
Vergiftung bei Hund und Katze — Symptome erkennen und richtig handeln

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Vergiftung ist bei Hund und Katze immer ein Notfall — je schneller du handelst, desto besser stehen die Chancen
- Typische Anzeichen sind Erbrechen, starkes Speicheln, Zittern oder Krämpfe, Taumeln, Apathie, blasse Schleimhäute, Atemnot und Verätzungen an Maul und Haut
- Löse niemals selbst Erbrechen aus — laut MSD Veterinary Manual ist das ausdrücklich verboten bei ätzenden Stoffen und Erdöldestillaten wie Benzin oder Lampenöl sowie bei jedem Tier, das benommen, bewusstlos oder krampfend ist
- Gib keine Hausmittel: Salzwasser ist selbst ein Gift, Milch kein Gegenmittel, und ob Aktivkohle hilft, hängt vom Gift ab — das entscheidet die Praxis
- Häufige Gifte sind Schokolade, Zwiebeln und Knoblauch, Rattengift, Frostschutzmittel und Schneckenkorn; Xylit sowie Trauben und Rosinen gefährden den Hund, Lilien sind vor allem für Katzen lebensgefährlich — Maiglöckchen und Ruhmeskrone aber auch für Hunde
- Lies das Etikett auf Erste-Hilfe-Hinweise, sichere Verpackung, Reste oder ein Foto des Gifts und nimm alles mit in die Praxis
- Einen eigenen tierärztlichen Giftnotruf wie in den USA gibt es in Deutschland nicht; die regionalen Giftinformationszentren beraten laut Bundesinstitut für Risikobewertung rund um die Uhr auch zu Tieren — behandeln kann nur die Tierarztpraxis
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Diese Einschätzung ist keine Diagnose und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Sie hilft nur, die Dringlichkeit einzuordnen. Im Zweifel wende dich immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Stand: 2026-07-15.
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Ein unbeaufsichtigter Moment in der Küche, ein Schnüffeln am Wegrand, ein herumliegender Köder — und plötzlich hat dein Tier etwas Giftiges aufgenommen. Eine Vergiftung ist bei Hund und Katze immer ein Notfall. Anders als bei vielen anderen Beschwerden gibt es hier keine abwartende Beobachtungsphase: Wie gut die Chancen stehen, hängt oft davon ab, wie schnell und wie richtig du in den ersten Minuten handelst. In diesem Ratgeber erfährst du, woran du eine Vergiftung erkennst, welche Stoffe im und ums Haus besonders gefährlich sind und was du sofort tun solltest. Vor allem aber: was du auf keinen Fall tun darfst.
Woran erkenne ich eine Vergiftung?
Die Symptome einer Vergiftung sind sehr unterschiedlich — je nachdem, welches Gift aufgenommen wurde, wie viel und wie lange die Aufnahme zurückliegt. Manche Zeichen treten innerhalb von Minuten auf, andere erst nach Stunden oder sogar Tagen. Achte besonders auf diese Warnsignale:
- Erbrechen und Durchfall, teilweise blutig
- Starkes, übermäßiges Speicheln oder Schaum vor dem Maul
- Zittern, Muskelzucken oder Krämpfe
- Taumeln, Schwäche oder ein unsicherer, wackeliger Gang
- Apathie und Teilnahmslosigkeit oder umgekehrt plötzliche Unruhe
- Blasse oder bläuliche Schleimhäute an Zahnfleisch und Lefzen
- Schwere, beschleunigte Atmung oder Atemnot
- Zusammenbruch oder Kollaps
- Gerötete, wunde oder verätzte Stellen an Maul, Lefzen und Haut
Diese Liste deckt sich mit dem, was die VCA für Vergiftungen beim Hund aufführt: übermäßiges Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Krampfanfälle, Kollaps und Hautschäden durch ätzende Substanzen. Blasse bis weiße Schleimhäute an Zahnfleisch, Lefzen und unter den Lidern sind dort zugleich ein Zeichen für einen Schock — zusammen mit schneller, geräuschvoller Atmung, schwachem Puls, ausgeprägter Teilnahmslosigkeit und kalten Pfoten und Ohren. ⛔ Beim Herzschlag unterscheiden sich Hund und Katze, und das ist der gefährlichste Punkt dieser Liste: Das MSD Veterinary Manual beschreibt den Hund im Schock mit blassen Schleimhäuten, schwachem Puls und beschleunigtem Herzschlag — die Katze dagegen mit grauen Schleimhäuten, schwachem bis fehlendem Puls, Untertemperatur und einer normalen oder sogar langsamen Herzfrequenz. Ein ruhiger Puls ist bei einer Katze im Schock also kein Entwarnungszeichen. Ein Schock ist immer ein sofortiger Notfall.
