Zu viel Eiweiß für Hund und Katze? Was über eine Obergrenze bekannt ist
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Zu viel Eiweiß für Hund und Katze? Was über eine Obergrenze bekannt ist

Céline Birkl
Céline Birkl
21. Oktober 20267 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Für gesunde erwachsene Hunde und Katzen nennen weder NRC noch FEDIAF eine Höchstmenge für Eiweiß, und in Versuchen ließ die Nierenfunktion auch mit sehr viel Eiweiß nicht nach. Keine Obergrenze heißt aber nicht, dass jede Menge gut ist. Bei bestimmten Nieren-, Leber- und Harnsteinerkrankungen gehört weniger Eiweiß in den Napf, und das legt die Praxis fest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für erwachsene Hunde und Katzen nennen weder NRC noch FEDIAF eine Höchstmenge für Rohprotein; die wenigen Höchstwerte für einzelne Aminosäuren gibt die FEDIAF nur für das Wachstum an
  • Hunde mit verkleinerter Nierenmasse bekamen vier Jahre lang bis zu 56 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz: In keiner Gruppe ließ die Nierenfunktion erkennbar nach, unter dem Mikroskop nahmen meist geringe Veränderungen mit der Eiweißmenge aber zu
  • Katzen können Eiweiß nicht einsparen, wenn zu wenig im Futter ist; mit viel Eiweiß kommen sie dagegen zurecht und verbrennen mehr davon
  • Keine Obergrenze heißt nicht beliebig viel: Untersucht ist ein Bereich, darüber weiß man nichts, und viel Eiweiß hebt den Harnstoff im Blut
  • Bei chronischer Nierenerkrankung, manchen Lebererkrankungen und Urat- oder Cystinsteinen gehört weniger Eiweiß in den Napf, und das legt die Praxis fest

Für gesunde erwachsene Hunde und Katzen nennen weder das NRC, der Nationale Forschungsrat der USA, noch die europäische FEDIAF eine Höchstmenge für Eiweiß, auf dem Etikett „Rohprotein“ genannt. In Versuchen ließ die Nierenfunktion auch mit sehr viel Eiweiß nicht nach, selbst bei Tieren mit verkleinerter Nierenmasse. Keine Obergrenze heißt aber nicht, dass jede Menge gut ist. Es heißt, dass die bisherigen Versuche keine Menge gefunden haben, ab der die Nierenfunktion nachlässt. Bei bestimmten Erkrankungen gehört dagegen weniger Eiweiß in den Napf.

Was die Nährstoffstandards sagen

Wie viel Hunde und Katzen von jedem Nährstoff brauchen, beschreibt das NRC in seinen Tabellen von 2006. Wie viel davon mindestens in einem Fertigfutter stecken sollte, empfehlen die Leitlinien der FEDIAF, des europäischen Verbands der Heimtierfutterhersteller, nach denen in Europa Alleinfutter zusammengesetzt wird. Beide nennen für Eiweiß einen Mindestwert. Die FEDIAF empfiehlt in ihrer Ausgabe von 2025 für Futter erwachsener Hunde je nach Energiebedarf mindestens 45 bis 52,1 Gramm Eiweiß je 1.000 Kilokalorien, für Futter erwachsener Katzen 62,5 bis 83,3 Gramm. In der Spalte für Höchstwerte steht beim Eiweiß für beide Tierarten nur ein Strich. Das NRC nennt in seinen Tabellen für erwachsene Tiere für einige Nährstoffe eine sichere Obergrenze, etwa für Vitamin A und Vitamin D, für Eiweiß nicht.

Höchstwerte gibt es nur für einzelne Aminosäuren, die Bausteine des Eiweißes: bei Hunden für Lysin, bei Katzen für Arginin, Methionin und Tryptophan. Die FEDIAF gibt sie ausdrücklich nur für das Wachstum an, also für Welpen und Kitten.

Im EU-Futtermittelrecht stehen Höchstmengen für Rohprotein in der Liste der Diätfuttermittel, also bei Futter für Tiere mit bestimmten Erkrankungen (Verordnung (EU) 2020/354). Dazu weiter unten mehr.

Woher die Sorge um die Nieren kommt

Im Handel und in BARF-Ratgebern liest man, weniger Eiweiß entlaste die Nieren, und eine Futterbroschüre warnt, hohe Eiweißgehalte könnten die Nieren schädigen. Die Idee stammt aus Versuchen an Ratten: Viel Eiweiß, so die Annahme, halte die Nieren dauerhaft stärker durchblutet und lasse die Nierenkörperchen mit der Zeit vernarben.

