
Welche Impfungen braucht mein Hund und wie oft?

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland
Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.
Das Wichtigste in Kürze
- Core-Impfungen für jeden Hund in Deutschland: Staupe, Parvovirose und Leptospirose
- Die Grundimmunisierung des Welpen läuft über mehrere Termine mit 8, 12 und 16 Wochen und wird mit rund 15 Monaten abgeschlossen
- Die letzte Welpenimpfung sollte frühestens mit 16 Wochen fallen, damit der Nestschutz sie nicht mehr blockiert
- Staupe und Parvovirose werden im Abstand von drei Jahren aufgefrischt (Gebrauchsinformationen: je nach Impfstoff ein bis drei Jahre), Leptospirose jährlich
- Tollwut ist in Deutschland keine Pflicht mehr, für Auslandsreisen aber vorgeschrieben, mit Mikrochip und EU-Heimtierausweis
Warum der Impfschutz zur wichtigsten Vorsorge deines Hundes gehört
Impfungen schützen deinen Hund vor Infektionskrankheiten, die schwer verlaufen und lebensbedrohlich werden können, und gegen die es oft keine wirksame Behandlung gibt. Gerade Welpen sind besonders gefährdet. Ein durchdachter Impfplan ist deshalb eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, deinen Hund gesund zu halten.
Fachleute unterscheiden zwei Gruppen: Core-Impfungen für jeden Hund und Non-Core-Impfungen je nach Lebensumständen. Hier erfährst du, welche dazugehören, wann sie fällig sind und was für Reisen ins Ausland gilt.
Core und Non-Core: Was bedeutet das?
Core-Impfungen sind die Basisimpfungen: Sie werden für jeden Hund empfohlen, weil sie vor besonders gefährlichen und leicht übertragbaren Krankheiten schützen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet), was dazuzählt.
Non-Core-Impfungen sind Wahlimpfungen. Ob dein Hund sie braucht, hängt von Haltung, Kontakt zu anderen Hunden, Region und Reiseplänen ab. Das entscheidest du gemeinsam mit deiner Tierärztin.
Die Core-Impfungen des Hundes
In Deutschland sollten Hunde nach Empfehlung der StIKo Vet grundsätzlich gegen Staupe, Parvovirose und Leptospirose geimpft werden.
Staupe
Die Staupe ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die den ganzen Körper befallen kann. Angesteckt werden Hunde meist über eingeatmete Viruströpfchen. Neben Augen- und Nasenausfluss sowie Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden kann sie auch das Nervensystem schädigen. Solche Schäden sind schwer zu behandeln und oft dauerhaft. Schwere Verläufe können tödlich enden.
Parvovirose
Die Parvovirose ist eine hochansteckende, akute Magen-Darm-Erkrankung. Am stärksten gefährdet sind junge Hunde im Alter von etwa 6 Wochen bis 6 Monaten, die nicht oder noch nicht vollständig geimpft sind. Typisch sind Fressunlust, Teilnahmslosigkeit, Erbrechen und häufig blutiger Durchfall. Das Virus ist extrem widerstandsfähig: In Innenräumen bleibt es bei Zimmertemperatur mindestens zwei Monate ansteckend, im Freien (vor Sonne und Austrocknung geschützt) viele Monate und womöglich Jahre.
Leptospirose
Die Leptospirose wird durch Bakterien der Gattung Leptospira ausgelöst, die lange in Oberflächenwasser wie Tümpeln und Pfützen überleben. Die Ansteckung erfolgt häufig über verunreinigtes Wasser. Betroffen sind vor allem die Nieren, oft auch die Leber. Wichtig: Die Leptospirose ist eine Zoonose. Sie kann auch auf den Menschen übergehen. Der Impfstoff ist ein Totimpfstoff, was den Auffrischungsrhythmus mitbestimmt.
