Ist meine Katze zu dick? Übergewicht erkennen mit dem Body-Condition-Check
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Ist meine Katze zu dick? Übergewicht erkennen mit dem Body-Condition-Check

Céline Birkl
Céline Birkl
14. Juli 20266 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Nach Einschätzung einer Cornell-Tierärztin bringt wohl jede zweite Katze in der Tierarztpraxis zu viel auf die Waage, oft schleichend und ohne dass es auffällt. Dieser Ratgeber zeigt dir den Body-Condition-Check in drei Schritten, erklärt, warum Übergewicht der Katze schadet, und wie ein gesundes Abnehmen aussieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Übergewicht ist bei Katzen sehr häufig: Nach Einschätzung einer Cornell-Tierärztin ist wohl rund die Hälfte der in Tierarztpraxen vorgestellten Katzen zu dick oder sogar adipös
  • Der Body-Condition-Score (BCS) wird bei Katzen auf zwei Skalen vergeben; auf der üblichen 9-Punkte-Skala führt WSAVAs Katzen-Tafel allein die 5 als ideal, die Cornell-Universität nennt 4,5 bis 5. Eine 4 ist bei der Katze noch kein Zielwert
  • Der 3-Schritte-Check: Rippen fühlen (fühlbar, nicht sichtbar), Taille von oben, Bauchlinie von der Seite
  • Übergewicht kann ernste Erkrankungen begünstigen, darunter Diabetes mellitus, Arthrose und Hüftprobleme
  • Abnehmen muss langsam gehen: Eine plötzliche Hungerkur kann bei der Katze eine lebensbedrohliche Leberverfettung (hepatische Lipidose) auslösen

Ein bisschen mehr auf den Rippen: Viele Katzen tragen das mit sich herum, ganz ohne dass es den Menschen an ihrer Seite auffällt. Übergewicht entsteht bei Katzen schleichend, doch wo die Grenze zwischen kuschelig-rund und wirklich zu dick verläuft, lässt sich mit ein paar Handgriffen zu Hause gut einschätzen. Dieser Ratgeber zeigt dir den Body-Condition-Check Schritt für Schritt und worauf du beim Abnehmen achten musst, ganz ohne schlechtes Gewissen, denn das Ziel ist nicht, deine Katze zu bewerten, sondern gemeinsam mit deiner Tierärztin das Beste für sie zu finden.


Ist meine Katze wirklich zu dick?

Wenn du dir diese Frage stellst, bist du in guter Gesellschaft. Übergewicht ist bei Katzen ausgesprochen häufig: Nach der Einschätzung einer Cornell-Tierärztin sind wohl rund die Hälfte der in Tierarztpraxen vorgestellten Katzen übergewichtig oder sogar adipös. Das Tückische daran ist, dass die Zunahme langsam passiert: Ein paar Gramm im Monat fallen kaum auf, summieren sich über die Jahre aber zu einem echten Gesundheitsthema.

Besonders leicht rutschen reine Wohnungskatzen ins Übergewicht: Sie bewegen sich oft weniger als Freigänger und haben nicht selten rund um die Uhr Zugang zum Napf; auch nach der Kastration verändert sich der Energiebedarf. Das heißt nicht, dass du etwas falsch gemacht hast, nur, dass sich ein regelmäßiger Blick auf die Figur lohnt.


Der Body-Condition-Check: in drei Schritten selbst fühlen

Statt allein auf die Waage zu schauen, nutzen Tierärztinnen den Body-Condition-Score (BCS), eine Skala, die die Körperkondition anhand von Fühlen und Anschauen einordnet. Üblich ist eine 9-Punkte-Skala. WSAVAs Katzen-Tafel führt allein die 5 im Feld ideal und ordnet die 4 noch dem Bereich darunter zu; die Cornell-Universität nennt 4,5 bis 5. Der Leitlinientext der WSAVA ist artneutral gebaut und nennt 4 bis 5 für Hunde und Katzen zusammen.

