Leptospirose beim Hund: die Zoonose aus der Pfütze
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Leptospirose beim Hund: die Zoonose aus der Pfütze

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland

Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.

Ein Schluck aus der Pfütze kann reichen: Die Leptospirose ist eine bakterielle Infektion, die vor allem Nieren und Leber angreift - und auch auf den Menschen übertragbar ist. Warum sie in Deutschland zu den Core-Impfungen zählt und jedes Jahr aufgefrischt werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Leptospirose wird durch Leptospira-Bakterien ausgelöst, die lange in Oberflächenwasser überleben - die Ansteckung erfolgt häufig über verunreinigte Pfützen und Tümpel
  • Betroffen sind vor allem die Nieren, oft auch die Leber - schwere Verläufe können lebensbedrohlich sein
  • Die Leptospirose ist eine Zoonose und kann vom Tier auf den Menschen übergehen
  • In Deutschland zählt die Leptospirose-Impfung zu den Core-Impfungen für jeden Hund — und die WSAVA stuft sie seit 2024 auch international als Core ein, wo die Krankheit vorkommt
  • Der Impfstoff ist ein Totimpfstoff und muss nach der Grundimmunisierung mit 8 und 12 Wochen jährlich aufgefrischt werden
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Ein Schluck aus der Pfütze - und plötzlich ist der Hund schwer krank

Beim Spaziergang über die Wiese schlabbert dein Hund kurz aus einer Pfütze, planscht durch einen Tümpel oder trinkt aus einem stehenden Bach. Für ihn ist das völlig normal - und meistens passiert auch nichts. Manchmal aber lauert genau dort ein Erreger, der nicht nur deinen Hund treffen kann, sondern auch dich: die Leptospirose.

Sie ist einer der Gründe, warum die Impfung gegen Leptospirose in Deutschland zu den wichtigsten Basisimpfungen für jeden Hund gehört. Hier erfährst du, was die Krankheit anrichtet, wie sich dein Hund ansteckt, warum sie auch für Menschen ein Thema ist - und warum die Impfung anders als die klassischen Welpenimpfungen jedes Jahr aufgefrischt werden muss.


Was ist Leptospirose?

Die Leptospirose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Leptospira ausgelöst wird - von denen es viele verschiedene Arten und Varianten gibt. Anders als bei den klassischen Hundekrankheiten Staupe oder Parvovirose steckt hinter der Leptospirose also kein Virus, sondern ein Bakterium. Dieser Unterschied ist wichtiger, als er zunächst klingt: Er entscheidet später mit, wie oft geimpft werden muss.

Das Tückische an den Leptospiren: Sie überleben lange in Oberflächenwasser wie Sümpfen, Bächen und Flüssen. Genau deshalb wird die Ansteckung häufig über verunreinigtes Wasser übertragen. Warmes, stehendes Wasser und feuchter Boden sind ideale Rückzugsorte für die Erreger.


Übertragung: von der Ratte in die Pfütze

Die Bakterien werden über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden - vor allem Wildtiere und Nagetiere wie Ratten sind ein wichtiges Reservoir. Ihr Urin gelangt in Pfützen, Teiche und Tümpel, und dort halten sich die Erreger. Dein Hund steckt sich dann an, wenn er dieses verunreinigte Wasser trinkt oder hindurchläuft.

Neben dem Weg über kontaminierten Urin und kontaminiertes Wasser gibt es weitere Übertragungswege: über Biss- oder Hautwunden, über das Fressen von infiziertem Fleisch oder von Kadavern und gelegentlich während der Geburt.

Und hier kommt der Punkt, der die Leptospirose besonders macht: Sie ist eine Zoonose - sie kann vom Tier auf den Menschen übergehen. Für dich heißt das: Wenn dein Hund erkrankt ist oder erkrankt sein könnte, ist strikte Hygiene entscheidend. Trage beim Reinigen von Urin Handschuhe, sodass du keinen direkten Hautkontakt mit dem Urin hast, desinfiziere benässte Stellen und wasch dir nach dem Umgang mit deinem Hund gründlich die Hände - und zwar mindestens so lange, bis die Antibiotikabehandlung abgeschlossen ist. Ein infizierter oder gerade genesener Hund kann den Erreger noch über Monate mit dem Urin ausscheiden. Und wenn du dich in so einem Fall selbst krank fühlst, sag deinem Hausarzt, dass dein Hund Leptospirose hat oder haben könnte - dazu raten sowohl das MSD Veterinary Manual als auch die VCA ausdrücklich. Panik ist nicht nötig - gesunder Respekt schon.


