Bin ich bereit für einen Hund? Die ehrlichen Fragen vor der Anschaffung
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Bin ich bereit für einen Hund? Die ehrlichen Fragen vor der Anschaffung

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
20. Oktober 20266 Min. Lesezeit
So entstehen unsere Inhalte

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland

Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.

Zeit, Geld, Wohnung und Haushalt: Diese vier Fragen entscheiden, ob jetzt der richtige Moment für einen Hund ist. Wir zeigen, was Tierschutz-Hundeverordnung, Tierschutzbund und britische Lebenstafeln dazu sagen, und warum „nicht jetzt“ eine gute Antwort sein kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Deutsche Tierschutzbund rät: Ist nur eine der Fragen zu Zeit, Geld, Wohnung und Haushalt mit Nein beantwortet, ist es für das Tier besser, auf einen Hund zu verzichten
  • In britischen Lebenstafeln lag die Lebenserwartung von Hunden bei Geburt im Mittel bei 11,23 Jahren. Ein Hund ist eine Entscheidung für rund ein Jahrzehnt
  • Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt ausreichend Auslauf im Freien und mehrmals täglich Umgang; Welpen bis zwanzig Wochen brauchen mindestens vier Stunden Umgang am Tag
  • Laufend kosten Futter, Hundesteuer, Versicherung und Tierarzt. Die Tierarztgebühren folgen der GOT mit dem Einfachen bis Dreifachen des Gebührensatzes
  • In Niedersachsen und Bremen ist die theoretische Sachkundeprüfung schon vor Beginn der Hundehaltung fällig, für erfahrene Halter sehen die Landesgesetze Ausnahmen vor

Du bist bereit für einen Hund, wenn du vier Fragen ehrlich mit Ja beantworten kannst. Hast du jeden Tag Zeit, und zwar über viele Jahre? Kannst du die laufenden Kosten tragen, auch eine unerwartete Tierarztrechnung? Passen Wohnung und Alltag zu einem Hund? Und wollen ihn alle in deinem Haushalt? Der Deutsche Tierschutzbund zieht die Linie klar: Ist nur eine Antwort Nein, ist es im Interesse des Tieres besser, auf einen Hund zu verzichten. „Nicht jetzt“ ist deshalb eine gute Antwort.

Welche Pflichten in deinem Bundesland gelten und was ein Hund in deiner Stadt kostet, zeigt dir das Themen-Center Hund anschaffen.

Zeit: jeden Tag, über viele Jahre

Ein Hund ist eine Entscheidung für rund ein Jahrzehnt. Britische Forschende haben aus den Daten von 30.563 Hunden, die zwischen 2016 und 2020 gestorben sind und in Tierarztpraxen betreut wurden, Lebenstafeln erstellt. Im Mittel lag die Lebenserwartung bei Geburt bei 11,23 Jahren, und zwischen den Rassen gab es große Unterschiede. Die Autorinnen und Autoren halten es ausdrücklich für wichtig, dass künftige Halter diese Zeitspanne kennen, bevor sie sich festlegen. Frag dich also nicht nur, ob du heute Zeit hast. Frag dich, ob dein Leben in zehn Jahren noch Platz für einen Hund lässt.

Und im Alltag? Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt, einem Hund „ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers“ zu gewähren und „mehrmals täglich in ausreichender Dauer Umgang“ mit der Person, die ihn betreut (§ 2 Abs. 1 TierSchHuV). Eine Minutenzahl nennt § 2 für erwachsene Hunde nicht. Auslauf und Sozialkontakte richten sich nach Rasse, Alter und Gesundheit. Der Tierschutzbund wird konkreter: Damit dein Hund sich lösen kann, solltest du ihn etwa viermal täglich ausführen.

Bei einem Welpen ist es mehr. Bis zum Alter von zwanzig Wochen muss er nach der Verordnung mindestens vier Stunden am Tag Umgang mit einer Betreuungsperson haben. Ein Welpe passt also nicht in Wochen, in denen du ohnehin kaum zu Hause bist. Es muss aber nicht immer ein Welpe sein: Auch ältere Hunde gewöhnen sich nach der Erfahrung des Tierschutzbunds schnell an ein neues Zuhause.

Sei auch bei der Frage ehrlich, wie lange dein Hund allein bliebe. Einen Hund über Stunden allein zu lassen, widerspricht laut Tierschutzbund seinem natürlichen Bedürfnis nach sozialem Kontakt. Ist dein Arbeitstag lang, gehört eine feste Betreuung zum Plan, bevor der Hund einzieht. Wie Alleinbleiben geübt wird und woran du Trennungsstress erkennst, steht im Ratgeber Trennungsangst beim Hund.

Geld: mehr als der Kaufpreis

Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Der Tierschutzbund fragt vor dem Kauf eines Hundes, ob du regelmäßig das Geld für Futter, Steuern, Versicherung und Tierarzt aufbringst. Hinter drei dieser Posten steht eine eigene Regel:

  • Hundesteuer: Deine Gemeinde legt sie in einer eigenen Satzung fest. Deshalb unterscheidet sie sich von Stadt zu Stadt.
  • Haftpflichtversicherung: Ob sie Pflicht ist, regelt dein Bundesland. In Niedersachsen etwa muss sie für jeden Hund bestehen, der älter als sechs Monate ist.
  • Tierarzt: Die Gebühren folgen der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Sie erlaubt je nach Aufwand das Einfache bis Dreifache des Gebührensatzes. Im Notdienst nachts, am Wochenende und an Feiertagen steigen die Sätze auf das Zwei- bis Vierfache, und dazu kommt eine Notdienstgebühr.

