Ibuprofen und Paracetamol für Katze und Hund — Gift aus der Hausapotheke
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Ibuprofen und Paracetamol für Katze und Hund — Gift aus der Hausapotheke

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
24. September 202611 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Ibuprofen und Paracetamol aus der Hausapotheke sind für Hund und Katze hochgiftig — und sie schaden unterschiedlich: Ibuprofen greift Magen, Darm und Nieren an, Paracetamol bei der Katze die roten Blutkörperchen und beim Hund vor allem die Leber. Einer Katze darf Paracetamol unter keinen Umständen gegeben werden. Hier liest du, woran du eine Vergiftung erkennst, wie schnell es gehen muss und wie du im Ernstfall richtig handelst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Menschen-Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol sind für Hund und Katze giftig und dürfen niemals selbst gegeben werden
  • Ibuprofen greift bei Hund und Katze vor allem Magen-Darm-Trakt und Nieren an — es drohen Geschwüre bis zum Durchbruch der Magenwand, Nierenschäden, Krampfanfälle und Koma; bei Katzen genügt laut MSD Veterinary Manual dafür etwa die halbe Menge wie beim Hund
  • Paracetamol darf einer Katze unter keinen Umständen gegeben werden — es verändert die roten Blutkörperchen und stört den Sauerstofftransport im Blut; beim Hund zeigen sich Vergiftungszeichen laut MSD Veterinary Manual in der Regel erst bei sehr hoher Menge, und dort steht die Leber im Vordergrund — bei wiederholter Gabe genügen aber auch beim Hund geringere Mengen
  • Warnzeichen bei Ibuprofen sind blutiges Erbrechen, blutiger Durchfall und verändertes Urinieren; bei Paracetamol zeigt die Katze zuerst Fressunlust und Schwellungen an Gesicht und Pfoten, erst später blasse, bläuliche oder bräunliche Schleimhäute, Hecheln und Atemnot; beim Hund sind es dagegen Fressunlust, Bauchschmerzen, Erbrechen, Mattigkeit und Zittern
  • Es gibt keine Frist, die du abwarten könntest: Paracetamol ist laut MSD Veterinary Manual meist schon innerhalb einer Stunde im Blut auf dem Höchststand, und die Prognose hängt daran, wie viel Zeit bis zum Behandlungsbeginn vergeht — früh behandelt ist der Ausgang meist sehr gut
  • Erste Hilfe heißt Verpackung mitnehmen und sofort in die Praxis — kein Erbrechen zuhause auslösen und keine Aktivkohle auf eigene Faust geben; beides ist Sache der Tierarztpraxis
  • Vorbeugen heißt alle Medikamente sicher wegschließen und heruntergefallene Tabletten sofort aufheben
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Dein Hund humpelt, deine Katze wirkt matt — und in der Hausapotheke liegt doch eine Schmerztablette, die dir selbst immer hilft. Der Gedanke ist verständlich, aber er ist gefährlich: Menschen-Schmerzmittel sind für Hund und Katze Gift. Ibuprofen und Paracetamol, die bei uns rezeptfrei in fast jedem Haushalt liegen, können bei Tieren schwere und teils tödliche Schäden anrichten — auch in einer gut gemeinten „kleinen Menge“. Wenn dein Tier ein solches Mittel bekommen oder heruntergefallene Tabletten gefressen hat, gehört es sofort zum Tierarzt-Notdienst. Dieser Ratgeber erklärt, warum diese Medikamente so gefährlich sind, woran du eine Vergiftung erkennst und wie du richtig handelst.


Warum Menschen-Schmerzmittel für Tiere gefährlich sind

Die wichtigste Botschaft vorweg: Gib Hunden und Katzen niemals selbst Schmerz- oder Fiebermittel aus deiner Hausapotheke. Der Körper von Hund und Katze verarbeitet viele dieser Wirkstoffe völlig anders als der menschliche — was uns hilft, kann für sie zum Gift werden.

