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FIP bei Katzen - wann muss man sich Sorgen machen?
FIPKatze

FIP bei Katzen - wann muss man sich Sorgen machen?

Dr. Elisabeth Kellerwessel

Dr. Elisabeth Kellerwessel

28. Juli 20257 Min. Lesezeit

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.

Feline infektiöse Peritonitis (FIP bei Katzen) ist eine seltene, aber schwere Erkrankung, die für Tierhalter:innen äußerst beunruhigend sein kann – besonders weil die Symptome oft unklar beginnen und sich schnell verschlechtern können. Wenn deine Katze apathisch wird, Fieber hat oder der Bauch anschwillt, ist schnelle Orientierung enorm wichtig. Dieser Artikel richtet sich an Katzenhalter:innen, die sich über FIP informieren möchten: Wann sprechen Symptome wirklich für FIP? Welche Warnzeichen sollten dich zum Handeln bewegen? Was kannst du vorbeugend tun oder tunlichst vermeiden?

Das Wichtigste in Kürze

  • FIP bei Katzen ist eine ernste Viruskrankheit, die vor allem junge oder geschwächte Tiere betrifft.
  • Erste Symptome wie Fieber, Appetitlosigkeit und Apathie sind unspezifisch und schwer erkennbar.
  • Eine sichere Diagnose gelingt nur durch spezialisierte Labortests.
  • Mittlerweile gibt es erfolgversprechende Behandlungen – bei Verdacht sollte schnell ein Tierarzt kontaktiert werden.

Was ist FIP – und warum ist diese Krankheit so gefürchtet?

FIP steht für Feline Infektiöse Peritonitis – eine schwere Erkrankung, die durch eine Mutation des weit verbreiteten, eigentlich harmlosen felinen Coronavirus (FCoV) entsteht. Viele Katzen tragen dieses Virus in sich, ohne je krank zu werden.

Doch bei etwa 10 % der infizierten Katzen mutiert das Virus zu einer gefährlichen Form, die sich über bestimmte Immunzellen im Körper verteilt. Die Folge: starke Entzündungen, oft in Bauch, Brust, Augen oder sogar im Gehirn.

Es gibt zwei Hauptformen von FIP:

  • Feuchte (effusive) FIP: Flüssigkeit sammelt sich im Bauch oder Brustkorb – häufig sichtbar als „dicker Bauch“ oder Atemnot.
  • Trockene (nicht-effusive) FIP: Entzündungsherde entstehen in Organen wie Augen, Gehirn, Leber oder Nieren – meist ohne Flüssigkeit.

Ist FIP ansteckend?

Ja – aber nur das ursprüngliche feline Coronavirus (FCoV), nicht die FIP selbst.
FCoV wird über Kot oder Speichel übertragen und ist bei vielen Katzen verbreitet – oft völlig unbemerkt. Die gefährliche FIP-Form entsteht nur bei einem kleinen Teil der infizierten Katzen durch eine Mutation im Körper. Das heißt: Eine Infektion mit FCoV bedeutet nicht automatisch, dass die Katze auch an FIP erkrankt.

Hat meine Katze FIP? – Symptome & Risikofaktoren im Überblick

Das Heimtückische an FIP: Die ersten Symptome sind unspezifisch. Viele Halter*innen merken nur, dass „etwas nicht stimmt“.

Frühe Anzeichen:

  • Fieber, oftmals keine Ansprache auf Antibiotika
  • Teilnahmslosigkeit, Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Glanzloses, struppiges Fell

Trockene FIP:

  • Augenveränderungen (Eintrübung, Farbveränderung, Blut im Auge)
  • Neurologische Symptome wie Wackelgang, Krampfanfälle, Kopfschiefhaltung
  • Gelbfärbung der Schleimhäute (Leberbeteiligung)
  • Vermehrter Durst, Gewichtsverlust, Durchfall oder Erbrechen (Organbeteiligung)

Feuchte FIP:

  • Plötzlich aufgeblähter Bauch (Flüssigkeit im Bauchraum)
  • Atemnot, beschleunigte Atmung (Flüssigkeit im Brustkorb)
  • Weiterhin Fieber und Apathie
  • Appetitlosigkeit

Wie schnell entwickelt sich FIP?

Das ist unterschiedlich. Gerade bei jungen Katzen kann es schnell gehen – innerhalb weniger Tage bis Wochen. Die trockene Form verläuft oft schleichender über Monate.

