
Was kostet ein Tierarzt-Hausbesuch? Gebühren, Wegegeld & GOT erklärt

Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland
Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Hausbesuchsgebühr nach GOT beträgt mindestens 34,50 € netto – das ist der einfache Satz, im Tagesbetrieb darf bis zum dreifachen abgerechnet werden
- Dazu kommt Wegegeld: 3,50 € pro Doppelkilometer, mindestens 13 €
- Besuche im Notdienst – nachts, am Wochenende und an Feiertagen – kosten deutlich mehr
- Im Nahbereich liegen die Gesamtkosten häufig zwischen 76 und 122 € netto (zzgl. USt.)
- Planung, kurze Anfahrt und das Bündeln mehrerer Tiere senken die Kosten spürbar
Ein Tierarzt, der direkt zu dir nach Hause kommt – für viele Tierhalter:innen klingt das fast nach einem Luxusservice. Dabei ist der Hausbesuch für Angstpatienten, Seniortiere oder Tiere, die den Transport schlecht vertragen, oft schlicht die vernünftigere Wahl. Doch bevor du einen Termin buchst, stellst du dir vermutlich eine ganz praktische Frage: Was kostet das eigentlich?
Die gute Nachricht: Die Antwort ist nicht willkürlich. In Deutschland legt die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) bundeseinheitlich fest, was Tierärzt:innen berechnen dürfen – und müssen. Seit der umfassenden GOT-Überarbeitung 2022 sind die Sätze aktualisiert und transparent nachvollziehbar. Wie sich die Rechnung zusammensetzt, welche Kosten realistisch sind und wie du unnötige Ausgaben vermeidest, erfährst du hier.
Die GOT: Warum Tierarztpreise gesetzlich geregelt sind
Anders als beim Klempner oder Friseur kannst du Tierarztkosten nicht verhandeln. Die GOT schreibt vor, dass Tierärzt:innen mindestens den einfachen Satz (1-facher Satz) berechnen müssen – darunter darf nur gehen, wer das im begründeten Einzelfall vor der Behandlung mit dir in Textform vereinbart (§ 1 Abs. 2 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 GOT). Nach oben gilt im normalen Tagesbetrieb der dreifache Satz; auch darüber hinaus ist eine Abrechnung nur mit einer solchen Vereinbarung möglich, die vor der Behandlung getroffen sein muss.
Welcher Multiplikator konkret gilt, liegt im pflichtgemäßen Ermessen der Tierärzt:innen und hängt ab von:
- der Schwierigkeit der Leistung
- dem Zeitaufwand
- dem Zeitpunkt, zu dem die Leistung erbracht wird
- dem Wert des Tieres
- den örtlichen Verhältnissen (Anfahrtsweg, Ausstattung)
Für einen Routine-Hausbesuch mit unkomplizierter Untersuchung wird in der Regel der einfache Satz angewendet. Das macht die folgenden Zahlen zu einer soliden Orientierung.
Die Hausbesuchsgebühr
Sobald ein Tierarzt oder eine Tierärztin zu dir fährt, fällt eine Hausbesuchsgebühr an – zusätzlich zur eigentlichen Behandlung. Nach der GOT 2022 beträgt sie im einfachen Satz:
34,50 € netto
Diese Gebühr deckt den Besuch selbst – das Kommen und die grundlegende Anwesenheit des Tierarztes oder der Tierärztin in deiner Wohnung. Die Untersuchung, Behandlung oder Impfung kommt separat obendrauf.
Wichtig für Mehrtierhalter:innen: Die Hausbesuchsgebühr honoriert den Besuch, nicht das einzelne Tier. Werden drei Katzen desselben Halters an einem Termin untersucht, wird sie üblicherweise nur einmal berechnet. Bei mehreren Tierhalter:innen an derselben Adresse kann dagegen je Halter:in abgerechnet werden – für das Wegegeld schreibt § 10 Abs. 2 GOT in diesem Fall ausdrücklich eine anteilige Berechnung vor. Die GOT selbst regelt für die Hausbesuchsgebühr nur den Betrag; die Zuordnung je Halter:in ist gängige Abrechnungspraxis.
Das Wegegeld: So berechnet sich die Anfahrt
Zusätzlich zur Hausbesuchsgebühr fällt das Wegegeld an – die Kilometerpauschale für die Anfahrt. Die GOT legt dafür fest:
- 3,50 € pro Doppelkilometer (netto)
- Mindestens 13 € (netto), auch bei sehr kurzen Strecken
Ein Doppelkilometer entspricht dem Hin- und Rückweg zusammen. Das heißt: Für eine Entfernung von 5 km rechnet man 5 Doppelkilometer.
