
Reisen mit Hund in den Süden: Leishmaniose und Mittelmeerkrankheiten. Worauf du achten musst

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Mittelmeerkrankheiten sind Reisekrankheiten: Leishmaniose und Ehrlichiose sind in Mitteleuropa nicht heimisch, sondern werden aus dem Süden mitgebracht
- Leishmaniose wird nicht von Zecken übertragen, sondern von nachtaktiven Sandmücken der Gattung Phlebotomus. In den Endemiegebieten läuft ihre Saison meist von April bis November
- Die Inkubationszeit der Leishmaniose reicht laut ESCCAP von drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Symptome können also lange nach dem Urlaub auftreten
- Der wichtigste Schutz ist konsequenter Vektorschutz mit repellierenden Präparaten, dazu die Leishmaniose-Impfung nach Beratung. Halsbänder, Spot-ons und Impfung brauchen alle Vorlauf
- Nach der Rückkehr gehört die Reise in die Krankenakte: Ein Test direkt nach dem Urlaub kann falsch negativ ausfallen, weil die Erreger erst später nachweisbar sind
Warum der Süden für deinen Hund anders ist als der heimische Wald
Ein Sommer in Italien, ein Roadtrip nach Spanien, ein Ferienhaus in Kroatien: für viele Hunde ist das der Höhepunkt des Jahres. Was dabei oft unterschätzt wird: Rund ums Mittelmeer leben Überträger, die es bei uns so nicht gibt. Sie bringen Krankheiten mit, die man zusammenfassend Mittelmeerkrankheiten nennt.
Wichtig zur Einordnung: Leishmaniose und Ehrlichiose sind bei uns nicht heimisch. Dein Hund holt sie sich so gut wie nie auf der Gassirunde im Stadtpark, sondern auf Reisen. Oder er bringt sie als Auslandstierschutz-Hund mit. Deshalb greift hier auch ein anderer Schutz als der übliche Zeckenschutz.
Ganz ausschließen lässt sich eine Ansteckung vor Ort allerdings nicht: Deutschland liegt nördlich des Endemiegebiets, aber die Sandmücke Phlebotomus perniciosus wurde laut ESCCAP auch in einzelnen Gebieten Süddeutschlands und der Südschweiz gefunden. Wo genug infizierte Importhunde und geeignete Überträger zusammenkommen, kann es deshalb zeitlich begrenzt zu örtlicher Übertragung kommen. Die Regel bleibt aber der Import.
Die vier großen Mittelmeerkrankheiten und wer sie überträgt
Die europäische Parasitologie-Leitlinie ESCCAP GL5 bündelt die vektorübertragenen Erkrankungen. Für den Urlaubshund zählen vor allem diese vier:
- Leishmaniose: übertragen von Sandmücken der Gattung Phlebotomus. Keine Zecke! Das ist der häufigste Irrtum.
- Ehrlichiose: übertragen von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), deren Verbreitung die Verbreitung der Krankheit bestimmt.
- Babesiose: die sogenannte Hundemalaria, übertragen von Zecken; laut ESCCAP eine der am häufigsten nach Mitteleuropa importierten Erkrankungen. ⚠️ Anders als die drei anderen ist sie längst keine reine Reisekrankheit mehr: Ihr Überträger ist die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), und laut ESCCAP hat sich das Endemiegebiet von Babesia canis in Mitteleuropa in den letzten Jahren bis in die baltische Region ausgedehnt. Hunde stecken sich also auch hier an, mehr dazu im Ratgeber Babesiose beim Hund.
- Herzwurm (Dirofilaria immitis): übertragen von Stechmücken, laut ESCCAP in Südeuropa sowie in Slowenien, Rumänien und Bulgarien endemisch.
Vier Krankheiten, drei verschiedene Überträger: deshalb deckt ein einzelnes Präparat selten alles ab.
Leishmaniose: die wichtigste und die tückischste
Erreger ist der einzellige Parasit Leishmania infantum. Übertragen wird er von blutsaugenden Sandmücken, die vor allem nach Sonnenuntergang aktiv sind und tagsüber in Mauerritzen, Holzstapeln, Ställen oder dunklen Kellern ruhen. Ihre Aktivität ist an mindestens 15 °C gebunden; in den Endemiegebieten läuft die Saison in der Regel von April bis November. In manchen Gebieten kann es nötig sein, den Hund ganzjährig zu schützen. ESCCAP nennt beispielhaft Südspanien, Italien, Portugal und Griechenland und empfiehlt für wärmere Gebiete generell den ganzjährigen Einsatz von Repellents. ⚠️ Das ist eine Beispielliste, keine abschließende Aufzählung: Dass ein Reiseland dort nicht steht, ist keine Entwarnung. Was für dein Ziel gilt, klärst du in der Tierarztpraxis. In stark exponierten Hundepopulationen Südeuropas liegen die Infektionsraten laut ESCCAP bei bis zu 60 %.
