
Welpen impfen: wann dein Hund welche Impfung braucht

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland
Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundimmunisierung besteht aus vier Terminen: 8, 12 und 16 Wochen, und einer vierten Dosis mit rund 15 Monaten, die sie erst abschließt
- Die letzte Dosis muss mit mindestens 16 Wochen erfolgen, sonst können mütterliche Antikörper den Impfstoff blockieren
- Core-Impfungen für Welpen sind laut StIKo Vet Staupe, Parvovirose und Leptospirose; die Hepatitis (HCC) gilt nicht mehr als unbedingte Core-Impfung, steckt aber in den meisten Kombinationsimpfstoffen mit drin
- Rund ein Jahr nach der letzten Grunddosis folgt die erste Auffrischung
- Vollständigen Schutz hat dein Welpe nicht sofort: je nach Impfstoff ein bis drei Wochen nach der Impfung mit 16 Wochen, für einzelne Komponenten (Hepatitis, Leptospirose) auch länger
Ein neuer Welpe zieht ein, und plötzlich dreht sich alles um kleine Pfoten, erste Nächte und die Frage, wie du diesen tapsigen Vierbeiner am besten beschützt. Neben Futter und Kuscheln gehört dazu eine der wichtigsten Aufgaben der ersten Lebensmonate: die Grundimmunisierung. Sie legt das Fundament für einen gesunden Start ins Leben. Wir gehen den Impfplan Schritt für Schritt mit dir durch.
Warum die Grundimmunisierung so wichtig ist
Ganz frisch geboren ist dein Welpe nicht schutzlos: Über die erste Muttermilch, das sogenannte Kolostrum, gibt eine gut geimpfte Hündin Antikörper an ihre Welpen weiter. Dieser Nestschutz bewahrt den kleinen Körper in den ersten Lebenswochen vor Infektionen, solange das eigene Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Die Abwehr ist allerdings nur geliehen: Der Welpe hat sie nicht selbst gebildet.
Genau das ist der Haken: Dieser geliehene Schutz hält nicht lange. Die mütterlichen Antikörper bauen sich über die ersten Lebenswochen stetig ab und sind meist um die zwölfte Woche weitgehend verschwunden, bei einzelnen Welpen erst mit etwa 16 Wochen. Sobald sie zu niedrig sind, um noch zu schützen, entsteht eine gefährliche Phase: die Schutzlücke. In dieser Zeit reichen die mütterlichen Antikörper nicht mehr aus, um eine echte Ansteckung abzuwehren, sind aber oft noch hoch genug, um eine Impfung zu blockieren. Fachleute nennen das auch das „Fenster der Empfänglichkeit“. Damit dein Welpe diese Lücke sicher überbrückt, wird in mehreren Schritten geimpft.
Der Impfplan: 8, 12 und 16 Wochen
In Deutschland folgt die Grundimmunisierung einem klaren Schema. Die erste Impfung findet meist mit acht Wochen statt, oft genau dann, wenn dein Welpe bei dir einzieht. Vier Wochen später, mit etwa zwölf Wochen, kommt der zweite Termin, und mit 16 Wochen folgt die dritte Dosis der Welpenserie: drei Impfungen im Abstand von einigen Wochen. Die Impfleitlinie der StIKo Vet führt danach aber noch einen vierten Termin auf, mit rund 15 Lebensmonaten.
Warum drei Termine und nicht einer? Weil niemand vorher genau weiß, wann bei deinem Welpen die mütterlichen Antikörper abgebaut sind. Mit jeder Dosis steigt die Chance, den Moment zu treffen, in dem die Impfung endlich „greift“.
Ein Punkt ist dabei besonders wichtig: Die letzte Dosis muss mit mindestens 16 Wochen erfolgen. Würde man früher aufhören, könnten bei manchen Welpen noch mütterliche Antikörper vorhanden sein, die den Impfstoff neutralisieren. Der Hund hätte dann trotz Impfung keinen verlässlichen Schutz. Erst ab etwa 16 Wochen sind bei Hunden in der Regel keine Mutterantikörper mehr zu erwarten. Dann kann die letzte Dosis anschlagen.