Symptome: Nieren und Leber im Visier

Wie schwer eine Leptospirose verläuft, ist sehr unterschiedlich. Der häufigste Verlauf beim Hund beginnt mit einer plötzlich einsetzenden Nierenerkrankung. Die Krankheit kann außerdem ein akutes Leberversagen auslösen - Nieren und Leber sind also die Hauptangriffsziele.

Anzeichen, auf die du achten solltest:

  • Appetitlosigkeit oder völlige Futterverweigerung
  • Teilnahmslosigkeit und Schwäche
  • hohes Fieber
  • Erbrechen und Durchfall
  • auffällig vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Gelbsucht (eine Gelbfärbung von Haut, Augen oder Schleimhäuten)

Diese Symptome sind nicht spezifisch - sie können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Genau deshalb gehört ein Hund mit solchen Beschwerden zügig in die Tierarztpraxis, damit die Ursache abgeklärt wird.


Wie gefährlich ist die Leptospirose?

Ehrlich eingeordnet: Die Leptospirose ist eine ernste Erkrankung. Weil sie vor allem die Nieren und oft auch die Leber angreift, kann sie zu akutem Nieren- oder Leberversagen führen - beides sind lebensbedrohliche Situationen. Wie gut die Chancen stehen, hängt stark davon ab, wie früh die Krankheit erkannt und behandelt wird.

Behandelt wird die Leptospirose vom Tierarzt, unter anderem mit Medikamenten - welche das sind und wie dosiert wird, entscheidet ausschließlich deine Tierärztin nach Untersuchung und Absprache mit dir. Die gute Nachricht: Gegen die Leptospirose gibt es eine wirksame Impfung, und genau die macht die Krankheit im Alltag beherrschbar. Sie schützt allerdings vor allem gegen die im Impfstoff enthaltenen Serogruppen, denn die Immunantwort ist weitgehend serogruppenspezifisch. Ein geimpfter Hund kann deshalb trotzdem erkranken - die Impfstoffe decken je nach Präparat zwei bis vier Serovare ab. Die StIKo Vet hält dazu fest, dass die Leptospirose derzeit vorwiegend durch andere Serovare als Icterohaemorrhagiae und Canicola verursacht wird, und nennt Australis, Grippotyphosa und Pomona als die zurzeit häufigsten - Grippotyphosa und Australis sind in den tri- und tetravalenten Präparaten enthalten. Deine Tierärztin wählt aus diesem Grund einen Impfstoff, der möglichst viele Serovare abdeckt. Das ist ein Argument für die Impfung, nicht gegen sie. Auch bei einem geimpften Hund gehören hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen oder eine Gelbfärbung deshalb in die Praxis.


Warum die Impfung so wichtig ist

In Deutschland gehört die Leptospirose zu den Core-Impfungen - also den Basisimpfungen, die für jeden Hund empfohlen werden. Die Impfleitlinie der StIKo Vet hält fest, dass eine Impfung gegen Leptospirose als Core-Vakzinierung gilt und Hunde zu jeder Zeit gegen die Leptospirose geschützt sein sollten; im Grundimmunisierungsschema steht sie ab der 8. Lebenswoche neben Parvovirose und Staupe.

Interessant ist der Blick über die Grenze - und er hat sich zuletzt geändert. Ältere Leitlinien führten die Leptospirose-Impfung international als Non-Core. Die WSAVA-Leitlinie von 2024 stuft sie dagegen ausdrücklich als Core ein, und zwar in Ländern und Regionen, in denen die Leptospirose vorkommt, die beteiligten Serogruppen bekannt sind und geeignete Impfstoffe verfügbar sind: Dort sei die Impfung aller Hunde nachdrücklich zu empfehlen. Das beschreibt die deutsche Lage - die StIKo Vet nennt die aktuell häufigsten Serovare und hier zugelassene bi- bis tetravalente Impfstoffe. Die deutsche und die internationale Einschätzung liegen damit nicht mehr auseinander.

Der Totimpfstoff und die jährliche Auffrischung

Jetzt kommt der Bakterien-Unterschied von oben ins Spiel. Der Leptospirose-Impfstoff ist ein Totimpfstoff - er enthält abgetötete Bakterienbestandteile. Solche Impfstoffe bauen einen kürzeren Schutz auf als die viralen Lebendimpfstoffe gegen Staupe oder Parvovirose. Die WSAVA hält ausdrücklich fest, dass die langen Impfabstände der viralen Core-Impfstoffe nicht für Totimpfstoffe und bakterielle Impfungen gelten - Leptospira-Präparate brauchen häufigere Auffrischungen für einen zuverlässigen Schutz.

