Welches Futter für meinen Hund? Alle Futterarten im Überblick
HundFutter

Welches Futter für meinen Hund? Alle Futterarten im Überblick

Niklas Kellerwessel
Niklas Kellerwessel
14. Oktober 20268 Min. Lesezeit
So entstehen unsere Inhalte

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Trockenfutter, Nassfutter, Fertig-BARF, selbst gekocht oder BARF: Jedes Futter muss vollständig und sicher sein. Zwei Fragen ordnen alle Futterarten. Wer sorgt dafür, dass im Napf nichts fehlt, der Hersteller oder du? Und kommt das Futter roh oder erhitzt hinein?

Das Wichtigste in Kürze

  • Jedes Futter muss vollständig und sicher sein, ob fertig, roh oder selbst gekocht
  • „Alleinfuttermittel“ auf dem Etikett verspricht: Das Futter reicht als tägliche Ration. Ein Ergänzungsfuttermittel reicht nur zusammen mit anderem Futter
  • Selbst gemischtes Futter braucht eine berechnete Ration: Keines von 75 nachgekochten Internet-Rezepten deckte in einer Studie alle untersuchten Nährstoffe
  • Rohes Futter kann Keime enthalten, auch gefroren oder gefriergetrocknet. Der Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA rät von Rohfütterung ab
  • Getreidefrei, vegetarisch, vegan und Insekten sind Rezepturen, keine eigene Art der Fütterung

Trockenfutter, Nassfutter, BARF oder selbst gekocht: Welches Futter zu deinem Hund passt, entscheidet weniger die Form als zwei Eigenschaften. Der Weltverband der Kleintiermedizin WSAVA nennt sie für jede Fütterung, ob fertig, roh oder selbst zubereitet: Das Futter muss vollständig und sicher sein. Wer dafür sorgt, unterscheidet die Futterarten. Zwei Fragen genügen, um sie alle zu ordnen.

Zwei Fragen ordnen jede Futterart

Die erste Frage: Wer sorgt dafür, dass im Napf nichts fehlt, der Hersteller oder du? Die zweite: Kommt das Futter roh oder erhitzt hinein?

Der Hersteller sorgt für VollständigkeitDu sorgst für Vollständigkeit
ErhitztTrockenfutter, Nassfutter, Halbfeuchtes, gegartes FrischfutterSelbst gekocht
RohFertig-BARF als Menü, gefriergetrocknetes RohfutterBARF selbst gemischt, Prey Model

In der rechten Spalte trägst du die Verantwortung für die Nährstoffe, in der unteren Zeile die für die Hygiene. Getreidefrei, vegetarisch, vegan und Insekten stehen in keinem Feld, weil es sie in mehreren gibt. Welche Felder für euch in Frage kommen, zeigt der Wegweiser im Fütterungs-Center.

Fertigfutter: Das Etikett sagt, ob es allein reicht

Ob ein Fertigfutter deinen Hund allein versorgen soll, steht auf dem Etikett. Das EU-Futtermittelrecht unterscheidet dabei Allein- und Ergänzungsfuttermittel, und der Etikett-Kodex des europäischen Industrieverbands FEDIAF gibt die beiden so wieder:

  • Alleinfuttermittel reicht wegen seiner Zusammensetzung für eine tägliche Ration.
  • Ergänzungsfuttermittel reicht nur zusammen mit anderem Futter für eine tägliche Ration.

Eine Garantie ist das Wort nicht. Für test 6/2019 untersuchte Stiftung Warentest 31 Feuchtfutter, darunter fünf tiefgekühlte Barf-Menüs. Alle bezeichneten sich als Alleinfuttermittel. Neun waren mangelhaft, vor allem weil Mineralstoffe und Vitamine fehlten.

