
Milben bei der Katze: Ohrmilben, Räude und Co. erkennen und behandeln

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ohrmilben (Otodectes cynotis) sind die häufigste Milbenart bei Katzen (laut VCA der zweithäufigste Ektoparasit bei Haustieren überhaupt, nach dem Floh)
- Typisch für Ohrmilben: Kopfschütteln, angelegte Ohren und dunkler, krümeliger, übelriechender Ohrbelag
- Die Notoedres-Räude ist in unseren Breiten selten, aber hoch ansteckend: starker Juckreiz mit Krusten an Ohren, Kopf und Hals
- Demodex ist bei Katzen selten, und nur Demodex gatoi ist zwischen Katzen ansteckend, Demodex cati nicht
- Cheyletiellen zeigen sich als wandernde Schuppen auf dem Rücken und befallen auch Menschen häufig; Demodexmilben gehen gar nicht auf Menschen über
- Diagnose gehört in die Praxis: Otoskop, Ohrabstrich, Hautgeschabsel und Klebestreifen unter dem Mikroskop
- Niemals Zecken- oder Flohmittel für Hunde bei Katzen anwenden: Permethrin kann für Katzen tödlich sein. Lebt eine Katze im Haushalt, rät International Cat Care zuerst zu einem Hundemittel ohne Permethrin; nur wenn es doch eines wird, gehören beide 72 Stunden getrennt
Milben bei der Katze: ein Wort, mehrere verschiedene Krankheiten
„Milben“ klingt nach einer einzigen Diagnose, ist aber ein Sammelbegriff. Bei Katzen kommen mehrere Arten vor, und sie sehen völlig unterschiedlich aus: Die eine sitzt tief im Gehörgang, die nächste gräbt sich in die Haut von Kopf und Ohren, die dritte krabbelt als „wandernde Schuppe“ über den Rücken. Weil Behandlung und Ansteckungsrisiko je nach Art verschieden sind, gehört die Bestimmung in die Tierarztpraxis.
Wie weit die Arten auseinanderliegen, zeigt ein Beispiel: Von den beiden Demodexarten ist die eine zwischen Katzen ansteckend, die andere nicht, und Herbstgrasmilben sind es gar nicht. „Stecke ich mich an?“ und „wie lange muss ich behandeln?“ haben deshalb keine Antwort für „Milben“, sondern nur eine je Art.
Die gute Nachricht: Milben sind gut behandelbar. Die weniger gute: Warten ist keine Behandlung. Bei Ohrmilben rät das Cornell Feline Health Center, ohne Verzug tierärztliche Hilfe zu suchen, weil unbehandelt eine Entzündung bis ins Innenohr reichen kann. Und mehrere Arten stecken andere Tiere an.
Die wichtigsten Milbenarten bei Katzen
Ohrmilben (Otodectes cynotis): der Klassiker
Ohrmilben sind die häufigste Milbenart bei Katzen. VCA nennt sie den zweithäufigsten Ektoparasiten bei Haustieren überhaupt, häufiger ist nur der Floh. Die CAPC-Leitlinie (Stand 2019) zitiert eine Untersuchung, nach der 85 Prozent der Außenohrentzündungen bei Katzen auf sie zurückgehen, nennt im selben Abschnitt aber eine weltweite Häufigkeit zwischen 0,5 und 37 Prozent. Die 85 Prozent sind also eine einzelne Erhebung, keine gesicherte Größe. Das Cornell Feline Health Center beschreibt sie als häufig diagnostiziert und extrem ansteckend. Sie wandern beim engen Körperkontakt von Katze zu Katze. Besonders betroffen sind Freigänger, verwilderte Katzen und Katzen unter einem Jahr.