Ibuprofen ist ein sogenanntes nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR), ein Schmerz- und Entzündungsmittel, das speziell für den Menschen entwickelt wurde. Die Pet Poison Helpline stellt ausdrücklich klar, dass dieses Medikament nicht an Haustiere verabreicht werden sollte. Bei Hunden und Katzen kann Ibuprofen gleich mehrere Organsysteme angreifen:

  • Magen-Darm-Trakt — es drohen Geschwüre, die sich als blutiges Erbrechen und blutiger Durchfall zeigen können.
  • Nieren — die Nierenfunktion kann geschädigt werden; das reicht von anfänglich stark vermehrtem Harnabsatz bis hin zu einem völligen Ausbleiben des Urins.
  • Nervensystem — es kann zu neurologischen Störungen kommen, von Benommenheit und Teilnahmslosigkeit bis hin zu Koma und Tod.

Magen-Darm-Trakt und Nieren sind laut MSD Veterinary Manual die Organe, die NSAR am häufigsten treffen. Beim Hund ist Ibuprofen dabei kein Grenzfall: Das MSD Veterinary Manual hält fest, dass seine Anwendung beim Hund nicht mehr empfohlen wird, weil sie zu Magengeschwüren und sogar zum Durchbruch der Magenwand führen kann — und nennt die Sicherheitsspanne beim Hund ausdrücklich schmal. Neben Magen-Darm-Blutungen und Nierenschäden kann es beim Hund auch zu Blutdruckabfall, Bewegungsstörungen, Herzproblemen und Krampfanfällen kommen.

Und auch hier gilt: Katzen sind empfindlicher als Hunde. Ihnen fehlt weitgehend die Fähigkeit, solche Wirkstoffe an Glucuronsäure zu binden — der Stoffwechselschritt, mit dem der Körper sie ausscheidungsfähig macht. Laut MSD Veterinary Manual genügt bei Katzen deshalb schon etwa die halbe Menge, die beim Hund eine Vergiftung auslöst. Es ist derselbe Engpass, der Katzen auch gegenüber Paracetamol so empfindlich macht.

Vergiftungen passieren häufiger, als man denkt: Laut MSD Veterinary Manual gehört die Aufnahme eines Menschen-NSAR zu den häufigsten Vergiftungen, die Tiergiftnotrufen gemeldet werden — täglich, und am häufigsten sind Hunde betroffen, danach Katzen. Für Deutschland führt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung Humanarzneimittel ausdrücklich unter den Ursachen von Tiervergiftungen auf — und nennt für die Jahre 2010 bis 2012 ebenfalls Hunde und Katzen als die am häufigsten betroffenen Tierarten. Oft fressen Tiere heruntergefallene Tabletten vom Boden, knabbern eine Blisterpackung an oder bekommen ein Mittel von Haltern, die es gut meinen, aber nicht wissen, was sie anrichten — und die ihren Fehler laut MSD Veterinary Manual häufig erst bemerken, wenn das Tier Symptome zeigt. Genau deshalb ist Aufklärung so wichtig: Was für uns ein harmloses Alltagsmedikament ist, ist für unsere Tiere ein Notfall.


Woran erkennst du eine Vergiftung?

Die Anzeichen unterscheiden sich nach Wirkstoff und nach Tierart — und sie treten nicht immer sofort auf. Deshalb lohnt es sich, sie getrennt zu kennen: Wer beim Hund auf ein Katzen-Warnzeichen wartet, wartet auf das falsche.

Nach Ibuprofen, bei Hund und Katze:

  • Blutiges Erbrechen oder blutiger Durchfall als Hinweis auf Magen-Darm-Geschwüre
  • Verändertes Trink- und Urinverhalten — zunächst auffällig viel, später möglicherweise gar kein Urinabsatz mehr
  • Benommenheit, Schwäche, Teilnahmslosigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen; beim Hund sind zusätzlich Bewegungsstörungen und Krampfanfälle beschrieben
  • Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen — Bauchschmerzen zeigen Tiere oft mit aufgekrümmtem Rücken

Nach Paracetamol bei der Katze — hier ist die Reihenfolge entscheidend. Die VCA nennt als frühe Zeichen Magenverstimmung, weniger oder gar keinen Appetit, Schwellungen im Gesicht und an den Pfoten und Juckreiz. Erst später kommen Schwäche, Teilnahmslosigkeit, blasse, bläulich oder bräunlich verfärbte Schleimhäute, Hecheln, Atemnot, ein schneller Herzschlag und schließlich Leber- und Nierenversagen bis hin zum Tod dazu. Wer auf verfärbte Schleimhäute wartet, wartet also zu lange.