Geprüft wurde das an Hunden, und zwar an Hunden, denen drei Viertel der Nierenmasse fehlten, weil man einen Schaden dort am ehesten erwarten würde. Sie bekamen vier Jahre lang Futter mit 56, 27 oder 19 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz. Ein Muster nachlassender Nierenfunktion zeigte sich in keiner Gruppe, und ob ein Hund an Nierenversagen starb, hing nicht vom Futter ab (Robertson et al. 1986). Unter dem Mikroskop nahmen die Veränderungen an den Nierenkörperchen aber mit der Eiweißmenge zu. Bei den meisten Hunden waren sie gering, und bei keinem hingen sie mit der Nierenfunktion zusammen. Die Hunde mit 56 Prozent Eiweiß hatten zudem 24 Prozent mehr Energie aufgenommen als die mit 19 Prozent (Volltext). In einem zweiten Versuch mit Hunden, deren Nierenmasse operativ verkleinert worden war, verlängerte über zwei Jahre weniger Phosphor das Überleben, die Eiweißmenge dagegen nicht (Finco et al. 1992).

Gesunde erwachsene Beagle bekamen in einem Versuch je 90 Tage lang Futter mit 18,99, 25,34 und 45,77 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz. Das Kreatinin unterschied sich nicht, krank wurde keiner. Mit dem Eiweiß stiegen aber der Harnstoff und einige Stoffe aus dem Darm, die die Autoren mit Entzündung und Nierenstörungen in Verbindung bringen (Ephraim et al. 2020).

Bei Katzen sah es zuerst anders aus. Katzen mit verkleinerter Nierenmasse, die ein Jahr lang eiweißreich gefüttert wurden, hatten mehr Gewebeschäden in den Nieren. Mit dem Eiweiß war bei ihnen aber auch die Kalorienmenge gestiegen (Adams et al. 1994). Ein späterer Versuch einer anderen Arbeitsgruppe trennte beides: Mehr Eiweiß ging nicht mit mehr Gewebeschäden, mehr Eiweiß im Urin oder einer schlechteren Filterleistung einher (Finco et al. 1998). Gesunde Katzen bekamen in einem Versuch je 90 Tage lang Futter mit 28,3, 35,1 und 54,8 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz. Mit dem eiweißreichsten Futter lagen die Nierenwerte Kreatinin und SDMA sogar etwas niedriger, der Harnstoff höher, und Nebenwirkungen wurden nicht berichtet (Badri et al. 2021).

Diese Versuche sind klein, und mehrere wurden von Firmen bezahlt oder mitbezahlt: die beiden mit gesunden Tieren vom Futterhersteller Hill's, der vierjährige Hundeversuch zum Teil von der Firma Allen Products. Sie zeigen, dass die Nierenfunktion in den untersuchten Mengen nicht nachließ. Dass viel Eiweiß an den Nieren keine Spuren hinterlässt, zeigen sie nicht.

Warum Katzen so viel Eiweiß brauchen

Katzen brauchen je Kilokalorie deutlich mehr Eiweiß als Hunde, das zeigen schon die Mindestwerte der FEDIAF oben. Der Grund liegt in der Leber: Die Enzyme, mit denen Katzen Eiweiß abbauen, passen sich der Eiweißmenge im Futter kaum an (Rogers et al. 1977). Eine Katze kann Eiweiß deshalb nicht einsparen, wenn zu wenig im Napf ist.

Mit viel Eiweiß kommt sie dagegen zurecht. In einem Versuch verbrannten Katzen umso mehr Eiweiß, je mehr sie bekamen, bis zu einem Futter, das rund die Hälfte seiner Energie aus Eiweiß lieferte. Nur wenn das Futter weniger Eiweiß enthielt, als sie brauchten, verloren sie mehr, als sie aufnahmen (Green et al. 2008). Freilebende Katzen nehmen nach einer Schätzung aus 27 Studien rund 52 Prozent ihrer Energie als Eiweiß auf (Plantinga et al. 2011).

Keine Obergrenze heißt nicht: beliebig viel

Eine fehlende Obergrenze ist kein Freibrief. Sie sagt nur, dass die Nierenfunktion in den untersuchten Mengen nicht nachließ: bei gesunden Hunden bis 45,77 und gesunden Katzen bis 54,8 Prozent für 90 Tage, bei Hunden mit verkleinerter Nierenmasse bis 56 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz für vier Jahre. Was darüber passiert, ist nicht untersucht. Um Futter zu vergleichen, rechnest du deshalb am besten in die Trockensubstanz um, wie es unter Hundefutter-Etikett lesen erklärt ist.

