
Diese Rassen neigen zu Übergewicht: Was das bedeutet

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Das MSD Veterinary Manual nennt acht Hunderassen mit erhöhtem Übergewichts-Risiko: Labrador Retriever, Zwergschnauzer, Dackel, Shetland Sheepdog, Cocker Spaniel, Beagle, Basset Hound und Cairn Terrier. Warum sie anfälliger sind, sagt die Quelle nicht, und die Liste ist ausdrücklich offen („include“): eine nicht genannte Rasse ist damit nicht entwarnt
- Beim Labrador ist eine Genvariante (14-Basenpaar-Deletion im POMC-Gen) mit mehr Gewicht, mehr Körperfett und stärkerer Futtermotivation verknüpft, ein messbarer Effekt, aber kein Schalter: er ist eher hungrig veranlagt, nicht ungezogen
- Für Katzen nennt keine der hier geführten Quellen eine einzige anfällige Rasse. Cornell benennt für die Katze stattdessen die Fütterungsform (ganztägig verfügbares Trockenfutter) als wichtigen Faktor
- Kastration, Bewegungsmangel und zunehmendes Alter führt MSD als Risikofaktoren für Hund und Katze. Für die Kastration nennt MSDs Bedarfstabelle die Größenordnung: kastriert das 1,6-Fache statt des 1,8-Fachen des Ruhebedarfs beim Hund, das 1,2-Fache statt des 1,4-Fachen bei der Katze
- Warum ein kastriertes Tier zunimmt, zeigen die Quellen je nach Art von einer anderen Seite: beim Hund lag der Erhaltungsbedarf kastrierter Tiere im Gruppenvergleich einer Meta-Analyse (29 Veröffentlichungen) signifikant unter dem intakter, bei neun untersuchten Katern sank nach der Kastration nicht der Verbrauch, sondern es stieg die Futteraufnahme
- Der Check zu Hause: Rippen fühlbar, aber nicht sichtbar, Taille von oben, Bauchtuck von der Seite (beim Hund). Idealwert beim Hund 4 bis 5 von 9, bei der Katze führt WSAVAs Katzen-Tafel allein die 5 von 9 und Cornell nennt 4,5 bis 5 von 9. Immer nach der Skala fragen: 5 von 9 ist ideal, 5 von 5 wäre adipös
- Auch eine anfällige Katze muss langsam abnehmen (Cornell nennt 1 bis 2 Prozent Körpergewicht pro Woche, MSD etwa 1 Prozent). Und laut MSD hat jede übergewichtige Katze, die abnimmt, ein erhöhtes Risiko für eine lebensgefährliche Leberverfettung, Hungerkuren erst recht. Eine Katzendiät gehört deshalb tierärztlich begleitet
Manche Hunde und Katzen setzen schneller Fett an als andere. Und das liegt nicht nur am Napf. Rasse, Kastration, Bewegung und sogar einzelne Gene spielen mit. Die gute Nachricht vorweg: Veranlagung erhöht das Risiko, entscheidet aber nicht das Ergebnis.
Welche Rassen neigen wirklich zu Übergewicht?
Dass bestimmte Rassen häufiger zu viel auf den Rippen haben, ist keine Küchenweisheit, sondern in der Fachliteratur beschrieben. Eine Liste anfälliger Rassen führt von den hier genannten Quellen allerdings nur eine einzige: Das MSD Veterinary Manual führt die Rasseveranlagung als eigenen Risikofaktor und nennt acht Hunderassen mit erhöhtem Risiko: Labrador Retriever, Zwergschnauzer, Dackel, Shetland Sheepdog, Cocker Spaniel, Beagle, Basset Hound und Cairn Terrier. (Einzelne Rassen kommen auch anderswo vor: Die Labrador-Studie weiter unten nennt den Labrador Retriever und den Flat Coated Retriever, aber eben nur diese beiden.) Die drei WSAVA-Dokumente, auf die sich dieser Artikel weiter unten stützt, tragen zur Rasseveranlagung nichts bei: Die Ernährungs-Leitlinie erwähnt die Rasse nur als eine der Größen, nach denen sich die Kontrollfrequenz richtet, und die beiden Body-Condition-Tafeln nennen überhaupt keine Rasse.
