
Gibt es einen Allergietest für Hund und Katze? Was die Tests wirklich zeigen

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen Ihres Haustieres wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach heutigem Wissensstand zeigt kein Test allein, ob dein Hund oder deine Katze allergisch ist, weder ein Test zum Bestellen noch der Bluttest in der Praxis
- Viele gesunde Tiere haben Antikörper gegen Milben oder Pollen. Ein positives Ergebnis heißt nur, dass der Körper den Stoff kennt
- Für Haar- und Speicheltests gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, dass sie eine Allergie erkennen. In einer Studie bekamen auch Kunstfell und Kochsalzlösung positive Ergebnisse
- Der Blut- oder Hauttest in der Praxis kommt erst nach der Diagnose: Er hilft, eine Immuntherapie zusammenzustellen oder Auslöser zu meiden
- Eine Futterallergie zeigt nach heutigem Wissen nur eine Ausschlussdiät von mindestens acht Wochen mit anschließendem Wiederfüttern
Einen Test, der allein zeigt, ob dein Hund oder deine Katze eine Allergie hat, gibt es nach heutigem Wissensstand nicht, weder zum Bestellen noch in der Tierarztpraxis. Ob eine Allergie hinter dem Juckreiz steckt, findet deine Praxis Schritt für Schritt heraus: durch die Untersuchung, den Ausschluss anderer Ursachen und, wenn Futter in Frage kommt, eine Ausschlussdiät.
Warum ein Test das nicht kann
Allergietests messen Antikörper (IgE) gegen Pollen, Milben, Schimmelpilze oder Futterbestandteile. Solche Antikörper haben aber auch viele gesunde Tiere. In einer Untersuchung von 2026 hatten alle 22 gesunden Hunde einer Forschungseinrichtung Antikörper gegen Hausstaubmilben im Blut.
Ein positives Ergebnis heißt deshalb nur: Der Körper kennt diesen Stoff. Das MSD Veterinary Manual schreibt, ein Allergietest sei allein keine Diagnose, sondern spiegle den Kontakt mit dem Stoff wider. Die Leitlinie des amerikanischen Tierklinikverbands AAHA sagt für Hunde, Haut- und Bluttests würden nicht verwendet, um eine Umweltallergie zu diagnostizieren. Für Katzen hält sie fest, dass es keine genauen Allergietests für das atopische Hautsyndrom gibt und dass Blut- und Hauttests auch bei Tieren ohne Anzeichen einer Allergie positiv ausfallen können.
Haar- und Speicheltests
Für Haar-, Fell- und Speicheltests, etwa nach der Bioresonanz-Methode, gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, dass sie eine Allergie oder Unverträglichkeit erkennen. Die AAHA-Leitlinie nennt Blut-, Speichel- und Haartests bei der Futterallergie des Hundes wertlos, für die Diagnose ebenso wie für die Behandlung.
In zwei Studien haben Forschende je einen solchen Test geprüft. Neben echten Haar- und Speichelproben schickten sie Kunstfell, Wasser oder Kochsalzlösung ein. In der einen Studie kamen alle Proben mit positiven Ergebnissen zurück, auch Kunstfell und Kochsalzlösung. In beiden unterschieden sich die Ergebnisse von allergischen, gesunden und falschen Proben nicht, und doppelt eingeschickte Proben desselben Tiers stimmten kaum überein.
Mehrere Anbieter solcher Tests schreiben selbst dazu, die Methode sei wissenschaftlich nicht anerkannt.
Bluttests zum Selbst-Abnehmen
Es gibt auch Sets, mit denen du zu Hause selbst einen Blutstropfen aus Ohr oder Pfote nimmst und einschickst. Sie sollen Antikörper gegen Allergene (IgE) bestimmen. Selbst wenn die Messung stimmt, zeigt ein solcher Wert nur, dass das Immunsystem auf einen Stoff reagiert, nicht, ob dein Tier eine Allergie hat. Dieselben Antikörper finden sich auch bei vielen gesunden Tieren. Eine veröffentlichte Studie, die solche Sets bei Hund oder Katze prüft, haben wir in der medizinischen Literaturdatenbank PubMed nicht gefunden (Stand Oktober 2026).
Wofür der Allergietest in der Praxis gut ist
Hat deine Praxis eine Umweltallergie festgestellt, also eine atopische Dermatitis beim Hund oder ein atopisches Hautsyndrom bei der Katze, kann ein Blut- oder Hauttest zeigen, gegen welche Pollen, Milben oder Schimmelpilze dein Tier Antikörper hat. Damit wählt sie Allergene für eine Immuntherapie (Hyposensibilisierung) aus oder sagt dir, welchen Auslösern du, wo möglich, aus dem Weg gehen kannst. Für Futter taugt der Bluttest dafür nicht.