Das typische Bild:
- Ständiges Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, angelegte und entzündete Ohren
- Ein dunkler, krümeliger, oft übelriechender Belag im Gehörgang, der an feuchten Kaffeesatz erinnert
- Kahle oder wunde Stellen rund um Ohr und Kopf durch das Kratzen
Unbehandelt entsteht eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, die sich bis ins Mittel- und Innenohr ausbreiten und das Trommelfell schädigen kann, mit dauerhaften Folgen für Gehör und Gleichgewichtssinn.
Notoedres-Räude (Kopfräude): Krusten am Kopf
Notoedres cati ist eine hoch ansteckende Milbe von Katzen und Kitten, aber eine seltene. Das MSD Veterinary Manual nennt den Befall in der Halterfassung ausdrücklich „selten“ und in der Fachfassung „ungewöhnlich bis selten in den nördlichen gemäßigten Zonen“, häufiger dagegen in subtropischen und tropischen Gebieten. Für Deutschland heißt das: hoch ansteckend, aber unwahrscheinlich. Und was Krusten am Kopf wirklich verursacht, klärt erst das Hautgeschabsel.
Sie gräbt sich in die Haut ein und löst starken Juckreiz aus. Krusten und kahle Stellen zeigen sich zuerst an Ohren, Kopf und Hals (daher der Name Kopfräude) und können sich über den ganzen Körper ausbreiten. Übertragen wird sie durch direkten Kontakt; sie kann daneben gelegentlich andere Tiere und Menschen befallen.
Eine zweite Räude erreicht Katzen über den Hund: Die Hundekrätze (Sarcoptes scabiei var. canis) tritt laut MSD meist beim Hund auf, „kann aber auch bei Katzen vorkommen, die Kontakt zu infizierten Hunden haben“, und sie ist ebenfalls hoch ansteckend, auch für Menschen. Lebt im Haushalt ein Hund mit Räudeverdacht, sag das in der Praxis dazu.
Demodex: bei Katzen selten
Demodikose ist laut VCA beim Hund häufiger als bei der Katze; das MSD Veterinary Manual nennt die Demodikose der Katze „ungewöhnlich bis selten“. Zwei Arten sind relevant, und sie unterscheiden sich genau in der Frage, die Halter zuerst stellen:
- Demodex cati lebt in den Haarfollikeln und ist nicht von Katze zu Katze übertragbar. VCA formuliert es ohne Hintertür: nicht ansteckend, nicht zwischen Katzen weitergebbar. Ein großflächiger Befall kann auf eine Grunderkrankung oder ein geschwächtes Immunsystem hindeuten, das die Milben überhaupt erst überhandnehmen lässt.
- Demodex gatoi lebt an der Hautoberfläche, ist zwischen Katzen ansteckend und verursacht starken Juckreiz mit entzündeter Haut und Krusten. Hier müssen alle Katzen im Haushalt mitbehandelt werden, auch die unauffälligen: Manche infizierte Katze zeigt laut VCA überhaupt keine Hautveränderungen und gibt die Milben trotzdem weiter.
Beide Arten gehen nicht auf Menschen über, und auch nicht zwischen Hund und Katze hin und her: Jede Demodexart lebt laut VCA nur auf einer einzigen Wirtsart.
Cheyletiellen: die „wandernden Schuppen“
Diese Milben leben auf der Hautoberfläche. Typisch ist eine auffällige Schuppenbildung entlang des Rückens. Schaut man genau hin, bewegen sich manche der Schuppen. Cheyletiellen sind sehr ansteckend und befallen auch Menschen häufig; manche Katze trägt sie ohne jedes Zeichen und gibt sie an andere Tiere und an Menschen weiter.
Für diese Art nennt das MSD Veterinary Manual eine konkrete Dauer: sechs bis acht Wochen, bis alle Milben weg sind. Und die Weibchen überleben bis zu zehn Tage ohne Wirt. Deshalb gehört bei Cheyletiellen ausdrücklich der Haushalt mitbehandelt.
