
Kitten impfen: wann dein Kätzchen welche Impfung braucht

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland
Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kitten-Serie läuft mit 8, 12 und 16 Wochen. Abgeschlossen ist die Grundimmunisierung aber erst mit der vierten Impfung nach rund einem Jahr.
- Warum mehrfach geimpft wird: Wie schnell der Nestschutz abklingt, ist von Kätzchen zu Kätzchen verschieden. Laut StIKo Vet kann er bis in die 20. Lebenswoche reichen und die Impfung so lange blockieren.
- Deshalb schützt eine einzelne Impfung nicht verlässlich: Jede Dosis erhöht die Chance, den Moment zu treffen, in dem der Nestschutz weg ist und der Impfstoff greift.
- Core-Impfung ist RCP: Katzenseuche (Panleukopenie) plus Katzenschnupfen durch Herpes- und Caliciviren.
- Die Leukose-Impfung (FeLV) ist in Deutschland Non-Core: Die StIKo Vet empfiehlt sie bei hohem Expositionsrisiko (Freigang oder Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Status), nicht pauschal für jedes Kitten.
- Nach der vierten Impfung wird in größeren Abständen aufgefrischt. Welches Intervall für deine Katze gilt, hält die Praxis im Impfpass fest.
Ein kleines Kätzchen zieht bei dir ein: tapsige Pfoten, große Augen und jede Menge Neugier. Neben Kratzbaum, Katzenklo und dem richtigen Futter steht jetzt ein wichtiger Termin an: die Grundimmunisierung. Sie legt das Fundament für ein gesundes Katzenleben. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wann dein Kitten welche Impfung braucht und warum das Timing dabei so entscheidend ist.
Warum die Grundimmunisierung so wichtig ist
In den ersten Lebenswochen ist dein Kätzchen nicht schutzlos: Über die Muttermilch bekommt es Antikörper der Mutterkatze, den sogenannten Nestschutz oder maternale Antikörper. Dieser Schutz ist allerdings nur vorübergehend: Er klingt über die ersten Lebenswochen ab, und wie schnell, ist von Kätzchen zu Kätzchen verschieden. Laut StIKo Vet können maternale Antikörper bei Katzenwelpen bis in die 20. Lebenswoche bestehen und die aktive Immunisierung bis über die 16. Lebenswoche hinaus verhindern; nach der 20. Woche sind keine mehr zu erwarten.
Genau darin liegt die Herausforderung. Solange noch viele maternale Antikörper vorhanden sind, können sie eine Impfung sogar blockieren: Der Körper des Kittens reagiert dann nicht richtig auf den Impfstoff. Sind sie aber weg, ist das Kätzchen ungeschützt. Da man diesen Zeitpunkt nicht genau vorhersagen kann, wird nicht einmal, sondern mehrfach geimpft. So ist sichergestellt, dass zumindest eine der Impfungen greift und das eigene Immunsystem des Kätzchens die Abwehr übernimmt.
Der Impfplan: 8, 12 und 16 Wochen
Der klassische Kitten-Impfplan besteht aus mehreren Terminen im Abstand von einigen Wochen. In Deutschland sieht das Schema für die Core-Impfung typischerweise so aus:
- 8. Woche: erste Impfung
- 12. Woche: zweite Impfung
- 16. Woche: dritte Impfung
Ab etwa der 6. bis 8. Lebenswoche wird also zum ersten Mal geimpft, danach folgen im Abstand von drei bis vier Wochen weitere Dosen. Besonders wichtig ist der letzte Termin: Die abschließende Impfung sollte frühestens in der 16. Lebenswoche erfolgen. Der Grund sind wieder die maternalen Antikörper. Eine letzte Dosis, die zu früh liegt, hinterlässt womöglich eine Lücke im Schutz.
Ganz sicher weg sind die mütterlichen Antikörper mit 16 Wochen aber noch nicht: Die StIKo Vet verweist auf eine Untersuchung, nach der maternale Antikörper bei Katzenwelpen bis in die 20. Lebenswoche hinein bestehen und eine Impfung noch über die 16. Woche hinaus blockieren können; erst nach der 20. Lebenswoche sind keine mehr zu erwarten. Deshalb kann es sinnvoll sein, in der 16. Woche zusätzlich die Antikörper bestimmen zu lassen, um bei Bedarf noch einmal nachimpfen zu können. Die internationale WSAVA-Impfleitlinie von 2024 setzt einen solchen Bluttest allerdings erst ab einem Alter von 20 Wochen und frühestens vier Wochen nach der letzten Impfung an. Frag in deiner Praxis danach.
