
Katzenschnupfen: Herpes- und Caliciviren, und warum die Impfung zum Core gehört

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Hinweis: Diese Angaben gelten für Deutschland
Dieser Artikel beschreibt die Rechtslage, Gebühren und Empfehlungen in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen. Bitte klären Sie die Details mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vor Ort.
Das Wichtigste in Kürze
- Katzenschnupfen ist kein einzelner Erreger, sondern ein Komplex, vor allem aus zwei Viren: dem felinen Herpesvirus (FHV-1) und dem felinen Calicivirus (FCV)
- Das Herpesvirus bleibt lebenslang im Körper. Bei Stress kann es wieder aufflammen, ähnlich wie Fieberblasen beim Menschen
- Das Calicivirus hat viele verschiedene Stämme und verursacht typischerweise schmerzhafte Geschwüre im Maul
- Die Impfung gegen Katzenschnupfen ist Teil der RCP-Core-Impfung und wird für jede Katze empfohlen
- Die Impfung mildert die Erkrankung deutlich, verhindert eine Ansteckung aber nicht vollständig. Trotzdem ist sie der wichtigste Schutz
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Diese Einschätzung ist keine Diagnose und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Sie hilft nur, die Dringlichkeit einzuordnen. Im Zweifel wende dich immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Stand: 2026-07-15.
Katzenschnupfen: mehr als eine verschnupfte Nase
Katzenschnupfen klingt harmlos: nach einer laufenden Nase, die von allein weggeht. Der Name führt aber in die Irre: Dahinter steckt ein ganzer Komplex aus Erregern, der eine Katze ernsthaft krank machen und sie ein Leben lang begleiten kann. Die beiden wichtigsten Verursacher sind zwei Viren: das feline Herpesvirus und das feline Calicivirus.
Wenn deine Katze bereits niest und du wissen willst, was dahinterstecken kann, hilft dir der Ratgeber Katze niest. Hier geht es um die beiden Viren hinter dem Katzenschnupfen und warum die Impfung so wichtig ist, obwohl sie eine Ansteckung nicht ganz verhindern kann.
Was ist Katzenschnupfen?
Katzenschnupfen ist ein Sammelbegriff: keine einzelne Krankheit mit einem Erreger, sondern ein Komplex aus mehreren. Im Zentrum stehen zwei Viren:
- das feline Herpesvirus (FHV-1), das auch als Rhinotracheitis-Virus bezeichnet wird
- das feline Calicivirus (FCV)
Dazu können Bakterien wie Chlamydien oder Bordetellen kommen. Zusammen ergibt das den Katzenschnupfen-Komplex.
In Deutschland gehört der Schutz davor zu den Basisimpfungen: Nach der Leitlinie der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) sollten Katzen grundsätzlich gegen Katzenseuche und gegen Katzenschnupfen (Caliciviren, Herpesviren) geimpft werden. Beide Katzenschnupfen-Viren stecken in der RCP-Impfung, der Kombiimpfung, deren R und C für Rhinotracheitis (Herpes) und Calicivirus stehen und deren P vor der Katzenseuche (Panleukopenie) schützt.
Die beiden Hauptviren im Detail
Herpes- und Calicivirus lösen ähnliche Symptome aus, verhalten sich aber grundverschieden.
Das feline Herpesvirus (FHV-1) bleibt ein Leben lang. Es verhält sich ähnlich wie das Fieberblasen-Virus beim Menschen: Hat sich eine Katze einmal angesteckt, wird sie das Virus nicht mehr los: Es zieht sich in einen Ruhezustand zurück, eine sogenannte latente Infektion. Nach Angaben des Cornell Feline Health Center stecken sich bis zu 97 Prozent der Katzen im Lauf ihres Lebens mit dem Herpesvirus an, und bei bis zu 80 Prozent der angesteckten Tiere bleibt die Infektion lebenslang bestehen. Die Impfleitlinie der StIKo Vet formuliert es noch strenger: Eine einmal infizierte Katze bleibt lebenslang Trägerin. Kommt Stress dazu, etwa ein Umzug oder eine Operation, kann das Virus wieder aufflammen und einen neuen Schub auslösen.