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sagt die Liste nur „erhöhtes Risiko“. Warum diese Rassen anfälliger sind, sagt die Seite nicht. Zweitens stellt sie die acht nicht in eine Rangfolge: Wer eine Rangliste „der dicksten Rassen“ liest, liest eine Zuspitzung, die in dieser Quelle nicht steht. Und drittens, das ist die wichtigste, ist die Liste ausdrücklich offen: MSD schreibt „breeds with an increased risk include“, also „zu den Rassen mit erhöhtem Risiko gehören“. Sie zählt Beispiele auf, nicht alle. Dass deine Rasse nicht darunter ist, ist deshalb keine Entwarnung: Es heißt nur, dass diese Quelle sie nicht aufführt. Praktisch heißt Veranlagung ohnehin für jeden Hund dasselbe: das Gewicht regelmäßig kontrollieren, statt zu warten, bis es auffällt, bei den acht genannten Rassen mit besonderem Anlass.
Für Katzen nennt keine der hier geführten Quellen eine einzige Rasse. MSD führt unter der Rasseveranlagung ausschließlich Hunderassen auf, und die Übergewichts-Seite des Cornell Feline Health Center benutzt das Wort Rasse überhaupt nicht. Welche Katzenrassen anfälliger sind, ist damit hier nicht belegt. Bei entsprechenden Listen im Netz lohnt ein Blick, worauf sie sich stützen. Was Cornell für die Katze dagegen ausdrücklich als wichtigen Faktor („a major factor“) benennt, ist nicht die Rasse, sondern die Fütterungsform: der ganztägig verfügbare Napf mit Trockenfutter („free feeding“). Ob bei der Katze Rasse oder Lebensstil schwerer wiegt, sagt keine der Quellen. Diese Abwägung machen wir hier bewusst nicht.
Häufig ist das Problem in jedem Fall. Das MSD Veterinary Manual rechnet ab mehr als 20 Prozent über dem Idealgewicht mit Adipositas und zwischen 10 und 20 Prozent mit Übergewicht und schätzt, dass mehr als 50 Prozent der in den USA tierärztlich vorgestellten Hunde und Katzen in eine dieser beiden Gruppen fallen. Das Cornell Feline Health Center zitiert für Katzen eine Größenordnung in derselben Richtung: „wahrscheinlich 50 Prozent“ der in Tierkliniken vorgestellten Katzen seien übergewichtig, sagt dort eine Klinikerin des Hauses, also ebenfalls eine Einschätzung aus US-Praxen, keine erhobene Zahl. Eine Zahl für Deutschland nennt keine der hier geführten Quellen; übertrage die US-Werte deshalb nicht als deutsche Quote.
Der Labrador: wenn eine Genvariante beim Hunger mitspielt
Beim Labrador Retriever ist zusätzlich ein genetischer Faktor beschrieben. Raffan und Kollegen fanden 2016 (Cell Metabolism) eine kleine Veränderung im sogenannten POMC-Gen: eine 14-Basenpaar-Deletion, mit einer Allelfrequenz von 12 Prozent in der untersuchten Labrador-Kohorte.
Wie groß der Effekt ist, hat die Studie an 310 Labradoren gemessen: Pro Deletions-Allel waren es im Mittel 1,90 kg mehr Körpergewicht, ein um 0,48 Punkte höherer Body-Condition-Score und eine um 9,9 Prozent stärkere Futtermotivation (erhoben mit dem Fragebogen DORA). Das ist ein messbarer, statistisch klarer Effekt, aber kein Schalter: Die Autoren nennen die Deletion einen „significant modifier of weight and appetite“, also einen Faktor, der Gewicht und Appetit verschiebt, nicht die Ursache von Übergewicht.