Das Tückische ist die Zeit. Die Inkubationszeit reicht von drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Dein Hund kann also im dritten Sommer nach dem Urlaub erkranken, wenn niemand mehr an die Reise denkt. Außerdem zeigt nur ein kleiner Teil der infizierten Hunde überhaupt Symptome.
Typische Anzeichen, wenn sie auftreten:
- Hautveränderungen: haarlose Stellen, Schuppen, Knötchen, schlecht heilende Geschwüre, oft zuerst an Ohrmuscheln, Nase und Bauch, dort also, wo die Sandmücke sticht
- auffällig schnell wachsende, verformte Krallen
- Gewichtsverlust, Schwäche, Appetitlosigkeit, geschwollene Lymphknoten
- blasse Schleimhäute, Nasenbluten, Blut im Urin
- später Nierenprobleme mit vermehrtem Trinken und Harnabsatz
Und die unbequeme Wahrheit: Eine Behandlung führt in der Regel nicht zur vollständigen Ausheilung. Behandelte Hunde können Träger bleiben und Rückfälle bekommen. Mit guter tierärztlicher Betreuung leben sie oft lange gut, aber Vorbeugen ist hier ungleich wirksamer als Behandeln.
Und die Frage, die jeder Halter eines Auslandstierschutz-Hundes stellt: Kann ich mich anstecken? Die Leishmaniose ist eine Zoonose, und der Hund ist laut ESCCAP das wichtigste Erregerreservoir. Der normale Übertragungsweg ist aber die Sandmücke, nicht der Kontakt zum Hund: Dass der Besitz eines infizierten Hundes das Infektionsrisiko der Familie erhöht, ist laut Companion Animal Parasite Council nicht nachgewiesen. Eine Übertragung ohne Sandmücke, über Bisse oder Wunden, ist laut ESCCAP unter Hunden zwar vermutet worden, aber unbewiesen. Sprich es trotzdem an, wenn im Haushalt jemand immungeschwächt ist oder kleine Kinder mitleben, denn laut ESCCAP verläuft eine Leishmaniose beim Menschen ohne Behandlung in der Regel tödlich, und besonders betroffen sind Kinder und immungeschwächte Menschen.
Ehrlichiose, Babesiose und Herzwurm: die Reisebegleiter
Ehrlichiose wird durch das Bakterium Ehrlichia canis ausgelöst und von der Braunen Hundezecke übertragen. Nach einer Inkubationszeit von rund 8 bis 20 Tagen folgt eine akute Phase von etwa ein bis drei Wochen mit Fieber, Apathie, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und geschwollenen Lymphknoten. Typisch sind zudem Blutungsneigungen: Nasenbluten, punktförmige Einblutungen in die Haut, blasse Schleimhäute. Danach kann der Hund über Wochen bis Monate gesund wirken, obwohl die Infektion weiterläuft.
Babesiose befällt die roten Blutkörperchen. Nach ein bis drei Wochen Inkubation zeigen sich mittleres bis hohes Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Gelbsucht, Erbrechen und in manchen Fällen rötlich verfärbter Urin. Der Verlauf kann akut und schwer sein. Hier zählt jede Stunde.
Herzwurm wird von Stechmücken übertragen. Die Larven wandern in Herz und Lungengefäße und wachsen dort über Monate zu erwachsenen Würmern heran. Häufigstes Symptom ist Husten, dazu kommen verminderte Belastbarkeit und in schweren Fällen Herzprobleme. Vorbeugen lässt sich zuverlässig, aber nur mit verschreibungspflichtigen Wirkstoffen aus der Gruppe der makrozyklischen Laktone, nur nach Absprache mit dem Tierarzt.
Der Schutz beginnt vor der Abfahrt, nicht am Urlaubsort
1. Tierarzttermin einplanen. Vor der Reise. Welcher Vektorschutz passt, hängt von Reiseziel, Reisedauer und Jahreszeit ab. Diese Beratung braucht Vorlauf, denn die Präparate wirken nicht sofort.
