Meine Katze trinkt so viel und nimmt ab. Sind die Nieren krank?
KatzeNiereninsuffizienz

Meine Katze trinkt so viel und nimmt ab. Sind die Nieren krank?

Céline Birkl
Céline Birkl
20. April 20265 Min. Lesezeit
So entstehen unsere Inhalte

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Vermehrtes Trinken, häufige Toilettengänge und schleichender Gewichtsverlust, das sind die klassischen Frühzeichen einer chronischen Niereninsuffizienz bei Katzen. Betroffen sind bis zu 40 % der Katzen über zehn Jahre und rund 80 % der Katzen über 15 Jahre. Erfahre, wie du die Anzeichen früh erkennst, was die Behandlung bringt und was du zu Hause tun kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • CKD (chronische Niereninsuffizienz) betrifft bis zu 40 % der Katzen über zehn Jahre und rund 80 % der Katzen über 15 Jahre
  • Frühzeichen sind vermehrtes Trinken, häufiges Urinieren und leichter Gewichtsverlust
  • Ein neuerer Bluttest (SDMA) zeigt Nierenprobleme deutlich früher an als der klassische Nierenwert Kreatinin
  • Nassfutter und mehrere Wasserquellen helfen nierenkranken Katzen, genug Flüssigkeit aufzunehmen; eine phosphorreduzierte Nierendiät gehört zur Behandlung, aber erst nach gesicherter Diagnose und nur nach tierärztlicher Absprache
  • CKD ist nicht heilbar, aber behandelbar: Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser die Aussichten auf Lebensqualität und Lebenszeit
  • Das Risiko steigt mit dem Alter. Ab sieben Jahren sollten Blut- und Urinwerte deshalb regelmäßig kontrolliert werden
Ist das bei deinem Tier ein Notfall? Der tierärztlich geprüfte Notfall-Check geht 14 Warnzeichen durch und ordnet dann die Beschwerden ein. Keine Diagnose - im Zweifel immer sofort in die Praxis.Check starten

!Zeigt dein Tier eines dieser Zeichen?

Tippe alles an, was zutrifft – schon ein Zeichen bedeutet: sofort handeln.

Diese Einschätzung ist keine Diagnose und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Sie hilft nur, die Dringlichkeit einzuordnen. Im Zweifel wende dich immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Stand: 2026-07-15.

Wenn du bemerkst, dass deine Katze neuerdings viel häufiger an der Wasserschale sitzt, die Katzentoilette öfter aufsucht und dabei langsam, aber stetig Gewicht verliert, ist die Sorge verständlich. Und sie ist berechtigt: Genau diese Kombination aus vermehrtem Trinken, häufigem Urinieren und Gewichtsverlust ist eines der typischsten Zeichenbilder einer chronischen Niereninsuffizienz bei Katzen, auch CKD (Chronic Kidney Disease) genannt.

CKD zählt zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen überhaupt: Betroffen sind bis zu 40 % der Katzen über zehn Jahre und rund 80 % der Katzen über 15 Jahre. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser. Denn auch wenn CKD nicht heilbar ist, lässt sie sich behandeln. Die Aussichten sind dabei sehr unterschiedlich und können stark davon abhängen, in welchem Stadium die Diagnose gestellt wird und wie die Katze auf die Behandlung anspricht.


Was machen die Nieren, und warum werden sie krank?

Die Nieren filtern das Blut, scheiden Abfallstoffe und Giftstoffe über den Urin aus und regulieren Wasser- sowie Elektrolythaushalt. Außerdem helfen sie, den Blutdruck zu regulieren, und bilden ein Hormon, das für die Bildung roter Blutkörperchen wichtig ist.

Bei der chronischen Niereninsuffizienz verlieren die Nieren im Laufe der Zeit immer mehr Filterkapazität. Die verbleibenden gesunden Bereiche versuchen zu kompensieren, weshalb Symptome oft erst dann auffallen, wenn bereits ein erheblicher Teil der Nierenfunktion verloren gegangen ist. Das ist einer der Gründe, warum CKD im frühesten Stadium nur selten entdeckt wird.

Warum Katzen CKD entwickeln, ist nicht in jedem Fall eindeutig. Genetik, frühere Infektionen, Vergiftungen, hoher Blutdruck oder einfach das Alter spielen eine Rolle.