Und noch etwas solltest du wissen: Nach der Impfung mit 16 Wochen ist dein Kätzchen nicht sofort geschützt, und wie lange es dauert, hängt vom Impfstoff ab. Die in Deutschland zugelassenen Katzen-Impfstoffe nennen als Beginn der Immunität eine Woche bis vier Wochen. Frag in deiner Praxis nach, was für den Impfstoff deines Kätzchens gilt; bis dahin gilt für Freigang und Kontakt zu fremden Katzen: lieber noch abwarten.
Was wird geimpft: die RCP-Impfung
Die Core-Impfung, also die Basisimpfung, die für jede Katze empfohlen wird, heißt RCP. Das Kürzel steht für die drei Erreger, gegen die geschützt wird: R für das feline Herpesvirus (Rhinotracheitis), C für das Calicivirus und P für die Panleukopenie. Dahinter stecken zwei große Krankheitsbilder:
Katzenseuche (Panleukopenie). Ausgelöst wird sie durch das feline Parvovirus. Die Krankheit ist hochansteckend und kann tödlich verlaufen. Gerade Kitten sind besonders gefährdet. Anders als beim Hund treten bei der Katze als erste Krankheitszeichen laut Impfleitlinie meist nur Teilnahmslosigkeit, Fressunlust und Fieber auf; dazu kommen schweres Erbrechen und rasche Austrocknung. Durchfall ist nicht immer dabei und bei der Katze seltener als beim Hund. Warte bei einem Kätzchen also nicht darauf. Bei schweren Verläufen junger Kätzchen ist der plötzliche Tod manchmal das einzige Anzeichen. Das Virus ist extrem widerstandsfähig und kann in der Umwelt ein Jahr oder länger überleben. Deshalb sind auch reine Wohnungskatzen nicht sicher: Die Erreger lassen sich über Schuhe oder Kleidung ins Haus tragen.
Katzenschnupfen. Dahinter stecken vor allem das feline Herpesvirus und das Calicivirus. Die Impfleitlinie der StIKo Vet führt beide als eigene Core-Komponenten. Betroffene Katzen niesen, haben Nasen- und Augenausfluss und eine Bindehautentzündung. Tückisch: Infizierte Tiere werden zu lebenslangen Trägern und können immer wieder erkranken. Die Impfleitlinie der StIKo Vet ist da eindeutig: Eine einmal mit dem Herpesvirus infizierte Katze bleibt lebenslang Trägerin. Nachweisen lässt sich das Virus dabei nur in Phasen der Reaktivierung, weshalb die Zahl der infizierten Tiere unterschätzt wird. Die Impfung verhindert eine Ansteckung nicht vollständig, mildert die Erkrankung aber deutlich und verkürzt sie.
Die FeLV-Entscheidung (Leukose)
Neben der RCP-Impfung stellt sich fast immer die Frage nach der Leukose-Impfung gegen das feline Leukämievirus (FeLV). Übertragen wird es über Körperflüssigkeiten, etwa durch Bisse oder engen, längeren Kontakt zum Speichel infizierter Katzen. Freigänger sind daher besonders gefährdet.
Formal gilt die FeLV-Impfung in Deutschland als Non-Core, also nicht als Basisimpfung für jede Katze. Und die StIKo Vet meint das als Einschränkung, nicht als Formalie: Sie empfiehlt die Impfung bei hohem Expositionsrisiko (Freiläufer, Kontakt zu Katzen mit unbekanntem FeLV-Status), vor allem bei jungen Katzen, und schreibt ausdrücklich, dass nur Katzen mit hohem Risiko geimpft werden sollten, um das Risiko eines Sarkoms an der Injektionsstelle (FISS) zu senken, das die Leitlinie mit 1:1.000 bis 1:10.000 Impfungen beziffert. Die internationale WSAVA-Impfleitlinie von 2024 stuft sie dagegen dort, wo FeLV vorkommt, für Katzen unter einem Jahr und für Katzen mit Freigang als Core-Impfung ein, und in den USA gilt sie als Core-Impfung für alle Katzen unter einem Jahr. Der Grund ist einfach: Bei einem jungen Kätzchen weiß niemand, wie es später leben wird. Wird aus dem Stubentiger doch ein Freigänger, ist der Schutz Gold wert.
