DHPPi, RCP & Co.: Was steckt in den Kombi-Impfstoffen?
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DHPPi, RCP & Co.: Was steckt in den Kombi-Impfstoffen?

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland

Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.

Im Impfausweis stehen kryptische Kürzel wie DHPPi, L4 oder RCP. Dieser Ratgeber übersetzt sie: Er erklärt, was in einer einzigen Kombi-Spritze steckt, warum es Kombi-Impfstoffe gibt und wie deine Tierärztin die passenden Komponenten für dein Tier auswählt.

Das Wichtigste in Kürze

  • DHPPi steht beim Hund für Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Parainfluenza: vier Erreger in einer einzigen Spritze
  • Ein angehängtes ‚L‘ oder ‚L4‘ ergänzt die Leptospirose, in Deutschland eine Core-Impfung für jeden Hund; ein ‚T‘ oder ‚R‘ die Tollwut
  • RCP heißt bei der Katze Rhinotracheitis (Herpesvirus), Calicivirus und Panleukopenie (Katzenseuche); manche Ausweise schreiben FVRCP für dasselbe
  • Kombi-Impfstoffe gibt es, um Nadelstiche und Termine zu sparen: Eine Spritze schützt gegen mehrere Krankheiten
  • Welche Komponenten dein Tier braucht, stellt die Tierärztin nach Lebensstil zusammen: Core-Impfungen für alle, Non-Core je nach Bedarf

Was die Buchstaben im Impfausweis bedeuten

Du schlägst den Impfausweis deines Hundes oder deiner Katze auf und liest dort Kürzel wie DHPPi, L4, RCP oder FVRCP. Was auf den ersten Blick wie ein Geheimcode wirkt, ist eigentlich eine Zutatenliste: Jeder Buchstabe steht für eine Krankheit, gegen die eine einzige Spritze schützt. Solche Mehrfach-Impfstoffe heißen Kombi-Impfstoffe.

In diesem Ratgeber übersetzen wir die wichtigsten Buchstaben für Hund und Katze, erklären, warum es Kombi-Impfstoffe überhaupt gibt, und wie deine Tierärztin die passenden Komponenten für dein Tier auswählt.


Warum es Kombi-Impfstoffe gibt

Gegen jede Krankheit einzeln zu impfen würde viele Nadelstiche und viele Termine bedeuten. Deshalb sind die gängigen Impfstoffe Kombinationen: Mehrere Wirkbestandteile stecken in einer einzigen Spritze. Beim Hund werden zum Beispiel Staupe, Hepatitis und Parvovirose üblicherweise gemeinsam in einer Injektion gegeben; bei der Katze fasst der RCP-Impfstoff drei Viren zusammen.

Der Vorteil liegt auf der Hand: weniger Piks, ein Termin statt vieler und weniger Stress für dein Tier. Welche Bausteine im Kombi landen, ist aber nicht in Stein gemeißelt. Dazu weiter unten mehr.


Die Buchstaben beim Hund: DHPPi, L4 & Co.

Der Klassiker im Hunde-Ausweis ist DHPPi. Buchstabe für Buchstabe:

  • D: Staupe (englisch distemper, das canine Staupevirus).
  • H: Hepatitis (Hepatitis contagiosa canis, die ansteckende Leberentzündung). Sie wird durch das canine Adenovirus Typ 1 ausgelöst, das Leber, Nieren, Milz und Lunge schädigen kann. Der Impfstoff enthält das eng verwandte Adenovirus Typ 2 (CAV-2), das über einen Kreuzschutz auch gegen Typ 1 wirkt. Manche Ausweise schreiben deshalb statt „H“ auch „A“ oder „A2“.
  • P: Parvovirose (canines Parvovirus, eine schwere, hochansteckende Magen-Darm-Erkrankung).
  • Pi: Parainfluenza (canines Parainfluenzavirus, eine der Ursachen des Zwingerhustens).

Damit deckt DHPPi genau diese vier Erreger ab. Angehängt mit einem Schrägstrich oder weiteren Buchstaben kommen weitere Bausteine dazu:

  • L / L4: Leptospirose, eine bakterielle Erkrankung, die auch auf den Menschen übergehen kann. Die angehängte Zahl steht für die Anzahl der enthaltenen Leptospira-Stämme, bei L4 also vier. Anders als der Buchstabe vermuten lässt, ist das kein Extra: Die StIKo Vet zählt die Leptospirose in Deutschland zu den Core-Impfungen für jeden Hund.
  • T / R: Tollwut (englisch rabies). Für das Leben in Deutschland ist sie keine Pflichtimpfung mehr, für Auslandsreisen aber vorgeschrieben.