Weil einzelne Welpen die mütterlichen Antikörper noch länger behalten, schlägt die WSAVA (der Weltverband für Kleintiermedizin) seit 2016 zusätzlich eine Wiederholungsimpfung mit mindestens 26 Wochen vor, also rund einem halben Jahr, statt bis zur regulären Auffrischung nach einem Jahr zu warten. Die Leitlinie von 2024 nennt dazu eine Alternative: eine Blutuntersuchung auf Antikörper frühestens vier Wochen nach der letzten Welpenimpfung, also ab etwa der 20. Lebenswoche. Zeigt sie ausreichenden Schutz, braucht es die Extra-Dosis nicht. Ob diese Extra-Dosis sinnvoll ist, bespricht deine Tierärztin mit dir.
Was wird geimpft
Zu den Core-Impfungen, die jeder Welpe in Deutschland erhalten sollte, zählen laut StIKo Vet Staupe, Parvovirose und Leptospirose: schwere, teils lebensbedrohliche Infektionskrankheiten. Gerade die Parvovirose ist für ungeschützte Welpen besonders gefährlich. Die ansteckende Leberentzündung (Hepatitis contagiosa canis, HCC) gehört dazu mit einer Einschränkung, die die Impfleitlinie selbst macht: Weil konsequentes Impfen die Krankheit in Westeuropa sehr selten gemacht hat, gilt sie dort „nicht mehr als unbedingte Core-Vakzinierung“. Die meisten Kombinationsimpfstoffe enthalten die HCC-Komponente aber ohnehin, dein Welpe bekommt sie also in aller Regel mit.
Dein Welpe bekommt diese Impfungen meist als Kombinationsimpfstoff. Auf dem Impfpass findest du dann Kürzel wie „DHPP-L“ oder „SHPP-L“. Das „H“ steht für die Hepatitis, und neben den Core-Komponenten steckt darin meist auch das canine Parainfluenzavirus, einer der Erreger des Zwingerhustenkomplexes. Das „L“ steht für Leptospirose, gegen die ein Totimpfstoff eingesetzt wird. Dein Welpe erhält ihn als zwei Dosen mit 8 und 12 Wochen.
Planst du mit deinem Hund eine Reise ins Ausland? Dann kommt die Tollwutimpfung hinzu. Sie darf frühestens im Alter von zwölf Wochen gegeben werden, und der Impfschutz gilt erst 21 Tage nach der Erstimpfung als wirksam. Vor Woche 15 kann dein Welpe also nicht legal mitreisen; plane den Termin entsprechend früh.
Entwurmung nicht vergessen
Zur Welpenzeit gehört neben dem Impfen auch die Entwurmung, und die beginnt oft schon, bevor die erste Impfung ansteht. Welpen können sich bereits im Mutterleib und später über die Muttermilch mit Spulwürmern anstecken; viele kommen also schon infiziert zur Welt. Bleibt das unbehandelt, kann eine starke Verwurmung das Immunsystem und die Entwicklung des Welpen erheblich schwächen. Nach den ESCCAP-Empfehlungen werden Hundewelpen deshalb bereits mit zwei Wochen das erste Mal gegen Spulwürmer behandelt und danach in regelmäßigen Abständen weiter. Deine Tierärztin stimmt die Entwurmung auf die Impftermine ab.
Die erste Auffrischung nach einem Jahr
Mit der dritten Impfung ist die Grundimmunisierung fast, aber noch nicht ganz abgeschlossen. Es fehlt eine vierte Dosis: die erste Auffrischung rund ein Jahr nach der letzten Grunddosis, also mit etwa 15 Monaten. Diese „Ein-Jahres-Impfung“ festigt den Schutz und macht die Grundimmunisierung komplett.