Vor der ersten Leukose-Impfung ist ein FeLV-Test sinnvoll, um sicherzugehen, dass das Kätzchen nicht bereits infiziert ist. Fällt er positiv aus, ist das noch keine endgültige Diagnose: Ein einzelner Test zu einem Zeitpunkt reicht dafür nicht aus, und ein positives Ergebnis wird laut Cornell Feline Health Center mit einem weiteren Test bestätigt, bevor deine Katze als dauerhaft infiziert gilt. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Dosen ab der 8. Woche im Abstand von drei bis vier Wochen, gefolgt von einer Auffrischung nach einem Jahr.
Und wenn dein Kätzchen als erwachsene Katze reine Wohnungskatze ohne Kontakt zu anderen Tieren bleibt? Dann endet mit dem ersten Geburtstag auch die Core-Empfehlung der WSAVA und der US-Leitlinien. Ob die Impfung trotzdem sinnvoll ist, ist eine Risikoentscheidung, die du mit deiner Tierärztin triffst, keine Regel. Für die Kitten-Phase mit ihrer offenen Zukunft spricht viel dafür, aber nach der deutschen Leitlinie ist das eine Abwägung von Lebensweise gegen Impfrisiko, keine automatische Empfehlung. Deine Tierarztpraxis berät dich, was zu eurer Situation passt.
Die vierte Impfung nach einem Jahr
Mit den drei RCP-Terminen ist die Grundimmunisierung noch nicht ganz abgeschlossen. Etwa ein Jahr nach dem letzten Kitten-Termin steht die vierte Impfung an. Sie schließt die Grundimmunisierung ab und festigt den Schutz für das Erwachsenenalter. Danach wird in größeren Abständen aufgefrischt: gegen Katzenseuche meist alle drei Jahre, gegen Katzenschnupfen je nach Impfstoff und Lebensweise alle ein bis drei Jahre. Katzen mit vielen Kontakten, Freigänger oder Tiere in Mehrkatzenhaushalten, brauchen dabei tendenziell häufiger einen Schutz als reine Einzeltiere.
Wann du zum Tierarzt solltest
Am besten vereinbarst du schon kurz nach dem Einzug einen ersten Termin. Dann kann die Praxis dein Kätzchen untersuchen und den passenden Impfplan starten. Wichtig ist, die Folgetermine einzuhalten: Vor der 16. Woche aufzuhören baut keinen zuverlässigen Schutz auf, und mit der 16. Woche ist erst die Kitten-Serie zu Ende, nicht die Grundimmunisierung (siehe oben).
Nach einer Impfung kann dein Kätzchen kurz etwas müder sein oder eine leichte Schwellung an der Einstichstelle zeigen. Solche milden Reaktionen klingen meist von selbst wieder ab. Beobachtest du dagegen stärkere Beschwerden wie anhaltende Mattigkeit, wiederholtes Erbrechen oder Schwellungen im Gesicht, solltest du deine Tierarztpraxis kontaktieren.
Und noch etwas gehört dazu: eine Schwellung an der Einstichstelle, die nicht wieder verschwindet. Das Cornell Feline Health Center weist darauf hin, dass alle Katzenimpfstoffe, wenn auch selten, das Risiko eines Spritzenstellensarkoms (FISS) tragen. Wichtig ist dabei zuerst: Bei einer Katze gehört grundsätzlich jeder Knoten unter der Haut in die Praxis. Die ABCD-Leitlinie hält fest, dass jede Umfangsvermehrung an Haut oder Unterhaut bei der Katze weiter abgeklärt gehört. Die 3-2-1-Regel ist darunter nur das Mindestmaß: Lass den Knoten spätestens abklären, wenn er drei Monate nach der Impfung noch besteht, größer als zwei Zentimeter ist oder einen Monat nach der Impfung immer noch wächst. Mehr dazu im Ratgeber Spritzenstellen-Sarkom (FISS) bei der Katze.
