
Anaplasmose beim Hund: die zweite große Zeckenkrankheit — Symptome, Diagnose und Schutz

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Anaplasmose des Hundes wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum ausgelöst und in Europa vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen - derselben Zecke wie bei der Borreliose
- Die meisten infizierten Hunde bleiben gesund und zeigen nie Symptome - Kontakt mit dem Erreger ist häufig, eine Erkrankung dagegen selten
- Typische Beschwerden sind Lethargie, Fieber, Appetitlosigkeit und eine Lahmheit durch schmerzhafte Gelenkentzündungen, meist ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich
- Ein einzelner positiver Antikörpertest ist keine Diagnose - er belegt nur den Kontakt; die ESCCAP-Leitlinie GL5 verlangt einen zweiten Test drei bis vier Wochen später
- Erkrankte Hunde sprechen gut auf Doxycyclin an - Präparat, Dosis und Dauer legt allein die Tierarztpraxis fest; die Kur läuft trotz rascher Besserung drei bis vier Wochen weiter
- Anaplasmose ist eine Zoonose, aber dein Hund steckt dich nicht an: übertragen wird sie nur über Zecken - die er allerdings ins Haus tragen kann
- Gegen Anaplasmose gibt es keine Impfung - konsequenter Zeckenschutz ist der einzige wirkliche Schutz, und auch die Borreliose-Impfung ersetzt ihn nicht
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Diese Einschätzung ist keine Diagnose und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Sie hilft nur, die Dringlichkeit einzuordnen. Im Zweifel wende dich immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Stand: 2026-07-15.
Nicht nur Borreliose: die zweite große Zeckenkrankheit
Wenn es um Zecken beim Hund geht, denken die meisten sofort an Borreliose. Dabei überträgt genau dieselbe Zecke in Deutschland noch eine zweite bedeutende Infektion, die deutlich weniger bekannt ist: die Anaplasmose.
Die gute Nachricht vorweg: Die allermeisten Hunde, die sich anstecken, werden nie krank. Trotzdem lohnt es sich, die Anaplasmose zu kennen - ihre Symptome sind unspezifisch und werden leicht übersehen. Und es gibt einen entscheidenden Unterschied zur Borreliose: Gegen Anaplasmose gibt es keine Impfung. Der einzige wirkliche Schutz ist konsequenter Zeckenschutz.
Was ist Anaplasmose?
Die Anaplasmose des Hundes ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Ausgelöst wird die in Deutschland relevante Form - die granulozytäre Anaplasmose - vom Bakterium Anaplasma phagocytophilum. Der Erreger befällt bestimmte weiße Blutkörperchen, die neutrophilen Granulozyten - daher der Name.
Daneben gibt es eine zweite Anaplasmen-Art, Anaplasma platys - und die macht eine andere Krankheit: die zyklische Thrombozytopenie, bei der die Blutplättchen in Schüben absacken. Sie wird nicht vom Holzbock übertragen, sondern mutmaßlich von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus); die ESCCAP-Leitlinie GL5 (5. Auflage, Dezember 2024) führt deren Rolle als Überträger ausdrücklich als vermutet, aber nicht bewiesen.
Für einen Hund, der Deutschland nicht verlässt, ist A. platys praktisch kein Thema: GL5 verzeichnet Fälle nur in Ländern mit Mittelmeerklima - Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien - und hält fest, dass in vielen kühleren europäischen Ländern Fälle nur bei Tieren auftreten, die aus dem Mittelmeerraum importiert wurden. Wenn dein Hund im Süden war oder von dort kommt, gehört das also in der Praxis erzählt. Alles Weitere in diesem Ratgeber betrifft A. phagocytophilum.