Bei der Katze sind die Anzeichen oft subtiler als beim Hund: Eine Katze zieht sich zurück, frisst nicht mehr und wirkt einfach teilnahmslos. Ignoriere solche Zeichen nie, gerade wenn sie plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftreten. Und schon der bloße Verdacht, dass dein Tier etwas Giftiges gefressen haben könnte, ist Grund genug zu handeln — nicht abzuwarten, bis sich der Zustand verschlechtert. Die meisten Vergiftungen passieren ohnehin unbemerkt: Nur selten sieht man dem Tier beim Fressen zu.
Häufige Gifte für Hund und Katze
Viele der gefährlichsten Gifte finden sich ganz alltäglich im Haushalt, im Garten oder in der Handtasche. Diese Stoffe solltest du kennen:
- Schokolade — enthält Methylxanthine, konkret Theobromin und Koffein. Je höher der Kakaoanteil, desto größer laut ASPCA das Risiko: Weiße Schokolade enthält am wenigsten davon, Backschokolade und Kakaopulver am meisten. Wie schwer die Vergiftung ausfällt, hängt von Menge und Sorte ab sowie von Größe und Gesundheitszustand des Tieres. Achtung bei Gebäck und Pralinen: Darin stecken oft zusätzlich Macadamianüsse, Rosinen oder Xylit.
- Xylit (Birkenzucker) — ein Süßstoff in zuckerfreiem Kaugummi, Bonbons, Backwaren, Kauvitaminen und mancher Zahnpasta. Er kann beim Hund einen lebensbedrohlichen Unterzucker auslösen — laut Pet Poison Helpline unter Umständen schon 10 bis 15 Minuten nach der Aufnahme — und dazu akutes Leberversagen. Leberschäden zeigen sich nach Angaben der ASPCA innerhalb von 12 bis 24 Stunden.
- Trauben und Rosinen — schädigen beim Hund die Nieren. Welcher Bestandteil genau schadet, ist bis heute nicht abschließend geklärt; die ASPCA nennt Weinsäure als vermuteten Auslöser, die Hunde nicht abbauen können. Eine Menge, unterhalb derer es unbedenklich wäre, nennen weder die ASPCA noch die Pet Poison Helpline — behandle deshalb jede Aufnahme als Notfall.
- Zwiebeln und Knoblauch — schädigen die roten Blutkörperchen und können zu Blutarmut führen. Dasselbe gilt für Schnittlauch, Lauch und Schalotten. Katzen sind besonders empfindlich, unter den Hunden japanische Rassen wie Akita und Shiba Inu — gefährdet sind laut ASPCA aber alle Hunde, je nach aufgenommener Menge.
- Lilien — für Katzen lebensgefährlich. Am gefährlichsten sind laut Pet Poison Helpline echte Lilien der Gattung Lilium und Taglilien der Gattung Hemerocallis. Giftig sind bei ihnen alle Pflanzenteile in jeder Menge: Blatt, Stängel, Blüte, Blütenstaub, Zwiebel — und sogar das Wasser aus der Vase. Die Folgen sind Erbrechen, Bauchschmerzen, Austrocknung und akutes Nierenversagen; die Pet Poison Helpline betont, dass eine frühe Behandlung nach jedem Kontakt entscheidend ist. ⚠️ „Lilie“ ist aber nicht nur ein Katzenthema: Dieselbe Seite nennt das Maiglöckchen (Convallaria) — es verursacht kein Nierenversagen, kann aber bei Hund, Katze und Mensch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis zum Tod auslösen — und die Ruhmeskrone (Gloriosa), deren Knollen bei Hunden wie Katzen ein Multiorganversagen auslösen können. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu giftigen Pflanzen für Katzen.