Bei Hunden aus 38 weiteren Rassen wurde die Variante gar nicht gefunden. Nachgewiesen ist sie außerdem beim eng verwandten Flat Coated Retriever, dort mit einer Allelfrequenz von 60 Prozent. Beide Rassen gehen im 19. Jahrhundert auf denselben, heute ausgestorbenen Vorfahren zurück.
Das ist wichtig zu verstehen: Ein Labrador, der bettelt und alles auffrisst, ist nicht ungezogen: Er kann tatsächlich veranlagt sein, mehr Hunger zu haben. Für dich als Halter heißt das aber nicht, dass Übergewicht unausweichlich ist. Es heißt nur, dass du die Portionen bewusster steuern musst als bei einem Hund ohne diese Veranlagung. Und nein: Dieses Gen erklärt nicht das Übergewicht aller anderen Rassen: Untersucht und gefunden wurde es bei Labrador und Flat Coated Retriever.
Kastration, Bewegung, Alter: Was das Risiko zusätzlich erhöht
Neben der Rasse gibt es Faktoren, die fast jedes Tier betreffen können. Das MSD Veterinary Manual listet für Hund und Katze sechs Risikofaktoren auf: Bewegungsmangel, Rasseveranlagung, zunehmendes Alter, Kastration, bestimmte Hormonerkrankungen und bestimmte Medikamente (MSD nennt Kortison-Präparate und Phenobarbital). Die Liste ist eine Aufzählung, keine Reihenfolge: Welcher Faktor am schwersten wiegt, sagt MSD nicht.
- Kastration: MSD führt die Kastration als Risikofaktor auf, ohne auf der Übergewichts-Seite zu sagen, warum. Die Bedarfstabelle desselben Handbuchs nennt aber die Größenordnung: Für einen gesunden erwachsenen Hund rechnet MSD intakt mit dem 1,8-Fachen des Ruheenergiebedarfs, kastriert nur noch mit dem 1,6-Fachen; bei der erwachsenen Katze mit dem 1,4-Fachen intakt und dem 1,2-Fachen kastriert. Beim Hund findet sich derselbe Unterschied auch in der Fachliteratur: Eine Meta-Analyse aus 29 Veröffentlichungen (PLoS ONE 2014) verglich kastrierte und intakte Hunde und fand den Erhaltungsbedarf der kastrierten signifikant niedriger. Einen Unterschied zwischen Rüde und Hündin fand sie dagegen nicht. Bei Katern zeigt eine Messung ein anderes Bild: Neun erwachsene Kater wurden vor und nach der Kastration untersucht (PLoS ONE 2014), und ihr Energieverbrauch sank nicht. Was stieg, war die aufgenommene Futtermenge, sobald die Tiere frei fressen durften. Praktisch heißt beides dasselbe: die Ration nach der Kastration einmal überprüfen zu lassen, statt sie unverändert weiterzufüttern. Cornell rechnet den Kastrationsstatus für den Hund ohnehin in den Tagesbedarf ein.
- Wenig Bewegung: MSD führt Bewegungsmangel als eigenständigen Risikofaktor, unabhängig von Rasse und Alter. Cornell zählt für den Hund einen „sitzenden“ Lebensstil zu den häufigsten Ursachen von Übergewicht, neben fettreichem Futter, dem ständig gefüllten Napf und zu vielen Leckerlis.
- Alter: Hier nennt MSD den Mechanismus ausdrücklich mit: Die Stoffwechselrate sinkt mit dem Alter, weil die Muskelmasse abnimmt und der Fettanteil zunimmt. Ein Seniorhund braucht deshalb oft weniger Kalorien als in jungen Jahren.