So gehst du den Check zu Hause an, am besten in einer ruhigen Minute, wenn deine Katze entspannt ist:

1. Rippen fühlen. Lege beide Hände flach auf den Brustkorb deiner Katze und streiche sanft über die Flanken. Bei idealem Gewicht sind die Rippen gut zu fühlen, aber nicht zu sehen, unter einer nur dünnen Fettschicht. Ein hilfreiches Bild aus der Praxis: Die Rippen sollten sich anfühlen wie die Knöchel deiner Hand, wenn sie flach auf dem Tisch liegt. Musst du fest drücken, um überhaupt eine Rippe zu spüren, liegt zu viel Polster darüber.

2. Taille von oben. Schau von oben auf deine stehende Katze herab. Zeichnet sich hinter dem Rippenbogen eine leichte Taille ab, eine Einbuchtung wie bei einer Sanduhr? Verläuft die Silhouette dagegen gerade oder wölbt sich nach außen, spricht das für Übergewicht.

3. Bauchlinie von der Seite. Betrachte deine Katze im Profil. Zieht sich der Bauch hinter dem Brustkorb nach oben zu den Hinterbeinen hin schlank zusammen, der sogenannte Bauchtuck? Ein hängender, praller Bauch dagegen ist ein deutliches Zeichen für zu viel Gewicht.

Ein visueller Vergleich hilft: Die WSAVA stellt eine Cat-Body-Condition-Score-Tabelle zum Ausdrucken bereit, die alle neun Stufen zeigt und in der die 4 unter UNDER IDEAL steht, nicht im Idealfeld. Dieselbe Tafel merkt an, dass eine 6 „bei manchen Katzen, besonders älteren“ noch vertretbar sein kann. Ob das für deine gilt, entscheidet die Praxis. Wie der Check bei Hund und Katze im Detail funktioniert, liest du auch im Ratgeber Body-Condition-Score bei Hund und Katze.

Wichtig zu wissen: Der BCS misst das Fett, nicht die Muskeln. Dafür gibt es einen eigenen Wert, den Muscle-Condition-Score. Beide hängen nicht direkt zusammen: Eine Katze kann übergewichtig sein und trotzdem Muskulatur verlieren. Gerade bei älteren Tieren lohnt es sich deshalb, beides von der Tierärztin beurteilen zu lassen.


Warum ist Übergewicht für die Katze ein Problem?

Zu viel Gewicht ist bei Katzen weit mehr als ein Schönheitsthema. Laut Cornell kann deutliches Übergewicht mehrere ernste Erkrankungen begünstigen: Genannt werden unter anderem Arthrose (der schmerzhafte Verschleiß von Gelenkknorpel), Hüftprobleme und Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, bei der der Körper zu wenig Insulin bildet oder nicht mehr richtig darauf anspricht. Gerade der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Diabetes ist bei Katzen gut bekannt und ein wichtiger Grund, das Gewicht im Blick zu behalten.

Dazu kommen praktische Einschränkungen: Eine zu schwere Katze bewegt sich weniger, kommt beim Putzen schlechter an alle Stellen und springt seltener. Genau deshalb lohnt sich jedes Kilo, das wieder runtergeht.

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Meine Katze soll abnehmen: Worauf muss ich achten?

Der wichtigste Grundsatz vorweg: Bei Katzen muss das Abnehmen langsam und begleitet passieren. Eine Katze einfach auf strenge Diät zu setzen oder ihr Futter drastisch zu kürzen, ist gefährlich. Wird eine übergewichtige Katze plötzlich zu wenig gefüttert oder hungert sie, kann sich eine hepatische Lipidose entwickeln, eine Leberverfettung, die lebensbedrohlich ist. Cornell warnt ausdrücklich davor, eine Katze auf eine plötzliche Hungerkur zu setzen.

Ein gesundes Tempo ist deshalb bewusst gemächlich: Cornell nennt als Ziel einen schrittweisen Gewichtsverlust von etwa ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Wie viel deine Katze konkret fressen sollte, welches Futter passt und über welchen Zeitraum, legst du gemeinsam mit der Tierarztpraxis fest, damit die Leber nicht überfordert wird und deine Katze satt und zufrieden bleibt. Den ganzen Weg zum Wunschgewicht beschreibt der Ratgeber Katze gesund abnehmen lassen.