Symptome: Woran du CKD erkennst

Frühe Anzeichen: leicht zu übersehen

In frühen Stadien ist CKD oft nur durch Blut- und Urinuntersuchungen nachweisbar. Wenn Symptome auftreten, sind sie zunächst unscheinbar:

  • Mehr trinken als sonst: Du füllst die Wasserschale deutlich häufiger nach
  • Häufigeres und mengenmäßig mehr Urinieren: Die Katzentoilette muss öfter gereinigt werden, die Klumpen wirken wässriger
  • Leichter Gewichtsverlust: manchmal erst nach Wochen auffällig
  • Schlechterer Fellzustand: Das Fell wirkt stumpfer oder weniger gepflegt
  • Appetitveränderungen: Die Katze frisst unregelmäßiger oder zögerlicher

Spätere Anzeichen: wenn die Erkrankung fortschreitet

Schreitet CKD voran, werden die Signale deutlicher:

  • Deutlicher Gewichtsverlust und Muskelschwund: vor allem am Rücken gut zu ertasten
  • Ausgeprägte Schwäche und Lethargie: Deine Katze schläft sehr viel, bewegt sich kaum
  • Mundgeruch mit ammoniakähnlichem Geruch: durch den Anstau von Abfallstoffen wie Harnstoff im Blut (Urämie)
  • Mundgeschwüre, Übelkeit und Erbrechen: Sabbern, Schwierigkeiten beim Fressen
  • Appetitlosigkeit: Schon kurze Fresspausen können einer nierenkranken Katze ernsthaft schaden
  • Blasses oder weißliches Zahnfleisch: Zeichen einer Blutarmut (Anämie)
  • Kaum noch Urin in der Katzentoilette. Ein Alarmsignal, das sofortige tierärztliche Hilfe erfordert. Presst deine Katze dabei immer wieder erfolglos, fahre direkt in eine Tierklinik: Dann kann statt der Niere ein Harnröhrenverschluss dahinterstecken. Der ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden. Besonders gefährdet sind Kater, weil ihre Harnröhre länger und enger ist

So läuft die Diagnose beim Tierarzt ab

Der Tierarzt tastet zunächst die Nieren ab und beurteilt den Allgemeinzustand. Für eine sichere Diagnose braucht es:

  • Blutuntersuchung: Gemessen werden unter anderem Harnstoff, Kreatinin und SDMA. Der klassische Nierenwert Kreatinin steigt in der Regel erst an, wenn eine Katze fast 75 % ihrer Nierenfunktion verloren hat. Der neuere SDMA-Wert (symmetrisches Dimethylarginin) steigt früher an und zeigt Veränderungen schon ab etwa 40 % Funktionsverlust. Das kann eine frühere Diagnose ermöglichen.
  • Urinanalyse: Sehr verdünnter Urin ist typisch für CKD. Der Urin kann auch Proteine oder Blutbestandteile enthalten.
  • Blutdruckmessung: Viele Katzen mit CKD entwickeln Bluthochdruck, der die Nieren zusätzlich schädigt.
  • Ultraschall: Um Größe, Form und Struktur der Nieren zu beurteilen.

Aus diesen Befunden ergibt sich das IRIS-Stadium (1–4), das den Schweregrad der CKD beschreibt: von Stadium 1 (leicht, oft ohne Symptome) bis Stadium 4 (schwer, mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität). Das Stadium bestimmt den weiteren Behandlungsplan.


Behandlung: Was wirklich hilft

CKD ist nicht heilbar, aber behandelbar. Das Ziel ist, die Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten. Katzen, bei denen die CKD im IRIS-Stadium 2 festgestellt wird, haben in vielen Studien eine mittlere Überlebenszeit von zwei bis drei Jahren. Das sind Durchschnittswerte: Wie schnell die Erkrankung fortschreitet, ist von Katze zu Katze verschieden.

