Mit dem Hund nach Großbritannien: Einreise & Bandwurm-Pflicht
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Mit dem Hund nach Großbritannien: Einreise & Bandwurm-Pflicht

Céline Birkl
Céline Birkl
23. September 20266 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Seit dem Brexit ist Großbritannien ein Drittland – und für Hunde gilt eine zusätzliche Bandwurm-Pflicht in einem engen Fenster von 24 bis 120 Stunden vor der Ankunft. Hier bekommst du die ruhige Schritt-für-Schritt-Checkliste, damit du mit Hund oder Katze entspannt auf die Insel reist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Großbritannien ist seit dem Brexit ein Drittland – die Einreise mit Hund oder Katze folgt strengeren Regeln als eine EU-Reise
  • Die Basis bleibt gleich: erst Mikrochip, dann Tollwutimpfung, dann mindestens 21 volle Tage warten – wird der Chip erst nach der Impfung gesetzt, zählt die Impfung nicht
  • Neu und entscheidend: Hunde brauchen eine Bandwurmbehandlung gegen Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm)
  • Die Bandwurmbehandlung muss ein Tierarzt vor jeder Einreise geben – 24 bis 120 Stunden (1 bis 5 Tage) vor der Ankunft – und mit Datum und Uhrzeit eintragen
  • Bei Einreise aus einem EU-Land ist der in der EU ausgestellte EU-Heimtierausweis ein zugelassenes Reisedokument – ein neues Papier brauchst du dafür nicht
  • Für Katzen gilt die Bandwurm-Pflicht nicht – prüfe die aktuellen britischen Vorgaben trotzdem vor jeder Abreise
  • Heimtiere dürfen nur über zugelassene Routen einreisen – nach Wales gibt es laut APHA gar keine, und im Flugzeug reisen sie als Fracht
  • Die Rückreise in die EU ist ein zweiter Regelsatz mit eigenen Dokumenten – kläre sie vor der Buchung mit deinem Veterinäramt

Du möchtest mit deinem Hund nach Großbritannien reisen – für einen Urlaub, einen Umzug oder einen Besuch bei Freunden auf der Insel? Seit dem Brexit gelten dafür andere Regeln als für eine Reise innerhalb der EU. Großbritannien ist heute ein Drittland, und das bringt vor allem eine zusätzliche Pflicht mit sich, die du unbedingt im Kalender haben solltest: eine Bandwurmbehandlung für deinen Hund, 24 bis 120 Stunden vor der Ankunft.

Keine Sorge, das klingt komplizierter, als es ist. Wir gehen die Einreise hier Schritt für Schritt durch – ruhig, in der richtigen Reihenfolge und mit einer klaren Checkliste am Ende.

Großbritannien ist jetzt ein Drittland

Bis Ende 2020 war Großbritannien Teil des vertrauten EU-Reisesystems. Seit dem Brexit zählt es als Drittland – also als Land außerhalb der EU. Für dich als Halter heißt das: Die gewohnten EU-Regeln gelten nicht mehr eins zu eins, es kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Die wichtigste davon ist die Bandwurmbehandlung für Hunde.

Ein Hinweis vorab, der für die ganze Reise gilt: Die Einreisebestimmungen eines Drittlands kann das Land selbst jederzeit anpassen. Prüfe deshalb vor jeder Reise die aktuell gültigen britischen Vorgaben bei der zuständigen britischen Behörde. Dieser Ratgeber gibt dir den verlässlichen Rahmen – die letzte Bestätigung holst du dir kurz vor Abreise.

Die Basis bleibt: Chip, Tollwut, 21 Tage

Die gute Nachricht: Das Fundament ist dasselbe wie bei jeder EU-Reise. Dein Tier braucht:

  • einen Mikrochip zur eindeutigen Kennzeichnung,
  • eine gültige Tollwutimpfung,
  • und die richtige Reihenfolge dieser beiden Schritte.

