
Hundefutter-Etikett lesen: Energie berechnen, Anteile verstehen

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Pflicht sind auf Alleinfutter für Hunde Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, die Feuchte erst über 14 Prozent
- Die Energie muss nicht auf der Packung stehen, du kannst sie aber aus diesen Werten berechnen
- In einer Studie lag die Rechnung in vier Schritten bei Trockenfutter für Hunde im Schnitt knapp 5 Prozent unter dem Fütterungsversuch, bei Nassfutter gut 18 Prozent
- „Mit Huhn“ heißt mindestens 4 Prozent Huhn, „reich an Huhn“ mindestens 14 und „Huhn-Menü“ mindestens 26
- Nass- und Trockenfutter vergleichst du über die Trockensubstanz oder, noch genauer, je 1.000 Kilokalorien
Auf jedem Alleinfutter für Hunde stehen vier Pflichtwerte: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, dazu die Feuchte, sobald sie über 14 Prozent liegt. Aus diesen Werten kannst du die Energie des Futters selbst berechnen, die auf der Packung nicht stehen muss. Bei Trockenfutter trifft die Rechnung den gemessenen Wert recht genau. Namen wie „mit Huhn“ haben feste Mindestanteile. Und Nass- mit Trockenfutter vergleichst du, indem du das Wasser herausrechnest.
Was auf dem Etikett stehen muss
Die Pflichtangaben regelt die EU-Futtermittelverordnung 767/2009. Für dich zählen vor allem diese:
- Futtermittelart: Ein „Alleinfuttermittel“ reicht wegen seiner Zusammensetzung für eine tägliche Ration. Ein „Ergänzungsfuttermittel“ reicht nur zusammen mit anderen Futtermitteln.
- Zusammensetzung: die Zutaten, absteigend nach Gewicht.
- Analytische Bestandteile: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche. Statt „Rohprotein“ darf auch „Protein“ stehen, statt „Rohfett“ „Fettgehalt“ und statt „Rohasche“ „Ascherückstand“ oder „anorganischer Stoff“.
- Feuchte: Pflicht erst, wenn sie über 14 Prozent liegt. Bei Trockenfutter kann sie deshalb fehlen.
- Zusatzstoffe: etwa Vitamine und Spurenelemente, mit der Menge, die der Hersteller zugesetzt hat. Der Etikett-Kodex der FEDIAF, des europäischen Industrieverbands, weist darauf hin, dass die Zutaten selbst auch solche Stoffe enthalten und Vitamine beim Herstellen und Lagern abnehmen können. Die Analyse des fertigen Futters kann deshalb von der zugesetzten Menge abweichen.
Die Energie gehört nicht zu den Pflichtangaben. Gibt ein Hersteller sie an, muss er sie nach der EU-Methode berechnen; der FEDIAF-Kodex empfiehlt dafür die Formeln aus den Leitlinien des Verbands. Pflicht ist die Kalorienangabe laut dem Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA nur in den USA. Fehlt sie, rät die WSAVA, beim Hersteller nachzufragen oder sie aus der Nährstoffanalyse auf dem Etikett zu berechnen.
Die Energie selbst berechnen
Brauchst du die Energie, etwa um die Futtermenge zu prüfen, rechnest du sie aus den Pflichtwerten aus. Die FEDIAF gibt dafür für Fertigfutter, nass wie trocken, vier Schritte vor. Du setzt die Prozentwerte vom Etikett ein und bekommst die Kilokalorien je 100 Gramm Futter:
- Kohlenhydrate schätzen: 100 minus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchte. Steht bei Trockenfutter keine Feuchte, rechne mit etwa 10 Prozent, das ist laut Tufts der Durchschnitt.
- Bruttoenergie: 5,7 × Rohprotein + 9,4 × Rohfett + 4,1 × (Kohlenhydrate + Rohfaser).
- Verdaulichkeit in Prozent: 91,2 minus 1,43 × Rohfaser in der Trockensubstanz. Die Rohfaser in der Trockensubstanz ist Rohfaser ÷ (100 − Feuchte) × 100.
