Mein Hund badet im See: wann es gefährlich wird und was du danach tun solltest
HundSommer

Mein Hund badet im See: wann es gefährlich wird und was du danach tun solltest

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Viele Hunde lieben das Wasser. Und im Sommer gibt es kaum etwas Schöneres als gemeinsam am See. Doch stehende und fließende Gewässer bergen versteckte Gefahren: von Leptospirose über Wasserintoxikation bis zum Schwimmohr. Dieser Ratgeber zeigt dir, worauf du beim Badespaß achten solltest und was nach dem Baden wirklich wichtig ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht jeder Hund ist ein geborener Schwimmer: Kurzschnauzige Rassen, Dackel und Welpen brauchen Schwimmweste und direkte Aufsicht
  • Leptospirose ist eine ernste bakterielle Erkrankung, die Hunde beim Kontakt mit stehenden oder langsam fließenden Gewässern aufnehmen können und ebenso über Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen, wenn sie nur durch schlammiges Ufer laufen
  • Wasserintoxikation entsteht, wenn Hunde beim Schwimmen oder Apportieren zu viel Wasser schlucken, Zeichen: Bauchblähung, Torkeln, Krampfanfälle
  • Feuchte Ohren sind ein idealer Nährboden für Bakterien und Hefepilze. Ohren nach jedem Bad gründlich trocknen
  • Blaualgen sind für Hunde lebensgefährlich und es gibt kein Gegenmittel: Schon geschlucktes Wasser oder abgelecktes Fell reicht als Aufnahmeweg, eine Blüte ist nicht zuverlässig zu sehen, und schon der Verdacht auf Kontakt ist ein Notfall, auch ohne Symptome
  • Nach dem Baden: Hund mit Frischwasser abspülen, Ohren trocknen und auf Blutegel zwischen den Zehen und um die Ohren prüfen

Sommerliche Seen, ruhige Flüsse, kühle Teiche. Für viele Hunde ist das Planschen im Wasser der reinste Sommer-Spaß. Und der Anblick eines glücklich schwimmenden Hundes macht auch dem Menschen Freude. Doch natürliche Gewässer sind nicht nur Erfrischung: Stehende Seen, schlammige Tümpel und reißende Flüsse bergen Risiken, über die die meisten Hundehalter wenig wissen. Damit der Badespaß wirklich unbeschwert bleibt, zeige ich dir die wichtigsten Gefahren und was du tun solltest, bevor und nachdem dein Hund sich das nächste Mal ins Wasser stürzt.


Nicht jeder Hund ist ein geborener Schwimmer

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum: Nicht jeder Hund kann automatisch schwimmen. Zwar macht fast jeder Hund instinktiv eine Paddelgeste im Wasser, aber manche Rassen sind anatomisch schlecht dafür geeignet:

  • Kurzschnauzige (brachyzephale) Rassen wie Mops, Französische Bulldogge, Boxer oder Englische Bulldogge kämpfen im Wasser mit der Atmung und ermüden sehr schnell
  • Kurzbeinige Rassen wie Dackel oder Basset Hound haben Mühe, ihren Körper über Wasser zu halten
  • Welpen und sehr alte Hunde ermüden rasch und können plötzlich untergehen

Für diese Hunde ist eine Schwimmweste kein Luxus, sondern eine echte Lebensversicherung. Lass deinen Hund außerdem nie unbeaufsichtigt am oder im Wasser: Auch erfahrene Schwimmer können in Schwierigkeiten geraten, etwa wenn eine Strömung sie überrascht oder ein geeigneter Ausstieg aus dem Wasser fehlt.


Leptospirose, die unsichtbare Gefahr im See

Leptospirose ist eine bakterielle Erkrankung, die Hunde beim Schwimmen in oder Trinken aus kontaminierten Gewässern aufnehmen können und ebenso über die Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen, wenn sie nur durch kontaminierten Schlamm oder feuchte Erde am Ufer laufen. Die Erreger, Leptospiren, gelangen über den Urin von Wildtieren wie Ratten, Mäusen, Rehen oder Füchsen ins Wasser und in den Boden. Besonders stehende und langsam fließende Gewässer wie Teiche, Tümpel und flache Seen sind betroffen, weil die Erreger in warmem, stehendem Wasser und in feuchtem Boden lange überleben und sich unter feuchten Bedingungen sogar vermehren.