Erhitzt vom Hersteller

  • Trockenfutter: Rund 95 Prozent der Trockenfutter werden extrudiert, also gegart und durch eine Düse gepresst. Sie enthalten etwa 10 Prozent Wasser (MSD Veterinary Manual). Dass Trockenfutter die Zähne reinigt, ließ sich in einer Studie an 1.350 Hunden kaum zeigen: Zwischen Hunden mit reinem Trockenfutter und anders gefütterten Hunden fanden sich wenige erkennbare Unterschiede (Harvey et al. 1996). Bestimmte, eigens dafür entwickelte Trockenfutter können laut MSD Veterinary Manual aber helfen, Parodontalerkrankungen zu verringern. Im Test der Stiftung Warentest vom Juli 2025 war von 24 Trockenfuttern rund jedes dritte empfehlenswert, bei einigen kostete die Tagesration 25 Cent.
  • Nassfutter besteht zu 68 bis 78 Prozent aus Wasser. Die Dose wird nach dem Befüllen verschlossen und unter Druck erhitzt, das sterilisiert den Inhalt (MSD).
  • Halbfeuchtes Futter enthält laut MSD 25 bis 40 Prozent Wasser. Es hält ohne Kühlschrank, weil Zucker, Sorbit und Salze das Wasser binden.
  • Gegartes Frischfutter: „Frisch“ darf laut FEDIAF-Kodex nur eine Zutat heißen, die vor der Herstellung nur gekühlt und weder gekocht noch getrocknet noch gefroren wurde. Das Wort beschreibt also die Zutaten, nicht das gegarte Menü. Ob das Menü allein reicht, verrät auch hier das Wort „Alleinfuttermittel“.

Roh vom Hersteller: Fertig-BARF und gefriergetrocknet

Rohes Fertigfutter nimmt dir die Rechnung ab, die Hygiene nicht. Weder Einfrieren noch Gefriertrocknen tötet alle Erreger in diesen Produkten ab (MSD). In einer Studie mit 44 in Deutschland gekauften Rohfutterprodukten zeigte jedes der 31 als Alleinfutter verkauften Produkte bei den Nährstoffen mindestens eine Auffälligkeit. Von zehn auf Salmonellen untersuchten Produkten enthielten zwei Salmonellen (Vecchiato et al. 2022). Allein füttern solltest du nur ein Menü, auf dessen Etikett „Alleinfuttermittel“ steht, eine Garantie ist aber auch das nicht.

Selbst gemischt: Du rechnest die Ration

Selbst gekocht

Mit richtig zusammengestelltem Selbstgekochtem können Hunde gut versorgt sein. Das MSD Veterinary Manual rät dafür zu einem Rezept von einer Fachtierärztin oder einem Fachtierarzt für Ernährung, nicht aus dem Internet oder einem Buch. Warum, zeigt eine Studie aus Brasilien: Keines von 75 nachgekochten Internet-Rezepten deckte alle untersuchten Nährstoffe (Pedrinelli et al. 2019).

Der zweite Haken ist die Treue zum Rezept. Halter, die sich bei einer tierärztlichen Ernährungsberatung ein Rezept hatten berechnen lassen, wurden später befragt. Von 30 mit vollständigem Fütterungsprotokoll hielten sich nur vier genau daran (Johnson et al. 2016).

BARF selbst gemischt und Prey Model

BARF und Prey Model sind selbst zusammengestellte Rohfütterung. In Ratgebern zur Rohfütterung heißt es, beim BARF gehörten Obst, Gemüse und Zusätze dazu, beim Prey Model nicht: Dort bekommt der Hund ganze Beutetiere oder eine Ration, die deren Zusammensetzung nachbaut. Für beide gilt, was für Selbstgekochtes gilt. Ohne berechnete Ration fehlt leicht etwas: Von 95 BARF-Rationen erwachsener Hunde in Deutschland waren 60 Prozent bei Mineralstoffen, Spurenelementen oder Vitaminen unausgewogen (Dillitzer et al. 2011).