Herbstgrasmilben: orange Punkte im Sommer und Herbst
Ihre Larven sitzen als winzige, orange-rote Pünktchen auf der Haut, bevorzugt an Kopf, Ohren, Pfoten und Bauch, und lösen Rötung, Knötchen, Krusten und teils heftigen Juckreiz aus. Betroffen sind vor allem Freigänger; in gemäßigten Zonen nehmen Katzen die Larven laut MSD im Sommer und Herbst auf. In Europa ist es die Herbstgrasmilbe Neotrombicula autumnalis.
Zwei Dinge sind hier anders als bei den übrigen Arten: Herbstgrasmilben sind laut MSD Veterinary Manual nicht ansteckend. Die Katze nimmt die Larven draußen vom Boden auf, nicht von einer anderen Katze. Und der Juckreiz kann anhalten, auch wenn die Larven längst abgefallen sind; ein weiter kratzendes Tier heißt hier also nicht automatisch, dass die Behandlung versagt hat.
Wie Milben in der Praxis nachgewiesen werden
Von außen lassen sich die Arten nicht sicher unterscheiden, und Juckreiz und Haarverlust haben bei Katzen viele andere Ursachen, von Flöhen bis zur Allergie. Deshalb geht die Tierarztpraxis gezielt vor:
- Otoskop: Blick tief in den Gehörgang, in dem Ohrmilben oft direkt sichtbar sind
- Mikroskopie des Ohrsekrets: ein Abstrich aus dem Ohr unter dem Mikroskop
- Hautgeschabsel: für Räude und Demodex. Bei Notoedres lassen sich die Milben so meist gut finden
- Klebestreifen- und Kämmtests: für Cheyletiellen
- Bei Herbstgrasmilben genügen meist Vorgeschichte und typisches Bild
Ein negativer Befund ist dabei nicht überall gleich viel wert: Notoedres-Milben lassen sich laut MSD Veterinary Manual „recht leicht“ im Hautgeschabsel finden, Demodex- und Cheyletiellenmilben dagegen oft nur schwer. Bleibt der Verdacht, kann bei Demodex laut VCA eine probeweise Behandlung die Diagnose sein. Dass nichts gefunden wurde, ist also keine Entwarnung.
Die Untersuchungen gehen schnell. Sitzt die Entzündung im Ohr aber schon tief und ist es sehr schmerzhaft, kann laut VCA eine Sedierung nötig sein, damit das Ohr überhaupt gründlich untersucht und behandelt werden kann.
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Behandlung: was hilft und was du niemals tun darfst
Milben bei Katzen werden ausschließlich tierärztlich gesteuert behandelt. Je nach Art kommen Ohrpräparate, Spot-ons, Waschlösungen, Tabletten oder Injektionen infrage. Welches Mittel passt, hängt von Milbenart, Alter und Gesundheitszustand ab. Jede Anwendung nur nach Absprache mit dem Tierarzt.
Drei Punkte entscheiden über den Erfolg:
- Lange genug behandeln. Eine Ohrmilbe braucht rund drei Wochen von der Eiablage bis zur erwachsenen Milbe (die CAPC-Leitlinie rechnet für einen vollen Zyklus mit 18 bis 28 Tagen), und erwachsene Milben leben etwa zwei Monate. Der entscheidende Satz steht bei VCA: Kein Medikament dringt in die Eier oder Puppen ein, behandelt werden nur die erwachsenen Milben und die Larvenstadien. Wer absetzt, sobald die Katze aufhört zu kratzen, lässt die nächste Generation schlüpfen. Wie viele Wochen es im Einzelfall braucht, legt die Praxis fest: Eine feste Gesamtdauer für Ohrmilben nennt keine der hier zitierten Quellen. Für Cheyletiellen rechnet das MSD Veterinary Manual mit sechs bis acht Wochen.