Kommen bei einem Tier mehrere dieser Faktoren zusammen, liegt es nahe, dass sich das Risiko addiert. Ob und wie stark, quantifiziert keine der hier geführten Quellen. Genau deshalb lohnt es sich, die Futtermenge nicht einmalig festzulegen, sondern gerade nach der Kastration und im Seniorenalter gemeinsam mit der Tierarztpraxis nachzurechnen.
Veranlagung ist kein Schicksal: So bleibt auch ein anfälliges Tier schlank
Der wichtigste Satz zuerst: Auch ein Labrador oder ein Dackel kann schlank bleiben. Veranlagung erhöht das Risiko, das Ergebnis machen Portionen und Bewegung.
Der Check zu Hause (Body Condition Score)
- Rippen fühlen: Die Rippen sollten unter einer dünnen Fettschicht gut fühlbar, aber nicht sichtbar sein. Cornell formuliert es für den Hund als „felt but not seen“. Sichtbar werden die Rippen auf WSAVAs Hunde-Tafel erst unterhalb des Idealbereichs: bei der 3 heißt es „may be visible“, bei der 2 „easily visible“, und bei der 1 sind Rippen, Lendenwirbel und Beckenknochen „evident from a distance“, also schon aus der Entfernung zu erkennen.
- Taille von oben: Von oben betrachtet sollte hinter dem Brustkorb eine erkennbare Taille zu sehen sein. Beim Hund beschreibt WSAVA sie in der Idealstufe 5 als „waist observed behind ribs“, bei der Katze in der 5 als sichtbar, aber „not pronounced“, also erkennbar, nicht ausgeprägt.
- Bauchlinie von der Seite: Beim Hund sollte der Bauch nach hinten hin ansteigen (Bauchtuck) und nicht durchhängen; WSAVA nennt den „abdominal tuck“ in den Hunde-Idealstufen 4 und 5. Bei der Katze gehört er nicht zur Idealstufe: In der Katzen-Idealstufe 5 steht kein Bauchtuck, sondern ein „minimales“ Bauchfettpolster. Ein minimales Bauchpolster ist bei der Katze also normal und kein Grund für eine Diät. Bedeutungslos ist der Bauchtuck bei der Katze deshalb nicht: Die Tafel führt ihn auf mehreren Stufen, und in der Stufe 6, schon über dem Ideal, heißt es ausdrücklich „Abdominal tuck absent“, bei „Waist and abdominal fat pad present but not obvious“. Ein Bauchpolster, das deutlich da ist, und eine Taille, die verschwindet, sind bei der Katze also kein Idealbefund mehr.
Achtung, es gibt zwei Skalen, und die Zahl allein sagt nichts. Laut WSAVA-Leitlinie sind Body-Condition-Systeme mit 5, 6, 7 oder 9 Stufen im Umlauf; die Leitlinie selbst arbeitet mit der 9-stufigen. Eine „5“ ist deshalb nur mit Nenner eindeutig: 5 von 9 ist ideal, 5 von 5 wäre adipös. Frag also immer, auf welcher Skala der Wert steht.
Auf der 9-stufigen Skala führt WSAVAs Hunde-Tafel die 4 und die 5 im Feld IDEAL, die Katzen-Tafel allein die 5. Das steht dort allerdings nirgends als Satz, sondern ergibt sich aus dem Aufbau der Tafeln: Über den Spalten stehen die Überschriften UNDER IDEAL, IDEAL und OVER IDEAL, und welche Stufen ideal sind, liest man an ihrer Position darunter ab. (Ein Datum trägt keine der beiden Tafeln; die Angabe „Juni 2025“ im Quellenverzeichnis stammt aus dem Dateipfad, nicht von der Tafel selbst.) Das Cornell Feline Health Center nennt für Katzen 4,5 bis 5 von 9, die Riney-Canine-Seite von Cornell für Hunde 4 oder 5 von 9. Der Leitlinientext der WSAVA nennt artneutral „the goal for most pets is a BCS of 4 to 5 of 9“ und weist gleich darauf hin, dass dieser Idealwert manchen Haltern „zu dünn“ vorkommt. Wie du den Check Schritt für Schritt machst, liest du auch unter Ist mein Hund zu dick?.