Nach Paracetamol beim Hund stehen laut MSD Veterinary Manual andere Zeichen im Vordergrund: Fressunlust, Bauchschmerzen, Erbrechen, Mattigkeit, Zittern, Schwellungen an Gesicht und Pfoten, schneller Herzschlag und beschleunigte Atmung. Gelbsucht und Leberschäden sind beim Hund häufiger als bei der Katze. Bei einzelnen Hunden ist außerdem ein plötzlich trockenes Auge nach Paracetamol-Aufnahme beschrieben.

Wichtig: Warte nicht ab, bis Symptome auftreten. Wenn du weißt oder auch nur vermutest, dass dein Tier ein Schmerzmittel aufgenommen hat, ist das bereits ein Grund, sofort zu handeln — auch wenn es ihm auf den ersten Blick noch gut geht.


Paracetamol: bei der Katze ein absolutes Verbot

Ein besonders gefährlicher Fall ist Paracetamol — auch bekannt als Acetaminophen — bei Katzen. Laut VCA Animal Hospitals sind Katzen gegenüber diesem Wirkstoff besonders empfindlich: Sie sind anfälliger für eine Vergiftung und entwickeln schon bei viel geringerer Belastung Symptome als Hunde.

Der Grund liegt im Stoffwechsel der Katze. Ihr fehlt laut MSD Veterinary Manual weitgehend das Enzym, mit dem andere Tiere Paracetamol an Glucuronsäure binden und ausscheiden. Sie muss deshalb auf einen zweiten Weg ausweichen — und sobald der erschöpft ist, entstehen giftige Abbauprodukte.

Diese verändern die roten Blutkörperchen, sodass das Blut die Zellen und Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Laut MSD Veterinary Manual färbt das die Schleimhäute braun oder schmutzig-fahl und geht meist mit schnellem Herzschlag, beschleunigter Atmung, Schwäche und Mattigkeit einher; bei der Katze entwickelt sich diese Veränderung innerhalb weniger Stunden. Dazu kommen Schwellungen im Gesicht und an den Pfoten, Untertemperatur und Atemnot. Auch die Leber nimmt Schaden, und zwar laut VCA zeitversetzt — erst nach der Veränderung der roten Blutkörperchen. Die Niere kann ebenfalls betroffen sein.

Paracetamol darf einer Katze unter keinen Umständen gegeben werden. Es gibt hier keine „vorsichtige“ oder „kleine“ Menge, die sicher wäre.

Und beim Hund?

Auch Hunde vergiften sich an Paracetamol — nur trifft es bei ihnen ein anderes Organ zuerst. Laut MSD Veterinary Manual sind Gelbsucht, Leberschäden und Gewebeuntergang in der Leber beim Hund häufiger als bei der Katze. In seiner Fassung für Tierhalter sagt dasselbe Handbuch den Artunterschied auch ohne jede Mengenangabe: Beim Hund zeigen sich Vergiftungszeichen in der Regel erst, wenn die aufgenommene Menge sehr hoch ist, während die Katze empfindlicher ist und schon bei viel geringerer Menge Symptome entwickelt — und die Veränderung des Blutfarbstoffs entwickelt vor allem die Katze, dort innerhalb weniger Stunden. Dieselbe Quelle schränkt den Satz über den Hund aber sofort selbst ein: Bei wiederholter Gabe genügen auch beim Hund geringere Mengen. Für dich heißt das: Bei einem Hund musst du nicht auf verfärbte Schleimhäute warten — Fressunlust, Bauchschmerzen, Erbrechen, Mattigkeit und Zittern sind hier die Zeichen, auf die es ankommt.

Dass ein Hund größere Mengen verträgt als eine Katze, ist trotzdem kein Freibrief: Es verschiebt die Schwelle, es hebt sie nicht auf. Auch für den Hund gilt deshalb — kein Paracetamol aus der Hausapotheke, und bei Aufnahme sofort in die Praxis.


Erste Hilfe: was jetzt zu tun ist

Wenn dein Tier ein Schmerzmittel aufgenommen hat, geht es in der Ersten Hilfe nur um zwei Dinge: dein Tier stabil halten und es so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen. Es gibt kein Hausmittel, mit dem du eine solche Vergiftung zuhause behandeln kannst.