Ein Ausweiseintrag „DHPPi/L4“ bedeutet also: Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Parainfluenza plus Leptospirose in einer Spritze. Steht dort zusätzlich ein „R“, ist auch die Tollwut mit dabei.


Die Buchstaben bei der Katze: RCP und FVRCP

Bei der Katze ist RCP der wichtigste Kombi-Impfstoff. Die drei Buchstaben stehen für:

  • R: Rhinotracheitis, ausgelöst durch das feline Herpesvirus (FHV-1).
  • C: Calicivirus (FCV). Herpes- und Caliciviren zusammen sind die Haupterreger des Katzenschnupfens.
  • P: Panleukopenie, besser bekannt als Katzenseuche.

Manche Ausweise schreiben statt RCP auch FVRCP. Das ist derselbe Impfstoff: Das vorangestellte „FVR“ steht für feline viral rhinotracheitis, also genau die Herpes-Komponente, die auch das „R“ meint.

Weitere Buchstaben, die dazukommen können:

  • FeLV: Leukose (felines Leukämievirus). Die Impfleitlinie der StIKo Vet führt sie als Non-Core-Impfung und empfiehlt sie bei hohem Expositionsrisiko, also bei Freigängern oder Kontakt zu Katzen mit unbekanntem FeLV-Status. Beim Alter wird sie aber deutlich: Es gebe eine gewisse Altersresistenz, die Wahrscheinlichkeit einer progressiven Infektion nehme mit dem Lebensalter ab. Katzen seien in den ersten Lebensjahren besonders empfänglich und sollten gerade dann besonders gut geschützt sein. Für diese Zeit nennt sie auch den Ablauf: zwei Injektionen ab acht Lebenswochen im Abstand von drei bis vier Wochen, abgeschlossen durch eine Impfung ein Jahr später. ⚠️ „Non-Core“ heißt hier also nicht, dass die Komponente für ein Kitten verzichtbar wäre, sondern dass nicht jede Katze sie in jedem Lebensabschnitt braucht.
  • Ch: Chlamydophila felis (Chlamydien), ebenfalls eine Wahlimpfung.

Ein Eintrag „RCPCh FeLV“ heißt also: Katzenschnupfen (Herpes und Calici), Katzenseuche, Chlamydien und Leukose in einer einzigen Spritze.


Was steht auf meinem Impfausweis?

Auf deutschen Impfausweisen kleben meist Produkt-Etiketten mit Namen. Ein paar gängige Beispiele und was sie enthalten:

Beim Hund:

  • Versican Plus DHPPi/L4: Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Parainfluenza und Leptospirose.
  • Versican Plus DHPPi: dasselbe, aber ohne Leptospirose. Der Leptospirose-Schutz muss dann separat geimpft werden.
  • Eurican DAPPi und Eurican DAPPi-Lmulti: Hier heißt die Hepatitis-Komponente „A“ (für Adenovirus). DAPPi steht für Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Parainfluenza; die Variante mit „Lmulti“ ergänzt die Leptospirose. Daneben sind Eurican DAP und Eurican DAP-Lmulti eigene, getrennt zugelassene Präparate. Ihnen fehlt das „Pi“ im Namen, also die Parainfluenza-Komponente.

Nicht jeder Hunde-Impfstoff enthält übrigens einen Adenovirus-Anteil: Zugelassen sind auch maßgeschneiderte Präparate ohne ihn, etwa reine Parvovirose-Impfstoffe oder Parvovirose-Staupe-Kombinationen. Ein Blick in den Impfausweis oder eine kurze Frage in der Praxis klärt deshalb, ob dein Hund die Komponente wirklich bekommen hat.

Bei der Katze:

  • Purevax RCP: Herpes, Calici und Panleukopenie.
  • Purevax RCPCh FeLV: zusätzlich Chlamydien und Leukose.

Steht auf deinem Ausweis ein Kürzel, das du hier nicht findest, frag einfach in deiner Praxis nach. Dort ist genau dokumentiert, was dein Tier bekommen hat.


Deine Tierärztin stellt den Kombi nach Bedarf zusammen

Ein Kombi-Impfstoff ist kein starres Alles-oder-nichts-Paket. Fachleute unterscheiden Core-Impfungen, die für jedes Tier empfohlen werden, und Non-Core-Impfungen, die sich nach dem Lebensstil richten. Deine Tierärztin wählt den passenden Kombi so aus, dass die nötigen Core-Bausteine drin sind und nur die Non-Core-Komponenten ergänzt werden, die dein Tier wirklich braucht.