- Kontakttiere mitbehandeln: bei den ansteckenden Arten. Für Ohrmilben ist die CAPC-Leitlinie eindeutig: Ist ein Tier im Haushalt befallen, ist es „essenziell“, alle Hunde und Katzen des Haushalts zu behandeln; das MSD Veterinary Manual sagt dasselbe für die Kontakttiere bei Ohrmilben und bei Cheyletiellen. Der Grund ist die stille Trägerin: Eine Katze kann laut CAPC Tausende Ohrmilben im Ohr haben und kaum ein Zeichen zeigen, und für Demodex gatoi gibt VCA denselben Hinweis. Nicht mitbehandelt werden muss der Haushalt bei Demodex cati (nicht übertragbar) und bei Herbstgrasmilben (nicht ansteckend).
- Umgebung: je nach Milbenart. Bei Cheyletiellen gehört sie dazu: Die Weibchen überleben bis zu zehn Tage in Decken und Teppichen, und das MSD Veterinary Manual nennt die Behandlung des Haushalts hier nötig. Bei Ohrmilben ist sie zweitrangig: Der Lebenszyklus läuft komplett auf dem Tier ab, und die CAPC-Leitlinie hält das Überleben in der Umgebung für keinen wesentlichen Faktor der Übertragung. Decken, Kratzbäume und Schlafplätze zu reinigen und, wo möglich, heiß zu waschen, schadet trotzdem nie. Greif dafür aber nicht zu Insekten- oder Umgebungssprays aus dem Handel: Die Verbraucherzentrale NRW hält fest, dass die meisten Insektizidsprays Pyrethroide enthalten, genau die Wirkstoffgruppe aus dem Warnkasten unten, und rät Verbraucher:innen „unbedingt davon ab“, sie selbst zuhause anzuwenden; die Stoffe sind im Innenraum sehr lange stabil und schlecht wasserlöslich, also auch nicht leicht wieder zu entfernen. In Deutschland dürfen Insektizidsprays seit Januar 2025 nicht mehr zur Selbstbedienung angeboten werden, vor dem Kauf muss eine fachkundige Person beraten. Für eine Katze kann schon der Kontakt mit einer behandelten Fläche lebensgefährlich sein. Welches Umgebungsmittel (wenn überhaupt) infrage kommt, klärst du mit der Tierarztpraxis.
⚠️ Niemals Hundepräparate an Katzen
Verwende niemals ein Zecken-, Floh- oder Milbenmittel für Hunde bei deiner Katze. Viele Hunde-Spot-ons enthalten Permethrin oder verwandte Pyrethroide. Katzen können diese Wirkstoffe wegen ihres besonderen Leberstoffwechsels nicht schnell genug abbauen und reagieren extrem empfindlich darauf. Schon eine kleine Menge kann lebensbedrohliche Symptome auslösen: starkes Speicheln, Zittern, Muskelzuckungen und Krampfanfälle. Eine Pyrethroid-Vergiftung kann für Katzen tödlich enden, wenn sie nicht sofort behandelt wird. Ein Gegenmittel gibt es nicht.
Der zweite Weg führt über den frisch behandelten Hund selbst: Dafür muss die Katze das Mittel nie berührt haben. Schon wenn sich die Katze am Hund reibt oder auch nur auf demselben Möbelstück sitzt, kann Permethrin laut International Cat Care auf ihr Fell übergehen und eine Vergiftung auslösen. Die Verbraucherzentrale NRW nennt dasselbe ausdrücklich für Spot-ons und Halsbänder, die ein Hund im gleichen Haushalt trägt.
International Cat Care setzt dagegen zwei Ratschläge in eine klare Reihenfolge, und der erste ist der wichtigere: Lebt eine Katze im Haushalt, wähl für den Hund von vornherein ein Floh- und Zeckenmittel ohne Permethrin. Das Trennen ist nur der Notnagel. Erst wenn es doch ein permethrinhaltiges Mittel wird, gilt die Frist von 72 Stunden. Die beiden Quellen setzen sie unterschiedlich an: International Cat Care nennt 72 Stunden, VCA 12 bis 24 Stunden, „damit das Mittel gründlich trocknen kann“. Nimm die längere Frist. Zeigt deine Katze nach Kontakt Symptome, ist das ein Notfall.