  1. Verpackung mitnehmen. Nimm die Tablettenschachtel, den Blister oder den Beipackzettel mit — der Wirkstoff und die Stärke helfen dem Team, dein Tier gezielt zu behandeln. Wichtig ist auch, ob es ein Retard-Präparat war: Solche Formen werden laut MSD Veterinary Manual langsamer aufgenommen, der Höchstwert im Blut kommt später.
  2. Sofort losfahren. Bring dein Tier ohne Umwege in die nächste Tierarztpraxis oder Tierklinik und ruf möglichst vorher an, damit das Team vorbereitet ist.
  3. Kein Erbrechen selbst auslösen. Für die Katze sagt die VCA es ausdrücklich: Versuch niemals, zuhause Erbrechen auszulösen. Ob Erbrechen überhaupt sinnvoll ist, entscheidet die Praxis — laut MSD Veterinary Manual nützt es nur, wenn es früh geschieht, und danach gehört eine Gabe Aktivkohle dazu. Das sind Behandlungsschritte, keine Hausmittel.
  4. Keine Mittel auf eigene Faust geben. Gib keine Milch, kein Öl und keine weiteren Medikamente. Das gilt auch für Aktivkohle — und zwar nicht, weil sie nichts brächte, sondern im Gegenteil: Die VCA nennt sie als das Mittel, mit dem die Tierärztin die Aufnahme aus dem Darm verringert. Aber in medizinischer Qualität, zum richtigen Zeitpunkt und in der Praxis, nicht aus dem eigenen Schrank.

Halte dein Tier auf dem Weg zur Praxis ruhig und warm und beobachte seine Atmung und sein Verhalten, damit du dem Team vor Ort alles genau schildern kannst.


Wann sofort zum Tierarzt?

Bei einer möglichen Schmerzmittel-Vergiftung gilt: sofort. Fahr immer dann direkt zum Tierarzt-Notdienst, wenn

  • dein Tier eine Tablette gefressen hat oder du es auch nur vermutest,
  • du ihm selbst ein Menschen-Schmerzmittel gegeben hast,
  • oder wenn eines der oben genannten Warnzeichen auftritt.

Warte nicht auf Symptome. Eine Frist, die du abwarten könntest, gibt es nicht — aber es gibt Zahlen, die zeigen, wie schnell das geht: Paracetamol ist laut MSD Veterinary Manual im Blut meist schon innerhalb einer Stunde auf dem Höchststand, Ibuprofen beim Hund nach 30 Minuten bis 3 Stunden, und die Katze entwickelt die Störung der roten Blutkörperchen innerhalb weniger Stunden. Das erste Behandlungsziel ist deshalb eine frühe Entgiftung — und die kann nur die Praxis leisten.

Die Zeit entscheidet auch über den Ausgang. Für Paracetamol gibt es mit N-Acetylcystein ein mögliches Gegenmittel, das die Schäden an Blutkörperchen und Leber begrenzen kann — ⛔ das gehört ausschließlich in die Tierarztpraxis: gib es niemals selbst. Dass ein Präparat mit demselben Wirkstoff (ACC) als Schleimlöser rezeptfrei in vielen Hausapotheken steht, macht es nicht zu einem Hausmittel; Dosis, Zeitpunkt und Verabreichungsweg entscheiden hier über die Wirkung, und eine Eigengabe kostet genau die Zeit, auf die es ankommt. Für Ibuprofen nennt das MSD Veterinary Manual kein Gegenmittel, dort besteht die Behandlung aus Entgiftung und unterstützender Therapie. Wie gut es ausgeht, hängt laut MSD Veterinary Manual davon ab, wie viel aufgenommen wurde und wie viel Zeit bis zum Behandlungsbeginn vergeht. Die VCA wird für die Katze noch deutlicher: Wird die Aufnahme früh behandelt, ist die Aussicht ausgezeichnet — Verzögerungen oder eine ausbleibende Behandlung verringern die Chancen erheblich, dauerhafter Organschaden oder Tod sind möglich.

Umgekehrt heißt „noch keine Symptome“ nicht „nichts passiert“: Bei der Katze folgt der Leberschaden laut VCA der Veränderung der roten Blutkörperchen zeitversetzt nach, und die Praxis kontrolliert die Leberwerte nach einer Paracetamol-Vergiftung laut MSD Veterinary Manual nach 24 und nach 48 Stunden noch einmal — die Überwachung endet also nicht mit dem ersten Praxisbesuch. Das MSD Veterinary Manual nennt aber auch den Grund, jetzt zu fahren statt abzuwarten: Wird eine Schmerzmittel-Aufnahme früh erkannt und richtig behandelt, ist der Ausgang in der Regel sehr gut.