Ernährungsumstellung: meist der erste Schritt

Die angepasste Ernährung ist ein wichtiger und nachweislich wirksamer Teil der Behandlung:

  • Reduzierter Phosphorgehalt: Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Phosphorspiegel im Blut mit schlechteren Aussichten einhergeht
  • Moderate Proteinanpassung: Nur auf tierärztliche Empfehlung, zu wenig Protein schadet ebenfalls
  • Nassfutter bevorzugen: Der hohe Wassergehalt verbessert die Flüssigkeitsversorgung, und Austrocknung kann die Nieren schneller schädigen
  • Spezielles Nierenfutter (erhältlich bei Tierärzt:innen und in Fachgeschäften) erfüllt diese Anforderungen gezielt

Flüssigkeitsversorgung

  • Stelle mehrere Wasserschalen in der Wohnung auf: verschiedene Materialien, unterschiedliche Standorte
  • Viele Katzen trinken lieber aus einem Trinkbrunnen mit fließendem Wasser
  • In fortgeschrittenen Stadien kann der Tierarzt subkutane Infusionen verordnen. Viele Tierhalter:innen lernen mit Anleitung, diese zu Hause alle ein bis drei Tage selbst zu geben

Medikamente

Welche Medikamente sinnvoll sind, entscheidet der Tierarzt individuell, nur nach tierärztlicher Absprache, da die Wahl vom Stadium und dem Gesamtzustand abhängt:

  • Blutdrucksenker zum Schutz der Nieren vor weiterer Schädigung
  • Phosphatbinder, um den Phosphorgehalt im Blut zu senken
  • Präparate gegen Übelkeit und zur Appetitanregung
  • Kaliumergänzung bei nachgewiesenem Mangel
  • Mittel gegen Blutarmut

Was du zu Hause tun kannst

  • Trinkverhalten beobachten: Veränderungen beim Wasserkonsum sind oft das erste Warnsignal. Lies hier mehr dazu
  • In die Katzentoilette schauen: Auffällig wenig oder sehr viel Urin sind beide ernst zu nehmen
  • Regelmäßig wiegen: Auch kleine Gewichtsverluste über Wochen können bedeutsam sein. Eine Küchenwaage und ein Notizbuch genügen
  • Nassfutter bevorzugen: Es verbessert die Flüssigkeitsversorgung, und darauf kommt es bei nierenkranken Katzen besonders an
  • Mehrere Wasserquellen anbieten: Trinkbrunnen, breite Schalen, auch verschiedene Wassertemperaturen ausprobieren
  • Ab sieben Jahren regelmäßig Blut- und Urinwerte kontrollieren lassen: In frühen Stadien zeigen Katzen oft keine Symptome, und eine frühe Diagnose gibt ihnen die besten Chancen

Wann du sofort zum Tierarzt solltest

  • Deine Katze frisst seit über 24 Stunden gar nichts
  • Sie produziert kaum oder keinen Urin mehr
  • Sie wirkt extrem schwach, taumelt oder kann sich kaum noch aufrichten
  • Das Zahnfleisch ist blass oder weißlich
  • Sie erbricht wiederholt oder hält Wasser nicht bei sich
  • Du nimmst einen starken Ammoniakgeruch aus dem Maul wahr
  • Deine Katze ist über sieben Jahre alt und wurde noch nie auf Nierenwerte untersucht

👉 Damit die Nieren deiner Katze rechtzeitig überprüft werden, findest du mit Petla in wenigen Klicks eine passende Tierarztpraxis in deiner Nähe.


Fazit: Früh handeln macht den Unterschied

Eine CKD-Diagnose klingt beängstigend, aber mit dem richtigen Wissen und der richtigen Betreuung ist das kein Todesurteil. Je früher sie gestellt wird, desto besser sind die Aussichten auf Lebensqualität und Lebenszeit.

  • Vermehrtes Trinken und Abnehmen bei einer Katze ab sieben Jahren sind ein klarer Anlass, tierärztlichen Rat zu suchen
  • Der SDMA-Test kann eine frühere Diagnose ermöglichen. Sprich deinen Tierarzt aktiv darauf an
  • Ausreichend Flüssigkeit, zum Beispiel über Nassfutter, ist für nierenkranke Katzen unverzichtbar
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind bei Senioren-Katzen unverzichtbar, auch ohne akute Symptome
  • CKD ist behandelbar, aber die Aussichten sind sehr unterschiedlich: Wie lange und wie gut eine Katze damit lebt, kann stark davon abhängen, in welchem Stadium die Erkrankung erkannt wird

Häufige Fragen

Welche Frühzeichen deuten auf eine Niereninsuffizienz bei der Katze hin?