Danach musst du nicht mehr jährlich alles auffrischen: Der Schutz gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose hält je nach Impfstoff ein bis drei Jahre. Diese Spanne stammt aus den Gebrauchsinformationen der Impfstoffe; die StIKo Vet selbst nennt für alle drei einen Abstand von drei Jahren. Leptospirose dagegen muss jährlich erneuert werden, weil dieser Schutz schneller nachlässt. Welches Intervall für deinen Hund gilt, hältst du gemeinsam mit deiner Tierärztin im Impfpass fest.
Voller Schutz erst ein bis drei Wochen nach der Impfung mit 16 Wochen, bei einzelnen Komponenten später
Ein häufiges Missverständnis: Der Welpe sei sofort nach der letzten Spritze rundum geschützt. Tatsächlich braucht der Körper noch Zeit, und wie viel, hängt vom verwendeten Impfstoff ab. Die in Deutschland zugelassenen Kombi-Impfstoffe (die Impfleitlinie listet sie im Anhang einzeln auf) geben den Beginn der Immunität gegen Staupe und Parvovirose mit einer bis drei Wochen nach der Impfung mit 16 Wochen an, also nach der letzten Dosis der Welpenserie, nicht erst nach dem 15-Monats-Termin. Für die Hepatitis-Komponente nennt mindestens ein zugelassener Kombi-Impfstoff vier Wochen. ⚠️ Für die Leptospirose gilt eine eigene Frist, und wie lang sie ist, hängt stark vom Präparat ab: Die Gebrauchsinformationen der zugelassenen Leptospirose-Impfstoffe nennen den Beginn der Immunität zwischen zwei und fünf Wochen nach der zweiten Dosis (also nach dem Termin mit 12 Wochen). Frag in deiner Praxis nach, was für den Impfstoff deines Welpen gilt.
Bis dahin gilt: Halte deinen Welpen von unnötigen Risiken fern. Warte mit engem Kontakt zu fremden oder ungeimpften Hunden und mit stark frequentierten Hundewiesen, bis die Impfung mit 16 Wochen ihre Wirkung entfaltet hat. Das heißt nicht, dass dein Welpe zu Hause eingesperrt bleiben soll: Die wichtige Sozialisierungsphase gelingt gut mit geimpften, gesunden Hunden aus deinem Umfeld.
Wann zum Tierarzt
Leichte Reaktionen nach einer Impfung sind normal: Manche Welpen sind einen Tag etwas müder, oder die Impfstelle ist kurz leicht geschwollen. Das klingt meist rasch von selbst ab.
Das MSD Veterinary Manual beschreibt den anaphylaktischen Schock als seltene, lebensbedrohliche allergische Sofortreaktion (ausdrücklich auch auf eine Injektion), deren Zeichen meist innerhalb von Sekunden bis Minuten auftreten: plötzlicher Durchfall, starkes Speicheln, Erbrechen, Schock, Krampfanfälle; blasses Zahnfleisch, kalte Gliedmaßen und ein schneller, schwacher Puls. Beim Hund stehen dabei die Magen-Darm-Zeichen im Vordergrund und nicht die Atemwege. Die Anaphylaxie ist ein extremer Notfall: Hier zählt jede Minute. Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall, Kollaps oder Umkippen, Atemnot, anhaltender starker Husten, Quaddeln auf der Haut oder eine Schwellung an Augen, Fang oder Gesicht führt auch die VCA als tiermedizinische Notfälle. Mit diesen Zeichen gehört dein Welpe sofort in die Praxis, nicht erst unter Beobachtung. Klingen dagegen die leichten Reaktionen (Müdigkeit, Appetitlosigkeit, leichtes Fieber, Schwellung an der Impfstelle) nicht ab, sondern halten an oder werden stärker, oder wirkt dein Welpe sehr unwohl, ruf in der Praxis an. Und ganz besonders gilt: Zeigt ein noch nicht vollständig geimpfter Welpe Symptome wie blutigen Durchfall, wiederholtes Erbrechen, Fieber oder auffällige Mattigkeit, gehört er ohne Zögern in die Praxis. Dahinter kann eine gefährliche Infektion wie Parvovirose stecken, und hier zählt jede Stunde.