Übertragung: derselbe Holzbock wie bei der Borreliose
Überträger von Anaplasma phagocytophilum in Europa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) - so führt ihn die ESCCAP-Leitlinie GL5 (5. Auflage, Dezember 2024), und es ist exakt die Zecke, die auch die Borreliose überträgt. Praktisch heißt das: Ein einziger Zeckenstich kann beide Erreger übertragen, und derselbe Zeckenschutz wirkt gegen beide. Der europäische Praxisleitfaden für Ehrlichiose und Anaplasmose (Parasites & Vectors, 2015) hält deshalb fest, dass Doppelinfektionen mit Borrelien und A. phagocytophilum häufig nachgewiesen werden.
Auch beim Zeitfaktor ähneln sich die Krankheiten: Für die Übertragung auf den Hund ist laut GL5 in der Regel eine Saugzeit von 24 bis 48 Stunden nötig. Je früher du die Zecke findest und entfernst, desto geringer ist das Risiko. Eine Garantie ist schnelles Entfernen aber nicht - der europäische Praxisleitfaden weist darauf hin, dass die meisten von Zecken übertragenen Erreger 4 bis 48 Stunden brauchen, um in die Speicheldrüse und von dort ins Blut zu gelangen. Rechne also nicht mit einer sicheren Frist, sondern kombiniere schnelles Entfernen immer mit einem wirksamen Zeckenschutzmittel. Wie du eine Zecke vollständig entfernst, liest du im Ratgeber Zecke beim Hund.
Zwischen Zeckenstich und ersten Beschwerden vergehen typischerweise ein bis zwei Wochen - diese Inkubationszeit nennen GL5, der europäische Praxisleitfaden und das Riney Canine Health Center der Cornell University übereinstimmend. Wird dein Hund zwei Wochen nach einem Zeckenfund plötzlich schlapp, lohnt sich der gedankliche Bogen zurück zum Stich - genau dieser Zusammenhang wird oft übersehen.
Symptome: woran du Anaplasmose erkennst
Zuerst die Entwarnung: Viele infizierte Hunde zeigen nie Symptome. Der europäische Praxisleitfaden fasst die europäischen Studien so zusammen: 3 bis 57 Prozent der untersuchten Hunde trugen Antikörper gegen A. phagocytophilum - und dass so viele gesunde Hunde seropositiv sind, ist für die Autoren gerade der Hinweis darauf, dass die meisten natürlich infizierten Hunde gesund bleiben.
⚠️ Diese riesige Spanne ist allerdings kein Regionalgefälle, auch wenn sie sich so lesen lässt: Die Studien untersuchten unterschiedliche Hundegruppen (gesunde und kranke Tiere) mit unterschiedlichen Testverfahren, und Kreuzreaktionen mit A. platys können die Werte zusätzlich nach oben ziehen. Sicher ablesen lässt sich daraus nur eines - und das ist für die Diagnose entscheidend: Antikörper sind häufig, die Erkrankung ist selten.
Wenn Beschwerden auftreten, sind sie unspezifisch - das macht die Anaplasmose so tückisch. GL5 nennt für die granulozytäre Anaplasmose des Hundes:
- Plötzlich einsetzende Lethargie und Abgeschlagenheit - der Hund wirkt müde, mag nicht mehr spielen
- Fieber
- Appetitlosigkeit, teils bis zur völligen Futterverweigerung
- Blutungszeichen: punktförmige Einblutungen in der Haut (Petechien), Nasenbluten oder schwarzer, teeriger Kot (Meläna, also verdautes Blut - kein frisches Rot)
- Lahmheit, steifer Gang und schmerzhafte Gelenke - ausgelöst durch eine Gelenkentzündung (Polyarthritis), die laut dem europäischen Praxisleitfaden das Immunsystem als Reaktion auf die Infektion entwickelt
- Blasse Schleimhäute, Erbrechen und Durchfall, beschleunigte Atmung
- Eine vergrößerte Milz und geschwollene Lymphknoten
Selten sind laut GL5 Husten, eine Augenentzündung (Uveitis), geschwollene Gliedmaßen und auffälliges Trinken oder Urinieren.
