Nassfutter oder Trockenfutter: Was ist besser für meinen Hund?
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Nassfutter oder Trockenfutter: Was ist besser für meinen Hund?

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
14. Oktober 20266 Min. Lesezeit
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Als Alleinfuttermittel sollen Nass- und Trockenfutter einen Hund beide vollständig versorgen. Sie unterscheiden sich im Wasser, im Preis und in der Lagerung. Dass Trockenfutter die Zähne putzt, ist kaum belegt, dass es „hochverarbeitet“ schädlicher sei, auch nicht. Die echten Risiken sind einzelne Chargen und ein offener Sack.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob nass oder trocken: Mit „Alleinfuttermittel“ auf dem Etikett soll das Futter als tägliche Ration reichen
  • Trockenfutter enthält etwa 10 Prozent Wasser, Nassfutter 68 bis 78 Prozent
  • Trockenfutter putzt kaum die Zähne: In einer Studie an 1.350 Hunden zeigten sich nur wenige erkennbare Unterschiede
  • Nassfutter enthielt in einer Untersuchung von 67 Hunde- und Katzenfuttern im Schnitt sogar die meisten Maillard-Produkte, was das für die Gesundheit heißt, ist offen
  • Trockenfutter im verschlossenen Sack in einer dichten Box lagern, offenes Nassfutter abgedeckt in den Kühlschrank

Besser ist keins der beiden von vornherein. Steht „Alleinfuttermittel“ auf dem Etikett, reicht ein Futter laut dem Etikett-Kodex des europäischen Industrieverbands FEDIAF als tägliche Ration, ob nass oder trocken. Die beiden unterscheiden sich im Wasser, im Preis und in der Lagerung. Zwei verbreitete Annahmen tragen dagegen nicht: dass Trockenfutter die Zähne putzt und dass es als „hochverarbeitetes“ Futter schädlicher sei als Nassfutter.

Was Nass- und Trockenfutter unterscheidet

  • Wasser: Trockenfutter enthält etwa 10 Prozent Wasser, Nassfutter 68 bis 78 Prozent (MSD Veterinary Manual). Nach dem FEDIAF-Kodex heißt Futter bis 14 Prozent Feuchte trocken, ab 60 Prozent nass.
  • Herstellung: Rund 95 Prozent der Trockenfutter werden extrudiert, also gegart und durch eine Düse gepresst. Nassfutter wird in der Dose verschlossen und unter Druck erhitzt, das sterilisiert den Inhalt (MSD).
  • Preis: Trockenfutter ist laut Stiftung Warentest oft erheblich preiswerter. Im Trockenfutter-Test von 2025 kostete die Tagesration bei einigen empfehlenswerten Produkten 25 Cent. Im Nassfutter-Test von 2022 lag sie für einen 15 Kilo schweren Hund zwischen 83 Cent und 6,80 Euro.
  • Menge: Weil Nassfutter so viel Wasser enthält, frisst dein Hund davon deutlich mehr Gramm für dieselbe Energie. Wie viel er braucht, steht unter Wie viel Futter braucht mein Hund?

Mehr Wasser im Napf kann bei manchen Hunden zählen. In einer kleinen Studie bekamen 16 Hunde dasselbe Trockenfutter, einmal mit Wasser auf 73 Prozent Feuchte gebracht. Die Zwergschnauzer nahmen dann insgesamt mehr Wasser auf und hatten verdünnteren Urin, bei den Labradoren blieben die Urinwerte gleich (Stevenson et al. 2003).

Auf die Form allein verlassen kannst du dich bei keinem der beiden. Für test 6/2019 prüfte Stiftung Warentest 31 Feuchtfutter, 26 aus Dose oder Schale und fünf tiefgekühlte BARF-Menüs. Alle nannten sich Alleinfuttermittel. Neun waren mangelhaft, vor allem weil Mineralstoffe und Vitamine fehlten. Im Trockenfutter-Test 2025 war von 24 Produkten rund jedes dritte empfehlenswert.

Putzt Trockenfutter die Zähne?

Kaum. In einer Studie an 1.350 Hunden fanden sich zwischen Hunden mit reinem Trockenfutter und anders gefütterten Hunden nur wenige erkennbare Unterschiede bei Zahnstein, Zahnfleisch und Knochenabbau (Harvey et al. 1996). Eine neuere Studie an 28 Yorkshire Terriern fand bei Trockenfutter zwar eine etwas gesündere Bakterienzusammensetzung im Zahnbelag, aber keinen Hinweis auf gesündere Zähne und Zahnfleisch. Die Autorinnen und Autoren, alle beim Futterhersteller Mars angestellt, raten deshalb zu zusätzlicher Zahnpflege (Wallis et al. 2025). Was wirklich hilft, steht unter Zahnstein beim Hund.

Ist Trockenfutter als „hochverarbeitetes“ Futter schädlich?