Praktisch heißt das:

  • Grundimmunisierung beim Welpen: zwei Dosen im Abstand einiger Wochen, im StIKo-Welpenschema mit 8 und 12 Wochen. Die Impfung mit 16 Wochen gilt nur für Staupe und Parvovirose - Leptospirose wird dann nicht noch einmal geimpft.
  • Auffrischung beim erwachsenen Hund: jährlich. Merck, VCA und die deutsche Tiermedizin sind sich einig, dass die Leptospirose-Impfung jedes Jahr wiederholt werden sollte, um den Schutz zu erhalten.

Ein wichtiger Hinweis noch: Bei manchen Impfungen lässt sich über eine Titerbestimmung im Blut prüfen, ob noch genug Antikörper vorhanden sind, statt einfach nachzuimpfen. Bei der Leptospirose ist das nicht aussagekräftig - hier ersetzt kein Bluttest die jährliche Auffrischung.


Wann du mit deinem Hund zum Tierarzt solltest

  • Zur Grundimmunisierung des Welpen und zur jährlichen Auffrischung - der beste Schutz gegen die Leptospirose
  • Wenn dein Hund viel in der Natur unterwegs ist, gerne aus Pfützen und Tümpeln trinkt oder in stehenden Gewässern badet
  • Bei Krankheitszeichen wie hohem Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen, vermehrtem Trinken oder einer Gelbfärbung - besonders, wenn dein Hund kürzlich Kontakt zu stehendem Wasser hatte
  • Wenn du einen Hund mit unbekanntem Impfstatus übernimmst und nicht weißt, ob er gegen Leptospirose geschützt ist
  • Auch wenn dein Hund eine Leptospirose bereits überstanden hat - nach der Genesung wird trotzdem geimpft, weil unklar ist, wie lange der Schutz aus einer durchgemachten Infektion anhält

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Häufige Fragen

Wie steckt sich mein Hund mit Leptospirose an?

Meist über verunreinigtes Oberflächenwasser: Die Bakterien werden über den Urin infizierter Tiere - vor allem Wildtiere und Ratten - ausgeschieden und überleben lange in Pfützen, Tümpeln und stehenden Gewässern. Dein Hund steckt sich an, wenn er solches Wasser trinkt oder hindurchläuft. Auch über Haut- und Bisswunden oder das Fressen infizierter Tiere ist eine Ansteckung möglich.

Ist Leptospirose auf den Menschen übertragbar?

Ja. Die Leptospirose ist eine Zoonose und kann vom Tier auf den Menschen übergehen. Wenn dein Hund erkrankt ist oder es sein könnte, solltest du strikte Hygiene einhalten: Handschuhe beim Reinigen von Urin tragen, benässte Stellen desinfizieren und dir nach dem Umgang mit deinem Hund gründlich die Hände waschen - mindestens so lange, bis die Antibiotikabehandlung abgeschlossen ist, denn ein infizierter oder gerade genesener Hund kann den Erreger noch über Monate ausscheiden. Fühlst du dich in so einem Fall selbst krank, sag deinem Hausarzt, dass dein Hund Leptospirose hat oder haben könnte.

Warum muss die Leptospirose-Impfung jedes Jahr aufgefrischt werden?

Weil es sich um einen Totimpfstoff mit abgetöteten Bakterienbestandteilen handelt, der einen kürzeren Schutz aufbaut als die viralen Lebendimpfstoffe gegen Staupe und Parvovirose. Deshalb wird die Leptospirose jährlich aufgefrischt, während die viralen Core-Impfungen längere Abstände erlauben. Eine Titerbestimmung ist bei der Leptospirose nicht aussagekräftig.

Ist die Leptospirose-Impfung in Deutschland Pflicht?

Eine gesetzliche Pflicht ist sie nicht, aber sie zählt in Deutschland zu den Core-Impfungen, die für jeden Hund empfohlen werden. Auch die WSAVA führt sie seit 2024 als Core-Impfung für Regionen, in denen die Leptospirose vorkommt.


Fazit: Das Wichtigste zur Leptospirose

  • Die Leptospirose wird durch Bakterien der Gattung Leptospira ausgelöst, die lange in Oberflächenwasser überleben - die Ansteckung erfolgt häufig über verunreinigte Pfützen und Tümpel
  • Betroffen sind vor allem die Nieren, oft auch die Leber - schwere Verläufe können lebensbedrohlich werden
  • Die Leptospirose ist eine Zoonose und kann auf den Menschen übergehen - bei erkrankten Tieren ist strikte Hygiene wichtig, und zwar bis die Antibiotikabehandlung abgeschlossen ist
  • In Deutschland ist die Impfung eine Core-Impfung für jeden Hund - und seit 2024 auch nach WSAVA, wo die Krankheit vorkommt
  • Weil der Impfstoff ein Totimpfstoff ist, wird nach der Grundimmunisierung mit 8 und 12 Wochen jährlich aufgefrischt - eine Titerbestimmung ersetzt das nicht

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