Und falls du eine ältere Katze aufgenommen hast, deren Impfstatus unklar ist: Auch das lässt sich tierärztlich klären und nachholen.
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Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann ich mein Kitten impfen lassen?
Die erste Impfung erfolgt in der Regel im Alter von etwa acht Wochen, teils schon ab der sechsten Woche. Davor soll der Nestschutz über die Muttermilch tragen. Verlassen kann man sich darauf aber nicht: Baut ein Kätzchen die mütterlichen Antikörper früh ab, ist es schon sehr jung empfänglich für Infektionen. Nach der ersten Impfung folgen weitere Termine mit 12 und 16 Wochen.
Warum muss mein Kätzchen mehrmals geimpft werden?
Weil die von der Mutter übernommenen Antikörper eine einzelne Impfung noch blockieren können und man ihren genauen Abbauzeitpunkt nicht kennt. Wie lange sie bleiben, ist von Kätzchen zu Kätzchen verschieden: Laut StIKo Vet können sie bis in die 20. Lebenswoche anhalten und eine Impfung bis über die 16. Woche hinaus verhindern. Mehrere Dosen stellen sicher, dass mindestens eine greift.
Braucht auch eine reine Wohnungskatze die Impfungen?
Ja, zumindest die RCP-Grundimmunisierung. Die Katzenseuche-Erreger sind extrem widerstandsfähig und lassen sich über Schuhe oder Kleidung ins Haus tragen, auch ohne dass deine Katze je nach draußen geht.
Ist die Leukose-Impfung für mein Kitten Pflicht?
Pflicht nicht, und anders als in der WSAVA-Leitlinie und in den USA auch keine pauschale Empfehlung: Die StIKo Vet knüpft sie an ein hohes Expositionsrisiko, also Freigang oder Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Status, und rät ausdrücklich davon ab, Katzen ohne dieses Risiko zu impfen. Weil die spätere Lebensweise eines Kätzchens offen ist, gehört die Entscheidung in die Praxis. Vorher ist ein FeLV-Test sinnvoll; fällt er positiv aus, wird das Ergebnis mit einem zweiten Test bestätigt, bevor deine Katze als dauerhaft infiziert gilt. Bleibt deine Katze später reine Wohnungskatze ohne Tierkontakt, ist die weitere Leukose-Impfung eine Risikoentscheidung, die du mit deiner Tierärztin triffst, keine Regel.
Fazit
- Die Kitten-Serie besteht aus Impfungen mit 8, 12 und 16 Wochen, die letzte Dosis nicht vor der 16. Woche. Die Grundimmunisierung ist damit noch nicht fertig: Erst die Impfung rund ein Jahr später schließt sie ab.
- Grund für die mehrfachen Impfungen ist der Nestschutz, der individuell unterschiedlich schnell abklingt und laut StIKo Vet bis in die 20. Lebenswoche reichen kann.
- RCP schützt gegen Katzenseuche (Panleukopenie) und Katzenschnupfen (Herpes- und Caliciviren), Basis für jede Katze.
- Die Leukose-Impfung (FeLV) ist in Deutschland Non-Core: Die StIKo Vet empfiehlt sie bei hohem Expositionsrisiko (Freigang, Kontakt zu Katzen mit unbekanntem Status), nicht pauschal. Ein FeLV-Test vorab ist sinnvoll. Ein positives Ergebnis wird mit einem zweiten Test bestätigt.
- Nach etwa einem Jahr folgt die vierte Impfung, die die Grundimmunisierung abschließt; danach wird in größeren Abständen aufgefrischt.
Quellen
- Vaccines for Cats · VCA Animal Hospitals
- Feline Panleukopenia · VCA Animal Hospitals
- Feline Upper Respiratory Infection · VCA Animal Hospitals
- Feline Vaccines: Benefits and Risks · Cornell Feline Health Center
- Feline Leukemia Virus Vaccination · VCA Animal Hospitals
- Feline Leukemia Virus · Cornell Feline Health Center
- ABCD Guideline: Adverse Reactions to Vaccination in Cats · European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)
- Impfempfehlung Kleintier · Bundesverband für Tiergesundheit
- Impfleitlinie für Kleintiere (Stand 06.01.2025) · StIKo Vet am FLI
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2010) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2024) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
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