Die richtige Menge: Wiege die Ration mit einer Küchenwaage ab, statt sie zu schätzen: Cornell warnt ausdrücklich vor „gehäuften“ Portionen, die pro Mahlzeit unbemerkt Kalorien draufpacken. Und rechne Leckerlis mit: Cornell setzt die Obergrenze bei rund 10 Prozent der Tageskalorien, und WSAVAs Screening-Bogen führt „Snacks, Leckerlis, Tischreste über 10 Prozent der Gesamtkalorien“ als eigenen Risikofaktor; schon ein einzelner davon kann laut Leitlinie eine genauere Ernährungsbewertung rechtfertigen.
Den Tagesbedarf selbst berechnet am besten die Tierarztpraxis. Cornell nennt für den Hund als Eingangsgrößen Alter, Kastrationsstatus, Lebensstil und Body-Condition-Score. MSDs Bedarfsseite führt eine Rechenkette vor: zuerst der Ruheenergiebedarf (RER, das 70-Fache des Körpergewichts in Kilogramm hoch 0,75), dann ein Faktor je nach Tier (beim gesunden erwachsenen Hund 1,8 intakt und 1,6 kastriert, bei der Katze 1,4 und 1,2). Für eine Abnehmkur nennt MSD als Startwert 60 Prozent des Erhaltungsbedarfs (MER) beim Hund und 70 Prozent bei der Katze. Zu beidem schreibt MSD ausdrücklich dazu, dass jede so berechnete Kalorienzahl nur ein Startpunkt ist, der nach dem Verlauf angepasst werden muss. Mehr Bewegung (längere Spaziergänge, Spiel- und Suchspiele für die Katze) hilft zusätzlich, ersetzt die Futtermenge aber nicht: Bewegung wirke beim Abnehmen nur zusammen mit einer Futterumstellung, schreibt Cornell. Gesagt ist das auf der Hundeseite; zur Bewegung der Katze sagt Cornells Katzenseite nichts.
Muss dein Tier abnehmen, dann langsam. Cornell nennt für beide Arten dieselbe Spanne: beim Hund 1 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche, bei der Katze „vielleicht ein oder zwei Prozent Körpergewicht pro Woche“; dort ist es die Einschätzung einer Klinikerin, keine Leitlinienzahl. MSD ist strenger und nennt als vernünftiges Ziel etwa 1 Prozent pro Woche. Nimm die 2 Prozent also als Obergrenze, nicht als Zielwert. Schneller ist ein Warnsignal: Laut Cornell deutet das entweder auf zu stark gekürzte Kalorien oder auf ein gesundheitliches Problem hin. Wiege deshalb mindestens alle zwei Wochen und passe die Menge an: MSD nennt für Hund und Katze eine Gewichtskontrolle alle zwei Wochen, Cornell für den Hund ausdrücklich „mindestens alle zwei Wochen“.
⚠️ Und kürze nicht einfach das gewohnte Futter: MSD und Cornell warnen beide, dass ein bloß rationiertes Erhaltungsfutter zu Nährstoffmängeln führen kann. MSD verweist dafür auf eine Studie, die solche Mängel dokumentiert hat, und zwar nicht nur bei rationiertem Erhaltungsfutter, sondern auch bei frei verkäuflichem „Light“-Futter. Die Antwort darauf ist laut MSD ein tierärztliches Diätfutter, das bei gekürzten Kalorien die übrigen Nährstoffe in passender Menge liefert, nicht die kleinere Portion des gewohnten Futters. Besprich den Wechsel mit der Tierarztpraxis. Dazu rät Cornell ausdrücklich.