⚠️ Die Blutungszeichen sind nicht die Ausnahme. GL5 führt sie direkt hinter den drei Leitzeichen auf und zählt ganz andere Dinge zu den seltenen. Das MSD Veterinary Manual nennt eine Blutungsneigung sogar unter den häufigsten Zeichen - dort allerdings in einem Abschnitt, der beide Anaplasmen-Arten zusammenfasst. Petechien, Nasenbluten oder Teerkot sind also kein Randbefund, den man abwarten kann.
Die Kombination aus Mattigkeit, Fieber und plötzlicher Lahmheit ein bis zwei Wochen nach Zeckenkontakt ist das klassische Bild. Es ähnelt der Borreliose so stark, dass sich beide Krankheiten nur im Labor auseinanderhalten lassen.
Diagnose: was der Tierarzt macht
Weil die Symptome so allgemein sind, führt der Weg zur Diagnose über das Labor. Die Tierärztin kombiniert dafür je nach Situation mehrere Bausteine:
- Blutbild: Die häufigste Auffälligkeit ist eine Thrombozytopenie - ein Mangel an Blutplättchen. Das erklärt auch die mögliche Blutungsneigung.
- Antikörpertest: Ein Bluttest weist Antikörper nach. Sie belegen den Kontakt mit dem Erreger - nicht zwingend eine akute Erkrankung. ⚠️ GL5 formuliert das unmissverständlich: Ein einzelner positiver Antikörpertest ist auch zusammen mit passenden Symptomen kein ausreichender Beleg für die Diagnose Anaplasmose. Denn Antikörper können laut dem europäischen Praxisleitfaden Monate bis Jahre nach einer längst überstandenen Infektion nachweisbar bleiben, und in endemischen Gebieten ist der Anteil seropositiver Hunde hoch. Aussagekräftig wird es erst mit einem zweiten Test: GL5 nennt einen Abstand von drei bis vier Wochen, das MSD Veterinary Manual und der europäische Praxisleitfaden zwei bis vier. Erst der Verlauf zeigt, ob die Infektion frisch ist - als Hinweis auf eine laufende Infektion nennt der Praxisleitfaden einen Anstieg der Antikörper auf das Vierfache.
- Ein negativer Antikörpertest schließt nichts aus: Die Serokonversion kann laut GL5 eine bis vier Wochen nach dem Kontakt dauern. Ein akut erkrankter Hund kann also noch antikörper-negativ sein - genau deshalb wird früh zusätzlich direkt nach dem Erreger gesucht.
- PCR: Der direkte Erregernachweis aus dem Blut ist besonders kurz nach der Infektion aussagekräftig - das MSD Veterinary Manual nennt die erste Woche als das Fenster, in dem sich Erreger-DNA typischerweise finden lässt, und die PCR ist zugleich das einzige Verfahren, das die Anaplasmen-Art bestimmt. Ein positives Ergebnis bestätigt laut GL5 in der Regel die Infektion; ein negatives schließt sie nicht aus.
- Blutausstrich: Unter dem Mikroskop lassen sich manchmal die typischen Erregeransammlungen (Morulae) in den weißen Blutkörperchen erkennen - laut dem europäischen Praxisleitfaden in bis zu 60 Prozent der klinischen Fälle, allerdings nur in einem kurzen Zeitfenster von wenigen Tagen. Ein positiver Befund wird laut GL5 per PCR bestätigt - die Morulae allein lassen sich nicht sicher einer Erregerart zuordnen.
Erzähle deinem Tierarzt von jedem bekannten Zeckenstich - auch wenn er Wochen zurückliegt. Dieser Hinweis lenkt die Diagnostik in die richtige Richtung.
Behandlung und Prognose
Anaplasmose wird mit einem Antibiotikum behandelt - Mittel der Wahl ist Doxycyclin, aber welches Präparat, in welcher Dosis und wie lange, entscheidet ausschließlich deine Tierärztin (nur nach Absprache mit dem Tierarzt).