- Rattengift (Rodentizide) — es gibt nicht das eine Rattengift, und genau das ist die Gefahr. Für Privatleute sind in Deutschland laut Umweltbundesamt die blutgerinnungshemmenden Wirkstoffe Warfarin, Coumatetralyl und Chlorophacinon zugelassen sowie Alphachloralose, ein Betäubungsmittel gegen Hausmäuse im Innenraum. Bei den Gerinnungshemmern ist die verzögerte Wirkung das Tückische: Blutungen zeigen sich laut MSD Veterinary Manual typischerweise erst drei bis sieben Tage nach Aufnahme einer giftigen Menge. Alphachloralose wirkt stattdessen auf das Nervensystem — mit Erregung, Zittern, Krampfanfällen, Taumeln, Unterkühlung und Koma, wobei Unterkühlung und Koma bei Katzen häufiger sind; Katzen sind zudem deutlich empfindlicher als Hunde. ⚠️ Nimm die Verpackung mit in die Praxis, denn der Wirkstoff entscheidet über die Behandlung: Gegen die Gerinnungshemmer gibt es mit Vitamin K1 ein Gegenmittel — das die Tierärztin verabreicht, niemals du selbst, bei Alphachloralose bleibt nur die unterstützende Behandlung, bis die Wirkung nachlässt. Und: Katzen und Hunde können sich auch sekundär vergiften, indem sie eine vergiftete Maus fressen — der MSD Veterinary Manual beschreibt das sowohl für Alphachloralose als auch für die Gerinnungshemmer.
- Frostschutzmittel — schmeckt süß und wird deshalb gern aufgeleckt, ist aber schon in kleinen Mengen hochgiftig: Der MSD Veterinary Manual gibt die minimale tödliche Dosis für unverdünntes Ethylenglykol mit 1,4 ml pro Kilogramm bei der Katze und 4,4 bis 6,6 ml pro Kilogramm beim Hund an. Das ist keine Grenze, unter der nichts passiert: Es ist die Menge, ab der mit dem Tod zu rechnen ist — Nierenschäden entstehen auch darunter, und jüngere Tiere können laut MSD empfindlicher sein. Jede Aufnahme gehört sofort in die Praxis. Ein typisches Risiko in Garage, Einfahrt und Gartenhaus — auch aus undichten Fahrzeugen. Wichtig: Nicht jedes Frostschutzmittel enthält Ethylenglykol, weshalb es laut Pet Poison Helpline darauf ankommt herauszufinden, welche Sorte das Tier erwischt hat.
- Schneckenkorn (Metaldehyd) — führt laut Pet Poison Helpline rasch zu Magen-Darm- und Nervenzeichen: Speicheln, Erbrechen, Unruhe, Zittern und Krampfanfälle. Unbehandelt enden die Nervenzeichen in starkem Fieber und Tod.
Diese Liste ist nicht vollständig — auch Medikamente für Menschen, Reinigungsmittel, Blaualgen im Badesee und viele Zimmer- und Gartenpflanzen können gefährlich sein.
Erste Hilfe bei Vergiftung
Wenn du eine Vergiftung vermutest, zählt jede Minute — aber blinder Aktionismus kann mehr schaden als nützen. Halte dich an diese Regeln:
1. Löse auf keinen Fall selbst Erbrechen aus. Das ist die wichtigste Regel überhaupt — und sie hat vier konkrete Gründe. Der MSD Veterinary Manual nennt Erbrechen ausdrücklich als kontraindiziert, wenn der Schluckreflex fehlt, wenn das Tier neurologisch nicht stabil ist (also benommen, bewusstlos oder krampfend), wenn ätzende Stoffe, flüchtige Kohlenwasserstoffe oder Erdöldestillate aufgenommen wurden, oder wenn ohnehin ein hohes Risiko besteht, dass Erbrochenes in die Lunge gerät.