Für Katzen ist das besonders ernst: MSD setzt die Schwelle hier tiefer, als man erwartet: Schon jede übergewichtige Katze, die abnimmt, hat laut MSD ein erhöhtes Risiko für eine lebensgefährliche Leberverfettung (hepatische Lipidose). Zu schnelles Abnehmen und erst recht Hungern verschärfen das (Cornell nennt als Risikofall die Katze, die auf eine plötzliche Hungerdiät gesetzt wird [„a sudden starvation diet“]), aber langsam allein ist kein Freibrief. MSD schreibt dazu klar: Hungern ist niemals ein sicherer oder humaner Weg zur Gewichtsabnahme, und eine Katze muss auch während einer Diät genug Kalorien und Nährstoffe aufnehmen; frisst sie das Diätfutter nicht, muss ein anderes gefunden werden. Eine Katzendiät gehört deshalb immer langsam angelegt und tierärztlich begleitet.
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Wann zum Tierarzt? Wenn dein Tier trotz unveränderter Fütterung zunimmt, gehört das abgeklärt. Cornell nennt für den Hund als mögliche Mitursachen eine Schilddrüsenunterfunktion, das Cushing-Syndrom, die Genetik und bestimmte Medikamente; MSD führt allgemein Hormonerkrankungen sowie Kortison-Präparate und Phenobarbital als Risikofaktoren. Umgekehrt ist auch ungewollter Gewichtsverlust ein Warnsignal, kein Grund zur Freude. WSAVA führt jede „unerklärte Gewichtsveränderung“ in beide Richtungen als Anlass für eine genauere Ernährungsbewertung. Welche konkreten Risiken dauerhaftes Übergewicht mit sich bringt, liest du im Beitrag Folgen von Übergewicht.
Häufige Fragen
Ist mein Labrador zwangsläufig dick, weil er diese Veranlagung hat?
Nein. Die Studie fand pro Deletions-Allel im Mittel 1,90 kg mehr Gewicht und eine um 9,9 Prozent stärkere Futtermotivation, ein messbarer Effekt, aber keine Entscheidung über das Gewicht. Die Autoren nennen die Variante ausdrücklich einen Faktor, der Gewicht und Appetit verschiebt, nicht die Ursache von Übergewicht. Mit abgewogenen Portionen, wenigen Leckerlis und genug Bewegung bleibt auch ein Labrador schlank.
Welche Hunderassen neigen am ehesten zu Übergewicht?
Das MSD Veterinary Manual nennt acht Rassen mit erhöhtem Risiko: Labrador Retriever, Zwergschnauzer, Dackel, Shetland Sheepdog, Cocker Spaniel, Beagle, Basset Hound und Cairn Terrier. Eine Rangfolge unter ihnen stellt die Quelle nicht auf, und warum sie anfälliger sind, sagt sie ebenfalls nicht; „am ehesten“ lässt sich damit nicht beantworten. Wichtig ist außerdem, wie die Liste eingeleitet wird: „breeds with an increased risk include“. Zu den Rassen mit erhöhtem Risiko gehören diese acht. Es ist eine Aufzählung von Beispielen, keine vollständige Liste, und eine nicht genannte Rasse ist damit nicht entwarnt. Sinnvoll ist die regelmäßige Gewichtskontrolle deshalb bei jedem Hund, bei diesen acht mit besonderem Anlass.
Welche Katzenrassen neigen zu Übergewicht?
Darauf gibt keine der hier geführten Quellen eine Antwort: MSD nennt unter der Rasseveranlagung nur Hunderassen, und die Übergewichts-Seite des Cornell Feline Health Center erwähnt Rassen gar nicht. Für die Katze benennt Cornell stattdessen die Fütterungsform als wichtigen Faktor: der ganztägig verfügbare Napf mit Trockenfutter. Die Empfehlung dort: feste Mahlzeiten statt freier Zugang, und Nassfutter statt überwiegend Trockenfutter.
Warum werden Tiere nach der Kastration oft dicker?