Zur Dauer gehen die Angaben auseinander, und das lohnt sich zu wissen: GL5 nennt als gängiges Schema drei bis vier Wochen, das MSD Veterinary Manual 28 Tage, Cornell mindestens zwei Wochen - und vier, die bei gleichzeitiger Borreliose nötig sein können. Der Grund für die Spanne steht in den Quellen selbst: Sowohl der europäische Praxisleitfaden als auch das MSD Veterinary Manual halten ausdrücklich fest, dass die optimale Behandlungsdauer bei A. phagocytophilum noch nicht geklärt ist. Deshalb legt sie die Praxis fest - und deshalb ist Abbrechen die falsche Eigeninitiative.
⚠️ Und genau da liegt die Falle: Dein Hund fühlt sich lange vor dem Ende der Kur wieder gut. Cornell beschreibt eine Besserung oft schon nach einem bis zwei Tagen, der europäische Praxisleitfaden innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Dieselbe Quelle knüpft die gute Prognose aber daran, dass die gesamte Therapie durchgezogen wird, und GL5 formuliert es ähnlich: recht gute Aussichten bei korrekter Behandlung. Setz das Antibiotikum also nicht ab, weil der Hund wieder spielt.
Die Aussichten sind ansonsten gut: Behandelte Hunde haben eine gute Prognose. Genau deshalb solltest du Mattigkeit und Fieber nach Zeckenkontakt nicht aussitzen. Und umgekehrt: Bessert sich ein behandelter Hund nicht innerhalb weniger Tage, rät GL5 dazu, auf weitere von Vektoren übertragene Krankheiten zu testen und die Reisehistorie zu erfragen - dann steckt womöglich noch etwas anderes dahinter.
Ein Punkt, der oft für falsche Sicherheit sorgt: Einmal überstanden heißt nicht immun. Cornell hält fest, dass sich ein Hund erneut infizieren kann, wenn er wieder an infizierte Zecken kommt - und dass nach einem positiven Befund der Zeckenschutz überprüft werden sollte.
Kann ich mich bei meinem Hund anstecken?
Nein - und weil die Frage bei einer Zoonose fast immer falsch beantwortet wird, hier deutlich: Anaplasma phagocytophilum kann Menschen infizieren. Es tut das aber nur über die Zecke, nicht über den Hund.
- GL5 hält fest, dass die Übertragung auf den Menschen in allen berichteten Fällen über Zecken erfolgte und eine direkte Übertragung von infizierten Hunden auf Menschen nicht beschrieben ist.
- Das MSD Veterinary Manual formuliert es genauso: Eine direkte Übertragung findet nicht statt, weil der Erreger die Zecke als Überträger braucht.
- Cornell zählt auf, welche Arten der Erreger befallen kann - darunter Hunde, Katzen, Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen und Menschen - und betont, dass er zwischen ihnen nicht direkt übertragen wird.
Ein indirekter Weg bleibt allerdings, und der ist real: Dein Hund kann Zecken ins Haus tragen. Cornell beschreibt, dass Hunde die Zeckenlast im Wohnumfeld erhöhen, wenn sie durch Bewuchs streifen und die Zecken dabei mitnehmen; GL5 hält ebenfalls fest, dass Hunde infizierte Zecken zu Menschen tragen können, und der europäische Praxisleitfaden nennt Hunde deshalb Anzeiger für das menschliche Risiko - ein infizierter Hund zeigt, dass in der Umgebung infizierte Zecken sitzen.
Zwei praktische Folgen: Der Zeckenschutz des Hundes schützt auch den Haushalt. Und such nach einem Waldspaziergang auch dich selbst ab, nicht nur den Hund - dazu rät Cornell ausdrücklich.