Das feline Calicivirus (FCV) hat viele Gesichter. Von ihm gibt es nicht einen, sondern viele verschiedene Stämme, und das Virus verändert sich leicht. So entstehen neue Stämme, die von bestehenden Impfstoffen möglicherweise nicht vollständig abgedeckt werden. Typisch sind schmerzhafte Geschwüre auf Zunge und Maulschleimhaut: Eine betroffene Katze frisst dann oft schlecht und speichelt. Die meisten Stämme verlaufen mild. Einzelne Stämme lösen dagegen eine hochansteckende Verlaufsform aus, die den ganzen Körper betrifft und tödlich enden kann; gegen sie schützt auch die Impfung nicht zuverlässig.
Wie wird Katzenschnupfen übertragen?
Eine infizierte Katze scheidet ansteckende Partikel über Speichel, Nasen- und Augensekret aus. Angesteckt wird eine gesunde Katze auf zwei Wegen:
- durch direkten Kontakt zu einer infizierten Katze: beim gegenseitigen Putzen, bei Rangeleien oder über die feinen Tröpfchen, die eine Katze beim Niesen verteilt
- durch kontaminierte Gegenstände wie gemeinsame Futter- und Wassernäpfe, das Katzenklo, Spielzeug oder Liegeplätze
Besonders leicht breitet sich der Katzenschnupfen dort aus, wo viele Tiere auf engem Raum leben: in Mehrkatzenhaushalten, Tierheimen oder Zuchten. Hinzu kommt: Träger scheiden das Virus aus, ohne selbst sichtbar krank zu sein. Und die beiden Viren tun das unterschiedlich. Herpes-Träger scheiden schubweise aus, meist ausgelöst durch Stress; Calicivirus-Träger dagegen scheiden dauerhaft und unabhängig von Stress aus, zum Teil lebenslang.
Symptome: Woran erkenne ich Katzenschnupfen?
Der Katzenschnupfen betrifft vor allem die oberen Atemwege und die Augen. Typisch sind:
- Niesen und eine verstopfte Nase
- Ausfluss aus Nase und Augen, oft klar, er kann aber zäh und eitrig werden
- Bindehautentzündung: gerötete, geschwollene, tränende Augen
- Fieber
- Fressunlust und Teilnahmslosigkeit
- Schmerzhafte Geschwüre im Maul, vor allem beim Calicivirus
Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt von Erreger, Alter und Allgemeinzustand ab. Die sichere Diagnose stellt die Tierärztin.
Wie gefährlich ist Katzenschnupfen?
Für eine gesunde, erwachsene Katze verläuft der Katzenschnupfen häufig mild und heilt mit unterstützender Behandlung ab. Deutlich ernster wird es bei Kitten, alten Katzen, Tieren mit geschwächtem Immunsystem und ungeimpften Katzen: Hier kann der Verlauf schwer sein, mit ausgeprägter Fressunlust, Austrocknung und hartnäckigen Infektionen. Hinzu kommt: Weil das Herpesvirus lebenslang bleibt, können chronische Verläufe mit wiederkehrenden Schüben entstehen, die sich nur lindern, nicht heilen lassen.
Warum die Impfung zum Core gehört
Die Impfung gegen Katzenschnupfen ist eine Core-Impfung, also eine Basisimpfung für jede Katze, auch für die reine Wohnungskatze. Sie steckt gemeinsam mit dem Schutz vor der Katzenseuche in der RCP-Kombiimpfung.
Dabei ist Ehrlichkeit wichtig: Die Impfung mildert die Erkrankung deutlich, verhindert eine Ansteckung aber nicht in jedem Fall: Das liegt an der Natur der Viren. Gegen das Herpesvirus schützt kein Impfstoff vor der Infektion mit dem Wildvirus, weil das Virus latent wird und bei starkem Stress reaktivieren kann. Und beim Calicivirus sorgen die vielen Stämme dafür, dass auch geimpfte Katzen erkranken können, meist mild, in Ausbrüchen aber auch schwer.