Non-Core-Impfungen nach Bedarf
Hepatitis (HCC, ansteckende Leberentzündung)
Die Hepatitis contagiosa canis wird durch das canine Adenovirus Typ 1 ausgelöst und schädigt vor allem die Leber, dazu Nieren, Milz und Lunge. In Deutschland stuft die StIKo Vet sie heute als Non-Core ein. International zählt die WSAVA sie dagegen zu den Core-Impfungen. In der Praxis ist der Schutz meist ohnehin enthalten: Über einen Kreuzschutz steckt die Adenovirus-Komponente in den meisten Kombiimpfstoffen. Es gibt aber auch zugelassene Kombinationen ohne sie.
Zwingerhusten
Der Zwingerhusten ist hochansteckend und wird vor allem durch das Bakterium Bordetella bronchiseptica und das canine Parainfluenzavirus ausgelöst. Er breitet sich schnell aus, wo viele Hunde eng zusammenkommen: Tierpension, Hundeschule, Ausstellungen. Leitsymptom ist ein trockener, harter Husten. Für Hunde mit viel Kontakt ist die Impfung besonders sinnvoll.
Borreliose
Die Borreliose wird durch Borrelia-Bakterien ausgelöst, die über Zeckenstiche übertragen werden. In der Regel muss die Zecke dafür rund einen Tag saugen. Anzeichen sind Fieber, Fressunlust, geschwollene Gelenke und eine von Bein zu Bein wandernde Lahmheit. Ob eine Impfung sinnvoll ist, hängt vom Zeckenrisiko deiner Region ab.
Tollwut
Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut. Deshalb ist die Tollwutimpfung hier keine Core-Impfung mehr. Für Reisen ins Ausland bleibt sie aber Pflicht. Die WSAVA führt sie als Core-Impfung für Regionen, in denen die Tollwut endemisch ist. Nach ihrem eigenen Kriterium gilt das für Deutschland also nicht. Ein Widerspruch zur StIKo Vet ist das somit nicht; mehr dazu unten.
„Non-Core“ heißt hier allerdings nicht „überflüssig“. Die StIKo Vet empfiehlt die Impfung ausdrücklich weiter für Risikotiere: Dazu zählen Hunde mit Kontakt zu illegal eingeführten Tieren aus dem Ausland, dem einzigen Weg, auf dem die terrestrische Tollwut heute noch nach Deutschland gelangt. Dazu kommt ein Punkt, der selten erwähnt wird: Nach der Tollwut-Verordnung (§ 9) ordnet die Behörde bei einem ungeimpften Hund, der Kontakt zu einem tollwutkranken Tier hatte, die sofortige Tötung an; war das andere Tier nur tollwutverdächtig, kann sie die Tötung anordnen. Im Einzelfall ist stattdessen eine mindestens dreimonatige sichere Absonderung möglich. Ein Hund mit gültigem Impfschutz wird dagegen nur behördlich beobachtet und nachgeimpft. Ob dein Hund die Impfung braucht, besprichst du am besten mit deiner Tierärztin.
Die Grundimmunisierung: der Start beim Welpen
Die Basis legt die Grundimmunisierung im Welpenalter. Die Erstimpfung erfolgt meist mit 8 Lebenswochen, gefolgt von Terminen mit 12 und 16 Wochen sowie einer abschließenden Impfung mit rund 15 Lebensmonaten. Erst danach ist sie vollständig abgeschlossen.
Warum so viele Termine? In den ersten Lebenswochen schützt noch der Nestschutz der Mutter (mütterliche Antikörper), der eine zu früh gegebene Impfung wirkungslos machen kann. Er baut sich nach und nach ab, und zwar bei jedem Welpen unterschiedlich schnell. Deshalb sollte die letzte Welpenimpfung frühestens mit 16 Wochen fallen: Dann ist der Nestschutz bei den allermeisten Welpen abgebaut. In Situationen mit hohem Ansteckungsdruck kann deine Tierärztin die Serie enger takten und eine weitere Impfung nach der 16. Woche anschließen.
Eine Besonderheit: Die Leptospirose wird bei den Welpenterminen nur mit 8 und 12 Wochen geimpft. Der Termin mit 16 Wochen ist ohne sie. Mit rund 15 Monaten ist sie wieder dabei, und ab dann jährlich. Staupe und Parvovirose dagegen zu allen Terminen.