Besonders heikel ist das bei Welpen großer Rassen. Sie brauchen viel Calcium, und bekommen sie nur rohes Fleisch ohne Knochen und ohne Zusätze, sind sie für eine Störung des Knochenstoffwechsels besonders anfällig (Nowak et al. 2024). Mehr dazu unter Welpengelenke schonen.

Dazu kommt die Hygiene. Die WSAVA rät davon ab, Hunde roh zu füttern. Anstecken können sich auch Menschen im Haushalt, die den Hund gar nicht füttern, besonders kleine Kinder, Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen (WSAVA).

Quer dazu: Rezepturen und Mischformen

Getreidefrei

„Frei von“ heißt laut FEDIAF-Kodex: nicht einmal Spuren. Gegen eine Futtermittelallergie hilft getreidefreies Futter nur, wenn Getreide der Auslöser ist. In Studien mit zusammen 297 futtermittelallergischen Hunden war Rind am häufigsten beteiligt (34 Prozent), Weizen bei 13 Prozent (Mueller et al. 2016; Royal Canin bezahlte die Veröffentlichung).

Im Juli 2018 gab die US-Behörde FDA bekannt, dass sie Meldungen über eine Herzmuskelerkrankung (DCM) bei Hunden untersucht. Viele von ihnen fraßen getreidefreies Futter mit viel Erbsen, Linsen oder Kartoffeln. Einen ursächlichen Zusammenhang belegen solche Meldungen allein nicht, schreibt die FDA. Neue Berichte will sie erst veröffentlichen, wenn es neue Erkenntnisse gibt (Stand Dezember 2022).

Vegetarisch und vegan

Das Tierschutzgesetz verlangt in § 2, einen Hund „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen“ zu ernähren. Welche Zutaten dafür nötig sind, sagt es nicht. In den bisherigen Tests der Stiftung Warentest waren vegetarische Hundefutter mangelhaft, ihnen fehlten wichtige Nährstoffe.

Insekten

Stiftung Warentest testete 2023 zehn Hundefutter, deren einzige tierische Proteinquelle die Larven der Schwarzen Soldatenfliege waren. Sechs hatten einen sehr guten Nährstoffmix. Die Tagesration für einen Durchschnittshund kostete 1,15 bis 11,20 Euro. Ein Freifahrtschein für Allergiker sind Insekten nicht: Eine Laborstudie deutet darauf hin, dass Hunde mit Milbenallergie auch auf Eiweiß aus Mehlwürmern reagieren können (Premrov Bajuk et al. 2021).

Mischfütterung

Gemischt wird oft. In einer Befragung zu 865 Hunden aus den Jahren 2006 und 2007 kombinierten 34,6 Prozent der Halter Fertigfutter mit Selbstzubereitetem (Dissertation Becker, LMU München). Zwei Alleinfuttermittel kannst du mischen, wenn du die Menge auf beide aufteilst. Was du an Ergänzungsfutter, Selbstgemachtem oder Leckerli dazugibst, verschiebt dagegen die Bilanz. Leckerli sind dabei kein Randthema: Mit 768 Millionen Euro setzte der klassische Handel 2025 mehr mit Hundesnacks um als mit Nassfutter (582 Millionen) oder Trockenfutter (403 Millionen), meldet der Industrieverband IVH. Wie viel davon in den Tag passt, steht unter Leckerli und Kalorien.

Diätfutter

Bei einer Erkrankung ist das Futter Teil der Behandlung. In einer Studie mit 38 nierenkranken Hunden hatten die Hunde mit Nierendiät seltener Urämie-Krisen und starben seltener als mit normalem Erhaltungsfutter, jedenfalls bei leichter und mittelschwerer Erkrankung (Jacob et al. 2002). Welches Diätfutter dein Hund braucht, entscheidet deine Tierarztpraxis.