2. Repellierender Vektorschutz ist die Hauptmaßnahme. Sandmückenstiche zu verhindern ist laut ESCCAP derzeit die aussichtsreichste Strategie, und zwar mit imprägnierten Halsbändern, Spot-ons und Sprays. Sprays wirken allerdings nur kurz. Untersucht sind vor allem synthetische Pyrethroide. Der Zeitfaktor ist entscheidend:
- Ein mit 4 % Deltamethrin imprägniertes Hundehalsband entfaltet seine abschreckende Wirkung gegen Sandmücken laut ESCCAP ab einer Woche nach dem Anlegen und hält dann über sechs Monate an.
- Permethrin-Spot-ons schützen Hunde laut ESCCAP innerhalb von rund 24 Stunden vor Sandmückenstichen und dann für bis zu drei bis vier Wochen.
Welches Präparat geeignet ist, entscheidet die Tierarztpraxis: nur nach Absprache mit dem Tierarzt.
Achtung, wenn auch eine Katze im Haushalt lebt: Permethrin ist für Katzen giftig. Hundepräparate gehören niemals an die Katze, auch nicht anteilig. Nach einer Behandlung des Hundes halte Hund und Katze 72 Stunden getrennt. So lange rät International Cat Care, nicht nur, bis die Auftragsstelle trocken ist. Schon wenn sich die Katze am Hund reibt oder auch nur auf demselben Möbelstück sitzt, kann Permethrin laut International Cat Care auf ihr Fell übergehen und eine Vergiftung auslösen. Für die Katze selbst gibt es laut ESCCAP derzeit kein Präparat, das Sandmückenstiche verhindert: Permethrin scheidet wegen seiner Giftigkeit aus, und Flumethrin-Halsbänder haben zwar eine repellierende Wirkung gegen Sandmücken, wären bei der Katze aber eine Off-Label-Anwendung.
3. Impfung mit der Praxis besprechen. In Deutschland ist ein Leishmaniose-Impfstoff für Hunde verfügbar. Er verhindert die Infektion nicht, bietet aber in der Regel einen wirksamen Schutz davor, dass daraus eine Erkrankung wird. Laut ESCCAP ist die Kombination aus repellierendem Vektorschutz und Impfung derzeit der beste Weg, die Krankheit zu kontrollieren. Geimpft werden dürfen nur gesunde, zuvor Leishmania-negativ getestete Hunde, die älter als sechs Monate sind, und der Schutz setzt erst vier Wochen nach der einmaligen Impfung ein. Die besteht aus einer einzelnen Injektion, danach ist laut ESCCAP eine jährliche Auffrischung nötig. Auch das ist also ein Grund, früh in die Praxis zu gehen, und die Impfung ersetzt den Vektorschutz ausdrücklich nicht.
4. Verhalten anpassen. Nimm deinen Hund in der Dämmerung und nachts mit ins Haus, meide abendliche Spaziergänge nahe Ställen und Mauern, und nutze engmaschige Insektennetze an Fenstern und Türen. ⚠️ Auf die Maschenweite kommt es an: ESCCAP nennt unter 0,4 mm². Ein normales Fliegengitter ist zu grob, Sandmücken kommen glatt hindurch. Zusätzlich helfen mit Pyrethroiden imprägnierte Moskitonetze über dem Schlafplatz.
5. Herzwurm-Prophylaxe und Zeckenschutz mitdenken. Die Herzwurm-Vorbeugung läuft über eigene Wirkstoffe und ein festes Zeitschema rund um die Reise. Und der klassische Zeckenschutz plus tägliches Absuchen bleibt gegen Ehrlichiose und Babesiose die zentrale Maßnahme.
Die Reisedokumente und Impfvorschriften sind ein eigenes Thema: siehe Tollwutimpfung und Reisen und die Urlaubs-Checkliste für Hunde.
Nach der Rückkehr: die Reise gehört in die Krankenakte
Erzähle deiner Tierarztpraxis von jedem Auslandsaufenthalt, auch Jahre später. Viele Mittelmeerkrankheiten sehen anfangs nach banalem Unwohlsein aus, und ohne die Reiseanamnese denkt niemand daran.
Warum Tests Geduld brauchen: Bei einer akuten Ehrlichiose brauchen Antikörper laut MSD Veterinary Manual mindestens eine Woche, und bei manchen Hunden dauert die Serokonversion bis zu vier Wochen. Ein sehr früher Test kann also negativ sein, obwohl der Hund infiziert ist. Deshalb wird bei begründetem Verdacht zwei bis vier Wochen später ein zweiter Test empfohlen. Beim Herzwurm sind Antigen und Mikrofilarien erst rund fünf bzw. sechseinhalb Monate nach der Infektion nachweisbar, weshalb frühestens sieben Monate nach dem letzten möglichen Kontakt getestet wird. Wann welcher Test sinnvoll ist, legt die Praxis anhand deines Reiseziels fest.