Schutz: warum es keine Impfung gibt - und was stattdessen zählt
Hier liegt der zentrale Unterschied zur Borreliose:
Gegen Anaplasmose gibt es keine Impfung. Der europäische Praxisleitfaden hält fest, dass derzeit kein kommerzieller Impfstoff gegen A. phagocytophilum, A. platys oder Ehrlichia canis verfügbar ist, und Cornell schreibt dasselbe. Damit bleibt nur ein Weg - und der ist erfreulicherweise sehr wirksam: Anaplasmose lässt sich verhindern, indem man den Zeckenkontakt des Hundes kontrolliert. GL5 nennt einen wirksamen Schutz vor Zeckenbefall ausdrücklich die vorrangige Maßnahme. Zeckenschutz ist hier also nicht eine von mehreren Maßnahmen, sondern praktisch die einzige.
Das gehört dazu:
-
Ganzjähriger Zeckenschutz mit einem wirksamen Präparat - Spot-on, Tablette oder Halsband, nur nach Absprache mit dem Tierarzt und passend zu Gewicht, Alter und Lebensstil deines Hundes
⛔ Lebt eine Katze mit im Haushalt: Achte beim Präparat für den Hund auf den Wirkstoff Permethrin - ein synthetisches Pyrethrin, das laut International Cat Care in Hundepräparaten gegen Flöhe steckt, vor allem in Spot-on-Mitteln, und für Katzen hochgiftig ist, weil die Katzenleber es nicht in eine harmlose Form abbauen kann. Die Reihenfolge, die International Cat Care dafür empfiehlt, ist eindeutig: Wähle für den Hund von Anfang an ein Präparat ohne Permethrin. Erst wenn doch ein permethrinhaltiges Mittel zum Einsatz kommt, greift der zweitbeste Weg - Hund und Katze 72 Stunden getrennt halten.
Denn der Weg, der Katzen tatsächlich vergiftet, ist nicht nur das falsche Präparat auf der Katze, sondern der frisch behandelte Hund selbst: Schon wenn sich die Katze am Hund reibt oder auch nur auf demselben Möbelstück sitzt, kann Permethrin laut International Cat Care auf ihr Fell übergehen und eine Vergiftung auslösen. Der Hund muss dafür nicht einmal dabei sein. Und die Grundregel gilt ohne Ausnahme: niemals ein Hundepräparat auf die Katze, auch nicht anteilig - dass ein Mittel für Hunde sicher ist, sagt laut International Cat Care nichts darüber, ob es für Katzen sicher ist.
🚨 Zittern, Muskelzucken, Überempfindlichkeit gegen Berührung und Geräusche, unsicherer Gang oder Krampfanfälle bei der Katze nach Kontakt mit einem behandelten Hund sind ein Notfall - sofort in die Tierarztpraxis, International Cat Care rät zum unverzüglichen Kontakt.
-
Die Katze braucht ihren eigenen Zeckenschutz - nicht wegen des Hundes, sondern wegen derselben Zecke: GL5 führt Katzen unter den Wirten von A. phagocytophilum und verzeichnet für Deutschland auch Fälle bei Katzen. Sie sind selten und verlaufen ähnlich unspezifisch (Mattigkeit, Fressunlust, Fieber, geschwollene Lymphknoten). Welches Mittel für eine Katze zugelassen ist, klärst du in der Praxis
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Nach jedem Spaziergang absuchen - besonders Kopf, Ohren, Hals, Achseln und Leisten
-
Gefundene Zecken sofort und vollständig entfernen, statt bis zum nächsten Tag zu warten
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Zeckenreiche Ecken meiden, wo es geht: Das MSD Veterinary Manual nennt hohes Gras und Laub abseits der Wege, Cornell zusätzlich das eigene Grundstück - Rasen kurz halten, Laubhaufen wegräumen
-
Nicht nur in der Hochsaison schützen: Cornell empfiehlt ganzjährigen Zeckenschutz für alle Tiere im Haushalt und nennt ihn die beste Strategie, eine Infektion zu vermeiden. Dazu passt, dass der Gemeine Holzbock laut dem europäischen Praxisleitfaden schon ab etwa 6 °C aktiv wird - also an vielen deutschen Wintertagen. Welches Präparat für welches Tier im Haushalt passt, klärst du in der Praxis; ein Hundepräparat ist für eine Katze nie die Antwort
Und ein Missverständnis, das oft für falsche Sicherheit sorgt: Die Borreliose-Impfung ersetzt keinen Zeckenschutz. Sie richtet sich nur gegen Borrelien - und auch dort nur gegen die Arten, die im jeweiligen Impfstoff enthalten sind; vor Anaplasmose und vor den anderen Krankheiten, die Zecken übertragen, schützt sie nicht. Ein geimpfter Hund braucht also genauso konsequenten Zeckenschutz wie ein ungeimpfter. Welche Impfungen überhaupt vorgesehen sind, erklärt der Hunde-Impfplan - die Anaplasmose gehört nicht dazu.