Was in Deutschland üblich ist

Eine große Befragung der Tierärztlichen Hochschule Hannover lief 2023 über deren Social-Media-Kanäle. Die Teilnahme war freiwillig. Die Studie nennt sich selbst eine Gelegenheitsstichprobe, deren Ergebnisse sich nur eingeschränkt verallgemeinern lassen. Von 8.320 Hundehaltern fütterten 53 Prozent täglich Trockenfutter mit Fleisch und 34 Prozent täglich Nassfutter mit Fleisch (Godglück et al. 2026).

Ältere Zahlen stammen aus der Befragung für eine Münchner Dissertation, 2006 und 2007 in 15 Bundesländern: 57,9 Prozent der Hunde bekamen nur Fertigfutter, 7,5 Prozent nur Selbstzubereitetes. Von denen, die nur selbst zubereiteten, fütterte annähernd ein Fünftel roh (Becker 2009). Dass Nassfutter im klassischen Handel laut Industrieverband IVH mehr Umsatz macht als Trockenfutter, sagt wenig über die Menge: Trockenfutter ist laut Stiftung Warentest oft erheblich preiswerter.

Häufige Fragen

Welches Hundefutter ist das beste?

Die WSAVA nennt für jedes Futter dieselben zwei Bedingungen: vollständig und sicher. Bei Fertigfutter verspricht das Wort „Alleinfuttermittel“ die Vollständigkeit, bei Selbstgemischtem eine berechnete Ration. Roh ist die Sicherheit schwerer zu halten als erhitzt.

Ist Trockenfutter schlecht für Hunde?

Als Alleinfuttermittel soll es eine vollständige Ration sein. Im Test der Stiftung Warentest 2025 war von 24 Trockenfuttern rund jedes dritte empfehlenswert. Die Zähne putzt es allerdings kaum: In einer Studie an 1.350 Hunden fanden sich zwischen Hunden mit reinem Trockenfutter und anders gefütterten Hunden wenige erkennbare Unterschiede. Nur bestimmte, eigens dafür entwickelte Trockenfutter können laut MSD Veterinary Manual helfen, Parodontalerkrankungen zu verringern.

Ist BARF gesünder als Fertigfutter?

Dafür gibt es laut WSAVA keinen Beleg. Belegt sind dagegen die Risiken: 60 Prozent von 95 untersuchten BARF-Rationen waren unausgewogen (Dillitzer et al. 2011), und rohes Futter kann Salmonellen enthalten. Die WSAVA rät deshalb von Rohfütterung ab.

Darf ich Trocken- und Nassfutter mischen?

Ja. Sind beide Alleinfuttermittel, ist auch die Mischung vollständig, solange du die Tagesmenge auf beide aufteilst. Wie viel insgesamt, hängt von deinem Hund ab: siehe Wie viel Futter braucht mein Hund?

Was ist der Unterschied zwischen Alleinfutter und Ergänzungsfutter?

Ein Alleinfuttermittel reicht wegen seiner Zusammensetzung für eine tägliche Ration. Ein Ergänzungsfuttermittel reicht nur zusammen mit anderem Futter, so steht es im EU-Futtermittelrecht und im Etikett-Kodex der FEDIAF.

Fazit

  • Jedes Futter muss vollständig und sicher sein. Die Form allein entscheidet das nicht.
  • Fertigfutter allein nur als „Alleinfuttermittel“, und auch dann ist das Wort ein Versprechen, keine Garantie.
  • Selbst gekocht oder BARF nur mit berechneter Ration.
  • Rohes Futter kann Keime enthalten, auch gefroren und gefriergetrocknet. Leben bei euch Menschen, die sich leichter anstecken, ist das ein Grund mehr gegen roh.
  • Getreidefrei, vegan und Insekten sind Rezepturen. Sie ersetzen weder die berechnete Ration noch die Abklärung in der Praxis.

Quellen

Finde den richtigen Tierarzt

Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.

Tierarzt finden

Alles für dein Tier - in einer App

Termine, Impfpass, Erinnerungen und alle deine Tiere in einem Profil - verbunden mit deiner Tierarztpraxis. Kostenlos für iOS und Android.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play
So funktioniert die App

Ähnliche Artikel