Zu den Erdöldestillaten zählen die dünnflüssigen Mineralölprodukte aus Garage und Haushalt: Benzin, Petroleum, Diesel, Lampen- und Fackelöl, Farbverdünner sowie Motor- und Mineralöl. Die Pet Poison Helpline führt Petroleum als einen dieser Kohlenwasserstoffe und schreibt unmissverständlich: Nach der Aufnahme von Kohlenwasserstoffen dürfe man niemals Erbrechen auslösen, weil es dem Tier schadet und eine Aspirationspneumonie begünstigt, also eine Lungenentzündung durch eingeatmetes Erbrochenes. Je dünnflüssiger das Produkt, desto leichter gerät es beim Erbrechen in die Lunge. Ätzende Mittel wiederum verletzen schon auf dem Weg nach unten Maul und Speiseröhre: Die ASPCA nennt unverdünntes Bleichmittel als Beispiel, ebenso Weichspüler und Trocknertücher, deren kationische Tenside schwere Verätzungen und Geschwüre in Maul, Speiseröhre und Magen verursachen können.
Erbrechen darf nur ausgelöst werden, wenn deine Tierarztpraxis oder der Tierklinik-Notdienst es ausdrücklich anordnet — niemals auf eigene Faust.
2. Gib keine Hausmittel. Der MSD Veterinary Manual führt die untauglichen Methoden einzeln auf: Salz oder Ipecac-Sirup eingeben und mit dem Finger im Rachen Würgen auslösen. Auch Spülmittel, rohe Eier, scharfe Soße oder Senf sind kontraindiziert — Halterinnen und Halter sollen ausdrücklich davon abgehalten werden. ⛔ Und gib auch kein Gegenmittel selbst — kein Vitamin-K-Präparat aus der Drogerie, keine Kohletabletten aus der Hausapotheke. Ein Antidot wirkt nur in tierärztlich berechneter Dosis zum richtigen Zeitpunkt; die Eigengabe ersetzt die Behandlung nicht, sondern verzögert sie.
Salzwasser ist dabei nicht nur wirkungslos, sondern selbst ein Gift: Die Pet Poison Helpline schreibt, Salz und Salzwasser dürften wegen des hohen Risikos einer Salzvergiftung nie zum Auslösen von Erbrechen verwendet werden. Milch ist kein Gegenmittel — Hunde und Katzen besitzen laut ASPCA kaum Laktase, sodass Milch eher Durchfall verursacht. Und Öl gehört ebenfalls nicht in diese Rolle: Erbricht ein Tier eine ölige Substanz, kann sie nach Angaben der ASPCA in die Lunge geraten und dort eine Aspirationspneumonie auslösen.
Und Aktivkohle? Die ist ein echtes Medikament — aber keines für den Küchenschrank. Der MSD Veterinary Manual nennt sie das Adsorbens der Wahl für die Entgiftung in der Praxis, schränkt aber im selben Atemzug ein: Wegen des Risikos einer gefährlichen Übersalzung des Blutes (Hypernatriämie) soll Aktivkohle nur bei Giften eingesetzt werden, bei denen ihr Nutzen bekannt ist. Bei ätzenden Stoffen und Kohlenwasserstoffen ist sie ausdrücklich kontraindiziert, ebenso bei hohem Aspirationsrisiko, starker Austrocknung oder Schock. Und bei Frostschutzmittel senkt sie die Aufnahme aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht. Ob Kohle hilft, entscheidet also das Gift — und diese Entscheidung trifft die Praxis, nicht du.
3. Bring dein Tier weg von der Giftquelle und schau, ob es normal atmet und sich normal verhält. Genau diese beiden Schritte stellt die Pet Poison Helpline an den Anfang ihrer Notfallanleitung. Lose Reste kannst du vorsichtig aus dem Maul nehmen — aber nur, wenn das gefahrlos geht. Die VCA weist darauf hin, dass der Stress eines Notfalls auch einen sonst freundlichen Hund beißen lässt, und rät davon ab, in das Maul eines wachen Tieres zu greifen. Deine eigene Sicherheit geht vor: Ein gebissener Halter hilft seinem Tier nicht.