Entscheidend ist: Der Chip muss vor der Tollwutimpfung gesetzt sein. Wird er erst danach eingesetzt, zählt die Impfung nicht und muss wiederholt werden – gov.uk sagt das für Großbritannien wörtlich so, und die EU-Regeln sagen es für die Rückreise genauso. Der einzige Unterschied: Für die Einreise nach Großbritannien lässt gov.uk auch denselben Termin gelten („before, or at the same time as“), die EU-Fassung verlangt „vorher“. Plane den Chip deshalb sicherheitshalber als ersten Schritt ein.

Nach Abschluss der ersten Impfserie gilt außerdem eine Wartezeit von mindestens 21 vollen Tagen, bevor dein Tier reisen darf – gezählt ab dem Tag nach der Impfung, und bei einer mehrteiligen Grundimmunisierung ab der letzten Dosis. Das ist dieselbe Frist wie bei einer EU-Reise, Großbritannien verlangt hier also nichts Zusätzliches. Manche Impfstoffe brauchen laut gov.uk aber länger: Das Beispiel dort nennt einen Impfstoff mit 30 Tagen Wirkeintritt – geimpft am 1. Oktober, Reise ab 1. November. Frag deine Tierarztpraxis, welcher Impfstoff verwendet wurde. Diese Frist gibt dem Immunsystem Zeit, einen ausreichenden Schutz aufzubauen.

Wie diese Reihenfolge genau funktioniert und worauf du beim Chip achten musst, liest du ausführlich im Ratgeber EU-Heimtierausweis für Hund und Katze.

Das richtige Reisedokument

Auch wenn Großbritannien kein EU-Land mehr ist, musst du für die Einreise aus der EU keine neuen Papiere besorgen. gov.uk listet für eine Anreise aus einem EU-Land vier zulässige Reisedokumente auf, und das erste davon ist der in einem EU-Land ausgestellte EU-Heimtierausweis. Er ist damit nicht bloß geduldet, sondern ausdrücklich vorgesehen – und gov.uk führt den in der EU ausgestellten Heimtierausweis an anderer Stelle noch einmal auf, dort für Halter, die mit ihrem Tier nach Großbritannien zurückkehren.

Ein Animal Health Certificate (AHC) ist dafür nicht der passende Ersatz – jedenfalls nicht bei einer Anreise aus Deutschland: Großbritannien erkennt ein AHC nur an, wenn es in Großbritannien selbst ausgestellt wurde und nicht älter als sechs Monate ist. Es ist damit ein Dokument für Tiere, die von dort aus gereist sind und zurückkehren. Reist du aus der EU ohne EU-Heimtierausweis an, kommt stattdessen ein Great Britain pet health certificate infrage: Es muss von einem amtlichen Tierarzt (Official Veterinarian) unterschrieben, gestempelt und datiert sein, und dein Tier muss innerhalb von zehn Tagen nach Ausstellung in Großbritannien einreisen. Für die meisten Reisenden aus Deutschland ist der vorhandene EU-Heimtierausweis ohnehin der einfachere Weg – vorausgesetzt, Chip, Tollwutimpfung und Wartezeit stimmen. Welches Dokument in deinem Fall gilt, bestätigt dir die zuständige britische Behörde.

Neu und wichtig: die Bandwurmbehandlung

Jetzt kommt der Punkt, der Großbritannien von einer normalen EU-Reise unterscheidet – und der die meisten Reisen ins Stolpern bringt, wenn man ihn übersieht.

Reist du mit einem Hund nach Großbritannien, muss er kurz vor der Einreise gegen den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) behandelt werden – und zwar vor jeder einzelnen Einreise, nicht einmal pro Jahr und nicht einmal im Leben des Hundes. Nach den EU-Reiseregeln gilt dieselbe Pflicht für Reisen mit dem Hund nach Finnland, Irland, Malta, Norwegen und Nordirland – Gebiete, die von diesem Bandwurm frei sind. Großbritannien verlangt sie für Hunde genauso.

Eine Ausnahme nennt gov.uk ausdrücklich: Kommst du direkt aus Finnland, Irland, Nordirland, Malta oder Norwegen nach Großbritannien, brauchst du die Behandlung nicht. Von Deutschland aus greift diese Ausnahme nicht.