- Umsetzbare Energie: Bruttoenergie × Verdaulichkeit ÷ 100, davon 1,04 × Rohprotein abziehen.
So sieht das für zwei ausgedachte Etiketten aus:
| Trockenfutter | Nassfutter | |
|---|---|---|
| Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche, Feuchte | 24, 12, 3, 7 und 10 Prozent | 10, 6, 0,5, 2 und 78 Prozent |
| Kohlenhydrate | 44 Prozent | 3,5 Prozent |
| Energie je 100 Gramm | rund 357 Kilokalorien | rund 104 Kilokalorien |
Für Rohes und Selbstgekochtes, also Fleisch, Innereien, Milchprodukte und gekochte Stärke, gilt nach der FEDIAF eine einfachere Formel: 4 × Rohprotein + 9 × Rohfett + 4 × Kohlenhydrate. Bei sehr faserreichem Fertigfutter, mit mehr als 8 Prozent Rohfaser in der Trockensubstanz, kann die Formel in vier Schritten die Energie unterschätzen.
Am genauesten misst man die Energie im Fütterungsversuch. Wie nah die Rechnung aus dem Etikett herankommt, hat eine Studie aus Brasilien an 451 Futtern geprüft. Mit der Formel in vier Schritten lag die Rechnung bei Trockenfutter für Hunde im Schnitt knapp 5 Prozent unter dem Fütterungsversuch, bei Nassfutter gut 18 Prozent. Näher kam dort die einfache Formel 4 × Rohprotein + 9 × Rohfett + 4 × Kohlenhydrate, mit knapp 2 und gut 8 Prozent Abstand. Brasilianische Etiketten nennen allerdings Mindest- und Höchstwerte, und die Autoren halten es für möglich, dass sich die Fehler der einfachen Formel damit ausgleichen. Zwei Personen aus dem Autorenteam arbeiten für einen Futterhersteller, der auch die beiden Einrichtungen der übrigen Autoren unterhält (Marchi et al. 2025).
Selbst rechnen lohnt sich auch, wenn ein Wert auf der Packung steht. In Kanada war bei einer Untersuchung von 200 Trockenfuttern nicht jede Energieangabe mit der Formel berechnet, die der Verband der amerikanischen Futtermittelkontrolleure AAFCO dafür vorsieht (Sutherland et al. 2021). Und mit der Energie prüfst du die Fütterungsempfehlung: Bei Stiftung Warentest gaben in test 6/2019 mehr als die Hälfte von 31 Feuchtfuttern für manche Gewichtsklassen zu viel oder zu wenig an. Wie viel Energie dein Hund braucht, steht unter Wie viel Futter braucht mein Hund?
Nass- und Trockenfutter vergleichen
Trockenfutter enthält im Schnitt etwa 10 Prozent Wasser, Nassfutter rund 75 Prozent. Deshalb sehen die Prozentwerte auf Nassfutter immer niedriger aus (Tufts). Vergleichen kannst du erst ohne das Wasser:
- Über die Trockensubstanz: Sie ist 100 minus Feuchte. Teile den Wert vom Etikett durch die Trockensubstanz und nimm ihn mal 100. Das Nassfutter aus der Tabelle mit 10 Prozent Rohprotein hat in der Trockensubstanz 45,5 Prozent, das Trockenfutter mit 24 Prozent nur 26,7 Prozent.
- Je 1.000 Kilokalorien: Noch genauer wird der Vergleich über die Energie, weil auch sie sich zwischen Futtern unterscheidet. Laut Tufts ist das der beste Weg, zwei Futter zu vergleichen. Mit den Werten oben stecken im Nassfutter 96 Gramm Eiweiß je 1.000 Kilokalorien, im Trockenfutter 67 Gramm.
Das Nassfutter mit dem kleineren Prozentwert liefert also im Verhältnis mehr Eiweiß.