Wann du mit deinem Hund zum Tierarzt solltest
- Sofort: hohes Fieber, Gelbsucht, rötlich verfärbter Urin, starke Schwäche. Das kann eine akute Babesiose sein
- Nasenbluten, punktförmige Einblutungen in Haut oder Schleimhäuten, blasse Schleimhäute
- schlecht heilende Hautstellen, Geschwüre oder haarlose Bereiche an Ohren, Nase oder Bauch
- ungeklärter Gewichtsverlust, Mattigkeit, geschwollene Lymphknoten
- Husten oder nachlassende Ausdauer, auch Monate nach der Reise
- vermehrtes Trinken und Harnabsatz
- Und immer: Erwähne den Auslandsaufenthalt, egal wie lange er her ist
👉 Wenn dein Hund nach einem Urlaub im Süden Fieber, Hautveränderungen oder ungeklärten Gewichtsverlust zeigt, findest du mit Petla schnell eine Tierarztpraxis in deiner Nähe, die die Reiseanamnese ernst nimmt.
Häufige Fragen
Wird Leishmaniose von Zecken übertragen?
Nein. Leishmaniose wird von Sandmücken der Gattung Phlebotomus übertragen, die vor allem nach Sonnenuntergang stechen. Zeckenschutzmittel allein schützen deinen Hund also nicht vor Leishmaniose. Dafür braucht es Präparate mit abschreckender (repellierender) Wirkung gegen Sandmücken.
Wie lange nach der Reise kann Leishmaniose noch ausbrechen?
Die Inkubationszeit reicht laut ESCCAP von drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Deshalb solltest du jeden Auslandsaufenthalt in der Tierarztpraxis erwähnen, auch wenn er lange zurückliegt.
Ist Leishmaniose beim Hund heilbar?
Eine Behandlung führt in der Regel nicht zur vollständigen Ausheilung. Behandelte Hunde können Träger bleiben und Rückfälle entwickeln. Mit tierärztlicher Betreuung lässt sich die Erkrankung aber oft über lange Zeit gut kontrollieren, und genau deshalb ist konsequenter Vektorschutz auf Reisen so wichtig.
Muss ich meinen Hund nach dem Urlaub testen lassen?
Das besprichst du am besten mit deiner Tierarztpraxis, denn der richtige Zeitpunkt hängt vom Erreger ab. Ein Test unmittelbar nach der Rückkehr kann falsch negativ ausfallen: Antikörper gegen Ehrlichiose brauchen mindestens eine Woche und manchmal bis zu vier Wochen, Herzwürmer sind erst nach mehreren Monaten nachweisbar.
Reicht ein normales Zeckenhalsband für den Urlaub am Mittelmeer?
Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob das Präparat auch gegen Sandmücken repellierend wirkt und wann es zu wirken beginnt. Ein Halsband braucht rund eine Woche Vorlauf. Lass dich vor der Reise beraten, auch dazu, ob zusätzlich eine Leishmaniose-Impfung sinnvoll ist.
Fazit: Vorbereitung schlägt Behandlung
- Mittelmeerkrankheiten sind Reisekrankheiten: Leishmaniose und Ehrlichiose sind bei uns nicht heimisch
- Leishmaniose kommt von der Sandmücke, nicht von der Zecke. Das verändert die Schutzstrategie
- Repellierender Vektorschutz plus ein Tierarzttermin vor der Abreise wirken am besten. Laut ESCCAP ist die Kombination aus Vektorschutz und Leishmaniose-Impfung derzeit der beste Weg, und Halsbänder, Spot-ons und Impfung brauchen alle Vorlauf
- In der Dämmerung und nachts gehört der Hund ins Haus: dann sind die Sandmücken unterwegs
- Symptome können Monate bis Jahre später auftreten: Erwähne die Reise bei jedem Tierarztbesuch
Quellen
- GL5: Control of Vector-Borne Diseases in Dogs and Cats (5th Edition, December 2024) · ESCCAP
- Möglichkeiten und Grenzen der Leishmaniose-Impfung · ESCCAP Deutschland
- Leishmaniasis · Companion Animal Parasite Council
- Leishmaniosis in Dogs · MSD Veterinary Manual
- Ehrlichiosis in Dogs · MSD Veterinary Manual
- Heartworm Disease in Dogs, Cats, and Ferrets · MSD Veterinary Manual
- Permethrin Poisoning · International Cat Care
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