Zwei Beispiele:

  • Eine erwachsene reine Wohnungskatze bekommt oft RCP ohne die Leukose-Komponente, weil ihr Ansteckungsrisiko gering ist. Bei einem Kitten ist das anders: Die StIKo Vet nennt junge Katzen besonders empfänglich und schließt ihre Leukose-Grundimmunisierung erst mit einer Impfung nach einem Jahr ab. Ob die Leukose-Komponente für eine erwachsene Wohnungskatze trotzdem sinnvoll ist, ist eine Risikoentscheidung, die du mit deiner Tierärztin triffst.
  • Ein Hund mit Reiseplänen erhält zusätzlich die Tollwut-Komponente, die für Auslandsreisen vorgeschrieben ist.

Welche Impfungen genau dazugehören und wie oft sie aufgefrischt werden, liest du in unseren Ratgebern zum Hunde-Impfplan und zum Katzen-Impfplan.


Wann du mit deinem Tier zum Tierarzt solltest

  • Wenn du nicht sicher bist, was hinter den Buchstaben im Impfausweis steckt oder welcher Schutz gerade noch besteht
  • Wenn du ein Tier mit unbekanntem oder lückenhaftem Impfstatus übernimmst (Tierschutz, Auslandstier)
  • Rechtzeitig vor einer Reise, denn die Tollwut-Komponente braucht Vorlauf
  • Zu den regulären Grundimmunisierungs- und Auffrischungsterminen. Den passenden Kombi und Rhythmus legt deine Tierärztin fest

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Häufige Fragen

Was bedeutet DHPPi im Impfausweis meines Hundes?

DHPPi steht für Staupe (D), Hepatitis (H), Parvovirose (P) und Parainfluenza (Pi): vier Erreger, gegen die eine einzige Kombi-Spritze schützt. Ein angehängtes „L“ oder „L4“ bedeutet zusätzlich Leptospirose (in Deutschland eine Core-Impfung für jeden Hund), ein „T“ oder „R“ zusätzlich Tollwut.

Ist RCP dasselbe wie FVRCP?

Ja. Beide bezeichnen denselben Kombi-Impfstoff gegen Katzenschnupfen (Herpes- und Caliciviren) und Katzenseuche (Panleukopenie). Das „FVR“ vor RCP steht für feline viral rhinotracheitis, also genau die Herpes-Komponente, die auch das „R“ meint.

Warum gibt es Kombi-Impfstoffe statt Einzelimpfungen?

Weil so mehrere Wirkbestandteile in eine einzige Spritze passen. Das spart Nadelstiche und Termine und bedeutet weniger Stress für dein Tier, statt gegen jede Krankheit einzeln zu impfen.

Warum steht „Adenovirus“ oder „A2“ auf dem Ausweis, obwohl es um Hepatitis geht?

Die ansteckende Leberentzündung (Hepatitis contagiosa canis) wird durch das canine Adenovirus Typ 1 ausgelöst. Der Impfstoff enthält das verwandte Adenovirus Typ 2, das über einen Kreuzschutz mitschützt. Deshalb taucht diese Komponente mal als „H“ (Hepatitis), mal als „A“ oder „A2“ (Adenovirus) auf.

Bekommt jedes Tier alle Buchstaben?

Nein. Core-Impfungen werden für jedes Tier empfohlen, Non-Core-Komponenten wie die Leukose oder die Tollwut beim reisenden Hund nur nach Bedarf. Die StIKo Vet führt die Leukose als Non-Core und empfiehlt sie bei hohem Expositionsrisiko, hält junge Katzen aber ausdrücklich für besonders empfänglich und schließt ihre Leukose-Grundimmunisierung erst mit einer Impfung nach einem Jahr ab. Deine Tierärztin stellt den passenden Kombi individuell zusammen.


Fazit: So liest du den Impfausweis

  • DHPPi beim Hund = Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Parainfluenza; L/L4 ergänzt die Leptospirose (in Deutschland eine Core-Impfung für jeden Hund), T/R die Tollwut
  • Die Hepatitis-Komponente taucht wegen des Adenovirus-Kreuzschutzes manchmal als „A“ oder „A2“ auf
  • RCP (oder FVRCP) bei der Katze = Rhinotracheitis/Herpes, Calicivirus, Panleukopenie; FeLV und Ch kommen je nach Bedarf dazu
  • Kombi-Impfstoffe gibt es, um Nadelstiche und Termine zu sparen: eine Spritze, mehrere Erreger
  • Welche Komponenten dein Tier braucht, stellt deine Tierärztin nach Lebensstil zusammen. Der Ausweis ist die Zutatenliste, den Plan macht die Praxis

Quellen

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