Zwei Beispielrechnungen (Hausbesuchsgebühr und Wegegeld, vor Behandlung, netto)
Beispiel 1: Stadtgebiet, kurze Entfernung (5 km)
- Wegegeld: 5 × 3,50 € = 17,50 €
- Hausbesuchsgebühr: 34,50 €
- Zwischensumme vor Behandlung: 52,00 € netto
Beispiel 2: Stadtrand oder ländliche Lage (15 km)
- Wegegeld: 15 × 3,50 € = 52,50 €
- Hausbesuchsgebühr: 34,50 €
- Zwischensumme vor Behandlung: 87,00 € netto
Dazu kommt die eigentliche Untersuchung. In der Regel fällig ist dafür die Allgemeine Untersuchung mit Beratung nach Nr. 16 des GOT-Gebührenverzeichnisses, die für Hund, Katze und Frettchen gilt: 23,62 € netto im einfachen Satz. Für Heimsäugetiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen sind es nach Nr. 17 15,39 € netto. Kommt eine Routinebehandlung dazu – etwa eine Spritze nach Nr. 221 mit 11,50 € netto –, liegt dieser Posten bei rund 24 bis 35 € netto, das Medikament selbst noch nicht eingerechnet. Damit ergeben die beiden Beispiele oben die Bandbreite: 52,00 € + 24 € = 76 € im günstigsten, 87,00 € + 35 € = 122 € im teureren Fall. Realistisch liegen die Gesamtkosten für einen unkomplizierten Tagesbesuch im Nahbereich also zwischen 76 und 122 € netto – auf der Rechnung kommt zu allen genannten Beträgen noch die Umsatzsteuer dazu.
Hausbesuch vs. Praxisbesuch: Was ist günstiger?
Das lässt sich pauschal nicht sagen – es hängt vor allem vom Anfahrtsweg ab. Wer einen mobilen Tierarzt in unmittelbarer Nähe bucht, zahlt oft kaum mehr als für einen Praxisbesuch. Wer weit draußen wohnt oder keinen Anbieter in der Nähe hat, trägt höhere Wegekosten.
Was viele unterschätzen: Die Kosten eines Praxisbesuchs sind nicht nur die Tierarztrechnung. Dazu kommen Transportbox, Fahrzeit und Parkgebühren – und bei ängstlichen oder mobilitätseingeschränkten Tieren oft auch verfälschte Messwerte durch Aufregung, die eine Zweitmessung oder Folgebehandlung nötig machen. Ein Hausbesuch kann in solchen Fällen also nicht nur komfortabler, sondern medizinisch präziser sein.
Wann wird es deutlich teurer? Notdienste und Wochenenden
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf Uhrzeit und Anlass deines Termins:
- Notdienstgebühr: 50 € netto pro Angelegenheit (§ 4 GOT) – auch wenn mehrere Tiere desselben Halters versorgt werden, fällt sie nur einmal an
- Zeitfenster nach GOT: Nacht (18 bis 8 Uhr), Wochenende (freitags 18 Uhr bis montags 8 Uhr) und gesetzliche Feiertage (§ 2 Abs. 2 GOT)
- Gebührensatz im Notdienst: Mindestens der zweifache, maximal der vierfache GOT-Satz
- Entscheidend ist der Notdienst, nicht die Uhrzeit: Der erhöhte Rahmen und die Notdienstgebühr gelten nur für Leistungen, die in diesen Zeiten im Rahmen eines tierärztlichen Notdienstes erbracht werden (§ 4 Abs. 1 GOT). Ein regulärer Sprechstundentermin am Samstagvormittag fällt nicht darunter und bleibt im normalen Rahmen des einfachen bis dreifachen Satzes.
Ein Hausbesuch im Notdienst am Samstagabend kann damit schnell 200 € oder mehr kosten – selbst wenn der Befund harmlos ist. Wenn dein Tier also stabil ist und kein akuter Notfall vorliegt, ist ein Werktagstermin deutlich günstiger.
Wie kann ich Kosten sparen?
Der günstigste Hausbesuch ist der gut geplante. Ein paar praktische Hinweise:
- Werktags tagsüber buchen: Wer flexibel ist, spart die Notdienstgebühr und erhält den einfachen GOT-Satz.
- Mehrere Tiere gleichzeitig behandeln lassen: Die Hausbesuchsgebühr wird für den Besuch berechnet, üblicherweise also nur einmal je Tierhalter:in – nutze den Besuch für alle Tiere, die einen Check brauchen.
- Anbieter in der Nähe wählen: Je kürzer die Anfahrt, desto weniger Wegegeld. Plattformen wie Petla zeigen dir mobile Tierärzt:innen sortiert nach Entfernung.
- Termin mit Nachbar:innen bündeln: Werden auf einer Fahrt mehrere Tierhalter:innen besucht, wird das Wegegeld nach § 10 GOT anteilig berechnet – die Anfahrt teilt sich also.
- Regelmäßige Vorsorge statt Notfall: Wer chronisch kranke Tiere regelmäßig kontrollieren lässt, vermeidet teure Notfalleinsätze.