Ansteckung: Tier zu Tier und Mensch?
Zwischen Tieren: Ohrmilben, Notoedres-Räude, Demodex gatoi und Cheyletiellen wandern beim direkten Kontakt weiter. Nicht übertragen werden Demodex cati (nicht ansteckend zwischen Katzen) und Herbstgrasmilben, die das MSD Veterinary Manual ausdrücklich als nicht ansteckend führt. Deren Larven kommen von draußen. Demodexmilben wechseln außerdem nicht zwischen Hund und Katze: Jede Art lebt nur auf einer Wirtsart.
Auf Menschen: Ruhig bleiben, aber ernst nehmen und die Arten auseinanderhalten, denn die Antwort ist für jede eine andere.
- Cheyletiellen: befallen auch Menschen häufig und können juckende Hautreizungen auslösen. Das ist die Art, bei der ein Juckreiz im Haushalt am ehesten dazugehört.
- Räudemilben: Notoedres cati kann gelegentlich auf andere Tiere und auf Menschen übergehen; die Hundekrätze Sarcoptes scabiei ebenfalls, wenn ein Hund im Haushalt sie hat.
- Ohrmilben: lösen bei empfindlichen Personen selten einen vorübergehenden, juckenden Ausschlag aus. VCA und CAPC nennen das beide ein seltenes Ereignis.
- Herbstgrasmilben: befallen auch Menschen, aber nicht über die Katze: Mensch und Tier holen sich die Larven unabhängig voneinander draußen.
- Demodexmilben: gehen laut VCA gar nicht auf Menschen über.
Entscheidend ist, das Tier konsequent behandeln zu lassen. Tritt bei dir gleichzeitig Juckreiz auf, sprich das in der Hausarztpraxis an.
Vorbeugen: was du tun kannst
- Ohren regelmäßig kontrollieren, besonders bei Freigängern
- Neue Katzen und Kitten vor dem Kontakt mit anderen Tieren tierärztlich durchchecken lassen
- Parasitenschutz mit dem Tierarzt abstimmen: nur Präparate, die ausdrücklich für Katzen zugelassen sind
- Lebt auch ein Hund im Haushalt: für ihn ein Floh- und Zeckenmittel ohne Permethrin wählen
- Neue Schuppen, kahle Stellen oder plötzlichen Fellverlust abklären lassen
Wann du mit deiner Katze zum Tierarzt solltest
- Ständiges Kopfschütteln, angelegte Ohren, Kratzen am Ohr
- Dunkler, krümeliger oder übelriechender Belag im Gehörgang
- Krusten und kahle Stellen an Ohrrändern, Kopf oder Hals
- Auffällige Schuppen auf dem Rücken, teils sichtbar beweglich
- Starker Juckreiz, wunde oder blutige Kratzstellen
- Orange-rote Pünktchen an Pfoten, Ohren oder Bauch im Sommer und Herbst
- Juckreiz oder Hautausschlag bei Menschen im Haushalt
- Sofort: Speicheln, Zittern oder Krämpfe nach Kontakt mit einem Hunde-Spot-on
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Ohrmilben bei meiner Katze?
Typisch sind ständiges Kopfschütteln, angelegte und entzündete Ohren, unablässiges Kratzen sowie ein dunkler, krümeliger und oft übelriechender Belag im Gehörgang, der an feuchten Kaffeesatz erinnert. Rund um die Ohren entstehen durch das Kratzen oft kahle Stellen.
Sind Milben von der Katze auf den Menschen übertragbar?