Die internationale Leitlinie zur atopischen Dermatitis beim Hund beschreibt genau diese Reihenfolge: Allergietests kommen erst, wenn die Diagnose klinisch gestellt ist, und ihr Hauptzweck ist, Allergene zu finden, die sich meiden oder mit einer Immuntherapie behandeln lassen. Erst die Diagnose, dann der Test.
Futterallergie: Nur die Ausschlussdiät zeigt sie
Ob dein Tier auf Futter allergisch reagiert, zeigt kein Bluttest, auch nicht in der Praxis. Eine systematische Auswertung der Studien zu Blut-, Haut- und anderen Tests kam 2017 zu dem Schluss, dass Bluttests auf Futter-Antikörper bei Hund und Katze nicht zuverlässig sind und das beste Verfahren eine Ausschlussdiät mit anschließender Provokation bleibt. Auch das MSD Veterinary Manual schreibt, Blut- und Hauttests seien für die Diagnose einer Futterallergie nicht zuverlässig.
Nach heutigem Wissen zeigt das nur eine Ausschlussdiät. So läuft sie ab:
- Deine Praxis wählt das Futter aus, meist ein tierärztliches Diätfutter mit einer neuen oder aufgespaltenen (hydrolysierten) Proteinquelle. In Futter aus dem Handel wurden Zutaten gefunden, die nicht auf dem Etikett stehen.
- Mindestens acht Wochen lang bekommt dein Tier nur dieses Futter. Nichts anderes: keine Leckerli, keine Kauartikel, keine Reste vom Tisch und keine Tabletten in einem Leckerli versteckt. Nach acht Wochen sind über 90 Prozent der Hunde und Katzen beschwerdefrei, deren Futterallergie sich an der Haut zeigt.
- Geht es deinem Tier besser, bekommt es sein altes Futter wieder. Kommen die Beschwerden zurück, spricht das für eine Futterallergie. Bei Hunden zeigt sich das meist innerhalb von 14 Tagen, bei Katzen innerhalb von 7 Tagen.
- Welche Zutat es ist, findet deine Praxis heraus, indem dein Tier danach einzelne Zutaten nacheinander wieder bekommt.
Und Unverträglichkeiten?
Eine Futter-Unverträglichkeit entsteht ohne Beteiligung des Immunsystems. Einen geprüften Test dafür gibt es bei Hund und Katze derzeit nicht, auch keinen Speicheltest. Die Leitlinie zur atopischen Dermatitis beim Hund hält fest, dass sich eine Reaktion auf Futter nur mit einer strengen Ausschlussdiät ausschließen lässt, weil es keine genauen Tests dafür gibt.
Warum es mehrere Schritte braucht
Juckreiz hat viele Ursachen, die gleich aussehen: Flöhe und andere Parasiten, Haut-Infektionen mit Bakterien oder Hefepilzen, Futter oder Umweltallergene. Die Leitlinie zur atopischen Dermatitis beim Hund beschreibt deshalb eine feste Reihenfolge. Zuerst werden Flöhe ausgeschlossen, dann andere Parasiten, dann Infektionen, dann eine Futterallergie. Diese Schritte können auf mehrere Termine verteilt sein. Für Katzen nennt die AAHA-Leitlinie die Behandlung gegen Flöhe und Milben ausdrücklich als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Ursache.
Wann du mit deinem Tier in die Praxis solltest
Lass deinen Hund untersuchen, wenn
- er sich häufig kratzt, an den Pfoten leckt oder knabbert oder das Gesicht reibt,
- Wunden, Krusten, kahle oder schuppige Stellen entstehen,
- seine Ohren entzündet sind,
- zum Juckreiz Durchfall, Erbrechen oder häufigerer Kotabsatz kommen.
Lass deine Katze untersuchen, wenn
- sie sich mit den Hinterpfoten an Kopf, Hals oder Ohren kratzt,
- sie sich auffällig viel putzt, leckt oder an Bauch, Rücken, Schwanz oder Beinen knabbert,
- sie kahle Stellen hat, die sie sich selbst geleckt hat. Manche Katzen putzen sich so nur, wenn niemand hinsieht.
Bring zum Termin mit, seit wann es juckt, ob es zu einer Jahreszeit schlimmer wird, welchen Flohschutz dein Tier bekommt und was es frisst, auch Leckerli und Kauartikel.
👉 Wenn dein Tier sich ständig kratzt und du wissen willst, ob eine Allergie dahintersteckt, findest du mit Petla eine Tierarztpraxis in deiner Nähe, die das mit dir Schritt für Schritt abklärt.
Häufige Fragen
Gibt es einen Allergietest für Hunde, den ich zu Hause machen kann?
Es gibt Haar-, Speichel- und Bluttests zum Einschicken. Nach heutigem Wissensstand zeigt keiner davon allein, ob dein Hund allergisch ist: Für Haar- und Speicheltests gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, und ein Bluttest misst Antikörper, die auch viele gesunde Hunde haben.
Ist ein Allergie-Bluttest beim Tierarzt sinnvoll?