Das Besondere ist das enge Zeitfenster, und es hat zwei Grenzen: Die Behandlung muss ein Tierarzt frühestens 120 Stunden (5 Tage) und spätestens 24 Stunden (1 Tag) vor deiner Ankunft in Großbritannien geben und im Reisedokument eintragen. Zu früh gilt nicht, zu spät auch nicht. Bezugspunkt ist ausdrücklich die Ankunft, nicht die Abfahrt – bei einer langen Anreise mit Übernachtungen sind das zwei verschiedene Tage.

Das Präparat muss außerdem in dem Land zugelassen sein, in dem es gegeben wird. Die Behandlung findet also im Ausland statt, bevor du einreist – nicht erst nach der Ankunft in Großbritannien.

Rechne am besten rückwärts, damit es entspannt bleibt:

  • Reist du zum Beispiel am Sonntag um 12 Uhr mittags ein, muss die Behandlung zwischen Dienstag 12 Uhr und Samstag 12 Uhr erfolgt sein. ⚠️ Rechne in Stunden, nicht in Tagen — die britische Regel ist stundengenau, und wer nur Wochentage plant, verfehlt das Fenster an beiden Enden.
  • Plane den Tierarzttermin fest ein – gerade bei längeren Reisen mit Zwischenstopp, wo du ihn vielleicht unterwegs einplanen musst.
  • Rechne mit Verspätung. Verzögert sich deine Anreise und liegen am Ende mehr als 120 Stunden zwischen Behandlung und Ankunft, kann eine neue Behandlung nötig werden. gov.uk verweist dich dafür an dein Transportunternehmen – frag also früh, was dort im Verspätungsfall gilt.

Der Tierarzt trägt Name und Hersteller des Präparats sowie Datum und Uhrzeit der Behandlung in den Abschnitt „Echinococcus treatment“ ein und versieht den Eintrag mit Stempel und Unterschrift. Das Mittel muss Praziquantel oder einen gleichwertigen, gegen Echinococcus multilocularis wirksamen Wirkstoff enthalten. Fehlt der Eintrag oder liegt er außerhalb des Fensters, kann dein Hund bis zu vier Monate in Quarantäne kommen – oder ihm wird bei Anreise über See die Einreise verweigert. Die Kosten trägst du. Deshalb gehört dieser Termin genauso fest in die Reiseplanung wie die Fähr- oder Zugbuchung.

Und die Katze?

Für Katzen ist die Einreise etwas einfacher: Die Bandwurmbehandlung ist eine reine Hunde-Pflicht. Deine Katze braucht für Großbritannien Mikrochip, gültige Tollwutimpfung und ein anerkanntes Reisedokument – aber keine verpflichtende Bandwurmbehandlung.

Trotzdem gilt auch hier: Prüfe die aktuellen britischen Vorgaben vor der Abreise, damit dich am Grenzübergang nichts überrascht.

Deine Checkliste für die Einreise

Zum Abhaken, in genau dieser Reihenfolge:

🚫 Bevor du irgendetwas planst: Prüfe, ob dein Hund überhaupt einreisen darf. Im Vereinigten Königreich ist der Besitz von fünf Hundetypen verboten — Pit Bull Terrier, Japanese Tosa, Dogo Argentino, Fila Brasileiro und XL Bully. Nach Großbritannien bringen darfst du einen solchen Hund laut gov.uk nur, wenn er bereits ein gültiges Certificate of Exemption hat. Entscheidend ist dabei nicht der Papierstammbaum, sondern das Erscheinungsbild: Ob ein Hund als verbotener Typ gilt, hängt nach gov.uk davon ab, wie er aussieht — nicht von Rasse oder Name. Die Konsequenzen reichen bis zur Beschlagnahme und, nach einer Verurteilung, zur Tötung des Hundes. Wenn dein Hund einem dieser Typen ähnelt, kläre das vor der Buchung mit der zuständigen britischen Behörde.