Weil zwei Dinge zusammenkommen. Und die Quellen zeigen sie für Hund und Katze unterschiedlich deutlich. Erstens der niedrigere Bedarf: MSD rechnet für einen gesunden erwachsenen Hund kastriert mit dem 1,6-Fachen statt des 1,8-Fachen des Ruheenergiebedarfs, bei der Katze mit dem 1,2-Fachen statt des 1,4-Fachen. Beim Hund deckt sich das mit einer Meta-Analyse aus 29 Veröffentlichungen (PLoS ONE 2014): Der Erhaltungsbedarf kastrierter Hunde lag signifikant unter dem intakter. Zweitens der größere Appetit. Gemessen ist der beim Kater: Bei neun erwachsenen Katern wurde nach der Kastration gemessen, dass der Energieverbrauch gerade nicht sank. Sobald die Tiere frei fressen durften, stieg die Futtermenge sofort an, und mit ihr Gewicht und Body-Condition-Score. Als Ursache der frühen Gewichtszunahme nennen die Autoren ausdrücklich die höhere Futteraufnahme, nicht einen geringeren Verbrauch; als möglichen Mitspieler diskutieren sie das appetitsteigernde Hormon Ghrelin, das bei diesen Katern nach der Kastration anstieg. Beide Wege führen zur selben Konsequenz: die Ration direkt nach der Kastration überprüfen lassen (Cornell rechnet den Kastrationsstatus für den Hund in den Tagesbedarf ein), statt zu warten, bis das Gewicht auffällt. Einschränkung: Die Kater-Studie umfasst neun Tiere und sagt nichts über Kätzinnen oder über Hunde aus. Und dass die Kastration selbst „dick macht“, behauptet keine der Quellen; sie verschiebt die Rechnung, gefüttert wird trotzdem aus dem Napf.
Wie schnell darf mein übergewichtiges Tier abnehmen?
Langsam. Cornell nennt für Hund und Katze 1 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche, MSD nennt als vernünftiges Ziel etwa 1 Prozent. Die 2 Prozent sind also die Obergrenze, nicht das Ziel. Schneller kann heißen, dass die Kalorien zu stark gekürzt sind oder eine Erkrankung dahintersteckt. Besonders Katzen dürfen niemals hungern: Rapider Gewichtsverlust kann eine lebensgefährliche Leberverfettung auslösen. Und MSD zieht die Grenze noch weiter: Schon jede übergewichtige Katze, die abnimmt, zählt dort zur Risikogruppe. Ein Abnehmplan für eine Katze gehört deshalb immer in tierärztliche Hände, auch ein langsamer.
Quellen
- Nutrition in Disease Management in Small Animals (Obesity) · MSD Veterinary Manual
- Obesity and Weight Loss in Dogs · Cornell University College of Veterinary Medicine
- Obesity (Feline Health Topics) · Cornell University College of Veterinary Medicine
- A Deletion in the Canine POMC Gene Is Associated with Weight and Appetite in Obesity-Prone Labrador Retriever Dogs (Raffan et al., Cell Metabolism 23, 893-900, 10. Mai 2016) · PubMed Central (PMC)
- Body Condition Score - DOGS (Tafel, Fassung Juni 2025) · WSAVA
- Body Condition Score - CATS (Tafel, Fassung Juni 2025) · WSAVA
- Nutritional Assessment Guidelines (Journal of Small Animal Practice, Juni 2011) · WSAVA
- Nutritional Requirements of Small Animals (Tabelle „Daily Maintenance Energy Requirements for Dogs and Cats“) · MSD Veterinary Manual
- Energy Requirements of Adult Dogs: A Meta-Analysis (Bermingham et al., PLoS ONE 9(10): e109681, 14. Oktober 2014) · PLOS ONE
- Early Effects of Neutering on Energy Expenditure in Adult Male Cats (Wei et al., PLoS ONE 9(2): e89557, 26. Februar 2014) · PLOS ONE
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