Entscheidend ist, was die Impfung leistet: Sie senkt Schwere und Virusausscheidung deutlich. Eine geimpfte Katze, die sich ansteckt, erkrankt viel leichter und steckt weniger andere Tiere an. Damit ist sie trotz ihrer Grenzen der wichtigste Schutz für deine Katze.
So läuft der Impfschutz ab:
- Grundimmunisierung im Kittenalter: Das Fundament wird mit mehreren Terminen gelegt: Üblich sind Impfungen mit rund 8, 12 und 16 Wochen. Mit diesen drei Terminen ist die Grundimmunisierung allerdings noch nicht ganz abgeschlossen: Etwa ein Jahr nach dem letzten Kitten-Termin steht die erste Auffrischung an, die den Grundschutz komplettiert.
- Auffrischung, ein Streitpunkt: Wie oft danach nachgeimpft werden sollte, wird unter Fachleuten diskutiert. Die StIKo Vet empfiehlt Wiederholungsimpfungen im Abstand von bis zu drei Jahren. Die WSAVA empfiehlt in ihrer Leitlinie von 2024 dagegen für risikoarme Katzen drei Jahre oder länger, für Katzen mit höherem Risiko bis zu jährlich. Das europäische Expertengremium ABCD empfiehlt zur Orientierung eine jährliche Auffrischung für Katzen mit hohem Risiko, etwa Freigänger und Tiere aus Mehrkatzenhaushalten, und einen dreijährlichen Abstand für risikoarme Wohnungskatzen. Welcher Rhythmus passt, hängt von den Lebensumständen ab, mehr dazu im Ratgeber Wie oft muss meine Katze geimpft werden?.
Einen Überblick über alle Katzenimpfungen findest du im Ratgeber Welche Impfungen braucht meine Katze wirklich?. Impfstoff und Impfplan stimmst du immer nur nach Absprache mit deiner Tierärztin ab.
Wann du mit deiner Katze zum Tierarzt solltest
- Wenn deine Katze niest oder aus der Nase ausfließt und es nicht rasch besser wird, bei Augenbeteiligung (Bindehautentzündung, zugekniffenes Auge, trübe Hornhaut) dagegen zeitnah, ohne abzuwarten: Das Herpesvirus kann die Hornhaut angreifen, und daraus können im schlimmsten Fall bleibende Schäden bis zum Verlust der Sehkraft entstehen
- Bei Fieber oder Teilnahmslosigkeit, besonders wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen und eigenständig: wenn deine Katze nicht mehr frisst. Eine verstopfte Nase nimmt der Katze den Geruchssinn und damit den Appetit, schmerzhafte Maulgeschwüre machen das Fressen zusätzlich unmöglich. Dass die Nahrungsaufnahme sichergestellt wird, ist Teil der Behandlung und keine Nebensache
- Wenn deine Katze schlecht frisst und speichelt, ein Hinweis auf schmerzhafte Maulgeschwüre
- Dringend bei Kitten, alten oder chronisch kranken Katzen mit Atemwegs- oder Augensymptomen: Bei ihnen kann der Verlauf schwerer sein
- Zur Grundimmunisierung des Kittens und zu den Auffrischungsterminen
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Häufige Fragen
Verhindert die Impfung den Katzenschnupfen komplett?
Nein. Die Impfung mildert die Erkrankung deutlich und senkt die Virusausscheidung, kann eine Ansteckung aber nicht in jedem Fall verhindern: beim Herpesvirus wegen der lebenslangen Latenz, beim Calicivirus wegen der vielen Stämme. Eine geimpfte Katze erkrankt trotzdem viel leichter, deshalb bleibt die Impfung der wichtigste Schutz.