🛳️ Und prüfe die Route. gov.uk nennt das als allerersten Schritt: Nur zugelassene Routen und Transportunternehmen (approved routes) dürfen Heimtiere nach Großbritannien befördern — irgendeine Fähr- oder Zugbuchung reicht nicht. Die APHA-Liste dieser Routen sagt ausdrücklich: nach Wales gibt es keine zugelassene Route. Und diese Liste wird laufend geändert — im Sommer 2026 mehrmals pro Monat. Lies sie deshalb kurz vor der Buchung selbst nach (verlinkt in den Quellen unten). Im Flugzeug reisen Heimtiere als Fracht, nicht in der Kabine — Ausnahmen gibt es nur für gecharterte Privatflugzeuge und für Blinden- und Assistenzhunde.

  1. Mikrochip prüfen oder setzen lassen – vor der Tollwutimpfung.
  2. Tollwutimpfung beim Tierarzt – erst nachdem der Chip sitzt. Dein Tier muss dafür mindestens 12 Wochen alt sein, jünger geht nicht.
  3. Mindestens 21 volle Tage warten – gezählt ab dem Tag nach der letzten Impfung der Grundimmunisierung.
  4. Reisedokument klären: Aus einem EU-Land ist der EU-Heimtierausweis ausdrücklich zugelassen.
  5. Nur für Hunde: Bandwurmbehandlung frühestens 120 und spätestens 24 Stunden vor der Ankunft (also 1 bis 5 Tage vorher) vom Tierarzt geben und eintragen lassen. Das Mittel muss Praziquantel oder einen gleichwertigen, gegen Echinococcus multilocularis wirksamen Wirkstoff enthalten und im Land der Anwendung zugelassen sein. Der Eintrag braucht mehr als das Datum: Produktname und Hersteller, Datum und Uhrzeit sowie Stempel und Unterschrift der Tierärztin.
  6. Die Rückreise ist ein zweiter Regelsatz — plane sie mit. Zurück nach Deutschland reist dein Tier aus einem Nicht-EU-Land in die EU ein, es gelten also die EU-Regeln und nicht die britischen. Grundsätzlich läuft die Einreise über eine ausgewiesene Eingangsstelle für Reisende (designated travellers’ point of entry) im Zielland, wo Dokumente und Identität geprüft werden; Your Europe formuliert das als Grundsatz und verweist für die Frage, ob es für dein Abreiseland verlangt wird, auf seine Länderabfrage. Offen ist außerdem, welches Dokument dafür reicht: Your Europe nennt für die Einreise aus einem Nicht-EU-Land die EU-Tiergesundheitsbescheinigung (von einem amtlichen Tierarzt im Abreiseland, höchstens 10 Tage vor der Ankunft ausgestellt) und führt Großbritannien nicht unter den Ländern auf, deren eigener Heimtierausweis für die EU-Einreise genügt. Ob dein in Deutschland ausgestellter EU-Heimtierausweis für die Rückkehr ausreicht, sagt die Seite nicht — und ob ein Tollwut-Bluttest verlangt wird, hängt dort vom Abreiseland ab. Kläre beides vor der Buchung mit deinem Veterinäramt; es ist die eine Frage dieser Reise, an der du auf dem Rückweg hängenbleiben kannst.
  7. Kurz vor Abreise die aktuellen britischen Einreiseregeln bei der zuständigen Behörde bestätigen.

Einen Tierarzt in deiner Nähe – für Chip, Impfung und die Bandwurmbehandlung mit korrektem Eintrag – findest du über die Tierarztsuche.

Entspannt vorbereitet ankommen

Die Einreise nach Großbritannien wirkt auf den ersten Blick nach viel Bürokratie, ist am Ende aber eine überschaubare Liste. Das Fundament kennst du schon von der EU-Reise – Chip, Tollwut, 21 Tage Wartezeit. Neu ist im Wesentlichen die Bandwurmbehandlung für Hunde, und die hat ein Fenster mit zwei Grenzen: frühestens 120, spätestens 24 Stunden vor der Ankunft (1 bis 5 Tage). Zwei Dinge dazu gehören genauso früh in die Planung: eine zugelassene Route und die Frage, welche Papiere du für die Rückreise in die EU brauchst. Wenn das steht, steht dem gemeinsamen Trip auf die Insel nichts im Weg.

Mehr Grundlagen findest du im Ratgeber Einreisebestimmungen für den Hund in EU-Länder, und praktische Tipps für die Reise selbst unter Mit dem Hund in den Urlaub.

Quellen

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