Viel Eiweiß hat außerdem Folgen, die du kennen solltest:

  • Kalorien: Eiweiß liefert Energie wie Fett und Kohlenhydrate. Für Fleisch, Innereien und ähnliche Zutaten rechnet die FEDIAF mit 4 Kilokalorien je Gramm Rohprotein. Wie viel Futter dein Tier braucht, hängt an der Energie, nicht am Eiweißgehalt.
  • Blutwerte: Mit sehr eiweißreichem Futter lag der Harnstoff im Blut bei gesunden Hunden und Katzen höher (Ephraim et al. 2020, Badri et al. 2021). Auch jede Mahlzeit hebt ihn: Bei 66 von 100 gesunden Hunden, die ihr übliches Futter bekamen, stieg er danach über die zulässige Messabweichung hinaus, das Kreatinin nur bei 2 von 100 (Yi et al. 2023). Sag der Praxis vor einer Blutuntersuchung, was dein Tier frisst und wann es zuletzt gefressen hat.
  • Darm: Mit dem eiweißreichsten Futter stieg im Kot der pH-Wert, bei Hunden wie bei Katzen, und bei den Katzen auch das Ammoniak (Ephraim et al. 2020, Badri et al. 2021). Die Autoren des Hundeversuchs zählen solche Verschiebungen zu den Anzeichen schlechterer Gesundheit, krank wurde in ihrem Versuch aber keiner.

Für Welpen und Kitten gelten eigene Werte. Dieser Artikel betrifft erwachsene Tiere.

Wann weniger Eiweiß richtig ist

Weniger Eiweiß ist eine Frage der Diagnose, nicht des Alters. Für gesunde ältere Hunde und Katzen ist eiweißärmeres Futter laut Tufts nicht von Vorteil und kann zum Muskelabbau beitragen. Mehr dazu unter Seniorfutter für Hunde und Muskelabbau bei älteren Hunden und Katzen.

Anders ist es bei diesen Erkrankungen:

  • Chronische Nierenerkrankung: Nierendiäten enthalten weniger Phosphor und etwas weniger Eiweiß. Katzen-Nierendiäten enthalten nach den Leitlinien der ISFM, der internationalen Gesellschaft für Katzenmedizin, meist 6 bis 7 Gramm Eiweiß je 100 Kilokalorien: mehr als die 5 Gramm, die das NRC für erwachsene Katzen empfiehlt, und weniger als die 9 bis 10 Gramm üblicher Futter. Damit liegen sie am unteren Rand dessen, was die FEDIAF für Futter gesunder Katzen empfiehlt, oder darunter. Zu starke Eiweißbeschränkung kann Muskeln kosten (Sparkes et al. 2016). Die aktuellen Leitlinien von International Cat Care aus dem Jahr 2026 nennen den Phosphor als den Nährstoff, auf den es bei einer Nierenerkrankung vor allem ankommt. Frisst eine Katze weniger, als sie sollte, kann ein eiweißreicheres Nierendiätfutter sinnvoll sein, damit sie trotzdem genug Eiweiß bekommt (Taylor et al. 2026). Bei Hunden mit Nierenerkrankung hatten Tiere mit Nierendiät seltener Urämie-Krisen. Die Diät unterschied sich aber in Eiweiß, Phosphor, Natrium und Omega-3-Fettsäuren zugleich (Jacob et al. 2002). Hunde mit operativ verkleinerter Nierenmasse, die plötzlich von eiweißarmem auf eiweißreiches Futter umgestellt wurden, bekamen zum Teil eine Urämie, bei einer Umstellung über vier Wochen nicht (Finco et al. 1992). Bei einer Nierenerkrankung stellst du das Futter deshalb nie auf eigene Faust um.
  • Lebererkrankung: Für die meisten Hunde mit chronischer Leberentzündung empfiehlt eine Konsenserklärung des ACVIM, des US-Fachkollegiums für Innere Tiermedizin, keine Eiweißbeschränkung. Erst wenn Anzeichen einer hepatischen Enzephalopathie vermutet werden, einer Komplikation, die das Gehirn betrifft, kann ein eiweißreduziertes Diätfutter der Anfang sein. Die Eiweißmenge wird dann mit gut verträglichem Eiweiß aus Milch oder Soja wieder angehoben, so weit der Hund es verträgt (Webster et al. 2019).
  • Urat- und Cystinsteine: Hatte ein Hund mit erblicher Neigung zu Uratsteinen, etwa ein Dalmatiner oder eine Bulldogge, schon Uratsteine, rät eine Konsenserklärung des ACVIM zu mehr Trinken, einem alkalischen Urin und wenig Purinen im Futter. Purinreiches Futter ist oft auch eiweißreich, deshalb enthält Diätfutter zur Verringerung der Uratsteinbildung oft weniger Eiweiß. Bei Cystinsteinen ist umstritten, wie stark Eiweiß beschränkt werden muss, weil Menge und Qualität des Eiweißes den Carnitingehalt beeinflussen können; bei Hunden mit Cystinsteinen und eiweißarmer Diät ist zu wenig Carnitin mit einer Herzerkrankung beschrieben (Lulich et al. 2016).