Für den Vergleich mit Nassfutter gibt es Messungen zu Maillard-Produkten. Sie entstehen beim Erhitzen aus Eiweiß und Zucker. In einer Untersuchung von 67 Hunde- und Katzenfuttern enthielt Nassfutter im Schnitt die meisten davon, vor gepresstem und extrudiertem Futter (van Rooijen et al. 2014). Auch im Blut von Hunden lagen diese Stoffe am höchsten, wenn sie Nassfutter aus der Dose bekamen (Bridglalsingh et al. 2024). Welche Folgen das langfristig für die Gesundheit von Hunden hat, müsse die Forschung erst klären, schrieben die Autoren 2014 selbst. Ein Argument gegen Trockenfutter ist es jedenfalls nicht.

Die echten Risiken: einzelne Chargen und ein offener Sack

Probleme machen eher einzelne Chargen als das Format. Im Januar 2021 wusste die US-Behörde FDA von mehr als 110 Haustieren, die gestorben waren, nachdem sie bestimmtes Futter eines Herstellers gefressen hatten. Es war mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin belastet.

Der zweite Punkt ist die Lagerung. In frisch geöffneten Säcken sind Vorratsmilben meist nicht nachweisbar, sie dringen über undichte Verschlüsse ein (Olivry & Mueller 2019). Beide Autoren haben Forschungsgeld und Honorare vom Futterhersteller Royal Canin erhalten, der auch die Publikationskosten trug. Unter Bedingungen, die für Milben ideal sind (im Mittel 23 °C und 71 Prozent Luftfeuchte), fanden sich nach fünf Wochen in neun von zehn offenen Futtern Milben (Brazis et al. 2008). In zehn Haushalten waren es nach drei Monaten sechs von zehn Papiersäcken, aber nur eine von zehn verschließbaren Plastikboxen (Gill et al. 2011). Gemessen am Hausstaub ist das wenig: Dort steckten in denselben Wohnungen 10- bis 1.000-mal so viele Milben. Bei Hunden mit Hausstaubmilbenallergie können Milben im Futter aber Beschwerden auslösen, die dann fälschlich wie eine Futtermittelallergie aussehen (Olivry & Mueller 2019). Mehr dazu unter Hund kratzt sich.

So lagerst du richtig, nach den Tipps der FDA:

  • Trockenfutter im Originalsack lassen, den Sack oben fest zufalten und kühl lagern, laut FDA unter 80 Grad Fahrenheit. Nutzt du eine Box, stell den ganzen Sack hinein, statt das Futter umzufüllen (FDA). In verschließbaren Plastikboxen blieb das Futter in einer Studie weitgehend frei von Milben (Gill et al. 2011).
  • Offenes Nassfutter gleich abgedeckt in den Kühlschrank oder wegwerfen.

Was üblich ist

Trockenfutter ist die häufigste Form. In einer Befragung der Tierärztlichen Hochschule Hannover von 2023, die über deren Social-Media-Kanäle lief und nicht repräsentativ ist, gaben 53 Prozent der Hundehalter täglich Trockenfutter mit Fleisch, 34 Prozent Nassfutter mit Fleisch (Godglück et al. 2026). Gemischt wird oft: Von den Hunden, die 2006 und 2007 in einer deutschlandweiten Befragung nur Fertigfutter bekamen, fraßen 33,8 Prozent Trocken- und Nassfutter (Dissertation Becker, LMU München).

Häufige Fragen

Was ist besser für den Hund, Nass- oder Trockenfutter?

Keins von vornherein. Als Alleinfuttermittel soll jedes als tägliche Ration reichen. Nassfutter bringt viel Wasser mit, Trockenfutter ist meist günstiger und leichter zu lagern. Wichtiger als die Form ist, dass das Futter vollständig ist.

Ist Trockenfutter schlecht für Hunde?

Ein Schaden durch die Form ist nicht belegt. Von den Maillard-Produkten, die beim Erhitzen entstehen, enthielt in einer Untersuchung Nassfutter sogar die meisten. Echte Risiken sind belastete Chargen und Milben in offenen Säcken.

Reinigt Trockenfutter die Zähne?

Kaum. In einer Studie an 1.350 Hunden gab es zwischen Hunden mit reinem Trockenfutter und anders gefütterten Hunden nur wenige erkennbare Unterschiede. Zahnpflege ersetzt es nicht.

Darf ich Nass- und Trockenfutter mischen?

Ja. Sind beide Alleinfuttermittel, ist auch die Mischung vollständig, solange du die Tagesmenge auf beide aufteilst. In einer deutschlandweiten Befragung bekam ein Drittel der Hunde, die nur Fertigfutter fraßen, beides.

Wie bewahre ich offenes Nassfutter auf?

Abgedeckt im Kühlschrank, sonst wegwerfen, rät die FDA. Eine feste Zahl von Tagen nennt sie nicht.

Fazit

  • Nass oder trocken ist zweitrangig, wenn das Futter ein Alleinfuttermittel ist.
  • Nassfutter bringt Wasser mit, Trockenfutter ist meist günstiger.
  • Zähne putzt Trockenfutter kaum, und „hochverarbeitet“ ist kein Argument gegen es: Nassfutter enthielt sogar mehr Maillard-Produkte.
  • Trockenfutter im zugefalteten Sack in einer dichten Box lagern, offenes Nassfutter abgedeckt kühlen.

Quellen

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