Auffrischung beim erwachsenen Hund
Erwachsene Hunde sollen jederzeit gegen Staupe, Parvovirose und Leptospirose geschützt sein. Wie oft nachgeimpft wird, unterscheidet sich aber je nach Krankheit:
- Staupe und Parvovirose: Die StIKo Vet nennt für beide eine Wiederholungsimpfung im Abstand von drei Jahren. Die Gebrauchsinformationen der einzelnen Impfstoffe sehen daneben laut Leitlinie je nach Hersteller Intervalle von einem Jahr bis zu drei Jahren vor. Welcher Abstand für das Präparat deines Hundes gilt, steht dort. Statt des Nachimpfens ist hier auch eine Titerbestimmung möglich: Ein Bluttest zeigt, ob noch genug Antikörper da sind.
- Leptospirose: Der Totimpfstoff hält kürzer, deshalb wird jährlich aufgefrischt. Eine Titerbestimmung ersetzt das nicht: Die Impfleitlinie sieht diesen Weg für die Leptospirose nicht vor und fordert die jährliche Wiederholungsimpfung.
Den genauen Rhythmus legt deine Tierärztin fest. Ein Impfschema im Heimtierausweis hilft beim Überblick.
Tollwut und Reisen ins Ausland
Für das Leben in Deutschland ist die Tollwutimpfung keine Pflicht mehr. Eine einzelne Dosis ist rechtlich ausreichend, sofern der Hund dabei mindestens zwölf Wochen alt ist; die Auffrischung liegt je nach Produkt bei ein bis drei Jahren. Als wirksam ausgebildet gilt der Impfschutz im Sinne der deutschen Tollwut-Verordnung allerdings erst 21 Tage nach Abschluss der Grundimmunisierung, und genau dieser Schutz entscheidet im Ernstfall darüber, ob § 9 greift.
Anders bei Auslandsreisen: Hier ist ein gültiger Tollwutschutz vorgeschrieben. Für Reisen innerhalb der EU schreiben die EU-Reiseregeln Mikrochip, gültige Tollwutimpfung und EU-Heimtierausweis vor, und zwar in dieser Reihenfolge: Der Chip muss vor der Impfung gesetzt werden, und nach der Erstimpfung gilt eine Wartezeit von 21 Tagen. Rechne dabei das Alter mit ein: Geimpft werden darf frühestens, wenn der Hund mindestens zwölf Wochen alt ist. Zusammen mit der Wartezeit darf er also frühestens mit rund 15 Wochen einreisen. Für Reisen in bestimmte Länder außerhalb der EU kommt zusätzlich ein Tollwut-Antikörpertest mit einem Titer von mindestens 0,5 IE/ml dazu; innerhalb der EU fordert ihn kein Mitgliedstaat mehr. Der Titer selbst ist dabei nur der Laborwert. Als Reisedokument zählt die Bescheinigung des zugelassenen Labors bzw. der entsprechende Eintrag im Heimtierausweis. Der Nachweis ersetzt aber nie die Impfung selbst.
Weil diese Fristen Vorlauf brauchen, sprich früh mit deiner Tierärztin. Vorbereitungstipps findest du im Ratgeber Mit dem Hund in den Urlaub.
Wann du mit deinem Hund zum Tierarzt solltest
- Zur Grundimmunisierung des Welpen und zu den Auffrischungsterminen, der wichtigste Schutz überhaupt
- Wenn du einen Hund mit unbekanntem Impfstatus übernimmst (Tierschutz, Auslandshund)
- Bei Krankheitszeichen, die zu diesen Infektionen passen: anhaltendes Erbrechen, (blutiger) Durchfall, hartnäckiger Husten, Fieber, Teilnahmslosigkeit
- Rechtzeitig vor einer Reise, denn Tollwutimpfung, Chip und die 21-Tage-Wartezeit brauchen Vorlauf
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Häufige Fragen
Welche Impfungen braucht mein Hund unbedingt?
In Deutschland gelten Staupe, Parvovirose und Leptospirose als Core-Impfungen: Sie werden für jeden Hund empfohlen. Zwingerhusten, Borreliose und Tollwut sind Non-Core und richten sich nach Haltung, Region und Reiseplänen.