Wann du mit deiner Katze zum Tierarzt solltest

  • Wenn der Body-Condition-Check auf deutliches Übergewicht hindeutet (Rippen nur unter festem Druck fühlbar, keine Taille, praller Bauch): für einen Abnehmplan mit Ernährungsberatung
  • Bevor du deine Katze auf Diät setzt: Katzen dürfen nie auf eigene Faust hungern
  • Wenn deine Katze ungewollt und ohne erkennbaren Grund abnimmt: Gewichtsverlust ist bei der Katze oft ein Krankheitszeichen und gehört tierärztlich abgeklärt
  • Wenn deine Katze auffällig viel trinkt und uriniert, matt wirkt oder plötzlich das Fressen verweigert: Das kann auf ernste Erkrankungen wie Diabetes hindeuten

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob meine Katze zu dick ist?

Am besten mit dem Body-Condition-Check: Rippen fühlen (sie sollten fühlbar, aber nicht sichtbar sein), Taille von oben beurteilen und die Bauchlinie im Profil anschauen. Sind die Rippen nur unter festem Druck zu spüren, fehlt die Taille und hängt der Bauch, spricht das für Übergewicht. Die Waage allein sagt wenig aus, weil das Idealgewicht von Katze zu Katze verschieden ist.

Welches Gewicht ist bei einer Katze normal?

Es gibt kein pauschales Kilo, das für alle Katzen gilt: Rasse, Körperbau und Geschlecht spielen eine Rolle. Sinnvoller als eine feste Zahl ist der Body-Condition-Score auf der 9-Punkte-Skala: WSAVAs Katzen-Tafel nennt die 5 von 9, die Cornell-Universität 4,5 bis 5 von 9. Das persönliche Wohlfühlgewicht deiner Katze legst du am besten mit der Tierarztpraxis fest.

Ist Übergewicht bei Katzen wirklich gefährlich?

Ja. Deutliches Übergewicht kann ernste Erkrankungen begünstigen, darunter Diabetes mellitus, Arthrose und Hüftprobleme. Außerdem schränkt es Bewegung und Fellpflege ein. Deshalb ist es sinnvoll, das Gewicht früh im Blick zu behalten, statt zu warten, bis Beschwerden auftreten.

Wie schnell darf meine Katze abnehmen?

Nur langsam. Empfohlen wird ein sanfter Gewichtsverlust von etwa ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Eine plötzliche Hungerkur ist bei Katzen gefährlich, weil sie eine lebensbedrohliche Leberverfettung (hepatische Lipidose) auslösen kann. Abnehmen sollte deine Katze deshalb immer schrittweise und tierärztlich begleitet.


Fazit: das Wichtigste auf einen Blick

  • Übergewicht ist bei Katzen sehr häufig: Nach Einschätzung einer Cornell-Tierärztin ist wohl etwa die Hälfte der in Praxen vorgestellten Katzen ist zu dick, und die Zunahme passiert schleichend
  • Mit dem Body-Condition-Check (Rippen fühlen, Taille von oben, Bauchlinie von der Seite) erkennst du zu Hause, wo deine Katze steht; ideal ist ein BCS von 5 von 9 nach WSAVAs Katzen-Tafel, Cornell nennt 4,5 bis 5
  • Der BCS misst Fett, nicht Muskeln: Eine Katze kann übergewichtig sein und trotzdem Muskeln verlieren
  • Zu viel Gewicht kann Diabetes, Arthrose und Hüftprobleme begünstigen
  • Abnehmen muss langsam und tierärztlich begleitet passieren (etwa ein bis zwei Prozent pro Woche): Eine Hungerkur kann eine hepatische Lipidose auslösen
  • Bei ungewolltem Gewichtsverlust oder Warnzeichen wie starkem Trinken und Urinieren gehört deine Katze in die Tierarztpraxis

Quellen

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