Einen eigenen, bundesweiten tierärztlichen Giftnotruf gibt es in Deutschland nicht. Die Notfallberatung bei Vergiftungen läuft über die regionalen Giftinformationszentren (GIZ), und die sind human-medizinisch eingerichtet: Laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2015, die auf Jahresberichte bis 2012 zurückgreift, entfielen nur etwa ein bis drei Prozent aller eingehenden Anfragen auf Vergiftungen bei Tieren — gezählt sind also Anrufe, nicht Vergiftungsfälle. Sie beraten aber ausdrücklich auch bei Tiervergiftungen — sieben Tage in der Woche rund um die Uhr, und die Anfragen kommen sowohl von Laien als auch von Tierärztinnen und Tierärzten; besondere Erfahrung damit hat das GIZ-Nord in Göttingen. Der zuverlässigste Weg im Ernstfall ist trotzdem die Tierarztpraxis oder der Tierklinik-Notdienst — nur dort kann dein Tier auch sofort behandelt werden.

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Vorbeugen

Die gute Nachricht: Die allermeisten dieser Vergiftungen lassen sich verhindern. Behandle Medikamente im Haushalt so konsequent, wie du es bei kleinen Kindern tun würdest:

  • Alle Medikamente sicher wegschließen — nicht nur die Hausapotheke, sondern auch die Tabletten in der Handtasche, auf dem Nachttisch oder im Wochendosierer sind für neugierige Tiere erreichbar.
  • Heruntergefallene Tabletten sofort aufheben. Eine einzelne Tablette, die unter den Tisch rollt, ist ein Grund, sofort in die Praxis zu fahren.
  • Nie eigenmächtig Human-Medikamente geben. Wenn dein Tier offensichtlich Schmerzen hat, ist das kein Grund zur Selbstmedikation, sondern ein Grund für den Tierarztbesuch. Genau dieser gut gemeinte Griff in die Hausapotheke ist laut MSD Veterinary Manual einer der beiden Hauptwege, auf denen Hunde und Katzen an Menschen-Schmerzmittel kommen — der andere ist die heruntergefallene Tablette.
  • Tiergerechte Schmerzmittel nur vom Tierarzt. Für Hunde und Katzen gibt es eigens zugelassene, verträgliche Schmerzmittel, die die Tierärztin passend auswählt und dosiert.

So sorgst du dafür, dass dein Tier bei Schmerzen die richtige Hilfe bekommt, ohne sich an einem gefährlichen Menschen-Medikament zu vergiften.


Fazit

Ibuprofen und Paracetamol gehören in jede Hausapotheke — aber niemals in den Napf oder ins Maul deines Tieres. Menschen-Schmerzmittel sind für Hund und Katze Gift, und die beiden Wirkstoffe schaden unterschiedlich: Ibuprofen greift Magen, Darm und Nieren an und kann bis zu Krampfanfällen und Koma führen; Paracetamol trifft bei der Katze die roten Blutkörperchen und damit den Sauerstofftransport im Blut, beim Hund vor allem die Leber. Einer Katze darf Paracetamol unter keinen Umständen gegeben werden, und beim Hund verschiebt die höhere Verträglichkeit nur die Schwelle. Abwarten hilft nie: Paracetamol ist meist schon innerhalb einer Stunde im Blut auf dem Höchststand, Ibuprofen beim Hund schon nach 30 Minuten, und die Prognose hängt daran, wie schnell behandelt wird. Der beste Schutz ist Vorbeugung: Medikamente wegschließen, heruntergefallene Tabletten sofort aufheben und bei Schmerzen immer den Tierarzt entscheiden lassen. Und wenn doch etwas passiert, gilt — Verpackung mitnehmen, kein Erbrechen selbst auslösen, keine Aktivkohle auf eigene Faust und sofort zum Notdienst.


Häufige Fragen

Darf ich meinem Hund bei Schmerzen eine Ibuprofen-Tablette geben?