Plane außerdem mit dem Unerwarteten. In einer Umfrage des Tierschutzbunds unter seinen angeschlossenen Tierheimen vom Mai 2024 gehörten gestiegene Tierarztkosten zu den häufigsten Gründen, warum Tiere abgegeben wurden, neben Überforderung, fehlender Zeit und Beißvorfällen mit Hunden. Ein Puffer für eine größere Behandlung gehört deshalb in deine Rechnung, nicht nur die laufenden Posten. Der Kostenrechner im Themen-Center zeigt dir Spannen für das erste Jahr und die Jahre danach.

Wohnung und Alltag

  • Mietvertrag: Frag deine Vermieterin oder die Hausverwaltung, bevor du dich festlegst, ob ein Hund erlaubt ist. Auch diese Frage steht auf der Liste des Tierschutzbunds.
  • Passender Hund: Überleg, welcher Hund zu deiner Wohnung und deinem Leben passt. Treppen ohne Aufzug, eine kleine Wohnung und lange Pendelzeiten verändern die Antwort.
  • Pflichten vor dem Einzug: In Niedersachsen und Bremen legst du als neue Halterin oder neuer Halter die theoretische Sachkundeprüfung ab, bevor du einen Hund hältst; die praktische Prüfung folgt im ersten Jahr. Für erfahrene Halter sehen beide Gesetze Ausnahmen vor. In Niedersachsen gilt die Sachkunde zum Beispiel als nachgewiesen, wenn du in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre ununterbrochen einen Hund gehalten hast; die Bremer Ausnahme ist enger gefasst (§ 3 NHundG, § 3 BremHundeG).

Was in deinem Bundesland gilt, fasst der Pflichten-Check im Themen-Center zusammen, jeweils mit der Rechtsgrundlage.

Haushalt: alle müssen Ja sagen

Ein Hund lebt nicht nur mit dir, sondern mit allen, die bei dir wohnen. Der Tierschutzbund fragt deshalb, ob alle Familienmitglieder einverstanden sind und ob die Versorgung im Urlaub geregelt ist. Kläre außerdem, bevor der Hund kommt:

  • Reagiert jemand im Haushalt allergisch auf Hunde?
  • Wer geht morgens, mittags und abends raus, auch bei Regen und an Arbeitstagen?
  • Wer übernimmt, wenn du krank wirst, umziehst oder verreist?

Für die letzte Frage gilt: Ein Tierheim ist kein Plan B. Tierheime sind nicht verpflichtet, ungewollte Tiere aufzunehmen, sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds. In der Umfrage vom Mai 2024 hatten nur 18 Prozent der befragten Tierheime überhaupt noch Kapazitäten, und wer ein Tier abgeben wollte, musste damit rechnen, auf einer Warteliste zu landen.

„Nicht jetzt“ ist auch Verantwortung

Wenn du bei einer dieser Fragen gezögert hast, ist das kein Scheitern. Überforderung, fehlende Zeit und Tierarztkosten gehören zu den häufigsten Gründen, aus denen Tiere abgegeben werden, und genau diese Punkte kannst du vorher prüfen. Warten ist dann die Entscheidung, die dem Hund am meisten nützt.

Nutze die Zeit bis dahin:

  • Verbring Zeit mit Hunden von Freunden oder Nachbarn und geh regelmäßig mit ihnen spazieren.
  • Rechne deine Kosten mit echten Zahlen für deine Stadt durch.
  • Informier dich über Rassen, Gesundheit und seriöse Herkunft, bevor ein Welpenfoto die Entscheidung trifft.

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Häufige Fragen

Wie viel Zeit brauche ich am Tag für einen Hund?

Eine Minutenzahl schreibt § 2 der Tierschutz-Hundeverordnung für erwachsene Hunde nicht vor. Er verlangt ausreichend Auslauf im Freien und mehrmals täglich Umgang in ausreichender Dauer. Der Tierschutzbund rät, einen Hund etwa viermal täglich auszuführen, und Welpen bis zwanzig Wochen brauchen mindestens vier Stunden Umgang am Tag.

Wie lange lebt ein Hund?

In britischen Lebenstafeln lag die Lebenserwartung bei Geburt im Mittel bei 11,23 Jahren, mit großen Unterschieden zwischen den Rassen. Plane deshalb mit rund einem Jahrzehnt oder länger.

Kann ich einen Hund halten, wenn ich Vollzeit arbeite?

Nur, wenn die Betreuung geregelt ist. Einen Hund über Stunden allein zu lassen, widerspricht laut Tierschutzbund seinem Bedürfnis nach sozialem Kontakt. Kläre vor dem Einzug, wer tagsüber bei ihm ist oder mit ihm rausgeht.

Was muss ich vor dem Einzug erledigen?

Frag nach, ob dein Mietvertrag einen Hund erlaubt, und prüf die Pflichten deines Bundeslands. In Niedersachsen und Bremen musst du die theoretische Sachkundeprüfung grundsätzlich schon vor Beginn der Hundehaltung ablegen. Ausnahmen für erfahrene Halter regeln die beiden Landesgesetze unterschiedlich.

Fazit

  • Bereit bist du, wenn Zeit, Geld, Wohnung und Haushalt passen, und zwar für rund ein Jahrzehnt.
  • Ein Welpe braucht in den ersten zwanzig Wochen täglich mindestens vier Stunden Umgang.
  • Rechne neben Futter, Steuer und Versicherung mit Tierarztkosten nach der GOT und einem Puffer für Unerwartetes.
  • Kläre Mietvertrag, Landespflichten und einen Plan B, bevor der Hund einzieht.
  • Ist eine Antwort Nein, ist „nicht jetzt“ die verantwortungsvolle Entscheidung.

Quellen

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