Die Erkrankung beginnt oft unspezifisch: Dein Hund wirkt müde, frisst weniger oder zeigt Fieber und Muskelschmerzen. Im weiteren Verlauf können schwere Nieren- und Leberschäden auftreten; in schweren Fällen verläuft die Erkrankung tödlich. Wichtig zu wissen: Leptospirose ist auf den Menschen übertragbar (Zoonose), also auch für dich als Besitzerin oder Besitzer ein Risiko. Ist dein Hund erkrankt oder könnte er es sein, gilt deshalb strikte Hygiene: Trage beim Reinigen von Urin Handschuhe, sodass du keinen direkten Hautkontakt hast, desinfiziere benässte Stellen und wasch dir nach dem Umgang mit deinem Hund gründlich die Hände, und zwar mindestens so lange, bis die Antibiotikabehandlung abgeschlossen ist. Ein infizierter oder gerade genesener Hund kann den Erreger noch über Monate mit dem Urin ausscheiden. Fühlst du dich in so einem Fall selbst krank, sag deinem Hausarzt, dass dein Hund Leptospirose hat oder haben könnte.

Sprich unbedingt mit deinem Tierarzt über die Leptospirose-Impfung für deinen Hund: Die VCA empfiehlt sie als Routineimpfung für alle Hunde, und in Deutschland zählt sie zu den Core-Impfungen für jeden Hund: Besonders wichtig ist sie, wenn dein Hund regelmäßig in natürlichen Gewässern schwimmt oder ihr in Regionen mit hohem Wildtieraufkommen lebt. Sie schützt allerdings vor allem gegen die im Impfstoff enthaltenen Serogruppen, denn die Immunantwort ist weitgehend serogruppenspezifisch. Ein geimpfter Hund kann deshalb trotzdem erkranken: Die Impfstoffe decken je nach Präparat nur zwei bis vier Serovare ab, und die Leptospirose wird derzeit vorwiegend durch andere Serovare verursacht. Deine Tierärztin wählt aus diesem Grund einen Impfstoff, der möglichst viele Serovare abdeckt. Und der Schutz hält nicht dauerhaft: Nach der Grundimmunisierung muss die Impfung jährlich aufgefrischt werden, um den Schutz zu erhalten. Auch bei einem geimpften Hund gehören hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen oder eine Gelbfärbung deshalb in die Praxis. Mehr dazu liest du im Ratgeber zur Leptospirose beim Hund.


Wasserintoxikation: wenn zu viel Wasser krank macht

Ein Risiko, das kaum jemand kennt: Wasserintoxikation, medizinisch Hyponatriämie. Sie entsteht, wenn Hunde beim Schwimmen oder Apportieren so viel Wasser schlucken, dass der Natriumspiegel im Blut gefährlich absinkt. Das passiert schneller als man denkt, besonders bei aufgeregten Hunden, die immer wieder einem Ball oder Stock ins Wasser nachjagen und dabei große Mengen Wasser mit dem Maul aufnehmen.

Der gesunkene Natriumspiegel lässt Wasser in die Körperzellen einströmen, was zu einer Schwellung des Gehirns führen kann. Die Zeichen entwickeln sich oft innerhalb von Minuten bis Stunden:

  • Aufgeblähter oder harter Bauch
  • Starke Lethargie und Schwäche
  • Torkeln oder Koordinationsprobleme
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Krämpfe oder Bewusstseinsverlust in schweren Fällen

Wasserintoxikation ist selten, aber kann ohne sofortige tierärztliche Behandlung tödlich verlaufen. Baue beim Wasserspiel daher regelmäßige Pausen ein und vermeide langes, ununterbrochenes Apportieren aus dem Wasser.