Risikofaktoren für FIP:

  • Junges Alter: (unter 1,5 Jahre), besonders gefährdet sind Kitten von 4–12 Monaten
  • Herkunft: Katzen aus Tierheimen, Zuchten oder Mehrkatzenhaushalten
  • Stress: Umzug, Kastration, Impfung oder andere Erkrankungen
  • Rasse: Reinerbige Katzen (z. B. Ragdoll, Bengal, Birma) sind häufiger betroffen

Verdacht auf FIP – was jetzt?

Wenn du Symptome bei deiner Katze beobachtest – besonders in Kombination mit den genannten Risikofaktoren – ist schnelles Handeln wichtig.

Dein 3-Schritte-Plan:

  1. Symptome aufschreiben – Was fällt dir auf? Seit wann?
  2. Tierärztliche Einschätzung einholen – möglichst zeitnah
  3. Zweitmeinung nutzen, wenn du unsicher bist oder eine konkrete FIP-Diagnose im Raum steht

Wie wird FIP diagnostiziert – und warum ist es so kompliziert?

Die Diagnose ist herausfordernd, weil es keinen einzelnen Test gibt, der FIP eindeutig bestätigt oder ausschließt. Am zuverlässigsten ist ein positiver PCR-Test auf mutiertes FIP-Virus – allerdings nur mit geeignetem Probenmaterial (z. B. Flüssigkeit aus Bauchraum, Serum).

  • Positiver PCR-Test: sehr starker Hinweis
  • Negativer PCR-Test: schließt FIP nicht sicher aus – vor allem bei ungeeigneter Probe (z. B. Blut, Kot)

Feuchte FIP: leichter zu diagnostizieren, da Flüssigkeit für Tests gewonnen werden kann
Trockene FIP: schwieriger, da oft keine Flüssigkeit vorhanden ist

Diagnose basiert meist auf Kombination:

  • Klinische Symptome
  • Blutwerte (z. B. hohe Globuline, niedriger A/G-Quotient, Anämie)
  • Bildgebung (Ultraschall, Röntgen)
  • Rivalta-Test (bei Flüssigkeit)
  • PCR-Test (idealerweise Punktat oder Serum)
  • Ausschluss anderer Erkrankungen (z. B. Lymphom)

Lohnt sich eine Zweitmeinung?

Ja – besonders bei trockener FIP oder unklaren Fällen. Ein erfahrener Tierarzt kann helfen, die Situation besser einzuschätzen.

Kann FIP behandelt werden – und wie komme ich an das Medikament?

Ja! Mit GS-441524 gibt es heute ein antivirales Medikament, das viele Katzen heilt. Es verhindert die Virusvermehrung und ist eng verwandt mit Remdesivir.

Behandlung im Überblick:

  • Dauer: ca. 12 Wochen (84 Tage)
  • Form: meist Tabletten, manchmal Injektionen
  • Dosierung: abhängig von Gewicht & betroffenen Organen
  • Kontrollen: regelmäßige Blutwerte
  • Kosten: mehrere hundert bis mehrere tausend Euro

Warum ist GS-441524 nicht zugelassen?
Die Zulassung als Tierarzneimittel in der EU ist noch nicht abgeschlossen. Tierärzte dürfen das Medikament nicht selbst bestellen, abgeben oder spritzen.

Was heißt das für dich als Katzenhalter*in?

Viele Tierärzt*innen begleiten die Therapie off-label, wenn du das Medikament selbst beschaffst (z. B. über Communitys oder Quellen im Ausland). Sprich offen mit deinem Tierarzt oder deiner Tierärztin.

Was kann man tun, wenn GS (noch) nicht möglich ist?

Nur palliative Versorgung – um das Leiden zu lindern:

  • Flüssigkeitszufuhr
  • Appetitanreger, hochkalorisches Futter
  • Schmerz- und Entzündungshemmer
  • Entlastung bei Flüssigkeitsansammlung im Bauch-/Brustraum

Wichtig: Diese Maßnahmen lindern nur Symptome – nicht die Krankheit selbst. Ohne antivirale Therapie ist die Prognose sehr schlecht.

Wie gut sind die Heilungschancen?

Mit GS-441524 liegen die Erfolgsaussichten bei ca. 80–90 % – ein medizinischer Durchbruch.

  • Wet FIP: Besserung oft nach wenigen Tagen
  • Dry FIP: Verlauf langsamer, aber ebenfalls heilbar

Fazit: FIP ist behandelbar – je früher du handelst, desto besser

FIP ist ernst, aber kein Todesurteil mehr.
Wenn du Symptome bemerkst, hol dir Hilfe – frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose erheblich.

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