Die klassischen Frühzeichen sind vermehrtes Trinken, häufigeres und mengenmäßig mehr Urinieren sowie ein leichter Gewichtsverlust. Dazu können ein schlechterer Fellzustand und Appetitveränderungen kommen. In frühen Stadien ist CKD oft nur durch Blut- und Urinuntersuchungen nachweisbar.

Wie viele Katzen sind von chronischer Niereninsuffizienz betroffen?

Von CKD betroffen sind bis zu 40 % der Katzen über zehn Jahre und rund 80 % der Katzen über 15 Jahre. Das Risiko steigt vor allem mit dem Alter. Lass deshalb ab sieben Jahren regelmäßig Blut- und Urinwerte kontrollieren: In frühen Stadien zeigen Katzen oft keine Symptome, und eine frühe Diagnose gibt ihnen die besten Chancen.

Ist Niereninsuffizienz bei Katzen heilbar?

Nein, CKD ist nicht heilbar, aber behandelbar: Das Ziel ist, die Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten, und je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Aussichten. Katzen, bei denen die CKD im IRIS-Stadium 2 festgestellt wird, haben in vielen Studien eine mittlere Überlebenszeit von zwei bis drei Jahren. Das sind Durchschnittswerte, der Verlauf ist bei jeder Katze anders.

Was kann ich bei einer nierenkranken Katze zu Hause tun?

Bevorzuge Nassfutter, da der hohe Wassergehalt die Flüssigkeitsversorgung verbessert, und biete mehrere Wasserquellen an, zum Beispiel einen Trinkbrunnen. Beobachte das Trinkverhalten, schau in die Katzentoilette und wiege deine Katze regelmäßig. Eine phosphorreduzierte Diät gehört ebenfalls zur Basisversorgung, sollte aber mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Quellen

Finde den richtigen Tierarzt

Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.

Tierarzt finden

Wenn es deinem Tier nicht gut geht

Mit der Petla-App buchst du in Minuten einen Tierarzttermin, findest Praxen mit freien Terminen und hast Impfungen, Medikamente und Gewicht deines Tiers beim Besuch parat - kostenlos für iOS und Android.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play
So funktioniert die App

Ähnliche Artikel

Katze trinkt plötzlich viel: Ursachen, Symptome & was du tun kannst
KatzeTrinken

Katze trinkt plötzlich viel: Ursachen, Symptome & was du tun kannst

Wie viel Wasser eine Katze täglich trinkt, hängt stark von ihrer Ernährung ab. Katzen, die Nassfutter bekommen, decken ihren Flüssigkeitsbedarf zum Großteil über das Futter. Katzen, die ausschließlich Trockenfutter erhalten, trinken dagegen meist deutlich mehr. Wenn sich das Trinkverhalten deiner Katze plötzlich verändert, kann das ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme sein. In diesem Ratgeber erfährst du, was dahinterstecken kann und wann du tierärztliche Hilfe brauchst.

Céline Birkl
Céline Birkl3 Min.
Katze frisst nicht: Wann du handeln solltest
KatzeFrisst nicht

Katze frisst nicht: Wann du handeln solltest

Wenn deine Katze plötzlich nicht mehr frisst, kann eine harmlose Ursache dahinterstecken oder eine ernste Erkrankung. Ein Warnsignal ist es in jedem Fall. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Ursachen infrage kommen, wie du deiner Katze helfen kannst und wann ein Tierarztbesuch notwendig ist.

Céline Birkl
Céline Birkl2 Min.
Warum erbricht meine Katze? Häufige Ursachen & wann du zum Tierarzt solltest
KatzeErbrechen

Warum erbricht meine Katze? Häufige Ursachen & wann du zum Tierarzt solltest

Dieses Geräusch … der gekrümmte Rücken … das unangenehme Malheur auf dem Teppich. Wenn Katzen erbrechen, ist das für viele Halter ein Schreckmoment, besonders, wenn es häufiger passiert. Während ein gelegentlicher Haarballen noch harmlos ist, können häufiges oder starkes Erbrechen auf ernstere Ursachen hindeuten. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Arten von Erbrechen es bei Katzen gibt, was typische Auslöser sind und wann ein Besuch beim Tierarzt notwendig ist.

Céline Birkl
Céline Birkl5 Min.