Ja, aber erst nachdem die Praxis eine Umweltallergie festgestellt hat. Er zeigt, gegen welche Pollen, Milben oder Schimmelpilze dein Tier Antikörper hat, damit die Praxis Allergene für eine Immuntherapie auswählen oder dir sagen kann, was du meiden kannst. Für eine Futterallergie ist er nicht zuverlässig.
Wie lange dauert eine Ausschlussdiät?
Mindestens acht Wochen. Danach bekommt dein Tier sein altes Futter wieder. Bei Hunden zeigen sich Beschwerden dann meist innerhalb von 14 Tagen, bei Katzen innerhalb von 7 Tagen.
Kann ein Speicheltest eine Futtermittelunverträglichkeit erkennen?
Nein. Für Unverträglichkeiten gibt es bei Hund und Katze derzeit keinen geprüften Test, auch keinen Speicheltest. Ob ein Futter Beschwerden macht, zeigt nur die Ausschlussdiät mit anschließendem Wiederfüttern.
Fazit
- Nach heutigem Wissensstand zeigt kein Test allein, ob dein Tier allergisch ist, auch nicht der Test in der Praxis.
- Für Haar- und Speicheltests gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Bluttests messen nur, worauf das Immunsystem reagiert.
- Der Allergietest in der Praxis hat seinen Platz nach der Diagnose einer Umweltallergie, für eine Immuntherapie oder um Auslöser zu meiden.
- Eine Futterallergie zeigt nur die Ausschlussdiät: mindestens acht Wochen, dann das alte Futter wieder.
- Der Weg zur Diagnose führt über deine Praxis, Schritt für Schritt.
Quellen
- Atopic Dermatitis in Dogs · MSD Veterinary Manual
- Allergies in Dogs · MSD Veterinary Manual
- 2023 AAHA Management of Allergic Skin Diseases in Dogs and Cats Guidelines · AAHA
- Canine atopic dermatitis: detailed guidelines for diagnosis and allergen identification (ICADA 2015) · National Library of Medicine (PMC)
- Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (4): can we diagnose adverse food reactions in dogs and cats with in vivo or in vitro tests? · National Library of Medicine (PMC)
- Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (1): duration of elimination diets · National Library of Medicine (PMC)
- Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (9): time to flare of cutaneous signs after a dietary challenge in dogs and cats with food allergies · National Library of Medicine (PMC)
- Intradermal testing and allergen-specific IgE testing in dogs with eosinophilic bronchopneumopathy and healthy dogs · National Library of Medicine (PMC)
- Hair and saliva analysis fails to accurately identify atopic dogs or differentiate real and fake samples · National Library of Medicine (PubMed)
- Hair and saliva test fails to identify allergies in dogs · National Library of Medicine (PubMed)
Finde den richtigen Tierarzt
Suche nach qualifizierten Tierärzten in deiner Nähe und buche direkt online einen Termin.
Tierarzt findenAlles für dein Tier - in einer App
Termine, Impfpass, Erinnerungen und alle deine Tiere in einem Profil - verbunden mit deiner Tierarztpraxis. Kostenlos für iOS und Android.
So funktioniert die AppÄhnliche Artikel

Mein Hund kratzt sich ständig: Frühlings-Allergie erkennen und was du tun kannst
Der Frühling ist da. Und plötzlich kratzt, schüttelt und leckt dein Hund sich unentwegt? Pollen, Gräser und Schimmelsporen sind jetzt in Hochform, und empfindliche Hunde reagieren darauf oft mit Juckreiz, roten Pfoten und Ohrproblemen. Hier erfährst du, wie du eine saisonale Allergie erkennst, was du sofort zu Hause tun kannst und wann ein Besuch beim Tierarzt wirklich nötig ist.


Hund leckt ständig an den Pfoten: Ursachen, Anzeichen & was du tun kannst
Wenn du dich schon einmal gefragt hast: „Warum leckt mein Hund ständig an seinen Pfoten?“, bist du nicht allein. Gelegentliches Pfotenlecken ist bei Hunden normal, doch wenn es übermäßig oder zwanghaft wird, kann ein gesundheitliches oder seelisches Problem dahinterstecken. In diesem Ratgeber erfährst du die häufigsten Ursachen für das Pfotenlecken, wann es bedenklich wird und wie du deinem Vierbeiner helfen kannst.


Flöhe beim Hund: So erkennst und bekämpfst du den Befall richtig
Juckreiz, Unruhe und kleine schwarze Punkte im Fell: Flöhe sind für viele Hundehalter ein Albtraum. Die Parasiten vermehren sich schnell, sind hartnäckig und können nicht nur deinem Hund, sondern auch deinem Zuhause zusetzen. Dabei ist ein Flohbefall keine Seltenheit, vor allem in den wärmeren Monaten. In diesem Ratgeber erfährst du, woran du erkennst, ob dein Hund Flöhe hat, wie du sie effektiv loswirst und wie du sie langfristig vermeidest.