Das hängt von der Art ab. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Cheyletiellen befallen auch Menschen häufig, Notoedres cati kann gelegentlich übergehen, und Ohrmilben lösen selten einen vorübergehenden juckenden Ausschlag aus. Demodexmilben gehen laut VCA gar nicht auf Menschen über, und Herbstgrasmilbenlarven holt man sich draußen, nicht von der Katze. Am wichtigsten ist, die Katze konsequent tierärztlich behandeln zu lassen.
Kann ich Milben bei der Katze selbst behandeln?
Nein. Welche Milbenart vorliegt, klärt sich nur mit Otoskop, Ohrabstrich oder Hautgeschabsel unter dem Mikroskop, und davon hängt die Behandlung ab. Mittel nur nach Absprache mit dem Tierarzt. Auf keinen Fall darfst du Zecken- oder Flohpräparate für Hunde bei deiner Katze anwenden. Permethrin kann für Katzen tödlich sein, und hoch konzentrierte synthetische Pyrethroide, die nur für Hunde zugelassen sind, gelten laut ESCCAP-Leitlinie GL3 ebenso als giftig für Katzen. (Umgekehrt ist nicht jedes Pyrethroid gefährlich. Einige sind ausdrücklich für Katzen zugelassen. Entscheidend ist die Zulassung des konkreten Präparats, nicht die Stoffklasse.) Lebt auch ein Hund im Haushalt, wähl für ihn ein Mittel ohne Permethrin; sonst gehören Hund und Katze nach der Anwendung 72 Stunden getrennt.
Wie lange dauert die Behandlung von Milben bei der Katze?
Das hängt von der Milbenart ab. Meist sind es mehrere Wochen: Eine Ohrmilbe braucht rund drei Wochen von der Eiablage bis zur erwachsenen Milbe (die CAPC-Leitlinie nennt 18 bis 28 Tage für einen vollen Zyklus), erwachsene Milben leben etwa zwei Monate, und kein Medikament dringt laut VCA in die Eier oder Puppen ein. Wird zu früh abgebrochen, schlüpft die nächste Generation. Eine feste Gesamtdauer für Ohrmilben nennen die hier zitierten Quellen nicht, sie legt die Praxis fest; für Cheyletiellen rechnet das MSD Veterinary Manual mit sechs bis acht Wochen.
Fazit: Milben bei der Katze sicher in den Griff bekommen
- Ohrmilben sind die häufigste Milbenart. Kopfschütteln und dunkler Ohrbelag sind die Leitsymptome
- Die Notoedres-Räude ist in unseren Breiten selten, aber hoch ansteckend: Krusten an Ohren, Kopf und Hals, starker Juckreiz
- Die Art bestimmt Behandlung und Ansteckungsrisiko. Deshalb gehört die Diagnose in die Tierarztpraxis
- Behandle lange genug: Kein Medikament tötet die Eier, und die nächste Generation ist nach etwa drei Wochen erwachsen
- Kontakttiere gehören bei den ansteckenden Arten mitbehandelt, nicht aber bei Demodex cati und Herbstgrasmilben
- Niemals Hundepräparate an Katzen: Permethrin kann tödlich sein. Im Haushalt mit Katze für den Hund ein Mittel ohne Permethrin wählen
Quellen
- Mite Infestation (Mange, Acariasis, Scabies) of Cats · MSD Veterinary Manual
- Mange in Dogs and Cats · MSD Veterinary Manual
- Feline Demodex · VCA Animal Hospitals
- Ear Mites in Cats and Dogs · VCA Animal Hospitals
- Ear Mites: Tiny Critters that can Pose a Major Threat · Cornell Feline Health Center
- Pyrethrin/Pyrethroid Poisoning in Cats · VCA Animal Hospitals
- Otodectic Mite (Otodectes cynotis) · Companion Animal Parasite Council (CAPC)
- Katze tot durch Insektenspray: Worauf sollte man achten? · Verbraucherzentrale NRW
- Permethrin Poisoning · International Cat Care
- GL3: Control of Ectoparasites in Dogs and Cats (7th Edition, January 2022) · ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites)
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