Nein. Ibuprofen ist ein Schmerzmittel für den Menschen und sollte laut Pet Poison Helpline nicht an Haustiere verabreicht werden. Das MSD Veterinary Manual geht weiter und hält fest, dass die Anwendung beim Hund nicht mehr empfohlen wird, weil sie zu Magengeschwüren und zum Durchbruch der Magenwand führen kann; die Sicherheitsspanne beim Hund nennt es ausdrücklich schmal. Zu erwarten sind Magen-Darm-Geschwüre mit blutigem Erbrechen und Durchfall, Magen-Darm-Blutungen, Nierenschäden sowie Bewegungsstörungen und Krampfanfälle; für das Nervensystem nennen die Pet Poison Helpline und das MSD Veterinary Manual außerdem Benommenheit bis hin zu Koma und Tod. Wenn dein Hund Schmerzen hat, verschreibt die Tierärztin ein tiergerechtes, sicher dosiertes Mittel.

Warum ist Paracetamol für Katzen so gefährlich?

Der Katze fehlt laut MSD Veterinary Manual weitgehend das Enzym, mit dem andere Tiere Paracetamol ausscheidungsfähig machen; weicht ihr Körper auf den zweiten Weg aus und ist der erschöpft, entstehen giftige Abbauprodukte. Die verändern die roten Blutkörperchen, sodass das Blut die Zellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt — die Schleimhäute werden braun, schmutzig-fahl oder bläulich, dazu kommen schneller Herzschlag, Hecheln, Schwäche und Atemnot; auch die Leber nimmt Schaden, laut VCA zeitversetzt erst nach der Veränderung der roten Blutkörperchen. Laut MSD Veterinary Manual entwickeln Katzen schon bei viel geringerer Belastung Symptome als Hunde. Paracetamol darf einer Katze unter keinen Umständen gegeben werden.

Mein Hund hat Paracetamol gefressen — ist das weniger schlimm als bei einer Katze?

Beim Hund braucht es mehr, aber es ist kein anderer Notfall — nur ein anderes Organ. Laut MSD Veterinary Manual sind Gelbsucht, Leberschäden und Gewebeuntergang in der Leber beim Hund häufiger als bei der Katze; dessen Fassung für Tierhalter hält ohne Mengenangabe fest, dass sich Vergiftungszeichen beim Hund in der Regel erst bei sehr hoher Menge zeigen, während die Katze schon bei viel geringerer Menge empfindlich reagiert und vor allem sie die Veränderung des Blutfarbstoffs entwickelt. Dieselbe Quelle setzt aber gleich dazu, dass bei wiederholter Gabe auch beim Hund geringere Mengen genügen. Warte deshalb beim Hund nicht auf verfärbte Schleimhäute: Fressunlust, Bauchschmerzen, Erbrechen, Mattigkeit und Zittern sind hier die Warnzeichen. Fahr genauso sofort in die Praxis wie bei einer Katze.

Mein Tier hat eine heruntergefallene Tablette gefressen — was soll ich tun?

Handle sofort, auch wenn es deinem Tier noch gut geht. Nimm die Verpackung mit und fahr direkt in die nächste Tierarztpraxis oder Tierklinik; ruf möglichst vorher an. Löse kein Erbrechen selbst aus — bei der Katze sagt die VCA ausdrücklich, das niemals zuhause zu versuchen — und gib auch keine Aktivkohle auf eigene Faust: Sie wirkt, aber sie ist ein Behandlungsschritt in der Praxis, kein Hausmittel. Die Zeit zählt, weil Paracetamol laut MSD Veterinary Manual meist schon innerhalb einer Stunde im Blut seinen Höchststand erreicht und die Prognose davon abhängt, wie viel Zeit bis zum Behandlungsbeginn vergeht.

Wen rufe ich in Deutschland bei einer Vergiftung an?

Zuerst die Tierarztpraxis oder den Tierklinik-Notdienst — das ist der schnellste Weg, weil dein Tier nur dort auch sofort behandelt werden kann. Einen eigenen, bundesweiten tierärztlichen Giftnotruf gibt es in Deutschland nämlich nicht. Ergänzend beraten die regionalen Giftinformationszentren bei Vergiftungen, sieben Tage in der Woche rund um die Uhr und auch für Halterinnen und Halter; besondere Erfahrung damit hat das GIZ-Nord in Göttingen. Diese Zentren sind human-medizinisch eingerichtet — laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2015 (Jahresberichte bis 2012) entfielen nur etwa ein bis drei Prozent aller eingehenden Anfragen auf Tiere, gezählt sind also Anrufe und nicht Vergiftungsfälle —, sie beraten aber ausdrücklich auch bei Vergiftungen von Tieren.

Quellen

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