleinanzeigen oder von einem Tiermarkt. Der Tierschutzbund rät bei solchen Welpen ausdrücklich: Hände weg.

Hast du den Verdacht, auf illegalen Welpenhandel gestoßen zu sein, rät der Tierschutzbund, das dem Veterinäramt zu melden, in dringenden Fällen und am Wochenende direkt der Polizei.

👉 Hast du deinen Welpen gefunden, findest du mit Petla eine Tierarztpraxis in deiner Nähe, die ihn bald nach dem Einzug gründlich untersucht und mit dir den Impfplan bespricht.

Ob du überhaupt bereit für einen Hund bist und welche Rasse zu dir passt, steht in Bin ich bereit für einen Hund? und Welche Hunderasse passt zu mir?. Alle Schritte bis zum Einzug findest du im Themen-Center Hund anschaffen.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich einen seriösen Hundezüchter?

Er zeigt dir die Welpen zusammen mit Mutter und Geschwistern, beantwortet deine Fragen und stellt dir selbst Fragen zu deinem Zuhause. Gesundheitsbefunde der Elterntiere legt er schriftlich vor, und er gibt keinen Welpen ab, der nicht älter als acht Wochen ist.

Ist ein Züchter im Verein automatisch seriös?

Nein. Im Verein gilt dessen Zuchtordnung, aber nach Auffassung der Länderbehörden reicht eine Untersuchung durch Zuchtwarte nicht aus, um vor einer Ausstellung ein Qualzuchtmerkmal sicher auszuschließen. Stell auch Vereinszüchtern alle Fragen.

Ab welchem Alter darf ein Welpe abgegeben werden?

Nach § 2 Abs. 4 Tierschutz-Hundeverordnung erst im Alter von über acht Wochen. Der Tierschutzbund empfiehlt, einen Welpen mit neun bis elf Wochen aufzunehmen; das ist eine Empfehlung, keine gesetzliche Pflicht.

Braucht ein Hundezüchter eine Genehmigung?

Wer gewerbsmäßig züchtet, braucht eine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz. Nach der Verwaltungsvorschrift ist das in der Regel ab drei fortpflanzungsfähigen Hündinnen oder drei Würfen im Jahr der Fall.

Fazit

  • Sieh dir Welpen, Mutter und Geschwister dort an, wo sie leben, und stell deine Fragen offen.
  • Verlange schriftliche Gesundheitsbefunde der Elterntiere, denn viele erbliche Probleme sind unsichtbar.
  • Frag bei größeren Zuchten nach der Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz.
  • Hol keinen Welpen ab, der nicht älter als acht Wochen ist; der Tierschutzbund empfiehlt neun bis elf Wochen.
  • Eine Vereinsmitgliedschaft ist ein Anfang, keine Garantie.

Quellen

Finde den richtigen Tierarzt

Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.

Tierarzt finden

Alles für dein Tier - in einer App

Termine, Impfpass, Erinnerungen und alle deine Tiere in einem Profil - verbunden mit deiner Tierarztpraxis. Kostenlos für iOS und Android.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play
So funktioniert die App

Ähnliche Artikel

Cookie-Einstellungen

Wir verwenden Cookies, um unsere Website zu verbessern und den Datenverkehr zu analysieren. Neben notwendigen Cookies setzen wir mit deiner Zustimmung auch Analyse-Cookies ein. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung