Qualzucht beim Hund erkennen: Was das Gesetz verbietet und worauf du beim Welpen achtest
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Qualzucht beim Hund erkennen: Was das Gesetz verbietet und worauf du beim Welpen achtest

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
22. Oktober 20268 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland

Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.

Eine sehr kurze Nase, enge Nasenlöcher, Atemgeräusche: Woran du Hinweise auf Qualzucht erkennst, was § 11b Tierschutzgesetz und § 10 Tierschutz-Hundeverordnung wirklich regeln und warum es auf den einzelnen Hund ankommt, nicht auf eine Rasseliste. Mit den Zahlen einer britischen Studie und einem verbreiteten Mythos zum Online-Verkauf.

Das Wichtigste in Kürze

  • § 11b Tierschutzgesetz verbietet zu züchten, wenn erblich bedingte Schäden bei den Nachkommen zu erwarten sind; § 10 Tierschutz-Hundeverordnung verbietet seit 2022 zusätzlich, solche Hunde auszustellen
  • Beide Vorschriften verlangen den Blick auf den einzelnen Hund: Laut den Länderbehörden folgen daraus weder Ausstellungsverbote für ganze Rassen noch Zuchtverbote für bestimmte Rassen
  • QUEN wertet ein kraniofaziales Verhältnis unter 0,3 als Leitsymptom, dem weitere Untersuchungen folgen müssen: Die Schnauze ist dann kürzer als knapp ein Drittel der Länge des Hirnschädels
  • In einer britischen Studie waren 64,6 % der Möpse, 58,9 % der Französischen Bulldoggen und 51,2 % der Bulldogs behandlungsbedürftig an BOAS erkrankt; enge Nasenlöcher gingen in allen drei Rassen mit BOAS einher
  • Ein Verbot, Hunde mit Qualzuchtmerkmalen online anzubieten, steht weder in § 11b Tierschutzgesetz noch in der Tierschutz-Hundeverordnung

Qualzucht heißt: Ein Hund wurde so gezüchtet, dass ihm erblich bedingt Körperteile oder Organe fehlen oder so umgestaltet sind, dass er Schmerzen, Leiden oder Schäden hat. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet eine solche Zucht. Beim Welpenkauf ist die Kopfform ein deutliches Warnzeichen: Ist die Schnauze kürzer als knapp ein Drittel der Länge des Hirnschädels, wertet das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk QUEN das als Leitsymptom. Beurteilt wird aber immer der einzelne Hund, nicht eine Rasse als Ganzes.

Was das Gesetz verbietet: § 11b Tierschutzgesetz

Der Kern des deutschen Qualzuchtrechts steht in § 11b Absatz 1 des Tierschutzgesetzes. Der erste Teil lautet:

Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung 1. bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder

(§ 11b Abs. 1 Nr. 1 TierSchG, Auszug)

Nummer 2 erfasst außerdem erblich bedingte Verhaltensstörungen, die mit Leiden verbunden sind, Nachkommen, für die jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen zu Schmerzen oder Schäden führt, und Tiere, deren Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist.

Drei Dinge sind für dich als Käufer wichtig:

  • Das Verbot richtet sich an die Zucht. Es gilt schon, wenn züchterische Erkenntnisse solche Schäden bei den Nachkommen erwarten lassen, nicht erst, wenn ein Welpe krank ist.
  • Die Behörde kann eingreifen. Nach § 11b Abs. 2 kann sie anordnen, dass Tiere unfruchtbar gemacht werden, wenn ihre Nachkommen solche Störungen erwarten lassen.
  • Ein Kauf- oder Halteverbot enthält § 11b nicht. Die Nachfrage ist trotzdem der Hebel: Laut den Länderbehörden ist sie für solche Hunde unverändert hoch, weil vielen Menschen die Problematik nicht bekannt ist.

Seit 2022 auch kein Ausstellen: § 10 Tierschutz-Hundeverordnung

Seit dem 1. Januar 2022 gilt zusätzlich ein Ausstellungsverbot. Sein Zweck ist ausdrücklich, den Kaufanreiz für belastete Hunde zu senken. So steht es im Informationsblatt der Arbeitsgruppe Tierschutz der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (AGT), die Leitlinien erarbeitet hat, damit die zuständigen Behörden das Verbot einheitlich auslegen. Die Vorschrift lautet in dem Teil, der Qualzucht betrifft:

Es ist verboten, Hunde auszustellen oder Ausstellungen mit Hunden zu veranstalten, […] 2. bei denen erblich bedingt a) Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten, […]

(§ 10 Satz 1 TierSchHuV, Auszug)

Und weiter: „Satz 1 gilt entsprechend für sonstige Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen, geprüft oder sonst beurteilt werden.“ Das betrifft also nicht nur große Schauen.

Die Länderbehörden haben in ihrem Informationsblatt zwei Punkte festgehalten, die für Käufer wichtig sind:

  • Ein Hund muss noch nicht erkennbar krank sein, um unter das Verbot zu fallen. Eine Fehlstellung kann schon ein Schaden sein, bevor sie Beschwerden macht.
  • Eine Untersuchung durch Zuchtwarte und vergleichbare Personen reicht nicht aus, um vor einer Ausstellung ein Merkmal auszuschließen. Die Bescheinigung muss von einer dafür ausreichend qualifizierten Tierärztin oder einem Tierarzt kommen.

Warum es um den einzelnen Hund geht, nicht um die Rasse

Eine Liste verbotener „Qualzuchtrassen“ ergibt sich aus § 10 nicht. Die AGT beantwortet die Frage, ob ganze Rassen unter das Ausstellungsverbot fallen, mit Nein: Der Wortlaut von § 10 verlangt eine Einzelfallbetrachtung für den jeweiligen Hund. Daraus folgen laut AGT weder Ausstellungsverbote für ganze Rassen noch Zuchtverbote für bestimmte Rassen. QUEN beschreibt es für Anordnungen der Behörden genauso: Es geht immer um Einzelfallentscheidungen.

Das heißt nicht, dass die Rasse egal ist. Manche Merkmale sind in bestimmten Rassen gewollt oder sogar im Rassestandard festgelegt, und laut den Länderbehörden leiden viele Hunde unter solchen optisch gewünschten Rassemerkmalen. Deshalb lohnt der genaue Blick gerade bei diesen Rassen, und zwar auf jedes einzelne Tier und seine Eltern.

Ein deutliches Warnzeichen: die kurze Nase

Ein gut sichtbares Qualzuchtmerkmal ist die Kurzköpfigkeit (Brachycephalie); die Länderbehörden führen sie ausdrücklich in ihrer Merkmalsliste. QUEN hat dazu ein ausführliches Merkblatt veröffentlicht. Es kommt zu dem Schluss, dass ein kraniofaziales Verhältnis unter 0,3 als Leitsymptom gelten kann und soll. Bei solchen Hunden muss vor jeder Entscheidung über Zucht oder Ausstellung weiter untersucht werden, auch wenn sie zunächst beschwerdefrei wirken.

Für das Verhältnis wird laut QUEN die Schnauzenlänge durch die Schädellänge geteilt. Das Maß stammt von den Autorinnen und Autoren der Studie des Royal Veterinary College, die weiter unten steht. Dort reicht die Schädellänge vom Stop, dem Absatz zwischen Stirn und Nasenrücken auf Höhe der Augen, bis zum Hinterhauptshöcker, misst also nur den Hirnschädel; die Schnauze reicht von der Nasenspitze bis zum Stop. Unter 0,3 heißt deshalb: Die Schnauze ist kürzer als knapp ein Drittel der Länge des Hirnschädels. QUEN umschreibt die Schwelle an mehreren Stellen zusätzlich als „Nasenlänge weniger als ein Drittel der gesamten Kopflänge“. Das passt nicht zur eigenen Formel, denn bei einem Verhältnis von 0,3 ist die Schnauze deutlich kürzer als ein Drittel des ganzen Kopfes.

Welche Rassen betroffen sein können? Das Merkblatt nennt unter anderem Mops, Französische Bulldogge, Bulldog, Boxer, Cavalier King Charles Spaniel und Chihuahua. Es betont aber, dass eine abschließende Liste brachycephaler Rassen nicht existiert. Steht eine Rasse nicht auf dieser Liste, heißt das also nicht, dass sie unbedenklich ist.

Dass die Nasenlänge wirklich zählt, zeigen Studien. Forschende des Royal Veterinary College fanden 2015 in einer Untersuchung an Hunden vieler Rassen, dass das Risiko für das Brachycephale Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) steil ansteigt, je kürzer die Schnauze im Verhältnis zum Hirnschädel ist. BOAS trat nur bei Hunden auf, deren Schnauze kürzer war als die Hälfte der Länge ihres Hirnschädels. Das ist ein Befund dieser Studie und keine Schwelle, die QUEN setzt.

Was eine britische Studie über Möpse und Bulldoggen zeigt

Die Universität Cambridge hat 189 Möpse, 214 Französische Bulldoggen und 201 Bulldogs untersucht (Liu et al. 2017). Die Hunde waren mindestens ein Jahr alt und kamen aus drei Gruppen: Überweisungspatienten, von Haltern und Züchtern gemeldete Hunde und Ausstellungshunde. Gemessen wurde nach einem Belastungstest, wie schwer die Atmung beeinträchtigt ist. Als erkrankt galten Hunde mit mittelgradigem oder schwerem BOAS, also Hunde, die tierärztliche Hilfe wie Gewichtsreduktion oder eine Operation brauchen.

  • Möpse: 64,6 % waren erkrankt.
  • Französische Bulldoggen: 58,9 % waren erkrankt.
  • Bulldogs: 51,2 % waren erkrankt.

Weil ein Teil der Hunde wegen ihrer Atmung in die Klinik überwiesen worden war, lassen sich die Werte nicht auf alle Hunde dieser Rassen übertragen. Ein Einzelfall ist das Problem in diesen Rassen aber nicht. Betroffene Hunde zeigen laut der Studie ein breites Spektrum an Zeichen, vom Schnarchen und schlechter Belastbarkeit bis zu lebensbedrohlichen Ohnmachten.

Zwei Befunde der Studie helfen dir direkt beim Hinsehen:

  • Enge Nasenlöcher: Mittel- bis hochgradig verengte Nasenlöcher hatten 75,4 % der Französischen Bulldoggen, 65,3 % der Möpse und 44,2 % der Bulldogs. In allen drei Rassen gingen sie mit BOAS einher.
  • Übergewicht: Bei Möpsen und Bulldogs hatten Hunde mit höherem Körperkonditionsindex ein höheres BOAS-Risiko.

So erkennst du Warnzeichen beim Welpen und bei den Eltern

Schau dir nicht nur den Welpen an, sondern auch die Mutter, und frag nach dem Vater. Diese Merkmale nennt die AGT unter den äußerlich erkennbaren Qualzuchtmerkmalen:

  • sehr kurzer Kopf und verengte Nasenlöcher
  • stark hervortretende Augen und Fehlstellungen der Augenlider
  • übermäßige Hautfalten
  • eine Zunge, die heraushängt und nicht mehr ins Maul zurückgezogen werden kann
  • fehlende oder zu kurze Rute
  • fehlende oder eingeschränkte Tasthaare

Andere Merkmale siehst du gar nicht. Die AGT nennt als verdeckte Merkmale zum Beispiel Wirbelfehlbildungen, erbliche Taubheit, erbliche Herzerkrankungen und Hüftgelenksdysplasie. Die Liste der Länderbehörden ist ausdrücklich nicht abschließend. Hier helfen nur schriftliche Untersuchungsergebnisse der Elterntiere, keine mündliche Versicherung.

Hör außerdem hin. Schnarchen Mutter oder Vater, oder sind sie nach wenigen Schritten erschöpft, sind das Zeichen, die die Cambridge-Studie für BOAS beschreibt: vom Schnarchen über schlechte Belastbarkeit bis zur Ohnmacht.