Für diese Fälle gibt es eigene Diätfuttermittel, und für viele davon legt die EU Höchstmengen für Rohprotein fest. Setzt ein Diätfutter zur „Unterstützung der Nierenfunktion bei chronischer Niereninsuffizienz“ auf hochwertiges Eiweiß und wenig Phosphor, darf es für Hunde höchstens 220 Gramm Rohprotein je Kilogramm Futter mit 12 Prozent Feuchte enthalten, für Katzen höchstens 320 Gramm. Auf dem Etikett muss stehen: „Es wird empfohlen, vor der Verwendung oder vor Verlängerung der Fütterungsdauer den Rat eines Tierarztes einzuholen.“ (Verordnung (EU) 2020/354). Ob dein Tier so ein Futter braucht, entscheidet die Praxis nach einer Untersuchung.

Häufige Fragen

Schadet viel Eiweiß den Nieren meines Hundes?

Dass die Nierenfunktion nachlässt, zeigte sich in den Versuchen nicht, auch nicht bei Hunden mit verkleinerter Nierenmasse und bis zu 56 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz über vier Jahre. Unter dem Mikroskop nahmen meist geringe Veränderungen an den Nierenkörperchen mit der Eiweißmenge aber zu. Ist die Niere bereits krank, legt die Praxis das Futter fest.

Wie viel Eiweiß sollte im Katzenfutter sein?

Die FEDIAF empfiehlt für Futter erwachsener Katzen je nach Energiebedarf mindestens 62,5 bis 83,3 Gramm Eiweiß je 1.000 Kilokalorien. Eine Höchstmenge nennt sie nicht. Freilebende Katzen nehmen nach einer Schätzung rund 52 Prozent ihrer Energie als Eiweiß auf.

Braucht ein älteres Tier weniger Eiweiß?

Ein gesundes nicht. Eiweißärmeres Futter ist für gesunde ältere Hunde und Katzen nicht von Vorteil und kann zum Muskelabbau beitragen. Weniger Eiweiß gehört zu bestimmten Erkrankungen, etwa der Nieren, und dann zu einem Futter, das die Praxis festlegt.

Wie viel Rohprotein im Futter ist zu viel?

Eine Zahl dafür nennen weder NRC noch FEDIAF. Untersucht, ohne dass die Nierenfunktion nachließ, sind bei gesunden Hunden bis 45,77, bei gesunden Katzen bis 54,8 und bei Hunden mit verkleinerter Nierenmasse bis 56 Prozent Eiweiß in der Trockensubstanz. Vergleiche Futter in der Trockensubstanz, nicht nach dem Wert auf der Packung.

Fazit

  • Für gesunde erwachsene Hunde und Katzen nennen NRC und FEDIAF keine Höchstmenge für Eiweiß.
  • In Versuchen ließ die Nierenfunktion auch mit sehr viel Eiweiß nicht nach, selbst bei Tieren mit verkleinerter Nierenmasse. Spurlos blieb viel Eiweiß an den Nieren aber nicht immer.
  • Keine Obergrenze heißt: In den untersuchten Mengen ließ die Nierenfunktion nicht nach. Es heißt nicht, dass jede Menge gut ist.
  • Katzen brauchen viel Eiweiß und kommen mit viel Eiweiß zurecht.
  • Bei bestimmten Nieren-, Leber- und Harnsteinerkrankungen legt die Praxis ein Diätfutter fest.

Quellen

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