Was „mit Huhn“ heißt
Wie viel einer Zutat drin sein muss, wenn sie im Namen steht, legt der Etikett-Kodex der FEDIAF fest:
| Auf der Packung | Mindestanteil der genannten Zutat |
|---|---|
| „Huhn-Geschmack“ | keiner, der Geschmack kommt aus einem Aromastoff |
| „aromatisiert mit Huhn“ | mehr als 0, aber unter 4 Prozent |
| „mit Huhn“ | 4 Prozent |
| „reich an Huhn“, „extra Huhn“ | 14 Prozent |
| „Huhn“ im Namen, „Huhn-Menü“ | 26 Prozent |
| „nur Huhn“ | nur Huhn, dazu erlaubte Zusatzstoffe, Mineralstoffe und Wasser |
Zwei Dinge dazu: „Fleisch“ allein bedeutet im Kodex Skelettmuskel, die Sammelangabe „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ dagegen alle fleischigen Teile geschlachteter warmblütiger Landtiere und alles, was bei der Verarbeitung ihrer Schlachtkörper anfällt. Und die Prozente beziehen sich auf das Gewicht der Zutaten, wenn sie bei der Herstellung in den Mischer kommen.
Häufige Fragen
Warum steht auf meinem Hundefutter keine Kalorienangabe?
Weil sie keine Pflicht ist. Die EU-Futtermittelverordnung regelt, wie sie berechnet wird, wenn ein Hersteller sie angibt. Du kannst sie aus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchte selbst ausrechnen.
Was bedeutet Rohasche im Hundefutter?
Rohasche ist der Rückstand, der beim Verbrennen einer Probe übrig bleibt, also vor allem die Mineralstoffe. Die Verordnung erlaubt dafür auch die Begriffe „Ascherückstand“ und „anorganischer Stoff“.
Wie genau stimmen die Werte auf dem Etikett?
Es gelten gesetzliche Toleranzen (EU-Futtermittelverordnung, Anhang IV). Stehen auf der Packung 25 Prozent Rohprotein, darf eine Analyse zwischen 22 und 28 Prozent ergeben (FEDIAF-Kodex).
Wie vergleiche ich Nassfutter mit Trockenfutter?
Über die Trockensubstanz oder je 1.000 Kilokalorien. Ein Nassfutter mit 10 Prozent Rohprotein bei 78 Prozent Feuchte hat in der Trockensubstanz 45,5 Prozent, also mehr als ein Trockenfutter mit 24 Prozent.
Was heißt „mit Huhn“ auf Hundefutter?
Mindestens 4 Prozent der Zutaten stammen vom Huhn. Bei „reich an Huhn“ sind es mindestens 14 Prozent, beim „Huhn-Menü“ mindestens 26 Prozent (FEDIAF-Kodex).
Fazit
- Pflicht sind Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, die Feuchte über 14 Prozent.
- Die Energie muss nicht draufstehen. Du berechnest sie aus diesen Werten, bei Trockenfutter recht genau.
- „Mit Huhn“ heißt mindestens 4 Prozent, „reich an“ 14, „Menü“ 26.
- Nass- und Trockenfutter vergleichst du ohne das Wasser oder je 1.000 Kilokalorien.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln (konsolidiert, 26.12.2018) · Amt für Veröffentlichungen der EU
- FEDIAF Code of Good Labelling Practice for Pet Food · FEDIAF
- FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 · FEDIAF
- Guidelines on Selecting Pet Foods · WSAVA Global Nutrition Committee
- Accuracy of Predictive Equations for Metabolizable Energy Compared to Energy Content of Foods for Dogs and Cats Estimated by In Vivo Methods in Brazil · Animals (PMC)
- Pet Food Nutrient Calculator: Comparing nutrient levels between two pet foods · Tufts Petfoodology
- Equations used to develop commercial dog food feeding guidelines and Canadian owner feeding practices in 2018 · Canadian Veterinary Journal (PMC)
- Hundefutter: 9 von 31 Feuchtfuttern fallen durch (test 6/2019) · Stiftung Warentest
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