4. Lies das Etikett — und sichere alles, was mit dem Gift zu tun hat. Die VCA rät ausdrücklich, auf einer vorhandenen Produktverpackung nach Erste-Hilfe-Hinweisen zu sehen. Nimm anschließend eine Probe des vermuteten Gifts und die Verpackung mit in die Praxis. Das MSD Veterinary Manual nennt dieselbe Reihenfolge und lässt ausdrücklich ein Foto gelten, wenn du nichts mitnehmen kannst: das Gift selbst, sein Behälter oder ein Bild von Gift beziehungsweise Behälter samt gut lesbarem Etikett. ⚠️ Bei einer Pflanze ist die Probe trotzdem besser als das Bild — welche Lilienart es war, entscheidet über die Behandlung. Warum das so viel bringt, zeigen zwei Beispiele aus diesem Artikel: Beim Frostschutzmittel entscheidet die Sorte darüber, ob überhaupt Ethylenglykol im Spiel ist, und beim Rattengift entscheidet der Wirkstoff darüber, ob Vitamin K1 als Gegenmittel hilft oder nicht.
5. Ruf sofort an. Kontaktiere umgehend deine Tierarztpraxis oder den nächsten Notdienst, schildere die Situation und kündige dein Tier an, damit das Team vorbereitet ist, wenn du ankommst. Je früher dein Tier versorgt wird, desto weniger Gift kann der Körper aufnehmen.
Giftnotruf in Deutschland
Aus den USA kennt man rund um die Uhr erreichbare Tier-Giftnotrufe. In Deutschland ist die Lage anders — und das solltest du wissen, bevor der Ernstfall eintritt: Einen bundesweiten, tierärztlichen Giftnotruf wie in den USA gibt es hier nicht.
Die regionalen Giftinformationszentren der Bundesländer sind in erster Linie human-medizinisch ausgerichtet — sie beraten aber ausdrücklich auch bei Vergiftungen von Tieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält das für die deutschen Zentren fest und nennt das GIZ-Nord in Göttingen als dasjenige mit besonderer Erfahrung bei Tiervergiftungen. Anfragen zu Tiervergiftungen kommen laut BfR sowohl von Laien als auch von Tiermedizinern, und erreichbar sind die Zentren sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Wie sehr das dennoch ein Nebenschauplatz ist, zeigt eine Zahl aus derselben Quelle: Nur etwa ein bis drei Prozent aller eingehenden Anfragen betreffen Vergiftungen bei Tieren. Du musst dabei nicht das Zentrum deines eigenen Bundeslandes erwischen: Das BfR schreibt ausdrücklich, dass du dich an jedes der Giftinformationszentren wenden kannst.
Der schnellste Weg im Vergiftungsnotfall bleibt trotzdem deine Tierarztpraxis oder der Tierklinik-Notdienst — nur dort kann dein Tier auch sofort behandelt werden. Ruf deshalb zuerst dort an. Ein Giftinformationszentrum ist die sinnvolle Ergänzung, wenn unklar ist, wie gefährlich ein bestimmter Stoff überhaupt ist.
Giftköder — was tun?
Ausgelegte Giftköder — oft präpariert mit Rattengift, Schneckenkorn oder eingearbeiteten Nägeln und Rasierklingen — sind eine reale Gefahr, gerade in Parks und an beliebten Gassistrecken. Hat dein Hund einen verdächtigen Köder gefressen oder auch nur beschnuppert und zeigt Symptome, gilt dasselbe wie bei jeder Vergiftung: sofort zum Tierarzt, kein Erbrechen selbst auslösen, Reste sichern. Merke dir außerdem den Fundort — das hilft, andere Tierhalter zu warnen, und ermöglicht eine Meldung bei Polizei oder Ordnungsamt.