Schwimmohr, der häufigste Sommerschaden am Ohr

Wasser, das nach dem Schwimmen im Ohr verbleibt, schafft ein warmes, feuchtes Milieu, der ideale Nährboden für Bakterien und Hefepilze. Das Ergebnis ist eine Außenohrentzündung, im Volksmund auch Schwimmohr genannt. Hunde mit hängenden, dichten Ohren wie Labrador, Cockerspaniel oder Beagle sind besonders betroffen, weil ihre Ohrmuscheln die Belüftung des Gehörgangs erschweren.

Erkennst du nach dem Schwimmen, dass dein Hund am Ohr kratzt, den Kopf schüttelt, das Ohr nach unten hält oder ein unangenehmer Geruch aus dem Ohr kommt, solltest du zeitnah einen Tierarzt aufsuchen. Unbehandelt kann eine Ohrentzündung zu einem Blutohr führen: Blutgefäße in der Ohrmuschel platzen, es entsteht eine schmerzhafte Schwellung, die operiert werden muss. Tiefe Ohrentzündungen können außerdem das Trommelfell schädigen oder zerreißen und bis zu dauerhaftem Hörverlust führen. Mehr zu Symptomen und Behandlung findest du in unserem Ratgeber zu Ohrentzündungen beim Hund.

Die einfachste Vorbeugung: Trockne die Ohren deines Hundes nach jedem Bad sorgfältig mit einem weichen Tuch, auch in die äußeren Ohrfalten. Spezielle Ohrtrocknungslösungen für Hunde können bei wiederkehrenden Problemen helfen. Nutze sie nur nach Absprache mit deinem Tierarzt.


Blaualgen, stille Todesgefahr in stehenden Gewässern

Besonders in heißen Sommermonaten bilden sich in stehenden, nährstoffreichen Gewässern Cyanobakterienblüten, bekannt als Blaualgen. Und nicht nur in Seen und Teichen: Cyanobakterien mögen warmes, stehendes Wasser jeder Art: Ein Eimer im Garten, eine Vogeltränke oder eine Viehtränke bergen für deinen Hund dasselbe Risiko wie ein Teich oder ein See. Ihr Gift wirkt extrem schnell und kann für Hunde tödlich enden, auch dann, wenn der Hund nur kurz am Ufer entlanggelaufen ist und sich danach das Fell leckt. Manche Cyanobakterien bilden Gifte, die eine rasante, massive Zerstörung der Leber auslösen; andere bilden Nervengifte, nach denen Hunde binnen Minuten zusammenbrechen. Ein Gegenmittel gibt es nicht.

Erkennst du grünlich-bläuliche, bräunliche oder rotbraune Verfärbungen, einen öligen Schimmer, Schaum, Schlieren oder gallertige Matten im Wasser, geh nicht ins Wasser und halte deinen Hund vom Ufer fern. Verlass dich aber nicht darauf, dass man eine Blüte sieht: Das Aussehen einer Blüte ist kein Test. Giftige und ungiftige Cyanobakterien sehen gleich aus, eine Blüte kann auch fast leuchtend grünlich im Wasserkörper selbst stehen statt obenauf. Und umgekehrt ist eine dicke grüne Masse auf dem Wasser oft gar keine Blaualge. Auch klar wirkendes Wasser kann tödliche Mengen an Cyanotoxinen enthalten. Klarheit ist also kein Sicherheitskriterium. Fließende Bäche und Flüsse sind zwar deutlich weniger gefährdet als stehende Seen, Teiche und Altwässer; im Zweifel gilt trotzdem: Hund draußen halten, kein Risiko eingehen.

Und wenn dein Hund doch in einem verdächtigen Gewässer war: Schon der Verdacht auf Kontakt ist ein Notfall, auch wenn dein Hund noch keine Symptome zeigt. Hol ihn sofort aus dem Wasser, spüle Fell und Pfoten gründlich mit klarem Wasser ab, bevor er sich ablecken kann, ruf in der nächsten Tierarztpraxis oder beim Notdienst an und fahre direkt hin. Warte nicht zu Hause auf Symptome: Die Zeichen können sich rasch oder erst über mehrere Stunden entwickeln, und je früher die Behandlung beginnt, desto besser stehen die Chancen. Ausführliche Informationen zu Symptomen und Erste-Hilfe-Maßnahmen findest du in unserem Artikel zu Blaualgen-Vergiftung beim Hund.