Wie läuft die Grundimmunisierung beim Welpen ab?
Die Erstimpfung erfolgt meist mit 8 Wochen, weitere Impfungen mit 12 und 16 Wochen, abgeschlossen wird sie mit rund 15 Monaten. Die letzte Welpenimpfung sollte frühestens mit 16 Wochen liegen, damit der Nestschutz der Mutter sie nicht mehr blockiert.
Wie oft muss ich meinen erwachsenen Hund impfen lassen?
Staupe und Parvovirose werden nach der Impfleitlinie im Abstand von drei Jahren aufgefrischt; je nach Impfstoff kann die Gebrauchsinformation ein kürzeres Intervall vorsehen. Statt des Nachimpfens ist hier eine Titerbestimmung möglich. Die Leptospirose-Impfung hält kürzer und wird jährlich wiederholt.
Ist die Tollwutimpfung in Deutschland Pflicht?
Für das Leben in Deutschland nicht mehr, da das Land seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut gilt. Für Reisen ins Ausland ist ein gültiger Tollwutschutz aber vorgeschrieben, mit Mikrochip, EU-Heimtierausweis und 21 Tagen Wartezeit nach der Erstimpfung. Geimpft werden darf frühestens, wenn der Hund mindestens zwölf Wochen alt ist; zusammen mit der Wartezeit ist die Einreise damit frühestens mit rund 15 Wochen möglich.
Braucht mein Hund die Impfung gegen Zwingerhusten?
Der Zwingerhusten ist eine Non-Core-Impfung. Sinnvoll ist sie vor allem für Hunde mit viel Kontakt zu Artgenossen, etwa vor einem Aufenthalt in der Tierpension, in der Hundeschule oder auf Ausstellungen, wo sich die Erreger schnell verbreiten.
Fazit: So behältst du den Impfschutz im Griff
- Core-Impfungen für jeden Hund in Deutschland sind Staupe, Parvovirose und Leptospirose
- Die Grundimmunisierung des Welpen läuft über Termine mit 8, 12 und 16 Wochen und endet mit rund 15 Monaten; die letzte Welpenimpfung sollte frühestens mit 16 Wochen fallen
- Beim erwachsenen Hund werden Staupe und Parvovirose im Abstand von drei Jahren aufgefrischt (Titerbestimmung möglich), je nach Gebrauchsinformation auch häufiger; Leptospirose jährlich
- Non-Core-Impfungen wie Zwingerhusten und Borreliose richten sich nach Kontakt und Region
- Tollwut ist in Deutschland keine Pflicht mehr, für Auslandsreisen aber vorgeschrieben, mit Mikrochip, EU-Heimtierausweis und 21 Tagen Wartezeit; geimpft werden darf frühestens mit zwölf Wochen, sodass die Einreise frühestens mit rund 15 Wochen möglich ist; den individuellen Plan stimmst du mit deiner Tierärztin ab
Quellen
- Vaccines for Dogs · VCA Animal Hospitals
- Canine Distemper (Hardpad Disease) · MSD Veterinary Manual
- Canine Parvovirus Infection (Parvoviral Enteritis in Dogs) · MSD Veterinary Manual
- Leptospirosis in Dogs · MSD Veterinary Manual
- Verordnung zum Schutz gegen die Tollwut (TollwV), § 9 · Bundesministerium der Justiz
- Verordnung zum Schutz gegen die Tollwut (TollwV), § 1 (wirksamer Impfschutz) · Bundesministerium der Justiz
- Impftabelle Hund — Tollwut · StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut
- Impftabelle Hund — Leptospirose · StIKo Vet am Friedrich-Loeffler-Institut
- Impfleitlinie für Kleintiere (Stand 06.01.2025) · StIKo Vet am FLI
- Impfempfehlung Kleintier · Bundesverband für Tiergesundheit
- Infectious Canine Hepatitis · MSD Veterinary Manual
- Tracheobronchitis (Bronchitis) in Dogs · MSD Veterinary Manual
- Lyme Disease (Lyme Borreliosis) in Dogs · MSD Veterinary Manual
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