Der Mythos vom Online-Verkaufsverbot 2026

Im Netz ist zu lesen, ab 2026 dürften Hunde mit Qualzuchtmerkmalen nicht mehr online verkauft werden. Ein solches Verbot steht weder in § 11b Tierschutzgesetz noch in der Tierschutz-Hundeverordnung. § 11b verbietet das Züchten, § 10 das Ausstellen. Das Tierschutzgesetz wurde laut gesetze-im-internet.de zuletzt im Dezember 2022 geändert; eine mittelbare Änderung durch ein Gesetz vom 17. August 2023 ist dort eingearbeitet. Die Tierschutz-Hundeverordnung wurde zuletzt im November 2021 geändert.

Auf EU-Ebene ist 2026 eine Verordnung über das Wohlergehen von Hunden und Katzen beschlossen worden. Ihre Regeln gelten gestaffelt über viele Jahre. Die Regel, dass Zuchtbetriebe keine Hunde mit übermäßig ausgeprägten Körpermerkmalen zur Fortpflanzung nutzen dürfen, gilt zum Beispiel erst ab dem 1. Juli 2030. Ein Online-Anzeigenfoto sagt dir also auch in den nächsten Jahren nichts darüber, ob ein Hund gesund gezüchtet wurde.

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Häufige Fragen

Welche Hunderassen gelten als Qualzucht?

Keine Rasse als Ganzes. § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung verlangt laut den Länderbehörden eine Einzelfallbetrachtung, daraus folgen weder Ausstellungs- noch Zuchtverbote für ganze Rassen. QUEN nennt kurzköpfige Rassen wie Mops, Französische Bulldogge oder Bulldog als besonders betroffen und betont, dass die Liste nicht abschließend ist.

Ist es verboten, einen Hund mit Qualzuchtmerkmalen zu kaufen oder zu halten?

§ 11b Tierschutzgesetz verbietet das Züchten, § 10 Tierschutz-Hundeverordnung das Ausstellen. Ein Kauf- oder Halteverbot enthalten beide Vorschriften nicht. Laut den Länderbehörden soll gerade das Ausstellungsverbot den Kaufanreiz für solche Hunde senken.

Woran erkenne ich eine zu kurze Nase?

QUEN wertet ein kraniofaziales Verhältnis unter 0,3 als Leitsymptom. Die Schnauze ist dann kürzer als knapp ein Drittel der Länge des Hirnschädels, gemessen vom Stop zwischen den Augen bis zum Hinterhauptshöcker. Achte außerdem auf verengte Nasenlöcher und darauf, ob die Elterntiere schnarchen oder schnell erschöpft sind.

Gilt ab 2026 ein Online-Verkaufsverbot für Qualzucht-Hunde?

Nein. Weder § 11b Tierschutzgesetz noch die Tierschutz-Hundeverordnung enthalten ein solches Verbot. Die neue EU-Verordnung über Hunde und Katzen gilt gestaffelt, ihre Zuchtregel für übermäßig ausgeprägte Körpermerkmale erst ab dem 1. Juli 2030.

Fazit

  • Qualzucht ist Zucht, bei der erblich bedingte Schäden bei den Nachkommen zu erwarten sind; § 11b Tierschutzgesetz verbietet sie.
  • Seit 2022 dürfen solche Hunde nach § 10 Tierschutz-Hundeverordnung auch nicht ausgestellt werden, geprüft wird jeder Hund einzeln.
  • Ein deutlich sichtbares Warnzeichen ist eine sehr kurze Schnauze: QUEN nennt ein Verhältnis unter 0,3 als Leitsymptom.
  • Enge Nasenlöcher, Schnarchen und schnelle Erschöpfung bei den Eltern sind ernst zu nehmende Hinweise.
  • Verdeckte Merkmale wie Hüftgelenksdysplasie oder erbliche Taubheit erkennst du nur an schriftlichen Befunden der Elterntiere.

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