Fließgewässer: Gefährlicher als sie aussehen

Flüsse und Bäche wirken oft harmloser als sie sind. Strömungen können einen Hund schnell von der Einstiegsstelle wegtreiben. Und an steilen Ufern oder in dicht bewachsenem Unterholz ist Aussteigen kaum möglich. Nach starken Regenfällen steigen Pegelstände rasant und machen ehemals ruhige Stellen zur Falle.

Lass deinen Hund in fließenden Gewässern nie außerhalb deiner Sichtlinie schwimmen. Eine griffbereite Leine kann im Ernstfall Leben retten. Und wirf keinen Ball in starke Strömungen: Der Jagdinstinkt übertrumpft bei vielen Hunden jedes Gefahrengefühl.


Was du nach dem Baden tun solltest

Eine kurze Routine nach dem Schwimmen reicht aus, um die meisten Risiken deutlich zu senken:

  • Mit Frischwasser abspülen: entfernt Bakterien, Algen, Chemikalien (bei Chlorbecken) und Schlamm aus dem Fell. Bei Verdacht auf Blaualgen ist das Abspülen nur der erste von drei Schritten: abspülen, in der Praxis oder beim Notdienst anrufen, sofort hinfahren
  • Ohren trocknen: sanft mit einem weichen Tuch abtrocknen, auch in die Ohrfalten hinein
  • Auf Blutegel prüfen: besonders zwischen den Zehen, um die Ohren, an der Halsunterseite und unter dem Bauch
  • Pfoten kontrollieren: auf Schnittwunden durch Scherben oder scharfe Steine am Gewässerboden

Wann musst du sofort zum Tierarzt?

Nicht jeder Notfall kündigt sich mit Symptomen an. War dein Hund in einem Gewässer, in dem Blaualgen sein könnten, ist schon der Verdacht ein Notfall, auch wenn er völlig unauffällig wirkt. Spül Fell und Pfoten sofort mit klarem Wasser ab, ruf in der Praxis oder beim Notdienst an und fahr direkt hin.

Ruf außerdem sofort beim Tierarzt an, wenn dein Hund nach dem Schwimmen:

  • Torkelt, zittert oder Krämpfe bekommt (mögliche Wasserintoxikation oder Vergiftung)
  • Einen aufgeblähten Bauch hat oder erbrechen muss
  • Plötzlich sehr matt, schwach oder kaum ansprechbar wirkt
  • Fieber, Muskelschmerzen, Gelbsucht oder Veränderungen beim Urinieren zeigt: Diese Zeichen können auch erst Tage nach dem Kontakt mit kontaminiertem Wasser auftreten und auf Leptospirose hindeuten
  • Am Ohr kratzt oder schüttelt, einen Geruch aus dem Ohr hat oder das Ohr gerötet und geschwollen ist

👉 Wirkt dein Hund nach dem Baden im See auffällig oder krank, findest du über Petla in wenigen Klicks eine Tierarztpraxis in deiner Nähe.


Fazit

Schwimmen ist für die meisten Hunde Freude pur. Und mit dem richtigen Wissen kannst du diesen Spaß sorglos mit deinem Tier genießen. Kenne die Gewässer, zu denen ihr geht, halte deinen Hund von stehenden Gewässern fern, sobald eine Blaualgenwarnung gilt oder das Wasser auffällig wirkt (und verlass dich dabei nicht darauf, dass man eine Blüte sieht), baue Pausen beim Wasserspiel ein und trockne nach dem Bad konsequent die Ohren. Zeigt dein Hund nach dem Schwimmen ungewöhnliche Symptome, warte nicht ab: Ein Tierarztbesuch ist im Zweifel immer die richtige Entscheidung. Und bei Blaualgen wartest du gar nicht erst auf Symptome: Schon der Verdacht auf Kontakt ist ein Notfall.

Quellen

Finde den richtigen Tierarzt

Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.

Tierarzt finden

Alles für dein Tier - in einer App

Termine, Impfpass, Erinnerungen und alle deine Tiere in einem Profil - verbunden mit deiner Tierarztpraxis. Kostenlos für iOS und Android.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play
So funktioniert die App

Ähnliche Artikel