Wann du mit deinem Hund zum Tierarzt solltest
- Wenn dein Hund nach Zeckenkontakt matt, müde oder appetitlos wird
- Bei Fieber ohne erkennbare andere Ursache
- Bei Lahmheit, steifem Gang oder schmerzhaften Gelenken - vor allem, wenn sie plötzlich auftreten
- Wenn Beschwerden ein bis zwei Wochen nach einem Zeckenstich beginnen
- Zeitnah bei punktförmigen Einblutungen in der Haut, Nasenbluten, schwarzem Teerkot oder blassen Schleimhäuten - das sind bei der Anaplasmose keine seltenen Zeichen
- Wenn dein Hund im Mittelmeerraum war oder von dort kommt und Blutungszeichen zeigt - dann kommt die zweite Anaplasmen-Art A. platys als Ursache in Frage
- Wenn du unsicher bist, welcher Zeckenschutz zu deinem Hund passt
👉 Wenn dein Hund ein bis zwei Wochen nach einem Zeckenstich schlapp wird, fiebert oder plötzlich lahmt, gehört er zeitnah untersucht - mit Petla findest du schnell eine Tierarztpraxis in deiner Nähe.
Häufige Fragen
Wie gefährlich ist Anaplasmose für meinen Hund?
Für die meisten Hunde ist sie ungefährlich: Ein Großteil der infizierten Tiere bleibt gesund und zeigt nie Symptome. Erkrankt ein Hund doch, spricht er in der Regel gut auf eine antibiotische Behandlung an und hat eine gute Prognose.
Wie lange muss eine Zecke saugen, um Anaplasmose zu übertragen?
In der Regel 24 bis 48 Stunden - so nennt es die ESCCAP-Leitlinie GL5 (5. Auflage, Dezember 2024). Frühes Entfernen senkt das Risiko deutlich, ist aber keine Garantie: Der europäische Praxisleitfaden weist darauf hin, dass von Zecken übertragene Erreger allgemein bereits nach 4 bis 48 Stunden im Blut sein können. Verlass dich also nicht auf eine Frist, sondern kombiniere schnelles Entfernen mit einem wirksamen Zeckenschutzmittel.
Kann ich mich bei meinem Hund mit Anaplasmose anstecken?
Nein. Menschen können sich mit Anaplasma phagocytophilum infizieren, aber nur über einen Zeckenstich. GL5 hält fest, dass eine direkte Übertragung von infizierten Hunden auf Menschen nicht beschrieben ist, und das MSD Veterinary Manual sagt dasselbe. Dein Hund kann allerdings Zecken ins Haus tragen - such deshalb nach dem Spaziergang auch dich selbst ab.
Mein Hund hatte Anaplasmose - ist er jetzt immun?