Vorbeugen kannst du mit einem konsequenten Anti-Giftköder-Training, bei dem dein Hund lernt, Futter am Boden nur nach Freigabe aufzunehmen. In Gebieten mit bekannten Vorfällen sind Leine und, wenn nötig, ein Maulkorb der sicherste Schutz.
Wann sofort zum Tierarzt?
Bei einer Vergiftung gibt es keine sinnvolle Wartezeit. Fahre sofort in die Tierarztpraxis oder zum Notdienst, wenn:
- du dein Tier beim Fressen eines giftigen oder verdächtigen Stoffs beobachtet hast
- du Verpackungsreste, angeknabberte Pflanzen oder einen Köder findest
- dein Tier erbricht, zittert, krampft, taumelt oder plötzlich apathisch wird
- du auch nur den Verdacht hast, dass etwas nicht stimmt
Warte nicht ab, ob die Symptome von selbst besser werden — bei vielen Giften verschlechtert sich der Zustand rasch, und manche wirken zeitverzögert. Warte vor allem dann nicht ab, wenn es deinem Tier zwischendurch besser zu gehen scheint: Bei Frostschutzmittel beschreibt der MSD Veterinary Manual genau diesen Verlauf — eine kurze Erholung rund zwölf Stunden nach der Aufnahme, bevor das akute Nierenversagen einsetzt (bei Katzen nach 12 bis 24 Stunden, bei Hunden nach 36 bis 72). Und bei blutgerinnungshemmendem Rattengift zeigen sich die Blutungen typischerweise erst drei bis sieben Tage nach Aufnahme einer giftigen Menge. Über Petla findest du sofort den nächsten Tierarzt-Notdienst in deiner Nähe. Ruf vorab an und kündige dein Tier an, damit das Team vorbereitet ist.
Fazit
Eine Vergiftung ist bei Hund und Katze immer ein Notfall, bei dem Minuten zählen. Die drei wichtigsten Regeln lauten: kein Erbrechen selbst auslösen, keine Hausmittel geben und sofort die Tierarztpraxis oder den Notdienst anrufen. Lies das Etikett, sichere alles, was mit dem Gift zu tun hat, und nimm es mit — bei Rattengift und Frostschutzmittel entscheidet der genaue Wirkstoff über die Behandlung. Da es in Deutschland keinen eigenen bundesweiten tierärztlichen Giftnotruf gibt, ist die tierärztliche Versorgung dein wichtigster Anlaufpunkt — die Giftinformationszentren beraten aber rund um die Uhr ergänzend auch zu Tieren. Und der beste Schutz bleibt die Vorbeugung: gefährliche Stoffe außer Reichweite lagern, giftige Pflanzen aus der Wohnung verbannen und beim Spaziergang aufmerksam bleiben.
Häufige Fragen
Soll ich bei einer Vergiftung selbst Erbrechen auslösen?
Nein. Das ist die wichtigste Regel bei einer Vergiftung: Löse niemals eigenständig Erbrechen aus. Der MSD Veterinary Manual nennt es ausdrücklich als kontraindiziert, wenn der Schluckreflex fehlt, wenn das Tier neurologisch nicht stabil ist — also benommen, bewusstlos oder krampfend —, wenn ätzende Stoffe, flüchtige Kohlenwasserstoffe oder Erdöldestillate wie Benzin, Petroleum oder Lampenöl aufgenommen wurden, oder wenn ohnehin ein hohes Risiko besteht, dass Erbrochenes in die Lunge gerät. Die Pet Poison Helpline formuliert es für Kohlenwasserstoffe noch schärfer: Dort darf niemals Erbrechen ausgelöst werden, weil eine Lungenentzündung durch eingeatmetes Erbrochenes droht. Erbrechen darf nur ausgelöst werden, wenn deine Tierarztpraxis oder der Tierklinik-Notdienst es ausdrücklich anordnet. Gib auch keine Hausmittel: Salzwasser darf laut Pet Poison Helpline wegen der Gefahr einer Salzvergiftung nie zum Auslösen von Erbrechen verwendet werden, und Milch ist kein Gegenmittel. Ruf stattdessen sofort die Praxis oder den Notdienst an.