- Fragen nach dem Gebührensatz: Bei einer Routineuntersuchung ohne Komplikationen kannst du nachfragen, ob der einfache Satz berechnet wird.
Auf Petla findest du mobile Tierärzt:innen in deiner Nähe und siehst auf einen Blick, wer in deinem Gebiet Hausbesuche anbietet.
Fazit
Ein Tierarzt-Hausbesuch ist transparent bepreist und oft günstiger, als viele erwarten – vorausgesetzt, du buchst zu regulären Zeiten und mit einem Anbieter in deiner Nähe. Die GOT sorgt dafür, dass die Preisgestaltung bundesweit einheitlich ist. Was du für den Besuch selbst – vor jeder Behandlung – einkalkulieren solltest:
- Hausbesuchsgebühr: 34,50 € netto (einfacher Satz)
- Wegegeld: 3,50 € pro Doppelkilometer, mindestens 13 €
- Behandlungskosten: je nach Diagnose und Aufwand individuell
Für einen unkomplizierten Tagesbesuch im Nahbereich liegen die Gesamtkosten typischerweise zwischen 76 und 122 € netto; auf der Rechnung kommt dazu noch die Umsatzsteuer. Deutlich teurer wird es, wenn der Besuch im Notdienst stattfindet – nachts, am Wochenende oder an Feiertagen; dann kommen Notdienstgebühr und erhöhte Multiplikatoren hinzu.
Häufige Fragen
Was kostet ein Tierarzt-Hausbesuch?
Für den Besuch selbst – vor jeder Behandlung – fallen die Hausbesuchsgebühr von 34,50 € netto (einfacher Satz) und das Wegegeld an. Für einen unkomplizierten Tagesbesuch im Nahbereich liegen die Gesamtkosten typischerweise zwischen 76 und 122 € netto, zu denen auf der Rechnung noch die Umsatzsteuer kommt. Die genaue Höhe richtet sich nach der GOT und hängt unter anderem von der Anfahrt ab.
Wie berechnet sich das Wegegeld?
Das Wegegeld beträgt nach GOT 3,50 € pro Doppelkilometer (netto), mindestens jedoch 13 € auch bei sehr kurzen Strecken. Ein Doppelkilometer entspricht Hin- und Rückweg zusammen – für eine Entfernung von 5 km rechnet man also 5 Doppelkilometer.
Warum sind Tierarztpreise in Deutschland geregelt?
In Deutschland legt die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) bundeseinheitlich fest, was berechnet werden darf und muss. Tierärzt:innen müssen mindestens den einfachen Satz berechnen; im normalen Tagesbetrieb gilt der dreifache Satz als Obergrenze. Nach unten wie nach oben darf davon nur abgewichen werden, wenn es im begründeten Einzelfall vor der Behandlung in Textform vereinbart wird (§ 5 Abs. 1 GOT). Verhandeln wie beim Klempner oder Friseur ist daher nicht möglich.
Warum ist ein Hausbesuch im Notdienst so viel teurer?
Für Leistungen, die bei Nacht (18 bis 8 Uhr), am Wochenende (freitags 18 Uhr bis montags 8 Uhr) oder an einem gesetzlichen Feiertag im Rahmen eines tierärztlichen Notdienstes erbracht werden, gilt mindestens der zweifache und maximal der vierfache GOT-Satz, dazu kommt nach § 4 GOT eine Notdienstgebühr von 50 € netto. Ein regulärer Sprechstundentermin in diesen Zeiten fällt nicht darunter. Die Notdienstgebühr darf in derselben Angelegenheit nur einmal erhoben werden, auch wenn mehrere Tiere desselben Halters versorgt werden. Ein Hausbesuch im Notdienst am Samstagabend kann damit schnell 200 € oder mehr kosten. Wenn dein Tier stabil ist, ist ein Werktagstermin deutlich günstiger.
Quellen
- GOT § 2 — Gebührenhöhe (Einfaches bis Dreifaches des Gebührensatzes) — Fassung v. 15.08.2022, zuletzt geänd. 15.03.2023 · Bundesministerium der Justiz — gesetze-im-internet.de
- GOT § 4 — Gebühren für tierärztlichen Notdienst — Fassung v. 15.08.2022, zuletzt geänd. 15.03.2023 · Bundesministerium der Justiz — gesetze-im-internet.de
- GOT § 10 — Wegegeld, Reiseentschädigung — Fassung v. 15.08.2022, zuletzt geänd. 15.03.2023 · Bundesministerium der Justiz — gesetze-im-internet.de
- Gebührenverzeichnis zur GOT (Anlage zu den §§ 1 und 2) — Nr. 16 (Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund/Katze/Frettchen) und Nr. 40 (Hausbesuch) — Fassung v. 15.08.2022, zuletzt geänd. 15.03.2023 · Bundesministerium der Justiz — gesetze-im-internet.de
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