Nein. Cornell hält fest, dass ein Hund sich erneut infizieren kann, wenn er wieder an infizierte Zecken kommt. Nach einem positiven Befund gehört der Zeckenschutz deshalb überprüft, nicht gelockert.
Gibt es eine Impfung gegen Anaplasmose beim Hund?
Nein. Gegen Anaplasmose steht kein Impfstoff zur Verfügung. Der einzige wirkliche Schutz besteht darin, den Zeckenkontakt zu kontrollieren: ganzjähriger Zeckenschutz, regelmäßiges Absuchen und sofortiges Entfernen gefundener Zecken.
Schützt die Borreliose-Impfung auch vor Anaplasmose?
Nein. Sie richtet sich nur gegen Borrelien - und auch dort nur gegen die Arten, die im jeweiligen Impfstoff enthalten sind. Anaplasmose und andere von Zecken übertragene Krankheiten deckt sie nicht ab - Zeckenschutz bleibt deshalb auch für geimpfte Hunde unverzichtbar.
Kann mein Hund Borreliose und Anaplasmose gleichzeitig bekommen?
Ja, und das ist keine Seltenheit: Weil beide Erreger in Europa von derselben Zecke übertragen werden, werden Doppelinfektionen laut dem europäischen Praxisleitfaden häufig nachgewiesen - die beiden Erreger können sich gegenseitig sogar verstärken. Weil sich die Symptome stark ähneln, klärt das Labor, was dahintersteckt. Für die Behandlung macht es einen Unterschied: Cornell nennt bei gleichzeitiger Borreliose eine verlängerte Doxycyclin-Kur von vier Wochen, die dann nötig sein kann — auch das entscheidet die Tierarztpraxis.
Fazit: Zeckenschutz ist bei Anaplasmose der ganze Schutz
- Auslöser ist Anaplasma phagocytophilum, übertragen in Europa vom Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) - derselben Zecke wie bei der Borreliose. In der Regel muss sie 24 bis 48 Stunden saugen
- Die meisten infizierten Hunde bleiben gesund - Kontakt mit dem Erreger ist häufig, eine Erkrankung selten
- Typisch sind Lethargie, Fieber, Appetitlosigkeit und Lahmheit, meist ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich. Blutungszeichen wie Petechien, Nasenbluten oder Teerkot gehören ausdrücklich nicht zu den seltenen Zeichen
- Die Diagnose stellt das Labor - und ein positiver Antikörpertest allein ist keine Diagnose, auch nicht mit passenden Symptomen; es braucht einen zweiten Test drei bis vier Wochen später
- Behandelt wird mit Doxycyclin über drei bis vier Wochen — verordnet und dosiert ausschließlich von der Tierarztpraxis. Die Prognose ist gut, wenn die Kur vollständig durchgezogen wird - auch wenn der Hund sich schon nach ein bis zwei Tagen wieder gut fühlt
- Anstecken kann dein Hund dich nicht - übertragen wird die Anaplasmose nur über Zecken; die kann er dir allerdings ins Haus tragen
- Es gibt keine Impfung. Ganzjähriger Zeckenschutz ist der einzige wirkliche Schutz - und die Borreliose-Impfung ersetzt ihn nicht. Lebt eine Katze mit im Haushalt, wähle für den Hund am besten gleich ein Präparat ohne Permethrin. Wie das im Alltag geht, zeigt der Ratgeber Zecke beim Hund
Quellen
- Anaplasmosis in Dogs · MSD Veterinary Manual
- Anaplasmosis · Cornell Riney Canine Health Center
- Guideline for veterinary practitioners on canine ehrlichiosis and anaplasmosis in Europe · Parasites & Vectors (PMC)
- GL5: Control of Vector-Borne Diseases in Dogs and Cats (5th Edition, December 2024) · ESCCAP
- Permethrin Poisoning · International Cat Care
- Leitlinie zur Impfung von Kleintieren (Stand 06.01.2025) · StIKo Vet am FLI
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