Welche Lebensmittel sind für Hund und Katze giftig?
Zu den häufigsten giftigen Lebensmitteln zählen Schokolade (Theobromin und Koffein), Xylit (Birkenzucker), Trauben und Rosinen sowie Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch. Katzen reagieren auf diese Lauchgewächse besonders empfindlich, laut ASPCA sind aber auch Hunde gefährdet — je nach aufgenommener Menge. Für Katzen sind außerdem Lilien lebensgefährlich, und zwar in jeder Menge und in allen Pflanzenteilen bis hin zum Vasenwasser. Bewahre solche Lebensmittel immer außer Reichweite auf und teile keine Reste vom Tisch, deren Zutaten du nicht sicher kennst.
Gibt es in Deutschland einen Tier-Giftnotruf?
Einen eigenen, bundesweiten tierärztlichen Giftnotruf wie in den USA gibt es in Deutschland nicht. Die regionalen Giftinformationszentren beraten laut Bundesinstitut für Risikobewertung aber ausdrücklich auch bei Tiervergiftungen — und zwar sieben Tage die Woche rund um die Uhr und auch für Halterinnen und Halter; besondere Erfahrung damit hat das GIZ-Nord in Göttingen. Wenden kannst du dich laut BfR an jedes der Zentren, nicht nur an das deines eigenen Bundeslandes. Der schnellste Weg bleibt trotzdem die Tierarztpraxis oder der Tierklinik-Notdienst, weil dein Tier nur dort auch sofort behandelt werden kann — ruf also zuerst dort an.
Was mache ich bei Verdacht auf einen Giftköder?
Fahre sofort zum Tierarzt, auch wenn dein Hund den Köder nur beschnuppert hat. Löse kein Erbrechen selbst aus, sichere wenn möglich Reste des Köders und merke dir den Fundort. So kannst du andere Tierhalter warnen und den Vorfall bei Polizei oder Ordnungsamt melden. Ein Anti-Giftköder-Training und die Leine in bekannten Risikogebieten beugen vor.
Quellen
- Poison Emergency · Pet Poison Helpline
- Common Emergencies in Dogs · VCA Animal Hospitals
- Chocolate · Pet Poison Helpline
- Animal Poison Control Center · ASPCA
- First Aid and Transport of Small Animals — hier für die Mitnahme von Gift, Behälter oder Foto samt Etikett und für das sofortige Vorstellen in der Praxis · MSD Veterinary Manual
- Initial Triage and Resuscitation of Small Animal Emergency Patients — hier für die Schockzeichen und ausdrücklich für den Unterschied zwischen Hund und Katze bei der Herzfrequenz · MSD Veterinary Manual
- Principles of Toxicosis Treatment in Animals · MSD Veterinary Manual
- Kerosene · Pet Poison Helpline
- Salt · Pet Poison Helpline
- Lilies · Pet Poison Helpline
- No Lilies for Kitties! — herangezogen dafür, dass neben Lilium auch Taglilien (Hemerocallis) zu den für Katzen tödlichen Lilien gehören, UND dafür, dass Maiglöckchen und Ruhmeskrone auch für Hunde lebensgefährlich sind · Pet Poison Helpline
- Metaldehyde · Pet Poison Helpline
- People Foods to Avoid Feeding Your Pets · ASPCA
- Poisonous Household Products · ASPCA
- Ethylene Glycol Toxicosis in Animals · MSD Veterinary Manual
- Anticoagulant Rodenticide Poisoning in Animals · MSD Veterinary Manual
- Alpha-Chloralose Poisoning in Animals · MSD Veterinary Manual
- Mäuse- und Rattengift sicher und wirksam anwenden · Umweltbundesamt
- Tiervergiftungen in Deutschland (Deutsches Tierärzteblatt 3/2015) — hier nur für den Giftnotruf-Absatz herangezogen · Bundesinstitut für Risikobewertung
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