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Häufige Fragen
Ab welchem Alter wird ein Welpe zum ersten Mal geimpft?
Die erste Impfung findet in Deutschland üblicherweise mit acht Wochen statt, danach folgen Termine mit etwa zwölf und 16 Wochen. In besonderen Fällen kann deine Tierärztin auch früher beginnen, um die Schutzlücke zu verkleinern.
Warum muss die letzte Welpenimpfung mit mindestens 16 Wochen erfolgen?
Weil mütterliche Antikörper aus der Muttermilch die Impfung neutralisieren können, solange sie noch im Körper des Welpen vorhanden sind. Ab etwa 16 Wochen sind bei Hunden in der Regel keine mehr zu erwarten, sodass die letzte Dosis eine eigene Immunität aufbauen kann. Bei einer Minderheit von Welpen halten sie länger. Deshalb bespricht deine Tierärztin, ob eine zusätzliche Dosis sinnvoll ist.
Ist mein Welpe direkt nach der letzten Impfung geschützt?
Nein. Der Körper braucht noch Zeit für die volle Abwehr: je nach Impfstoff ein bis drei Wochen nach der Impfung mit 16 Wochen, für einzelne Komponenten (Hepatitis, Leptospirose) auch länger. Halte deinen Welpen bis dahin von Ansteckungsrisiken fern und frag in der Praxis nach, was für seinen Impfstoff gilt.
Muss ich die Impfungen danach jedes Jahr auffrischen?
Nicht bei allen. Nach der ersten Auffrischung rund ein Jahr nach der Grundimmunisierung halten Staupe, Hepatitis und Parvovirose je nach Impfstoff ein bis drei Jahre. Leptospirose dagegen muss jährlich erneuert werden. Deine Tierärztin hält das passende Intervall im Impfpass fest.
Fazit
- Die Grundimmunisierung besteht aus vier Terminen: 8, 12 und 16 Wochen, und einer vierten Dosis mit rund 15 Monaten, die sie erst abschließt. Sie wird oft „erste Auffrischung“ genannt, gehört aber noch zur Grundimmunisierung.
- Die letzte Dosis muss mit mindestens 16 Wochen erfolgen, weil mütterliche Antikörper die Impfung vorher blockieren können.
- Core-Impfungen für Welpen sind laut StIKo Vet Staupe, Parvovirose und Leptospirose, meist als Kombinationsimpfstoff, der die Hepatitis-Komponente (HCC) mit enthält.
- Die Entwurmung beginnt schon früh und wird auf die Impftermine abgestimmt.
- Voller Schutz besteht nicht sofort, sondern je nach Impfstoff ein bis drei Wochen nach der Impfung mit 16 Wochen, für einzelne Komponenten (Hepatitis, Leptospirose) auch länger; bis dahin Risiken meiden.
- Bei starker Impfreaktion oder Krankheitszeichen bei noch nicht vollständig geimpften Welpen gehört dein Hund ohne Zögern in die Praxis. Bei Verdacht auf Parvovirose zählt jede Stunde.
Quellen
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2010) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2016) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2024) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
- Impfleitlinie für Kleintiere (Stand 06.01.2025) · StIKo Vet am FLI
- Vaccines for Dogs · VCA Animal Hospitals
- Preventative Health Care for Small Animals · MSD Veterinary Manual
- Care for Your Pet After Vaccination · VCA Animal Hospitals
- Disorders Involving Anaphylactic Reactions (Type I Reactions, Atopy) in Dogs · MSD Veterinary Manual
- ESCCAP Guideline 1: Worm Control in Dogs and Cats (7th Edition, June 2025) · ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites)
- Hundewelpen richtig entwurmen · ESCCAP Deutschland
- Impfempfehlung Kleintier · Bundesverband für Tiergesundheit
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