Warum wird meine Katze das Herpesvirus nie wieder los?
Das Herpesvirus verhält sich ähnlich wie das Fieberblasen-Virus beim Menschen: Nach einer Ansteckung bleibt es lebenslang in einem Ruhezustand im Körper. Nach Angaben des Cornell Feline Health Center stecken sich bis zu 97 Prozent der Katzen im Lauf ihres Lebens damit an, und bei bis zu 80 Prozent der angesteckten Tiere bleibt die Infektion lebenslang bestehen; die Impfleitlinie der StIKo Vet formuliert es noch strenger: Eine einmal infizierte Katze bleibt lebenslang Trägerin. Bei Stress (etwa durch Umzug, ein neues Tier oder eine OP) kann es wieder aktiv werden.
Können auch reine Wohnungskatzen Katzenschnupfen bekommen?
Ja. Am ehesten steckt sich eine Katze bei direktem Kontakt an, doch die Viren lassen sich auch über kontaminierte Gegenstände übertragen, und Träger scheiden das Virus lange unbemerkt aus. Kommt eine neue Katze ins Haus oder wird ein Tier in einer Pension untergebracht, besteht ein Risiko. Deshalb gehört die Impfung zum Grundschutz für jede Katze.
Wie oft muss die Katzenschnupfen-Impfung aufgefrischt werden?
Zuerst schließt eine Impfung rund ein Jahr nach dem letzten Kitten-Termin die Grundimmunisierung ab. Wie oft danach aufgefrischt wird, hängt vom Lebensstil ab und wird unter Fachleuten diskutiert. Die StIKo Vet empfiehlt Wiederholungsimpfungen im Abstand von bis zu drei Jahren. Die WSAVA empfiehlt in ihrer Leitlinie von 2024 dagegen für risikoarme Katzen drei Jahre oder länger, für Katzen mit höherem Risiko bis zu jährlich. Das Expertengremium ABCD empfiehlt zur Orientierung eine jährliche Auffrischung für Katzen mit hohem Risiko wie Freigänger und Mehrkatzenhaushalte und einen dreijährlichen Abstand für risikoarme Wohnungskatzen. Den passenden Rhythmus legst du mit deiner Tierärztin fest.
Fazit: Das Wichtigste zum Katzenschnupfen
- Katzenschnupfen ist kein einzelner Erreger, sondern ein Komplex, vor allem aus dem felinen Herpesvirus (FHV-1) und dem felinen Calicivirus (FCV)
- Das Herpesvirus bleibt lebenslang im Körper und kann bei Stress wieder aufflammen; das Calicivirus hat viele Stämme und verursacht typische Maulgeschwüre
- Übertragen wird der Katzenschnupfen über direkten Kontakt, Sekrete und kontaminierte Gegenstände, besonders leicht in Mehrkatzenhaushalten
- Typische Symptome sind Niesen, Augen- und Nasenausfluss, Bindehautentzündung, Fieber, Fressunlust und Maulgeschwüre; bei Kitten und geschwächten Tieren verläuft die Krankheit ernster
- Die Impfung ist eine Core-Impfung für jede Katze (Teil der RCP-Kombiimpfung): Sie mildert die Erkrankung deutlich, verhindert eine Ansteckung aber nicht vollständig: Den Impfplan stimmst du mit deiner Tierärztin ab
Quellen
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2010) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
- WSAVA Guidelines for the Vaccination of Dogs and Cats (2024) · WSAVA Vaccination Guidelines Group
- Feline Upper Respiratory Infection · VCA Animal Hospitals
- Respiratory Infections · Cornell Feline Health Center
- Feline Calicivirus · Cornell Baker Institute
- Feline Vaccines: Benefits and Risks · Cornell Feline Health Center
- Vaccines for Cats · VCA Animal Hospitals
- Impfleitlinie für Kleintiere (Stand 06.01.2025) · StIKo Vet am FLI
- Impfempfehlung Kleintier · Bundesverband für Tiergesundheit
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